Sekundentod einer Rakete

Raketenstarts in Korou (Französisch Guyana), Jiuquan (China), Baikonur (Kasachstan), Plessezk, Wostotschny (beide Russland) oder dem Kennedy Space Center (USA) gehören heutzutage zur Alltagsroutine, obwohl wie immer eine gehörige Portion Anspannung bei den Verantwortlichen zu spüren ist, wenn die Triebwerke einer Rakete zünden. Das ist auch kein Wunder, darf man sich bei den horrenden Kosten im Raumfahrtgeschäft keine Fehler erlauben.

Eine russische Sojus erhebt sich von der Startrampe in Korou. (Foto: © ESA)

Dabei sind die ingenieurtechnischen Lösungen, um eine Rakete nach dem Start planmässig in ihre Einzelteile zu zerlegen, immer wieder faszinierend. Um einen Satelliten oder ein Raumschiff ohne Schaden in eine Erdumlaufbahn, zum Mond oder gar zu anderen Planeten oder Kometen zu befördern, muss die minutiös geplante „Zerstörung” einer Rakete perfekt funktionieren. Gibt es nur die geringste Abweichung vom vorgesehenen Regime und das Transportmittel versagt, enstehen Millionenschäden.

Was in monatelanger, mühevoller Arbeit in den Produktionsstätten in Einzelsegmenten hergestellt und in der den Montagehallen der Startorte mit der jeweiligen Nutzlast zusammengebaut wird, muss innerhalb von knapp zehn Minuten zuverlässig in seine Bestandteile zerlegt werden. Nur dann haben die Techniker (und die Rakete) einen „guten Job” gemacht.

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Erde klein wie eine Apfelsine

Wer sich vor Augen führt, was seit dem Start von Sputnik 1 am 4. Oktober 1957 an bemannten Reisen zum Mond (oder im erdnahen Raum zu den Raumstationen Salut, Mir oder ISS) sowie unbemannten „Raumflügen” zu den Planeten durchgeführt wurde (und noch geplant ist), erliegt natürlich nur allzu leicht der Formulierung von der „Eroberung des Universums”. Doch trotz atemberaubendem Tempo in Forschung und Technik handelt es sich in der Realität bisher nur um winzige Schritte ins nahe Weltall.

Blick auf eine weit entfernte Galaxie. (Foto: Swift Publisher)

Selbst der zuletzt spektakuläre und wissenschaftlich beklatschte Flug der ESA-Sonde „Rosetta” zum weit entfernten Kometen „Tschurjumow-Gerassimenko” erscheint nur als ein Katzensprung, wenn man die Größenverhältnisse im Universum genauer betrachtet.

Der Heidelberger Neurologe Hoimar v. Ditfurth (1921-1989) hat in seinem Buch „Kinder des Weltalls” (Hoffmann und Campe Verlag, 1970) über die enormen Entfernungen referiert und mit simplen Beispielen versucht, dem Laien die Dimensionen, um die es geht, verständlicher zu machen. Der Wissenschaftler „verkleinerte” die Himmelsobjekte im Maßstab 1:100 Millionen. Nur mit dieser „Krücke” lässt sich einigermaßen begreiflich machen, um welche Proportionen es sich in Wirklichkeit handelt.

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Weltraum-Aussteiger Leonow

Der russische Kosmonaut Alexej Leonow war der erste Mensch, der bei einem Raumflug in den freien Raum ausstieg. Das war am 18. März 1965, also vor über 50 Jahren. Ein Ereignis, an das sich kaum noch jemand erinnert. Auch heute, wenn Weltraumflieger aller Herren Länder aus der Internationalen Raumstation (ISS) aussteigen, um dann oft stundenlang im freien Weltraum zu arbeiten, wird das in der Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen. Es ist längst zur Routine geworden. Als 1965 der damals 31 Jahre alte Leonow jedoch die Kapsel Woschod 2 durch eine Luftschleuse verließ und sich an einer langen Leine 12 Minuten und neun Sekunden im Vakuum aufhielt, war dies eine Sensation.

Heute schon Routine, doch Leonow war der Erste im freien Raum. (Foto: © ESA)

Um 10.00 Uhr Moskauer Zeit war die Rakete von der Startrampe 1 in Baikonur mit ihm und Kommandant Pawel Beljajew gestartet worden. Neun Minuten später trat das Schiff in die Umlaufbahn ein. Die kleinste Entfernung von der Erdoberfläche betrug 173, die größte 498 Kilometer. Der Neigungswinkel der Umlaufbahn zur Erdoberfläche betrug annähernd 65 Grad, eine Erdumkreisung dauerte 90,9 Minuten. Verantwortliche für die Durchführung des Fluges waren die so genannte Staatliche Kommission und Chefkonstrukteur Sergej Pawlowitsch Koroljow.

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