Kartoffeln in der Straßenbahn

Als ich im September 2018 die Meldung las, die Verkehrsgesellschaft der Stadt Frankfurt am Main (VGF) werde in allernächster Zukunft Pakete mit Straßenbahn-Zügen ausliefern, erinnerte ich mich daran, dass die Idee so neu nicht sein konnte. Schon als Schüler hatte ich eine wirklich sonderbare Tram in Frankfurt gesehen. Sie fuhr 1943 durch Sachsenhausen und war vollgeladen mit Kartoffeln, Gemüse und Obst. In der Wallstraße 6 im Äppelwoi-Viertel stoppte sie kurz vor dem Gemüseladen Weyh und ein Mann stellte eilig ein paar Kisten auf den Bürgersteig. 

Straßenbahnen sollen demnächst in speziellen Wagen auch Pakete transportieren. (Foto: Clipdealer)

Der Triebwagen hatte an Stelle der Liniennummer ein rundes Schild mit dem Buchstaben G (wohl für Güterwagen) an der Stirnseite, darunter die Bezeichnung SONDERWAGEN, und noch kleiner prangte etwas tiefer die Aufschrift G 16, was ein Hinweis auf die normale Liniennummer 16 gewesen sein dürfte. Und mir fiel auch wieder ein, vom Gehweg der Deutschherrn-Eisenbahnbrücke  im Frankfurter Osten beim Blick auf die nahe Großmarkthalle Männer und Frauen beobachtet zu haben, die einen dunklen, etwas rustikal aussehenden Straßenbahnzug mit Säcken beluden, wahrscheinlich gefüllt mit Kartoffeln oder Zwiebeln. Weiterlesen

Vielfältiges Leben in Nürnberg

Nürnberg, die fränkische Metropole mit ihrem Charme des Mittelalters, glänzt nicht nur mit der Kaiserburg als Attraktion für die Touristen, sondern hat viele anderes zu bieten. Kulinarisch gesehen sind die kleinen Rostbratwürstchen im Weck ebenso beliebt wie zu Weihnachten die schmackhaften Lebkuchen oder Christstollen auf dem Christkindlesmarkt.

Das Albrecht-Dürer Haus in Nürnberg ist eine Attraktion. (Foto: Clipdealer)

Einige bekannte Spielzeug-Manufakturen peppen das Image der Stadt auf, das wegen der Vergangenheit mit den „Rassegesetzen” und diversen Nazi-Massenaufmärschen auf dem  „Reichsparteitagsgelände” lange Zeit schwer angeschlagen war. Mit einem Dokumentationszentrum und informativen Führungen wird dieser Teil einer unrühmlichen Stadtgeschichte offensiv aufgearbeitet, wobei der Blick auch zu den Kriegsverbrecher-Prozessen geht. Weiterlesen

Stippvisite in Philadelphia

Ein Aufenthalt in der us-amerikanischen Stadt Philadelphia, in der vor über 200 Jahren sowohl die Verfassung als auch die Unabhängigkeitserklärung der USA verkündet wurden, ist auch heutzutage höchst interessant – und danach lassen sich viele Besucher in Kutschen um das berühmte Gebäude fahren.

Eine Fahrt mit der Kutsche rund um die Independent-Halle in Philadelphia. (Foto: Clipdealer)

Vom Filmklassiker The Philadelpia Story,  der in Deutschland einst als Die Nacht vor der Hochzeit  in die Kinos kam, und mit Katharine Hepburn, Cary Grant und James Stewart brillant besetzt war, rede ich hier nicht, sondern von jenem politischen Ereignis, das Philadelphia in die Geschichte eingehen ließ.  Denn die Entscheidung, sich von Großbritanninen loszusagen, fiel vor langer Zeit in der heute fünftgrößten US-Stadt an der Ostküste des Landes und machte die USA in der Folge zur Weltmacht Nr. 1. Weiterlesen

Ruinen und Äppelwoi-Schänken

Eher durch einen Zufall (Baustelle!) musste ich dieser Tage durch die Sachsenhäuser Wallstraße fahren. Das weckte urplötzlich Erinnerungen an einige meiner Jugendjahre in Frankfurt am Main. Im „Sachsenhäuser Kiez” aufgewachsen und erwachsen geworden! So lassen sich die Jahre beschreiben, in denen der Autor zwischen Äppelwoi-Kneipen wie dem „Klaane Sachsehäuser“, der „Affentorschänke“ oder „Dauth-Schneider“ erwachsen geworden ist. Von 1940 bis 1944 und von 1946 bis 1960.

Drei Äppelwoi-Kneipen dicht an dicht in Frankfurt. (Foto: Erich Stör)

Ende 1940 waren meine Eltern in die Elisabethenstraße 7 gezogen, die auch als „Sachsenhäuser Zeil” bekannt war. In dieser schmalen Straße waren außer „Schade & Füllgrabe” keine größeren Kaufläden zu finden, aber in jedem Haus befand sich doch ein kleines Geschäft – vom schmalen Tabakladen über ein „Bayerisches Schokoladenhaus” bis hin zur Bäckerei und Gastwirtschaft.

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Wissenschaftsstadt Darmstadt

Darmstadt, etwa 30 Kilometer südlich von Frankfurt am Main und rund 50  Kilometer nördlich von Heidelberg gelegen, ist eine bunte und vielfältige Stadt an den Toren zu Odenwald und Bergstraße. Kunst, Wissenschaft und Raumfahrt sind große Erlebniswelten in der Stadt. Der Fünffinger- oder auch Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe in Darmstadt  ist eines der Wahrzeichen der südhessischen Stadt zwischen Heidelberg und Frankfurt.

Fünffinger- oder Hochzeitsturm in Darmstadt. (Foto: Clipdealer)

Wer als gebürtiger Frankfurter südlich von „Mainhattan” wohnt, hat die Qual der Wahl, wenn es um’s großstädtische Einkaufen oder unterhaltsames Verweilen geht. Weil der Weg nicht allzu weit ist, wird mehr und mehr Darmstadt – und immer weniger Frankfurt – als Ziel für einen Bummel zum Shoppen oder Schauen gewählt, denn von Mörfelden-Wallorf aus führt die Straße an Gräfenhausen vorbei direkt in das nördliche Darmstadt, nicht mehr als zehn Kilometer Wegstrecke.

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Bummel über die „La Rambla“

Eine der berühmtesten Stadtstraßen der Welt ist die La Rambla in Barcelona.  Sie führt vom Hafen, wo das Columbus-Denkmal steht, zum Plaça de Catalunya im Zentrum oder auch umgekehrt. Der ganz besondere Charakter dieses Boulevards  besteht in seiner Vielfältigkeit. In die Medien-Schlagzeilen gekommen ist die Straße im Spätsommer 2017 durch einen verheerenden Anschlag. Das darf und kann natürlich nicht davon abhalten, ihren Reiz und ihre Schönheit zu beschreiben.

Beginn der La Rambla am Columbus-Denkmal direkt am Hafen von Barcelona. (Foto: Clipdealer)

Bei einem beruflichen Informationsbesuch steht auch Tour durch Barcelona auf dem Programm, wobei uns unser Begleiter und Dolmetscher Ramon „sein” Barcelona näher bringen will. Erst blicken wir vom Mont Juic, dem Hausberg der Stadt; wir schlendern später durch das Gotische Viertel im alten Zentrum; besuchen den Hafen und das Tortre Agbar, ein modernes, 142 Meter hohes Bürogebäude an der Avinguda Diagonal.

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Aus Fallersleben wird Wolfsburg

Der jüngste VW-Skandal um die manipulierten Diesel-Abgasnormen der Wolfsburger Autoschmiede hat die Geschichte der Stadt und des Konzerns wieder einmal in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. In Erinnerung gerufen worden ist dabei, dass der Name der Autostadt immer noch jung ist. Erst am 25. Mai 1945 – also vor gerade einmal etwas über 70 Jahren – beschloss der Gemeinderat auf Drängen der britischen Militärverwaltung, die Siedlung, die seit ihrer Gründung am 1. Juli 1938 bis in den Mai 1945 recht sperrig „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben” geheissen hatte, in Wolfsburg umzubenennen. Die Bezeichnung KdF im alten Namen hatte dabei für „Kraft durch Freude” gestanden, der Urlaubsorganisation der so genannten Deutschen Arbeitsfront.

Aus Fallersleben wurde die Autometropole Wolfsburg. (Foto: Clipdealer)

Der neue Name Wolfsburg wurde durch das bereits 1302 urkundlich erwähnte gleichnamigen Schloss inspiriert. Die Siedlung war ursprünglich von den Nazis für die Arbeiter des Werkes konzipiert worden; Hitler selbst hatte den Grundstein für den Wohnort gelegt. Hier wurden dann zunächst Kübelwagen für die Wehrmacht produziert, nebenbei entstanden die ersten KdF-Wagen, die später als VW-Käfer berühmt geworden sind.

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Straßenbahnlinie 5 zum Prater

Nur etwas über eine halbe Stunde fährt man mit der Straßenbahnlinie 5 vom Wiener Westbahnhof zum Prater. Dabei lässt sich Österreichs Hauptstadt auf eine ganz andere Art als üblich entdecken. Bedeutende Sehenswürdigkeiten der Stadt lasse ich dabei links liegen, habe ich sie doch im Wiener Zentrum zum größten Teil auf Schusters Rappen bereits erkundet: Die Alte Hofburg ebenso wie das große Rathaus, natürlich das legendäre, berühmte Burgtheater, die Spanische Hofreitschule, die Staatsoper, das Parlamentsgebäude ebenso wie den Stephansdom. Das legendäre Hotel Sacher habe ich nur von außen besichtigt, eine Übernachtung in diesem Haus verbietet sich (für mich) aus einleuchtenden, pekuniären Gründen.

Die Linie 5 an der Haltestelle Währinger Straße, Ecke Spitalgasse in Wien. (Foto: Clipdealer)

Wien, Wien, nur du allein… Alles Wichtige ist abgehakt, wie es sich für einen Stadtfremden gehört, und nebenbei den Fiakern bei ihren Rundfahrten mit den Touristen zugeschaut. Auch jener östliche Teil der Mariahilfer Straße, die vom Westbahnhof in die belebte Innenstadt führt, ist gründlich „erforscht”. Laut Wiener Tourismusbranche ist dieser „Boulevard der Superlative”, in dem sich Geschäft an Geschäft reiht, die Einkaufsstraße Nr. 1 der österreichischen Metropole. Na, ja! Klappern gehört für die Werbeleute auch hier zum Handwerk…

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Beromünster auf Mittelwelle 531

Radio Beromünster, ein Schweizer Landessender, spielte im Zweiten Weltkrieg als neutrale  und unabhängige Stimme eine wichtige Rolle. Ein Rückblick in eine vergangene Rundfunkwelt, die heute mit modernsten Mitteln der Digitalisierung fortgeführt wird. Eine Ausstellung betagter Radios in Kelsterbach bei Frankfurt am Main – verbunden mit einer großen Sammlerbörse – weckte in diesen Tagen bei mir Erinnerungen an die Frühzeit des Rundfunks, als man das Gefühl hatte, mit den „Dampfradios” ferne und fremde Welten erkunden zu können. Die leuchtenden Skalen mit berühmten Städten wie Tokio, Rom, London, Moskau, Paris oder New York waren damals schon aufregend genug, aber auch Namen wie etwa Sottens, Kalundborg, Bari, Hörby, Hilversum, Sundsvall, Daventry, Monte Ceneri und Beromünster faszinierten.

Sendemast (Symbolfoto: Swift Publisher)

Und dieses Beromünster ist eine Legende! Den Schweizer Landessender hörte ich selbst erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg, und da war mir noch nicht bewußt, welche Rolle er in den Jahren zuvor gespielt hatte. Das erfuhr ich erst später, als ich mich etwas genauer über die Geschichte der Station informierte. Im Kanton Luzern war 1931 der Betrieb aufgenommen worden. Der Sender galt in der deutschsprachigen Schweiz schnell als Synonym für „guten Rundfunk“ schlechthin. Zuverlässige Nachrichten und interessante Kultur- und Unterhaltungsangebote waren das Kernstück. Das redaktionelle Bemühen um Qualität war stets spürbar. Bald wurde dem Sender jedoch ungewollt eine außergewöhnliche Rolle zuteil.

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Doppeltürmiger Dom in Brixen

Die Stadt Brixen (Bressanone) gilt als das religiöse Zentrum Südtirols und hat viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Der Dom mit seinen zwei Türmen ist besonders ansehenswert und gilt deshalb als Schmuckstück der von unzähligen Touristen besuchten Stadt an der Eisack. Wer via Brenner-Autobahn von Innsbruck nach Bozen (Bolzano) fährt, passiert Sterzing (Vipiteno) und Franzensfeste (Fortezza) und erreicht dann Brixen (Bressanone) – eine über tausendjährige Stadt, die mit dem prächtigen Dom und seinen zwei Türmen auf sich aufmerksam macht. 

Blick auf den zweitürmigen Dom in Brixen. (Foto: Clipdealer)

Bei einer Reise nach Meran ergab sich für mich die Gelegenheit zu einer Stippvisite in der alten Stadt. Nach der Abfahrt von der Autostrada gelange ich nach etwa sechs Kilometern via Staatsstraße 12 in das Stadtzentrum. Parkplatznot natürlich auch in dieser überlaufenen Stadt am Zusammenfluss von Eisack und Rienz.

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„Drei Kameraden“ in Berlin

Fiebriges Berlin der Zwanziger Jahre! Schriftsteller Erich Maria Remarque beschreibt in dem beeindruckenden Roman Drei Kameraden das hektische Leben in der Hauptstadt und verbindet gesellschaftliche als auch private Ereignisse zu einem dichten Geschehen, wobei die verwirrende politische Situation in der Stadt den Hintergrund plastisch darstellt.. Remarque hat ja einige weltberühmte Bücher geschrieben. „Im Westen nichts Neues” dürfte das bekannteste sein.

Wird auch heute noch gerne gelesen. „Drei Kameraden“ von Remarque (Symbolfoto: Clipdealer)

Weitere Romane sind „Der Funke Leben”, der seiner von den Nazis hingerichteten Schwester Scholz gewidmet ist, sowie „Zeit zu leben und Zeit zu sterben”, „Der schwarze Obelisk”, „Liebe deinen Nächsten”, „Arc de Triomphe“, „Die Nacht von Lissabon”, „Der Himmel kennt keine Günstlinge” und „Der Weg zurück”. Doch mein Lieblingsroman ist „Drei Kameraden“, in dem von einer verlorenen Generation  erzählt wird, verbunden mit einer zartbitteren Liebesgeschichte. Weiterlesen