Rennfahrer in der Résistance

Immer wenn im Frühjahr das Formel 1-Rennen in Monaco auf dem Programm steht, kommen Erinnerungen an Rennfahrer der Vergangenheit auf, die heutzutage nur noch in den Geschichtsbüchern aufgeführt sind, deren Leben gleichwohl tiefe Spuren hinterlassen hat – und zwar auf ganz außergewöhnliche Art und Weise. Sie kämpften in der französischen Widerstandsbewegung. Ich rede also keineswegs von Lewis Hamilton, Sebastian Vettel, Max Verstappen oder anderen Protagonisten des Rennsports.

Denkmal für die Widerstandskämpfer in Antibes. (Foto: Clipdealer)

Auch der enge Kurs mit seinen Kurven steht nicht im Blickpunkt. Immerhin weiß ja jeder halbwegs Interessierte, dass es mit den PS-Ungetümen flott durch das Fürstentum geht und die Fahrer sich dabei immer wieder in das nur mäßig erhellte Loch des Tunnels stürzen, um nach etwa 400 Metern wieder ins gleißende Licht zu fahren.

Jeder hat schon gesehen, wie die Boliden an den Häuserecken vorbei zischen, den Leitplanken sehr nahe kommen, und dabei die Aufhängungen und sensiblen Reifen malträtiert werden. Auch der unsägliche Promi-Rummel an der Côte d’Azur ist immer wieder beschrieben worden. Ich verweise hier dagegen auf die Sieger der beiden ersten Monte-Rennen in den Jahren 1929 und 1930, damals noch nicht zu WM zählend. Im ersten Rennen gewann ein gewisser Charles William Frederick Grover, der unter dem Pseudonym „Williams” auf einem Bugatti startete, ein Jahr später sein Kollege René Dreyfus, ebenfalls auf Bugatti.

Diese Rennfahrer verband außer der Lust am Motorsport auch politisches Engagement. Grover war Chauffeur eine Kunstmalers und Millionärs in England gewesen, hatte später dessen Frau geehelicht und tummelte sich seitdem auf den Rennstrecken der Welt – ein Snob und Lebemann möchte man meinen, der seinen Hobby nachging und nebenbei auch noch Hunde und Pferde züchtete.

Doch in Grover steckte noch ein ganz anderer Charakter. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges meldete er sich beim britischen Geheimdienst, sprang im besetzten Frankreich mit dem Fallschirm ab, arbeitete mit René Dreyfus (Sieger von 1930) in der Résistance gegen die Nazis. Auch der Rennfahrer Robert Benoist zählte, wie auch Jean-Pierre Wimille, zum Kreis einer Gruppe von Widerstandskämpfern aus der Rennfahrer-Gilde.

Grover wie auch Benoist wurden im Juni 1943 von der Gestapo verhaftet. Während Grover ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht und ermordet wurde, gelang Benoist – so bestätigt es auch die Enzyklopädie Wikipedia –, knapp nach seiner Festnahme die Flucht nach England. Er kehrte jedoch 1944 nach Frankreich zurück, wo er im Juni verhaftet und bald darauf ins KZ Buchenwald gebracht wurde. Dort wurde er am 11. September 1944 hingerichtet.

Nach dem Krieg wurden dem ehemaligen Rennfahrer Benoist zahlreiche Ehrungen zuteil. Eine Straße seiner Heimatstadt wurde nach ihm benannt; auch Tribünen an den Rennstrecken von Reims und Le Mans tragen seinen Namen. Es ist also angebracht, angesichts des oft unsäglichen Rummels um die Formel 1-Rennen in aller Welt diese Männer zu würdigen.