Rosegger gegen Straßenräuber

Peter Rosegger, der aus der östlichen Steiermark stammende österreichische Dichter (1843-1918), aufgewachsen in den dichten Wäldern seiner Heimat bei Krieglach, hat der Nachwelt einige doch sehr bemerkenswerte Formulierungen hinterlassen – Sätze, die wie die Faust auf das Auge des neoliberalen Zeitalters passen. 

In dunklen Wäldern verbrachte Peter Rosegger seine Kindheit. (Foto: Clipdealer)

Mit Rosegger hatte ich lange Zeit nicht viel am Hut. Zweimal war ich ihm in der Vergangenheit „begegnet”. Das erste Mal in der Schulzeit, als wir mit seinem bekannten autobiographischen Auswahlband „Als ich noch der Waldbauernbub war…” arbeiten mussten, das nächste Mal, als ich auf einer Autofahrt von Wien nach Graz bei Krieglach eine kleine Hinweistafel zu Roseggers Geburtshaus nahe dem Ortsteil Alpl entdeckte.

Doch damals war keine Zeit, um sich den am Rande mächtiger Fichten- und Lärchenwälder gelegenen Kluggeneggerhof anzuschauen. Krieglach selbst, wo in seinem Sterbehaus ein Museum eingerichtet ist, ließ ich links liegen und fuhr weiter… Bedauerlich. Weiterlesen

Straßenbahnlinie 5 zum Prater

Nur etwas über eine halbe Stunde fährt man mit der Straßenbahnlinie 5 vom Wiener Westbahnhof zum Prater. Dabei lässt sich Österreichs Hauptstadt auf eine ganz andere Art als üblich entdecken. Bedeutende Sehenswürdigkeiten der Stadt lasse ich dabei links liegen, habe ich sie doch im Wiener Zentrum zum größten Teil auf Schusters Rappen bereits erkundet: Die Alte Hofburg ebenso wie das große Rathaus, natürlich das legendäre, berühmte Burgtheater, die Spanische Hofreitschule, die Staatsoper, das Parlamentsgebäude ebenso wie den Stephansdom. Das legendäre Hotel Sacher habe ich nur von außen besichtigt, eine Übernachtung in diesem Haus verbietet sich (für mich) aus einleuchtenden, pekuniären Gründen.

Die Linie 5 an der Haltestelle Währinger Straße, Ecke Spitalgasse in Wien. (Foto: Clipdealer)

Wien, Wien, nur du allein… Alles Wichtige ist abgehakt, wie es sich für einen Stadtfremden gehört, und nebenbei den Fiakern bei ihren Rundfahrten mit den Touristen zugeschaut. Auch jener östliche Teil der Mariahilfer Straße, die vom Westbahnhof in die belebte Innenstadt führt, ist gründlich „erforscht”. Laut Wiener Tourismusbranche ist dieser „Boulevard der Superlative”, in dem sich Geschäft an Geschäft reiht, die Einkaufsstraße Nr. 1 der österreichischen Metropole. Na, ja! Klappern gehört für die Werbeleute auch hier zum Handwerk…

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Kisch und der Spionagefall Redl

Der Spionagefall Alfred Redl erschütterte im Jahr 1913 die österreich-ungarische Monarchie. Der Verrat sollte erst vertuscht werden, doch der in späteren Jahren als „Rasender Reporter“ weltberühmt gewordene Egon Erwin Kisch – damals noch ein „Jungspund“ – machte den Fall öffentlich. Der junge Reporter und ein Schlosser spielten bei der folgenden Aufdeckung des Vertuschungsversuchs durch die Militärkaste eine wichtige Rolle.

Das Ferstel-Palais in Wien, durch dessen Passage Redl zunächst flüchtete. (Foto: Clipdealer)

Ein hochrangiger Offizier betreibt Spionage und erschiesst sich nach seiner Enttarnung, seine Vorgesetzten vertuschen den Verrat, ein Fußballspieler lässt seine Mannschaft im Stich und ein Reporter zieht daraus seine Schlüsse – Ingredienzen eines spannenden Spionagedramas. Der Fall des bekannten Generalstabschefs Alfred Redl, der am 24. Mai 1913 als Spion entlarvt wurde und sich auf massiven Druck der Obrigkeit noch in der Nacht Im damaligen Hotel Klomser in der Herrengasse 19 in Wien in der Nähe des berühmten Ferstel-Palais – durch dessen Passage er zunächst geflohen war – erschoss, ist schon einige Male verfilmt worden, meist etwas schlampig wie auch in dem Streifen „Spionage”, der gelegentlich immer mal wieder im TV zu sehen ist. Weiterlesen

Luxusreise ins Spaghetti-Land

Italien gilt vielen Deutschen als Traum- oder wenigstens Sehnsuchtsland. Nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges stieg anfangs der Fünfziger Jahre die Reiselust in den „Stiefel” sprunghaft an. Deshalb wurden schon bald die ersten interessanten Urlaubsreisen angeboten. Am 3. Juni 1950 offerierte zum Beispiel das „Bayerische Reise – und Verkehrsbüro” in einer Annonce den Lesern der “Frankfurter Rundschau” unter dem Titel „Die große Reise-Sensation” eine exklusive „Großfahrt im Super-Luxus-Autobus” nach Tirol und Großglockner sowie anschließend nach Venedig und an den Gardasee.  Kostenpunkt für die zwölftägige Tour: 286.50 Deutsche Mark. Was aus heutiger Sicht preisgünstig erscheint, war für die damalige Zeit ganz schön happig, denn noch Ende der Vierziger Jahre bildeten Reisen für die 1949 zu Bundesbürgern gewordenen Westdeutschen eher die Ausnahme.

Ein Teller mit Speghetti. (Foto: Swift Publisher)

Das durch die Währungsreform 1948 knapp gewordene Geld konnte zunächst nur selten in einen Urlaub gesteckt werden, waren doch die durch den Zweiten Weltkrieg geschlagenen Wunden immer noch deutlich spürbar. Erst im Sommer 1950 konnten sich viele Menschen wieder eine kleine Auszeit gönnen. Oberbayern, Allgäu, die Bodensee-Region und der Schwarzwald sowie Badeorte an Nord- und Ostsee waren die bevorzugten Ziele. Als ab dem 1. Juli das Reisen erleichtert wurde, weil für die Grenzpassagen nur noch ein Pass benötigt wurde, – zuvor war eine Ausreisegenehmigung erforderlich gewesen – eröffnete sich am Horizont auch für die Reisebranche ein neuer Markt: das Ausland!

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Ballade vom Gangster Harry Lime

Heurigen-Musiker Anton Karas, ein bis dahin recht unbekannter Zitherspieler aus Wien, schrieb 1949 für den britischen Film Der dritte Mann die Zither-Ballade vom allzu bösen Gangster Harry Lime – eine Komposition, die ihn in den folgenden Jahren weltberühmt machte.  In diesem Filmklassiker spielte auch das Riesenrad im Wiener Prater eine zentrale Rolle.

Treffpunkt Riesenrad im Wiener Prater. (Foto: Clipdealer)

In diesen Tagen war der Film wieder einmal im Fernsehen zu sehen (und zu geniessen). Obwohl der Schwarzweiss-Streifen schon 70 Jahre auf dem Buckel hat, hat er für mich nichts von seiner Faszination eingebüsst. Vor allem die mit einem Oscar preisgekrönte Kameraarbeit von Robert Krasker und die bis auf den heutigen Tag unverwechselbare Musik von Anton Karas machen den Reiz des Films im Wien der Nachkriegszeit aus. Auch wenn es sich vordergründig „nur” um einen Kriminalreißer handelt, in dem der skrupellose Dealer Harry Lime (Orson Welles) verunreinigtes Penicillin verschiebt, spiegelt sich doch die politische Situation der damaligen Zeit in vielen Szenen wider.

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