Straßenbahnlinie 5 vom Wiener Westbahnhof zum Prater

Mur etwas über eine halbe Stunde fährt man mit der Straßenbahnlinie 5 vom Wiener Westbahnhof zum Prater. Dabei lässt sich Österreichs Hauptstadt auf eine ganz andere Art als üblich entdecken. Bbedeutende Sehenswürdigkeiten der Stadt lasse ich dabei links liegen, habe ich sie doch im Wiener Zentrum zum größten Teil auf Schusters Rappen bereits erkundet: Die Alte Hofburg ebenso wie das Rathaus, natürlich das legendäre, berühmte Burgtheater, die Spanische Hofreitschule, die Staatsoper, das Parlamentsgebäude ebenso wie den Stephansdom. Das legendäre Hotel Sacher habe ich auch nur von außen besichtigt, eine Übernachtung in diesem Haus verbietet sich (für mich) aus einleuchtenden, pekuniären Gründen.

Linie 5 an der Haltestelle Spitalgasse/Währinger Straße (Foto: Clipdealer)

Wien, Wien, nur du allein… Alles Wichtige ist abgehakt, wie es sich für einen Stadtfremden gehört, und nebenbei den Fiakern bei ihren Rundfahrten mit den Touristen zugeschaut. Auch jener östliche Teil der Mariahilfer Straße, die vom Westbahnhof in die belebte Innenstadt führt, ist gründlich „erforscht”. Laut Wiener Tourismusbranche ist dieser „Boulevard der Superlative”, in dem sich Geschäft an Geschäft reiht, die Einkaufsstraße Nr. 1 der österreichischen Metropole. Na, ja! Klappern gehört für die Werbeleute auch hier zum Handwerk…

Weiterlesen

Reporter Kisch, der Fall Redl und ein berühmtes Dementi

Der Spionagefall Redl erschütterte im Jahr 1913 die österreich-ungarische Monarchie. Der Verrat sollte vertuscht werden, doch der später als „Rasender Reporter“ weltberühmt gewordene Reporter Egon Erwin Kisch – damals noch ein „Jungspund“ – machte den Fall öffentlich.

Ein spektakulärer Spionagefall kommt an’s Tageslicht. (Foto: Swift Publisher)

Ein hochrangiger Offizier betreibt Spionage und erschiesst sich nach seiner Enttarnung, seine Vorgesetzten vertuschen den Verrat, ein Fußballspieler lässt seine Mannschaft im Stich und ein Reporter zieht daraus seine Schlüsse – Ingredienzen eines spannenden Spionagedramas. Der Fall des bekannten Generalstabschefs Alfred Redl, der am 24. Mai 1913 als Spion entlarvt wurde und sich auf massiven Druck der Obrigkeit noch in der Nacht in Wien erschoss, ist schon einige Male verfilmt worden, meist etwas schlampig wie auch in dem Streifen „Spionage”, der gelegentlich immer mal wieder im TV zu sehen ist. 

Die Realität war brisanter, ging es doch für das Militär der österreichisch-ungarischen Monarchie darum, den Verrat unter der Decke zu halten – ein Versuch, der schnell scheiterte. Eng verbunden mit dem Fall Redl ist der später berühmt gewordene Journalist Egon Erwin Kisch („Der rasende Reporter”). Im Sammelband „Prager Pitaval” ist darüber ausführlich zu lesen.

Kisch hatte in Prag zunächst nur die offizielle Mitteilung des kaiserlichen Telegrafenbüros vom Selbstmord Redls in Wien zur Kenntnis genommen. Darin war behauptet worden, der hochbegabte Offizier habe sich „in einem Anfall von Sinnesverwirrung erschossen”. Doch Kisch erfuhr durch einen merkwürdigen Zufall von der Durchsuchung der Redl-Wohnung in Prag und zog daraus seine Schlüsse. Reporterglück…

Weiterlesen

Als Peter Rosegger noch ein Waldbauernbub war…

Peter Rosegger, der aus der östlichen Steiermark stammende österreichische Dichter (1843-1918), aufgewachsen in dichten Wäldern seiner Heimat, hat einige bemerkenswerte Formulierungen hinterlassen – Sätze, die wie die Faust aufs Auge des neoliberalen Zeitalters passen. Mit Rosegger hatte ich lange Zeit nicht viel am Hut. Zweimal war ich ihm in der Vergangenheit „begegnet”. Das erste Mal in der Schulzeit, als wir mit seinem bekannten autobiographischen Auswahlband „Als ich noch der Waldbauernbub war…” arbeiten mussten, das nächste Mal, als ich auf einer Autofahrt von Wien nach Graz bei Krieglach eine Hinweistafel zu Roseggers Geburtshaus nahe dem Ortsteil Alpl entdeckte.

Jugendjahre in dichten Wäldern. (Symbolfoto: Swift Publisher)

Doch damals war keine Zeit, um sich den am Rande mächtiger Fichten- und Lärchenwälder gelegenen Kluggeneggerhof anzuschauen. Krieglach selbst, wo in seinem Sterbehaus ein Museum eingerichtet ist, ließ ich links liegen und fuhr weiter… Bedauerlich.

In diesen Tagen ist mir Rosegger zum dritten Mal „über den Weg gelaufen”, als ich ein Büchlein aus dem SKV-Verlag („Ausgewählte Kostbarkeiten”) mit Texten des Dichters in die Hände bekam. Unter der Überschrift „Warnungen” sind einige Sätze abgedruckt, die auch über 100 Jahren nach Veröffentlichung aktuell sind.

Weiterlesen

Schnapsbrenner Günter Mast erfindet die Trikotwerbung

Wer heute auf die Leibchen der Bundesliga-Profis schaut, sieht sich mit einer Vielzahl von Namen aus der Wirtschaftswelt konfrontiert.  Das war, wie unser Bild veranschaulicht, früher ganz anders. Klappern gehört heutzutage in der Branche zum täglichen Handwerk. Marketing ist das simple Schlüsselwort für die Werbestrategen. Und so sind Fußballklubs beliebte „Multiplikatoren“ für die Reklamebotschaften. Denn mit der Zahlung entsprechender Summen an die Fußballklubs hoffen die Firmen bei den Zuschauern im Stadion, bei TV-Übertragungen oder via Zeitungs- und Internetfotos Aufmerksamkeit zu erreichen.

Als die Fußballspieler noch ohne Trikotwerbung kickten. (Foto: Clipdealer)

Das Spektrum in der Saison 2017/18 reicht von einer arabischen Fluggesellschaft (Hamburger SV) bis hin zum Fensterbauer (FSV Mainz 05). Außerdem buhlen Getränke- oder Lebensmittelbetriebe um potentielle Kunden (1. FC Köln, Werder Bremen, RB Leipzig,  SC Freiburg). Außerdem sind Softwarekonzerne (TSG Hoffenheim,  Eintracht Frankfurt), Energierriesen (Borussia Dortmund,  Schalke 04) und Versicherungen (FC Augsburg, Bayer Leverkusen) im Geschäft.  Zwei Kreditinstitute (Borussia Mönchengladbach, VfB Stuttgart) sind ebenso vertreten wie ein Telefonanbieter (Bayern München), ein Buchmacher (Hertha BSC), der Autohersteller (VfL Wolfsburg) sowie ein Häuslebauer  (Hannover).

Viele Jahre sind vergangen, und manche Jüngere erinnern sich kaum noch daran, wie das vor über 40 Jahren alles begonnen hat. Es herrschte jedenfalls helle Aufregung, als der niedersächsische Verein Eintracht Braunschweig unter der Regie des Wolfenbütteler Kräuterschnaps-Brenners Günter Mast 1973 nach einigen Auseinandersetzungen mit dem Deutschen Fußball-Bund die Trikotwerbung mit dem Schriftzug „Jägermeister” etablierte.

Weiterlesen

Zitherspieler Karas schreibt Ballade vom Gangster Harry Lime

Der bis dahin unbekannte Heurigenmusiker Anton Karas schrieb 1949 für den britischen Film Der dritte Mann die Zither-Ballade vom allzu bösen Gangster Harry Lime – eine Komposition, die ihn in den folgenden Jahren weltberühmt machte.  In diesem Filmklassiker spielte auch das Riesenrad im Wiener Prater eine zentrale Rolle. 

Eine zentrale Szene spielte im Riesenrad des Wiener Praters. (Foto: Clipdealer)

In diesen Tagen war der Film wieder einmal im Fernsehen zu sehen (und zu geniessen). Obwohl der Schwarzweiss-Streifen schon 70 Jahre auf dem Buckel hat, hat er für mich nichts von seiner Faszination eingebüsst. Vor allem die mit einem Oscar preisgekrönte Kameraarbeit von Robert Krasker und die bis auf den heutigen Tag unverwechselbare Musik von Anton Karas machen den Reiz des Films im Wien der Nachkriegszeit aus. Auch wenn es sich vordergründig „nur” um einen Kriminalreißer handelt, in dem der skrupellose Dealer Harry Lime (Orson Welles) verunreinigtes Penicillin verschiebt, spiegelt sich doch die politische Situation der damaligen Zeit in vielen Szenen wider.

Weiterlesen