Im Grunde genommen sind es ja nur Pfützen, aber zusammen doch eine beeindruckende Gruppe von zehn Gewässern: Das sind die Spronser Seen nordwestlich von Meran in Südtirol gelegen, und zugleich die bedeutendste und größte hochalpinen Seeplatte Europas. In einer Höhe zwischen 2100 und 2500 Metern befindet sie sich im Herzen der Texelgruppe, dem südlichen Teil Ötztaler Alpen.

In dieser Höhe gibt es reichlich Schnee im Winter und manchmal finden sich selbst im Hochsommer noch Reste der weißen Pracht an den Ufern, was ein wahrer Glücksfall für das im Tal liegende Meran ist, werden doch die Kurstadt und einige der umliegenden Gemeinden von hier aus mit Trinkwasser versorgt.

Interessante Wandertouren gehen an den Seen vorbei und sind ein abenteuerliches Erlebnis, wobei Schwindelfreiheit und Trittsicherheit Voraussetzung sind, geht es gelegentlich doch auch über haarige Pfade und Kanten, die mit Stahlseilen gesichert sind. Diese Bergtour erfordert auf jeden Fall Ausdauer und Durchhaltevermögen, ist sie doch mit rund neun Stunden Auf- und Abstieg (einschließlich Rast) kein Pappenstiel. Weniger Geübte sollten das berücksichtigen.

Viele Wege führen bekanntlich nach Rom und auch zu den Spronser Seen. Es würde zu weit führen, hier präzise Beschreibungen aller Routen aufzuführen. Die Erfahrung lehrt, dass es am effektivsten ist, sich vor Ort über die verschiedenen Auf- und Abstiegsmöglichkeiten zu informieren. Hier wird nur ein Weg vom Ausgangspunkt Algund aus beschrieben.

Mit dem Korblift zur Leiteralm

Nachdem der Sessellift den Wanderer von Plars zum Algunder Ortsteil Vellau gebracht hat, geht es auf der ersten Etappe der Tour beim Gasthaus Gasteiger weiter zur Leiteralm – mit einem Korblift, der durchaus ungewohnten Charakter hat.

Wegen seiner fragil erscheinenden Konstruktion ist der Lift nicht alltäglich, weil die Benutzer nebeneinander aufrecht stehen müssen, er ist aber doch sicher und keineswegs in die Jahre gekommen. Schon das macht Spaß.

Rast am Langsee

Taufenscharte, das Pfitscher Schartl und die Oberkaseralm sind Zwischenstationen auf dem schmalen und holprigen Aufstieg, ehe das Gebiet der zehn Seen erreicht wird. Nach etwas drei Stunden erblickt der Wanderer links die Pfitscher- und Kaserlacke, nach kurzem Weg und vorbei am Grünsee wird die Nordspitze des Langsee in 2377 Meter Höhe erreicht.

Mit etwa tausend Meter Länge und 300 Meter Breite ist er der größte der Bergseen, eine Rast tut gut. Die zwei Milchseen (2540 m), der Schwarzsee (2589 m), der kleine Schiefersee (2501 m), der Kesselsee (2512 m) so wie die kleine Mückenlacke bleiben bei der Wanderung indessen außen vor.

Fauna und Flora auf diesen Höhen sind beeindruckend. Faszinierende und aufregenden Ausblicke gibt es zuhauf. Dem Naturfreund bietet sich ein wahrer Augenschmaus. Hobbyfotografen finden mit ihren Kameras attraktive Motive m Übermaß.

Zurück zur Seilbahn und zum Dorf Tirol

Vom Langsee aus führt der Weg zurück über die Oberkaseralm, verläuft kurz über den Tiroler Höhenweg zur Bockerhütte. Danach geht es talwärts über den Mutkopf und vorbei am Gasthof Steinegg zur Seilbahn-Station Hochmut. Der Abfahrt nach Dorf Tirol kann noch noch ein Spaziergang durch den Ort folgen, wenn die Erschöpfung es noch zulässt.

Insgesamt eine empfehlenswerte und anstrengende, aber auch zauberhafte Tour, die sich auf jeden Fall lohnt, und zudem einige Varianten bei Auf- und Abstieg zulässt.