Jagd nach einem Fensterheber

Wer ein älteres Automobil sein eigen nennt, kann ein Lied davon singen: Ist nämlich die Produktion eines Fahrzeuges erst einmal eingestellt, kann es mit den Ersatzteilen im Laufe der Jahre eng werden – besonders dann, wenn die aufgelegte Produktionszahl ohnehin nicht gerade in die Hunderttausende geht. 

Vergebliche Suche nach dem passenden Ersatzteil für ein betagtes Auto. (Foto: Clipdealer)

Mein Coupe Fiat war eines der letzten von insgesamt nur 72 762 Exemplaren, die in der Autoschmiede Pininfarina bei Turin zwischen 1992 und 2000 vom Band liefen. Letztes Produktionsjahr also vor immerhin 18 Jahren. Niedrige Stückzahlen eines Autos bedeuten aber auch verschwindend geringe Mengen an Ersatzteilen. Und alle, die nicht im Zweijahres-Rhythmus den fahrbaren Untersatz wechseln, sind irgendwann die Gelackmeierten.

Als im Oktober 2018 mein elektrischer Fensterheber auf der Fahrerseite (also links) seinen Geist aufgab, und die Scheibe sich nur noch mit roher Gewalt fixieren ließ, schien das zunächst kein wirkliches Problem zu sein. Eile war zwar geboten, der Herbst war schon eingezogen, und wer will schon bei Regengüssen mit offenen Fenster fahren – von der eindringenden Kälte ganz zu schweigen.  Weiterlesen

Kartoffeln in der Straßenbahn

Als ich im September 2018 die Meldung las, die Verkehrsgesellschaft der Stadt Frankfurt am Main (VGF) werde in allernächster Zukunft Pakete mit Straßenbahn-Zügen ausliefern, erinnerte ich mich daran, dass die Idee so neu nicht sein konnte. Schon als Schüler hatte ich eine wirklich sonderbare Tram in Frankfurt gesehen. Sie fuhr 1943 durch Sachsenhausen und war vollgeladen mit Kartoffeln, Gemüse und Obst. In der Wallstraße 6 im Äppelwoi-Viertel stoppte sie kurz vor dem Gemüseladen Weyh und ein Mann stellte eilig ein paar Kisten auf den Bürgersteig. 

Straßenbahnen sollen demnächst in speziellen Wagen auch Pakete transportieren. (Foto: Clipdealer)

Der Triebwagen hatte an Stelle der Liniennummer ein rundes Schild mit dem Buchstaben G (wohl für Güterwagen) an der Stirnseite, darunter die Bezeichnung SONDERWAGEN, und noch kleiner prangte etwas tiefer die Aufschrift G 16, was ein Hinweis auf die normale Liniennummer 16 gewesen sein dürfte. Und mir fiel auch wieder ein, vom Gehweg der Deutschherrn-Eisenbahnbrücke  im Frankfurter Osten beim Blick auf die nahe Großmarkthalle Männer und Frauen beobachtet zu haben, die einen dunklen, etwas rustikal aussehenden Straßenbahnzug mit Säcken beluden, wahrscheinlich gefüllt mit Kartoffeln oder Zwiebeln. Weiterlesen

Abschied vom Schottenring

Taufstein (773 Meter) und Hoherodskopf (763,8 Meter) sind die höchsten „Berge” im Hohen Vogelsberg, dem größten zusammenhängenden Vulkangebiet in Mitteleuropa. Ganz in der Nähe entspringt das Flüßchen Nidda, das nach rund 90 Kilometern zwischen den Frankfurter Stadtteilen Nied und Höchst in den Main mündet.

Im Juli 1955 wurde das letzte große Motorradrennen auf dem Schottenring abgewunken. (Foto: Clipdealer)

Als ich kürzlich die Niddaquelle aufsuchte und danach vom nahe gelegenen Parkplatz über die Landesstraße 3291 in Richtung Schotten fuhr, tauchte in der Erinnerung das Bild eines Motorradrennens auf, das just über diese Straße geführt und mich 1955 hierher geführt hatte: – das Spektakel „Rund um Schotten”, bei dem die Elite der damaligen Zeit am Start gewesen war. Der alte Schottenring hat keine lange, aber doch eindrucksvolle Geschichte. Auf ihm waren seit 1925 Motorradrennen ausgefahren worden, unterbrochen 1934 und 1935 durch Straßenbauarbeiten. Auch im Zweiten Weltkrieg gab es keine Rennen.

1947 indessen begann der Sportbetrieb von Neuem. “Rund um Schotten” führte 16,08 Kilometer über normale Stadt-, Dorf- und Landstraßen, der Rundkurs verlief nach dem Start im Uhrzeigersinn durch Schotten und Götzen, von dort zum weitesten Punkt (Karussell) und über Rudingshain zurück zum Start- und Zielpunkt vor Schotten. Bei den ersten Wettbewerben in den Zwanziger Jahren war die Strecke in umgekehrter Richtung befahren worden. Weiterlesen

Abenteuer des Schienenstrangs

Vom Frankfurter Flughafen fährt der Fahrgast mit der S-Bahn in 13 Minuten zum Hauptbahnhof der Mainmetropole. Die an sich extrem kurze Reise (12 km) lässt sich allerdings auch in 16 Stunden und 12 Minuten bewältigen, wobei die meisten Schnellfahr- und Ausbaustrecken Deutschlands befahren werden. In der Realität wäre eine solche Fahrt natürlich ein eher absonderliches Unterfangen, doch als virtuelle Reise am Computer bereitet sie Spaß.

Ein ICE fährt über die Deutschherrnbrücke in Frankfurt. (Foto: Clipdealer)

Weil es eine reine „Vergnügungsreise” ist, muss ich mich nicht um Fahrkarten und Sitzplatz-Reservierungen kümmern, muss nicht von den gigantischen Milliardenbeträgen reden, die der Steuerzahler für den Ausbau der Strecken aufgebracht hat, nur um schnellere Fahrzeiten zu erreichen. Und auch die vielen berechtigten Proteste der betroffenen Anwohner entlang der neuen Trassen sind anderes Terrain. Weiterlesen

Tausend Meilen in alten Kisten

Aus dem legendären Straßenrennen „Mille Miglia“ wurde nach dem Verbot im Jahr 1957 eine Oldtimer-Rallye, die immer noch über 1000 Meilen von Brescia nach Rom und zurück führt. Im Gegensatz zu früher ist nicht Geschwindigkeit, sondern nur noch Gleichmäßigkeit gefragt. Stoppuhren sind die wichtigsten Helfer.

Karawane der Mille Miglia 2014 in der Toskana. (Foto: Clipdealer)

Mitte Mai, Brescia, Italien. Menschen schlendern durch die meist sonnigen Straßen, in den Cafés herrscht reges Treiben, die Stadt ist überfüllt, es ist wieder einmal Mille Miglia-Zeit. Auf Hochglanz polierte Rennwagen, die alle im Originalzustand sein müssen und einst an den höchst gefährlichen Straßenrennen über 1000 Meilen in den Jahren zwischen 1932 und 1957 teilgenommen haben müssen, sind zu bewundern, wenn die historische Oldtimer-Parade, die Fans mit der Zunge schnalzen lässt: Oh ja, Bella Macchina! Weiterlesen

Karl von Drais baut ein Laufrad

Zweihundert Jahre Fahrrad im Jahr 2017!  Das lädt dazu ein, einige Aspekte dieses Fortbewegungsmittels zu beleuchten, das zu einer ganz großen Erfolgsgeschichte geworden ist, besonders für Fahrten zur Arbeit oder Familienausflüge. Es war ein gewisser Freiherr Karl von Drais, der 1817 das so genannte Laufrad erfand – ein Monstrum, bestehend aus einem massiven Holzkonstrukt mit zwei Rädern, dessen Antrieb aus nichts anderes bestand als den eigenen Beinen.

Das Fahrrad gehört heutzutage zum allgemeinen Familiengut. (Foto: Clipdealer)

Mit seinen Füßen musste sich der Fahrer immer wieder vom Boden abstoßen, um überhaupt vorwärts zu kommen. Pedale hatte das mit eigener Kraft zu bewegende „Fahrrad” (noch) nicht. Immerhin schaffte es der damals 32 Jahre alte Freiherr, am 12. Juni 1817 vierzehn holprige Kilometer zwischen Mannheim und Schwetzingen in einer Stunde zurückzulegen.

Nach ihrem Erfinder wurde das Laufrad fortan „Draisine” genannt, doch so recht konnte sich die eigentlich revolutionäre Erfindung nicht durchsetzen. Das seltsam anmutende Gefährt blieb lange ein Spielzeug für gut Betuchte, die Bedeutung für die Mobilität der Menschen wurde nicht erkannt. Und auch Freiherr Drais erlebte den späteren Siegeszug seiner Erfindung nicht mehr, vielmehr verstarb er 1851 in völliger Armut.

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Lokalbahn nach Offenbach

Bis Mitte der Fünfziger Jahre verkehrte zwischen Frankfurt-Sachsenhausen und Offenbach die „Lokalbahn“. Früher gezogen von Dampfloks, zuletzt mit Diesel-Kraftstoff befeuert. Ein kleiner historischer Rückblick auf diese ehrwürdige Bimmelbahn erinnert an vergangene Zeiten.

Heute gibt es nämlich im dichten Frankfurter S-Bahn-Netz an der Mühlbruchstraße noch immer die Station „Lokalbahnhof”. Sie ist nach dem alten Haltepunkt benannt, der bis 1955 die Städte Frankfurt und Offenbach verband. Vom alten Bahnhof selbst ist dort nichts mehr zu sehen; heute steht hier ein Geschäftsgebäude, Gleise der Straßenbahn befinden sich an jener Stelle, an der das Abfertigungsgebäude stand.

Lokalbahn von Frankfurt nach Offenbach (Foto: Swift Publisher)

An der nahen Kreuzung treffen Darmstädter Landstraße, Textor- und Dreieichstraße aufeinander. Eine Gaststätte trägt ebenfalls den Namen Lokalbahnhof. Auf der anderen Straßenseite ist immer noch das altehrwürdige Harmonie-Kino in Betrieb. Verschüttete Erinnerungen an Sachsenhausen werden wach, als ich dieser Tage hier vorbeigehe… Weiterlesen

Straßenbahnlinie 5 zum Prater

Nur etwas über eine halbe Stunde fährt man mit der Straßenbahnlinie 5 vom Wiener Westbahnhof zum Prater. Dabei lässt sich Österreichs Hauptstadt auf eine ganz andere Art als üblich entdecken. Bedeutende Sehenswürdigkeiten der Stadt lasse ich dabei links liegen, habe ich sie doch im Wiener Zentrum zum größten Teil auf Schusters Rappen bereits erkundet: Die Alte Hofburg ebenso wie das große Rathaus, natürlich das legendäre, berühmte Burgtheater, die Spanische Hofreitschule, die Staatsoper, das Parlamentsgebäude ebenso wie den Stephansdom. Das legendäre Hotel Sacher habe ich nur von außen besichtigt, eine Übernachtung in diesem Haus verbietet sich (für mich) aus einleuchtenden, pekuniären Gründen.

Die Linie 5 an der Haltestelle Währinger Straße, Ecke Spitalgasse in Wien. (Foto: Clipdealer)

Wien, Wien, nur du allein… Alles Wichtige ist abgehakt, wie es sich für einen Stadtfremden gehört, und nebenbei den Fiakern bei ihren Rundfahrten mit den Touristen zugeschaut. Auch jener östliche Teil der Mariahilfer Straße, die vom Westbahnhof in die belebte Innenstadt führt, ist gründlich „erforscht”. Laut Wiener Tourismusbranche ist dieser „Boulevard der Superlative”, in dem sich Geschäft an Geschäft reiht, die Einkaufsstraße Nr. 1 der österreichischen Metropole. Na, ja! Klappern gehört für die Werbeleute auch hier zum Handwerk…

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Eine Wespe aus der Toskana

Als die junge Schauspielerin Audrey Hepburn 1953 in der Filmromanze „Ein Herz und eine Krone” mit Gregory Peck auf einer Vespa durch die nächtlichen Straßen Roms kurvte, war dies der weltweite Durchbruch des schnuckeligen Motorrollers, der 2016 runde siebzig Jahre alt wurde. Die Vespa war im Sommer 1946 von der Firma Piaggio erstmals gebaut und zur Motorroller-Legende gemacht worden.

Glückliches Hochzeitspaar auf einem Motorroller. (Foto: Clipdealer)

Die damals in der Öffentlichkeit eher unbekannte Fabrik zwischen Pisa und Florenz hatte eine lange Vorgeschichte. 1884 hatte ein gewisser Rinaldo Piaggio im zarten Alter von nur 20 Jahren in der Toskana mit Hilfe seines Vaters ein kleines Sägewerk gegründet; das Geschäft florierte so gut, dass Piaggio seine Angebotspalette bald erweiterte. Weiterlesen