Der VW-Skandal um die manipulierten Diesel-Abgasnormen bei Millionen von Fahrzeugen der Wolfsburger Autoschmiede hat die Geschichte der Stadt und des Konzerns wieder einmal in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt, wobei in Erinnerung gerufen worden ist, dass der Name der niedersächsischen Autostadt immer noch jung ist.

Aus Fallersleben wurde die Autostadt Wolfsburg. (Foto: Clipdealer)

Erst am 25. Mai 1945 – also vor gerade einmal etwas über 70 Jahren – beschloss der Gemeinderat auf Drängen der britischen Militärverwaltung, die Siedlung, die seit ihrer Gründung am 1. Juli 1938 bis in den Mai des Jahres 1945 recht sperrig „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben” geheissen hatte, in Wolfsburg umzubenennen. Die Bezeichnung KdF im alten Namen hatte dabei für „Kraft durch Freude” gestanden, der Urlaubsorganisation der so genannten Deutschen Arbeitsfront.

Der neue Name Wolfsburg wurde durch das bereits 1302 urkundlich erwähnte gleichnamigen Schloss inspiriert. Die Siedlung war ursprünglich von den Nazis für die Arbeiter des Werkes konzipiert worden; Hitler selbst hatte den Grundstein für den Wohnort gelegt. Hier wurden dann zunächst Kübelwagen für die Wehrmacht produziert, nebenbei entstanden die ersten KdF-Wagen, die später als VW-Käfer berühmt geworden sind.

Bei Kriegsende 1945 waren 9000 Arbeiter hier beschäftigt, obwohl die Produktion fast völlig zum Erliegen gekommen war. Doch innerhalb eines Jahres gelang es der Belegschaft unter schwierigsten Bedingungen aus alten Lagerbeständen sage und schreibe 11 805 Autos zusammen zu schrauben, die meist an die britische Besatzungsmacht ausgeliefert wurden.

Danach begann der rasante Wiederaufbau, was in einer jahrelang anhaltenden Erfolgsgeschichte mündete. Schon in den ersten zehn Jahren nach der Kapitulation Hitler-Deutschlands war in der Bundesrepublik die Automobilproduktion insgesamt sprunghaft angestiegen. Dieser KfZ-Boom gilt heute vielen Historikern als wesentliches Element jener Entwicklung, die in der Geschichte des Landes als „Wirtschaftswunder” eingegangen ist.

Oldtimer-Käfer  (Foto: Oliver Stör)

Die überaus  rasante Steigerung der Autoproduktion war zwar durchaus ein weltweites Phänomen, aber ganz besonders stürmisch verlief die Entwicklung tatsächlich in der Bundesrepublik. 1955 wurden bereits mehr als 700 000 Pkw gebaut (fünf Jahre vorher waren es nur 216 000 gewesen). Mit diesen Zahlen nahm Westdeutschland nach den USA bereits den zweiten Platz in der Produktionsstatistik ein.

Vor allem kleine, preiswerte und sparsame Autos waren zu jener Zeit im ganzen Land begehrt. Das bestverkaufte war der VW-Käfer und so ist es auch nicht verwunderlich, dass am 5. August 1955 in Wolfsburg das einmillionste Exemplar des damals 3950 DM teuren und 30 PS starken VW 1200 mit großen Feierlichkeiten vom Band lief.

Heute ist Wolfsburg eine kreisfreie Großstadt mit über 122 000 Einwohnern und nach Hannover, Braunschweig, Oldenburg und Osnabrück die fünftgrößte Stadt des Landes Niedersachsen. Mit großzügiger Unterstützung des Konzerns existiert in der Stadt ein Fußballklub namens VfL, dessen Profi-Kicker Höhen und Tiefen gleichermaßen durchleben.