Mit der Linie 5 zum Wiener Prater

Nein, ich rede hier nicht – wie ja vielleicht zu erwarten wäre – von den bedeutenden Sehenswürdigkeiten der Stadt; die lasse ich heute eher links liegen, habe ich sie doch im Wiener Zentrum zum größten Teil auf Schusters Rappen erkundet. Die Alte Hofburg ebenso wie das Rathaus, natürlich das weltberühmte Burgtheater, die Spanische Hofreitschule, die Staatsoper, das Parlamentsgebäude ebenso wie den Stephansdom. Das legendäre Hotel Sacher habe ich auch nur von außen besichtigt, eine Übernachtung verbietet sich (für mich) aus einleuchtenden, pekuniären Gründen.

Die Linie 5 auf dem Weg zum Praterstern (Foto: Clipdealer)

Wien, Wien, nur du allein… Alles Wichtige ist abgehakt, wie es sich für einen Stadtfremden gehört, und nebenbei den Fiakern bei ihren Rundfahrten mit den Touristen zugeschaut. Auch jener östlichen Teil der Mariahilfer Straße, die vom Westbahnhof in die belebte Innenstadt führt, ist gründlich „erforscht”. Laut Wiener Tourismusbranche ist dieser „Boulevard der Superlative”, in dem sich Geschäft an Geschäft reiht, die Einkaufsstraße Nr. 1 der österreichischen Metropole. Na, ja! Klappern gehört für die Werbeleute auch hier zum Handwerk…

Im Café Westend, einem jener typischen alten Wiener Cafés, habe ich eine Melange bestellt, aber beim Trinken dieses cappuccino-ähnlichen Milchkaffees wohl nicht jene Gelassenheit gezeigt, die ein Kaffeehausbesucher in Wien an den Tag zu legen hat. „Nur nicht so hektisch, der Herr…!” Die Eile hat indessen ihren Grund, möchte ich doch noch in den Prater, denn dort „blühn wieder die Bäume”, wie schon vor Ewigkeiten Robert Stolz komponierte. Der Tag ist schön, wie komme ich also am schnellsten hin?

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Kisch enthüllt Spionagefall Redl

Ein hochrangiger Offizier betreibt Spionage und erschiesst sich nach seiner Enttarnung, seine Vorgesetzten vertuschen den Verrat, ein Fußballspieler lässt seine Mannschaft im Stich und ein Reporter zieht daraus seine Schlüsse – Ingredienzen eines spannenden Spionagedramas. Der Fall des Generalstabschefs Alfred Redl, der am 24. Mai 1913 als Spion entlarvt wurde und sich auf massiven Druck der Obrigkeit noch in der Nacht in Wien erschoss, ist schon einige Male verfilmt worden, meist etwas schlampig wie auch in dem Streifen „Spionage”, der gelegentlich immer mal wieder im TV zu sehen ist. 

Der Prager Reporter Kisch machte den Fall Redl öffentlich. (Foto: Clipdealer)

Die Realität war brisanter, ging es doch für das Militär der österreichisch-ungarischen Monarchie darum, den Verrat unter der Decke zu halten – ein Versuch, der schnell scheiterte. Eng verbunden mit dem Fall Redl ist der berühmte Journalist Egon Erwin Kisch („Der rasende Reporter”). Im Sammelband „Prager Pitaval” ist darüber ausführlich zu lesen.

Kisch hatte in Prag zunächst nur die offizielle Mitteilung des kaiserlichen Telegrafenbüros vom Selbstmord Redls in Wien zur Kenntnis genommen. Darin war behauptet worden, der hochbegabte Offizier habe sich „in einem Anfall von Sinnesverwirrung erschossen”. Doch Kisch erfuhr durch einen merkwürdigen Zufall von der Durchsuchung der Redl-Wohnung in Prag und zog daraus seine Schlüsse. Reporterglück…

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Ballade vom Gangster Harry Lime

Anton Karas, ein unbekannter Heurigenmusiker, schrieb 1949 für den britischen Film „Der dritte Mann“ die Ballade vom bösen Gangster Harry Lime – eine Komposition, die ihn weltberühmt machte. Der Filmklassiker, in dem auch das Riesenrad im Wiener Prater eine zentrale Rolle spielte, war in diesen Tagen auch wieder einmal im Fernsehen zu sehen (und zu geniessen). Obwohl der Schwarzweiss-Streifen schon 70 Jahre auf dem Buckel hat, hat er für mich nichts von seiner Faszination eingebüsst. 

Das Riesenrad spielt eine wichtige Rolle im „Dritten Mann“. (Foto: Clipdealer)

Vor allem die mit einem Oscar preisgekrönte Kameraarbeit von Robert Krasker und die bis auf den heutigen Tag unverwechselbare Musik von Anton Karas machen den Reiz des Films im Wien der Nachkriegszeit aus. Auch wenn es sich vordergründig „nur” um einen Kriminalreißer handelt, in dem der skrupellose Dealer Harry Lime (Orson Welles) verunreinigtes Penicillin verschiebt, spiegelt sich doch die politische Situation der damaligen Zeit in vielen Szenen wider.

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