Der Wasserturm in Mörfelden hat eine lange Geschichte. Er wurde 1929 erbaut und diente der Versorgung der Bevölkerung bis in die 60er Jahre. Oft erlebte der Turm Führungen interessierter Bürger. Neuerdings haben sich zwei Frauen zum Ziel gesetzt, das Gebäude wieder kulturell zu nutzen. Den Turm sieht sogleich, wer mit dem Automobil oder Fahrrad über die Bundesstraße 44 von Frankfurt am Main in Richtung Groß-Gerau fährt und sich Mörfelden nähert – einem der beiden Ortsteile der Stadt Mörfelden-Walldorf. Es ist ein 35 Meter hohes Bauwerk und war lange Zeit Hingucker der besonderen Art.

Der alte Wasserturm in Mörfelden, noch mit Transparenten versehen (Foto: E. Stör)

Denn das Gebäude war mit einem Transparent geschmückt. „Kein Flughafenausbau” wurde auf dem oberen Teil gefordert, „Nachflugverbot” auf dem unteren. Es ist unschwer zu erkennen, dass man sich hier in der Nähe des Frankfurter Flughafens befindet und in einer Gemeinde, in der seit Jahrzehnten der Kampf gegen Fluglärm und Flughafenerweiterung geführt wurde und wird. 

Bedauerlicherweise hat das Stadtparlament mit den Stimmen von SPD, Freien Wählern, FDP und CDU (gegen Grüne und DKP/Linke Liste) im Juli 2016 mit einem Kotau vor Flughafenbetreiber „Fraport“ beschlossen, die Transparente zu beseitigen, weil sie angeblich dem Ansehen der Stadt und der Wirtschaftsansiedlung schaden. Für die Kritiker dieses Beschlusses aber wird die über Jahrzehnte gewachsene Identität der Menschen im Hinblick auf Kampf gegen Fluglärm und der permanenten Erweiterung des Flughafens zerstört.

Zur Geschichte des Bauwerks: Der ehemalige Wasserturm von Mörfelden wurde im Jahr 1929 erbaut, um die Einwohner der damals kleinen Gemeinde mit fließendem Wasser zu versorgen. Immerhin mussten sich bis dahin die meisten Mörfeldener – auch als „Merfeller“ bekannt – das kostbare Nass aus eigenen Brunnen schöpfen. Unter diesen Umständen war der Wasserturm eine große Errungenschaft, floss doch nun nach und nach Wasser aus neu zu installierenden Leitungen in die Wohnungen und auch die Toilettenspülungen eroberten nach und nach die Wohnhäuser.

Eine geradezu revolutionäre Technik

Das war eine für damalige Verhältnisse „revolutionäre Technologie”, wie Heinrich Dirks-Orendi vom Städtischen Bauamt den Besuchern vor einiger Zeit bei einer Besichtigung klar machte. Seiner Aussage zufolge wurden im Turm immerhin 330 000 Liter Wasser vorrätig gehalten, die den Menschen wesentlich mehr Komfort als zuvor brachte.

Dabei waren Auffüllen und Vorratshaltung eine ziemlich aufwendige Angelegenheit. Denn Tanklaster mussten immer wieder vorfahren, um den oben gelegenen Wasserbehälter zu versorgen. Denn nur aus der Höhe konnte der notwendige Druck aufgebaut werden, um die Leitungen zu durchströmen.

Doch es gab auch Probleme. Manchmal lief Wasser auf die nahe gelegene Frankfurter Strasse, weil der Tank überfüllt war. Dann musste die Pumpe zügig abgestellt werden, um eine Überschwemmung auf der Strasse zu vermeiden.

Antennen auf dem Dach

Der Turm wurde nach dem Zweiten Weltkrieg noch bis zu Beginn der 60er Jahre genutzt. Seit dieser Zeit steht er leer, nachdem das Erdgeschoss einige Zeit als Zentrum der Jugendförderung diente, und auch die Naturfreunde und andere Vereine zeitweise hier Unterschlupf gefunden hatten. Heutzutage betreiben Telefonanbieter auf dem Dach ihre Antennen; außerdem sind dort Richtfunkanlagen der Polizei und der Stadt Mörfelden-Walldorf vorhanden. Eine Sirene ist ebenfalls vorhanden.

Gelegentlich gibt es Führungen, bei denen den interessierten Besuchern und Bürgern der Stadt dann alle diese Fakten erläutert werden – und auf 133 Stufen kann man dann auch bis ganz nach oben aufsteigen… Neuerdings aber gibt es allerdings Bestrebungen, den Wasserturm künstlerisch und kulturell wieder stärker als Bisher zu nutzen. Zu diesem Zweck wurde eigens ein gemeinnütziger Verein gegründet, Initiatoren sind Andrea Vinson und Ina Martella. Erste Veranstaltungen gingen bereits im Oktober 2016 über die Bühne.