Naturparadies Mönchbruch

Ganz in der Nähe von Mörfelden-Walldorf liegt das Naturschutzgebiet Mönchbruch. Es erstreckt sich vom nördlichen Ende Walldorfs bis hin zur Bundesstraße 486 zwischen Mörfelden und Rüsselsheim. Ein Spaziergang im Frühjahr oder Sommer lohnt sich immer… 

Wer in der morgendlichen Dämmerung unterwegs ist, kann auf den Wiesen bei guten Licht  oft Rehe beobachten; auch Dam- und Schwarzwild tummelt sich hier. Tagsüber sind viele Besucher mit Fotoapparaten oder auch mit Feldstechern ausgerüstet, um die verschiedenen Vögel im Bild festzuhalten oder auch nur zu beobachten.

Blick in die Mönchbruch-Landschaft (Foto: Oliver Stör)

Für Foto-Liebhaber bietet der Mönchbruch unglaublich interessante Motive, denn Schwarzmilane, Eisvögel, Waldohreulen, Reiher und Störche bewegen sich in dem weitläufigen Gelände, sogar Kanadagänse mit Küken sind hier zu Hause. Erlen, Wassergräben, alte Eichen und Sumpfwald prägen das Bild der Landschaft. Als ich an diesem schönen Tag im Frühling den Weg entlang wandere, erlebe ich als nur stiller Beobachter immer wieder diese einzigartige Vielfalt.

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Denkmal der roten Fahnen

Vor dem Bürgerhaus in Mörfelden steht eine rote Stahlskulptur, die an die Errichtung des Volkshauses 1930 erinnert. Sie stellt im Wind flatternde Fahnen dar und wurde von dem Darmstädter Künstler Gerhard Schweizer geschaffen. Als ich dieser Tage eine Veranstaltung im Bürgerhaus besuchte, fiel mir wieder einmal dieses mächtige Denkmal ins Auge.

Das Denkmal vor dem Bürgerhaus in Mörfelden. (Foto: Erich Stör)

Professor Schweizer hatte das Ehrenmal 2007 im Auftrag der Kommune zur Erinnerung an die Erbauer kreiert, nachdem fünf Jahre zuvor die örtliche Fraktion der DKP/Offene Liste in der Stadtverordneten-Versammlung den Antrag gestellt hatte, ein solches Denkmal zu errichten. Es soll an die Arbeiter, Bauern und Handwerker aus Mörfelden erinnern, die  Ende der Zwanziger Jahre in mehrjähriger, freiwilliger Arbeit das Volkshaus erbaut hatten. 

Schweizers Entwurf war aus 33 Bewerbungen ausgewählt worden. Es trägt als Inschrift die Worte „Also seid ihr verschwunden, aber nicht vergessen.” Es ist ein Zitat von Bert Brecht aus seinem Gedicht „An die Kämpfer in den Konzentrationslagern” und hat einen direkten Bezug zu den Bauleuten und Widerstandskämpfern.

Denn während der Nazizeit wurden viele der Werktätigen, die dieses Gebäude im Schweiße ihres Angesichts errichtet hatten, verhaftet oder verschleppt, weil ihre Herzen links schlugen oder sie in der Widerstandsbewegung aktiv waren. Das Volkshaus wurde zu einer Lagerhalle und einer Fabrik „umfunktioniert”, in der unter anderem Fesselballons hergestellt wurden.

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Am 50. Grad nördlicher Breite

Längen- und Breitengrade ziehen sich rund um die Erde: das Gitternetz, dass für die Navigation unerlässlich ist, bleibt für den Normalbürger völlig unsichtbar, hat aber auch jenseits der Koordinaten vielfältige Bedeutung – zum Beispiel kurioserweise sogar für den Weinanbau. Jeder, der vom Stadtteil Walldorf ins nahe gelegene Mörfelden fährt (oder umgekehrt), passiert an der Bushaltestelle Vitrollesring ein Hinweisschild, das den Bewohnern und Besuchern der Stadt erzählt, das just an dieser Stelle der „50. Grad nördlicher Breite” verläuft – tausendfach wird dieser Breitengrad täglich von den Menschen zu Fuß, im Bus oder Auto gequert, ohne das er bewusst bemerkt wird.

Der Hinweis auf den Breitengrad ist im Bürgersteig eingelassen. (Foto: Erich Stör)

Das ist kein Wunder, denn die imaginäre Linie des Breitengrades ist weder sicht-noch spürbar, obwohl der ganze Erdball von der Gitternetz-Einteilung der 180 Breiten- und 360 Längengrade überzogen ist. Für die Luft- und Seefahrt ist die geographische Fixierung der Erde in  Längen- und Breitengrade enorm wichtig. Immerhin hat in Zeiten von GPS, Glosnass und Geocaching ein immer größer werdender Kreis von Interessenten gelernt, mit Koordinaten umzugehen. Und nur der Vollständigkeit halber sei hier angemerkt, dass bei automobilen Orientierungsfahrten bereits in den 60er Jahren Koordinatenpunkte gesucht werden mussten.

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Trödelmarkt mit Krimskram

Der Händler ist entschlossen: „30 Euro, das ist das äusserste!”.  Der potentielle Käufer zögert noch, der Standbetreiber legt nach: „Das Teil kostet normal immerhin 50 Euro.” Das „Teil” ist eine weiße, ärmellose Jacke, tatsächlich ganz ordentlich anzusehen. Trödelmarkt wieder einmal, ähnliche Gespräche gibt es auf vielen Märkten in Deutschland (und Europa), an jedem Stand, hier und dort, und früher oder später.

Ein vollgepackter Tisch mit Flohmarkt-Krempel. (Foto: Clipdealer)

Der tüchtige Händler hat ein Schild an seinem Stand angebracht. „Abraham” steht darauf – heisst er also wie einst der „Trödler Abraham” im Schlager von Wolfgang Hofer 1971? „Ist nur ein Scherz”, schmunzelt der Flohmarktmensch und verstaut das Schild wieder in seinem Auto, während er so ganz nebenbei eine Porzellanvase verscherbelt.

Es gibt nichts, was es hier auf dem Platz nicht gibt. Die Palette an Gegenständen aller Art ist vielfältig. Hier liegt ein Stahlhelm auf dem Tisch, dort gebrauchte Klamotten, Bücher, Nippes aller Art, ein Globus leuchtet in der strahlenden Sonne, ein altes Telefon mit Wählscheibe wird feilgeboten, eine vorsintflutliche Agfa-Box sucht einen neuen Besitzer, Gemälde stehen herum, Kopfkissen, Münzen, Tassen; alles was das Herz begehrt.

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Pia Grambart und die freche Kuh

Mörfelden-Walldorf, die Doppelstadt südlich des Frankfurter Flughafens, hat sich in den vergangenen Jahren einen herausragenden Ruf als „Stadt der Skulpturen” erworben. Bisher sind in den beiden Ortsteilen über 30 verschiedene Werke namhafter (und auch weniger bekannter) Künstler aufgestellt worden – auch mehrere Verkehrskreisel wurden mit Skulpturen bestückt. Einige Kunstwerke in der Stadt sind Leihgaben von Künstlern, die bei der alljährlichen Veranstaltung „Skulpturen im Park” ausstellten. Andere wurden von der Gemeinde im Anschluss an diese alljährliche Freiluft-Ausstellung günstig erworben oder „geleast”.

Marsha, die freche Kuh von Pia Grambart… (Foto: Erich Stör)

In den vergangenen Jahren haben international erfolgreiche Bildhauer ihre Werke hier präsentiert, darunter waren Hans Steinbrenner, E. R. Nele, Vera Röhm oder Ottmar Hörl (Nürnberg), der auch Schirmherr der Ausstellung ist. Andere Künstler kommen aus entfernten Orten wie Berlin, Hamburg, München oder sogar aus den USA. Eine der Künstlerinnen, die hier in der Vergangenheit ausstellten, war die 1960 in Ottawa geborene Pia Grambart, die ein Atelier in der Lorsbacher Strasse 1 im Frankfurter Gallusviertel eingerichtet hat. 2013 präsentierte Pia Grambart dem Publikum verschiedene Fabelwesen aus der Tierwelt, womit sie die Herzen all jener Menschen entzückte, die vier Wochen lang durch den Bürgerpark schlenderten oder bei der Eröffnungs- und Schlussveranstaltung dabei waren.

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Kotau vor Flughafenbetreiber

Der Wasserturm in Mörfelden hat eine lange Geschichte. Er wurde 1929 erbaut und diente der Versorgung der Bevölkerung bis in die 60er Jahre. Oft erlebte der Turm Führungen interessierter Bürger. Neuerdings haben sich zwei Frauen zum Ziel gesetzt, das Gebäude wieder kulturell zu nutzen. Den Turm sieht sogleich, wer mit dem Automobil oder Fahrrad über die Bundesstraße 44 von Frankfurt am Main in Richtung Groß-Gerau fährt und sich Mörfelden nähert – einem der beiden Ortsteile der Stadt Mörfelden-Walldorf. Es ist ein 35 Meter hohes Bauwerk und war lange Zeit Hingucker der besonderen Art.

Der alte Wasserturm in Mörfelden, noch mit Transparenten versehen (Foto: E. Stör)

Denn das Gebäude war mit einem Transparent geschmückt. „Kein Flughafenausbau” wurde auf dem oberen Teil gefordert, „Nachflugverbot” auf dem unteren. Es ist unschwer zu erkennen, dass man sich hier in der Nähe des Frankfurter Flughafens befindet und in einer Gemeinde, in der seit Jahrzehnten der Kampf gegen Fluglärm und Flughafenerweiterung geführt wurde und wird. 

Bedauerlicherweise hat das Stadtparlament mit den Stimmen von SPD, Freien Wählern, FDP und CDU (gegen Grüne und DKP/Linke Liste) im Juli 2016 mit einem Kotau vor Flughafenbetreiber „Fraport“ beschlossen, die Transparente zu beseitigen, weil sie angeblich dem Ansehen der Stadt und der Wirtschaftsansiedlung schaden. Für die Kritiker dieses Beschlusses aber wird die über Jahrzehnte gewachsene Identität der Menschen im Hinblick auf Kampf gegen Fluglärm und der permanenten Erweiterung des Flughafens zerstört.

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