Bereits ein Jahr nach ihrem heiteren Erstlingswerk Valentine heisst man nicht” durfte die Berliner Schriftstellerin Barbara Noack 1955 den Roman Die Zürcher Verlobung im „Lothar Blanvalet Verlag” veröffentlichen. Die humorvolle Liebesgeschichte wurde ein Riesenerfolg – sowohl für die Jung-Autorin als auch für den Verlag. Bereits im nächsten Jahr begannen die Vorbereitungen zur Verfilmung des Buches. So weit die schlichten Fakten über den Beginn einer über 50 Jahre andauernden Schriftstellerinen-Karriere.

Wie ich nun persönlich dazu kam, mir den Roman Die Zürcher Verlobung von Barbara Noack „anzueignen” und danach ein treuer Leser der Berliner Schriftstellerin zu werden, hatte sich bei einer Bahnreise von Hamburg nach Frankfurt Anfang Dezember 1955 ergeben. Als Jungredakteur einer Frankfurter Tageszeitung hospitierte ich vier Wochen bei einem befreundeten Blatt in Hamburg. Dort hatte ich in der ZEIT eine Kurz-Rezension des Buches entdeckt. Nach einer Beschreibung des Inhaltes fasste das Blatt zusammen:

„In Ich-Form und äußerst glatt, eine Spur zu versiert, geschrieben.”

Dieses harsche Urteil machte mich neugierig. Noch in Hamburg kaufte ich mir  das Buch für die Rückreise, und ehe ich in Frankfurt aus dem D-Zug stieg, hatte ich die zweihundert Seiten über die Liebesirrungen der Jung-Autorin Juliane Thomas verschlungen. 

Diese junge Frau, die Drehbücher für schnulzige Liebesfilme schreibt, glaubt fast bis zum Schluss in einen gut aussehenden Schweizer Medizinmann namens Berner verliebt zu sein, aber in Wahrheit hat dessen Freund, der brummige Filmregisseur Paul Frank („Büffel”) schon längst das Rennen gemacht, ohne dass Juliane sich darüber im Klaren ist. Erfahrene Leser ahnen indessen frühzeitig wie die Geschichte ausgehen wird. So gesehen bietet Die Zürcher Verlobung nicht viel mehr als andere heitere Erzählungen.

Ein Blick auf interessante Romane von Barbara Noack. (Foto: Erich Stör)

Was den Roman jedoch so lesenswert macht, sind die spritzigen Dialoge, die mit spürbarer Lust, Charme und Witz geschrieben sind – ebenso köstlich auch die Erfindung des „Zürcher Verlobten” von Juliane, einem gewissen Herrn Uri, oder das glänzende Sittengemälde der in steifer Bürgerlichkeit gefangenen Berner-Familie. Von „glatt” oder „versiert geschrieben” konnte ich als junger Leser jedenfalls nichts entdecken, ganz im Gegenteil spürte ich überall die vergnügliche Frische der jungen Autorin Noack. 

Barbara Noack hat im Laufe ihres Lebens noch viele Romane verfasst, fast alle sind dem heiteren Genre zuzurechnen, doch Die Zürcher Verlobung darf ich doch getrost als mein Lieblingsbuch bezeichnen. 

Zwei Verfilmungen

Der Roman ist zweimal verfilmt worden. 1957 drehte Helmut Käutner, in den Dialogen teilweise wortgetreu, den Streifen mit  Liselotte Pulver (Juliane), Bernhard Wicki (Büffel) sowie Paul Hubschmid (Berner). Auch die Chargen bereiten Freude. Zum Beispiel der unvergessliche Rudolf Platte, der einen wunderbaren Part als untalentierter, aber übertrieben agierender Schauspieler hinlegt, und in wenigen Szenen seine eigene Zunft karikiert. Als Zahnarzt erfreut zu Beginn auch Kabarettist Werner Finck; Büffels kleiner Sohn (Roland Kaiser) fällt durch renitente Keckheit auf. Sonja Ziemann spielt sich selbst – schließlich geht es ja um einen Film im Film.

Das 2007 gedrehte Fernseh-Remake mit Lisa Martinek (Juliane), Christoph Waltz (Büffel) und Tim Bergmann (Berner) kann dem Original niemals das Wasser reichen. Die Hauptdarsteller in dem 2007er Streifen kämpfen vergeblich gegen das 57er Vorbild an. Selbst der Auftritt von Liselotte Pulver als Liselotte Pulver wirkt aufgesetzt. Da ist das alte Zelluloid der Hamburger Real – die Uraufführung war im April 1957 – allemal vergnüglicher.