Großstadtleben mit Kirche, Kaufhaus und Kommerz

Frankfurt, seiner Hochhäuser wegen auch als „Mainhattan” bezeichnet, bietet faszinierende Ansichten von innerer Einkehr, Kauflust und geschäftiger Bürowelten – Bilder einer Großstadt.

Wer über Roßmarkt und Hauptwache in die Zeil schlendert, wird schier erschlagen vom geschäftigen Treiben im Zentrum dieser verrückten Metropole, in der tagsüber das Leben pulsiert und der Fremde leicht den Eindruck gewinnen kann, dass der viel zu hohe „Blutdruck” irgendwann zum Kollaps führen könnte. Hupende Autos auf schmalen Straßen, gestresste Paketboten ohne Parkmöglichkeiten, stark frequentierte Ein- und Ausgänge zu S- und U-Bahnen, herumstehende Elektro-Roller, flitzende Radfahrer auf Gehwegen oder rot abgesteckten Fahrspuren verstärken die Hektik. Einsam und unbeachtet von den Hetzenden liegt ein eingemummelter Obdachloser neben dem Cinema-Kino, eine Büchse mit wenigen Münzen steht vor ihm auf dem Bürgersteig. 

Eine junge Frau spricht lautstark vor sich hin, niemand achtet darauf, sie redet, wie es scheint,  über Headset und Smartphone mit ihrem Liebsten. Hier, wo das Herz der Stadt schlägt, wo die Menschen geschäftig hin und her eilen, ihre Mittagspausen in den zahlreichen Cafés oder an Imbissbuden verbringen, vor exklusiven, aber auch weniger attraktiven Läden verweilen, gibt es jedoch auch die Möglichkeit innerer Einkehr. 

Zwischen Roßmarkt und Zeil steht rechterhand die Katharinenkirche, ein spätgotischer Hallenbau mit Barockportalen aus dem Jahr 1681. Auch die Familie Goethe aus dem nur wenige Meter entfernten Großen Hirschgraben soll der Geschichtsschreibung zufolge regelmäßig zum Gottesdienst in der Kirche erschienen sein. Im März 1944 wurde  die Kirche bei den verheerenden alliierten Bombenangriffen zerstört und zehn Jahre später wieder aufgebaut. Wer sich der Kirche nähert, sieht an der Außenmauer die  „Maria mit der Mondsichel”, wer eintritt, erblickt Emporenbilder aus dem 17. Jahrhundert, Glasfenster von Charles Crodel sowie eine spätgotische Katharinenfigur.

Eingang durch das Thurn- und Taxis-Portal. (Foto: ES/Signale)

Gegenüber windet sich hinter der Kaufhaus-Galeria der „Nextower” (136 Meter) in den Himmel. Vom Architekturbüro KSP Engel und Zimmermann entworfen, steht das Gebäude wuchtig zwischen der „Großen Eschenheimer” und der Zeil und wird auch als „Palaisquartier” bezeichnet, weil eine Miniversion des ehemaligen „Palais Thurn und Taxis” eingebunden wurde. Nebenan stand zwischen dem ehemaligen Haus der „Frankfurter Rundschau und der Zeil das Hauptpostamt, in dem seit den Fünfziger Jahren die Kommunikation mit Deutschland und der Welt eine Hochblüte erlebte.

Silbern funkelnder Glanz

Die leicht geknickten Fassaden aus Aluminium und Glas verleihen dem neu erbauten Gebäude, in dem auch ein 99 Meter hohes Hotel seinen Platz fand, besonders im Sonnenlicht einen funkelnden Glanz. Ein tief liegendes Parkhaus und einer Verbindung zum Einkaufszentrum MyZeil sollen Umsatz und Kommerz im Mittelpunkt der großen Stadt fördern, doch Medienberichte besagen, das vermietungsmäßg nicht alles Gold ist, was da zu glänzen scheint…

Wer am Roßmarkt steht, und in Richtung Osten blickt, wird gleichwohl schnell gefangen genommen von dem faszinierenden Bild der Gegensätzlichkeit von Business und Gläubigkeit – befeuert von Scharen ruheloser Menschen, die der Corona-Pandemie längst überdrüssig sind und wieder im Meer des Lebens schwimmen wollen (und es auch tun).