Blake Edwards präsentiert den „Rächer von Texas“

Blake Edwards wurde durch zahlreiche Klassiker berühmt, darunter die „Rosaroten Panther“-Filme. Am Beginn seiner Karriere stand „Der Rächer von Texas“. (Foto: Imago)

Anfang der Fünfziger Jahre sah ich in Frankfurt den Western Der Rächer von Texas (Originaltitel: Panhandle). Der ansprechende Film mit dem Hauptdarsteller Rod Cameron reichte nicht an die Klassiker des Genres heran, hatte jedoch einige Qualitäten, die ihn aus der Massenware Hollywoods heraushoben. In Erinnerung sind mir einige geschliffene Dialoge geblieben. 

Die Geschichte erzählt vom früheren Revolverhelden und Marshall John Sands (Rod Cameron), der von Mexiko nach Texas zurückkehrt, um die Mörder seines Bruders zu finden und vor Gericht zu bringen. Im Distrikt Panhandle angekommen, wird er am Tresen eines Saloons von einem der Bandenmitglieder provoziert und zum Revolverkampf aufgefordert. Wird er sich darauf einlassen?

John Sands, selbst mit dem Gesetz in Konflikt geraten und auf der Flucht vor seinen Häschern, wehrt lässig ab und erzählt dem Banditen gleichmütig vom Ausgang einer Auseinandersetzung, die er einst mit einem Mann namens Billy gehabt hatte. Dieser habe ihn mit den Worten provoziert: „John, gleich gibt es einen Mord, gleich liegst du im Dreck.“ Und Sands zitiert seine damalige Antwort: „Billy sagte ich, fang mal an…“ Gespannte Stille im Saloon, nur das Atmen der Cowboys, leises Knistern der Holzbohlen und ein Klirren der Gläser ist zu hören. Sands nippt gelangweilt an seinem Whisky. Der Schießlustige fragt höhnisch: „Und was geschah dann?“ – John Sands ironisch: „Er schoss mich tot!“  

Blake Edwards (rechts) mit zwei Spießgesellen. (Foto: Imago/United Archives)

Eine coole Antwort, wie viele Jugendliche heutzutage sagen würden. Der trockene Dialog ist mir seltsamerweise über die Jahre hinweg in Erinnerung geblieben, obwohl die Details des Films weitgehend verblasst sind. Erst Jahre später erfuhr ich, dass diese Sätze einem der ganz Großen der Filmbranche zuzurechnen sind, einem gewissen Blake Edwards, der als junger Mann für den 1948 gedrehten Western der Allied Artist das Drehbuch geschrieben und im Film die Rolle des Banditen Floyd Schofield gespielt hatte. 

Blake Edwards (1922-2010) inszenierte, sowohl als Co-Autor wie auch als Regisseur, im weiteren Verlauf seiner Karriere brillante Komödien wie Unternehmen Petticoat (Cary Grant, Tony Curtis), Frühstück bei Tiffany (Audrey Hepburn, George Peppard, Patricia Neal), Das große Rennen um die Welt (Jack Lemmon, Tony Curtis, Natalie Wood, Peter Falk) und Victor/Victoria (James Garner, Julie Andrews, Robert Preston). Mehr noch als diese unvergessenen Unterhaltungsfilme sind seine Rosaroten Panther- und Inspektor Clouseau-Streifen mit Peter Sellers in die Filmgeschichte eingegangen. Am Beginn aber stand (neben einigem anderen) der triviale Rächer von Texas.