Tour de France, das Radspektakel mit den befleckten Helden

Die Tour de France gilt als das größte Radrennen der Welt, doch der Schatten des Dopings liegt seit jeher über dem Spektakel, das gleichwohl jedes Jahr große Menschenmassen elektrisiert.

Schon seit frühester Jugend habe ich ein Faible für Radrennen. Befeuert durch das Lesen des Romans „Giganten der Landstrasse” von André Reuze (erschienen 1930, Büchergilde Gutenberg) verfolgte ich jedes Jahr die Frankreich-Rundfahrt mit höchstem Interesse, wobei es mir immer  faszinierend erschien, wie sehr sich die Rennfahrer zu quälen in der Lage waren. Später erfuhr ich, dass es oft unerlaubte MIttel waren, die zu den außerordentlichen Leistungen beitrugen.

In der beruflichen Laufbahn als Journalist gab es neben Begeisterung auch Tiefschläge. Ich erinnere mich an den Spätnachmittag des 13. Juli 1967, als die internationalen Nachrichtenagenturen mit Eilmeldungen die Nachricht verbreiteten, dass der britische Rennfahrer Tom Simpson auf der 13. Tour-Etappe am Mount Ventoux – vollgepumpt mit einer Mischung aus Aufputschmitteln und Alkohol – vom Rad gestürzt und am Straßenrand liegend verstorben war.

Weiße Flecken

Viele Beobachter glauben damals, Simpson Tod würde ein Umdenken bei den beteiligten Sportlern bewirken und sie immun machen gegen die Anfechtungen des Dopings. Für eine gewisse Zeit schien das auch zu gelingen, aber spätere Rennen zeigten, dass dies ein Irrtum war. Wenn ich heute in die Siegerlisten der Frankreich-Rundfahrt schaue, finde ich einige weiße Flecken. Für die Jahre 1999 bis 2005 steht kein Champion in der Chronik. Dem US-Amerikaner Lance Armstrong, der sieben Jahre lang das Rennen wie kein anderer zuvor dominiert hatte, sind alle seine „Triumphe” wegen Dopings aberkannt worden, der einst bejubelte Held wurde zur unerwünschten Person, über Jahre hinweg liefen Schadenersatzprozesse. 

Gedenkstätte für Tom Simpson am Mont Ventoux. (Foto: Clipdealer)

Während es auf Geheiß des Internationalen Radsportverbandes (UCI) im Fall Armstrong keinen Nachrücker auf den ersten Platz gab, rutschte 2006 der Spanier Óscar Pereiro Sio als Zweiter auf den ersten Rang, weil auch Floyd Landis (USA) seinen Sieg wegen Dopings verlor. Mit diesen halbherzigen Korrekturen geben sich die Veranstalter den Anschein der Seriosität, sauberer ist die Tour allerdings nicht geworden. Auf vielen gut bekannten Siegern (und anderen hervorragend Platzierten oder Etappensiegern) lastet der Verdacht, sich mit unerlaubten Substanzen Vorteile verschafft zu haben. Viele gelten als befleckte Helden.

Wirtschaftliche Aspekte

Den Veranstaltern dürfte Doping-Betrug allerdings nicht gerade in die Karten spielen, weil es nicht alleine um Sport, sondern vor allem um wirtschaftliche Interessen geht. Weil am Ende Gewinn stehen muss, sind Skandale jedweder Art nicht gerade förderlich für die Pariser Amaury Sportorganisation (ASO). Diese ASO ist ein Tochterunternehmen jenes Medienkonzerns, der unter anderem die bekannten Tageszeitungen Le Parisien und L’Equipe herausgibt. Die ASO wurde 1992 gegründet und hat sich in den vergangenen Jahrzehnten Jahren zum Monopolisten in Sachen Radsport entwickelt. 

Die Gruppe veranstaltet nach eigener Darstellung außer der Frankreich-Rundfahrt unter anderen die Tour le Avenir, die Spanien-Rundfahrt, die Tour du Faso, das Critérium Dauphiné, die Quatar-Rundfahrt, die Norwegen-Tour sowie die Klassiker Paris-Nizza, Lüttich-Bastogne-Lüttich, Wallonischer Pfeil, Paris-Tours und Paris-Roubaix. Neuerdings gehören auch die Deutschland-Tour und der Eintagesklassiker Eschborn-Frankfurt zum Portfolio des Konzerns.

Außerdem steht – neben internationalen Golfturnieren und Marathon-Veranstaltungen – auch die Rallye Dakar auf dem ASO-Programm, ein Wettbewerb, der im Laufe der Jahre in Afrika, Südamerika und ab 2020 in Saudi-Arabien ausgefahren wird und bisher schon über 60 Todesopfer gefordert hat, ohne dass es Überlegungen gegeben hätte, aus Respekt vor den Toten die Raserei einzustellen. So weit geht die Seriösität bei der ASO dann doch nicht.

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