Zehn kleine Pfützen bei Meran

Im Grunde genommen sind es ja nur Pfützen, aber zusammen doch eine beeindruckende Gruppe von zehn Gewässern: Das sind die Spronser Seen nordwestlich von Meran in Südtirol gelegen, und zugleich die bedeutendste und größte hochalpinen Seeplatte Europas. In einer Höhe zwischen 2100 und 2500 Metern befindet sie sich im Herzen der Texelgruppe, dem südlichen Teil Ötztaler Alpen.

Der Langsee ist die größte „Pfütze“ der Seenplatte (Foto: © MGM/Alex Filz)

In dieser Höhe gibt es reichlich Schnee im Winter und manchmal finden sich selbst im Hochsommer noch Reste der weißen Pracht an den Ufern, was ein wahrer Glücksfall für das im Tal liegende Meran ist, werden doch die Kurstadt und einige der umliegenden Gemeinden von hier aus mit Trinkwasser versorgt.

Interessante Wandertouren gehen an den Seen vorbei und sind ein abenteuerliches Erlebnis, wobei Schwindelfreiheit und Trittsicherheit Voraussetzung sind, geht es gelegentlich doch auch über haarige Pfade und Kanten, die mit Stahlseilen gesichert sind. Diese Bergtour erfordert auf jeden Fall Ausdauer und Durchhaltevermögen, ist sie doch mit rund neun Stunden Auf- und Abstieg (einschließlich Rast) kein Pappenstiel. Weniger Geübte sollten das berücksichtigen.

Weiterlesen

Törggelen beim Bergbauern

Urlaub in der Nähe von Meran. Heute ein Wandertag. Wir fahren mit dem Sessellift von Algund nach Vellau, 900 Meter Höhe. Anstiege, Abstiege, ausgiebige Spaziergänge, am Nachmittag über den Saxner-Weg talwärts. Der Magen knurrt, am Wegesrand ein großer Bergbauernhof mit dem einladenden Schild: „Heute Törggelen!”.

Kastanien und Rotwein stehen beim Törggelen immer auf dem Tisch. (Foto: Clipdealer)

Auf der engen Terrasse knarrende Dielen und rustikale Holzbänke. Wir bestellen und genießen – von strahlender Sonne beschienen – einladend aussehende Köstlichkeiten. Ein leichter, frischer Rotwein, ein herzhaft schmeckendes Stück Speck, geröstete Esskastanien. „Guten Appetit!” sagt der Mann, der uns bedient hat. Danke. Es mundet eine halbe Stunde lang.

Das also ist Törggelen. Weinverkostung mit kräftigen Zutaten. Beim Bezahlen erklärt uns der Mann, wohl der Bauer selbst, was er zum Törggelen alles anbietet:

„Süßen oder jungen Wein, dazu Schlutzkrapfen, Kaminwurzen oder Speck. Manchmal gibt es auch eine Schlachtplatte mit Knödel und Sauerkraut. Geröstete Kastanien gehören auf jeden Fall dazu. Als Nachtisch bieten wir meist und je nach Wunsch Bauernkrapfen mit Marillen-, Mohn- oder Kastanienfüllung an.”

Im realen Gespräch bezeichnet der Mann den Süßen natürlich als Siaßen, den neuen Wein als Nuier, die Kastanien als Ketschn. Wieder was gelernt. Später im Hotel will ich mehr über das Törggelen erfahren, das vor allem im Etschtal, Vinschgau, an der Südlichen Weinstrasse und im Eisacktal gepflegt wird.

Weiterlesen

Goldener Oktober in Südtirol

Egal über welche Straße man auch anreist, ob über Reschenpass, Brenner-Autobahn oder Jaufenpass – im Meraner Land samt Etschtal  ist der Urlauber immer gut aufgehoben. Als ich das erste Mal über den Brenner und von dort über Sterzing (Vipiteno)  und den Jaufenpass in die mittelalterliche Stadt Meran komme, empfängt mich ein herrlichen Sonnentag im „Goldenen Oktober” 1985. Die Kurstadt begrüsst mich freundlich und aufgeschlossen.

Herbst in Südtirol: die Apfelernte steht vor der Tür. (Foto: Erich Stör)

Ein erster, schmackhafter Cappucino auf der Terrasse des Hotels Aurora an der Kurpromenade mit Blick auf die rauschende Passer weckt sogleich Sympathie. Die Jahre gehen dahin und die Zeit verrinnt. Nach 1985 bin ich immer wieder nach Meran gefahren, manchmal über die Autobahn, Ausfahrt Bozen Süd, gelegentlich auch über Reschenpass und das lange Tal des Vinschgaus.

Die Stadt erlebe ich in diesen Jahren sowohl im milden Frühling als auch im heißen Sommer, meistens aber im golden schimmernden, sonnigen Herbst. Es sind erholsame Tage zwischen all den Bergen, auch wenn es wetterbedingt natürlich auch trübe Stunden im Etschtal gibt. Im April fasziniert die Obstblüte, im Oktober die Apfel- und Traubenernte – dazu das Meraner Traubenfest natürlich. Gerne ein Glas Rotwein.  Und das milde Klima ist ohnehin eine lockende Versuchung.

Weiterlesen

Auf dem Marlinger Waalweg

Einer der schönsten und auch „gemütlichsten” Wanderrouten in Südtirol ist nahe der Kurstadt Meran zu finden. Es ist der rund zwölf Kilometer lange Marlinger Waalweg zwischen dem Algunder Ortsteil Töll und dem Obstanbau-Zentrum Lana. Für alle, die in dieser Gegend Urlaub machen, ist ein Spaziergang dort ein Muss. Etwas für die Otto Normalverbraucher, die auf Schusters Rappen unterwegs sind. Natürlich auch für uns.

Blick vom Marlinger Waalweg ins Etschtal (Foto: © MGM/Frieder Blickle)

Von Meran fahren wir mit dem Partschinser Bus nach Töll, einem Ortsteil von Algund, wo die Wanderung direkt neben dem Wasserkraftwerk der Etschbetriebe beginnt. Anfangs ist der Ausblick ins Etschtal noch eher dürftig, denn der Weg ist felsig, es geht über künstliche Holzbrücken, die mit Stahlseilen an den Felswänden verankert sind, direkt darunter läuft das Wasser durch ein Rohr.

Da die Sonne an diesem Herbstmorgen noch nicht in diesen Winkel scheint, ist es vorerst kühl zwischen den schroffen Steinen. Doch schon bald wird die Landschaft offener, der Weg verläuft nun sanft durch Kastanienhaine und Apfelplantagen, später wird es unzählige Weintrauben entlang des Pfades geben, schimmernd im Licht eines Goldenen Oktobers.

Weiterlesen