Gartenzwerge Laurel & Hardy

Unvergessen ist das Komikerpaar Stan Laurel und Oliver Hardy, das auch im deutschsprachigen Raum als „Dick und Doof“ viele Millionen von Menschen begeisterte. Ihr Ruhm ist immerhin noch so bedeutend, dass sie neuerdings sogar als „Gartenzwerge” vermarktet werden. Doch haben die Komiker das verdient? Im Grunde genommen nicht, denn Laurel und Hardy waren keine billigen Witzfiguren, sondern Künstler hohen Ranges, auch wenn der von ihnen offerierte Klamauk das nicht immer sichtbar werden ließ. 

Laurel und Hardy sind auch als Schmuckfiguren für Gärten sehr beliebt. (Foto: Clipdealer)

Bei aller vordergründigen Effekthascherei machte das gelegentliche nachdenkliche Innehalten und der oftmals eher hintergründige Humor den Erfolg des Duos aus, das immerhin 106 gemeinsame Produktionen (79 Kurzfilme, 27 Spielfilme) zwischen den Jahren 1926 und 1951 auf die Beine stellte.

Obwohl sie nicht mehr zu den klassischen Komikern der Stummfilmzeit gehörten, übernahmen sie viele Elemente in ihre Tonfilme. Vielleicht gerade deshalb rangierten Laurel und Hardy in der Beliebtheit deutlich vor Abbott und Costello (USA) oder Pat und Patachon (Dänemark).

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Heesters Erzählungen von der verschwundenen „Fledermaus“

Johann Strauss (Sohn), der Walzerkönig von Wien, hat auch Die Fledermaus geschrieben – und das feurige „Musical” wurde auch vom Film schon oft (1923, 1931, 1933 und 1937) in verschiedenen Ländern adapiert.  Mit dem folgenden Beitrag hat Strauss, dessen in Wien stehendes Denkmal hier abgebildet ist, freilich nichts zu tun, gleichwohl ist es eine spannende Geschichte um seine Operette…

Ein Denkmal des Walzerkönigs Johann Strauss (Sohn) befindet sich im Wiener Stadtpark: (Foto: Clipdealer)

1944 verfilmte die Terra-Produktion das gute Stück wieder einmal,  diesmal mit Johannes Heesters und Marte Harell in den Hauptrollen. Doch der Farbfilm kam nicht mehr in die Lichtspielhäuser, das Kriegsende ließ auch diesen Film, wie so vieles andere, und im wahrsten Sinne des Wortes, in Schutt und Asche versinken.

Als die Operette im Februar 1950 in der Bundesrepublik gestartet wurde, erzählte Hauptdarsteller Johannes Heesters im Frankfurter Gloria-Palast – das Kino war zu dieser Zeit noch von der US-Armee für eigene Zwecke beschlagnahmt, wurde jedoch gelegentlich für Sondervorführungen freigegeben – den neugierigen Journalisten im Rahmen einer Pressevorführung eine interessante Geschichte über die Rettung des Films.

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Bogart & Bacall in der „Traumfabrik“ Hollywood

Die Liebes- und Ehegeschichte von Lauren Bacall und Humphrey Bogart in der harten Gnadenlosigkeit der Hollywood-Maschinerie, die ihnen aber immerhin den Traumfabrik-Regeln entsprechend Sterne auf der „Straße des Ruhms“ in Los Angeles schenkte. Aber es ist nicht nur eine Ehestory, die zu erzählen ist,  sondern auch die Würdigung zweier charismatischer Filmkünstler.

Auf der „Straße des Ruhms“ haben auch Bacall und Bogart ihren Stern. 

In einer der vielen Quizsendungen, die derzeit im deutschen Fernsehen zu sehen sind, wurde ein Kandidat sinngemäß gefragt, unter welchen Künstlernamen eine gewisse Betty Joan Perske im alten Hollywood berühmt geworden sei. Die richtige Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: „Lauren Bacall!” Zweifellos war der Befragte ein guter Kenner der Filmhistorie.

Diese Lauren Bacall war 1944 von Regisseur Howard Hawks entdeckt worden, als er ihr als blutige Anfängerin und im zarten Alter von 20 Jahren die Hauptrolle in dem Film „Haben und Nichthaben” nach Motiven eines Romans von Ernest Hemingway anvertraute. Ihr Partner in diesem Abenteuerstreifen war kein Geringerer als der 25 Jahre ältere Humphrey Bogart, den sie bald darauf heiratete. Während Bogart 1957 im Alter von nur 57 Jahren einer Krebserkrankung erlag, starb Lauren Bacall 2014 im Alter von 89 Jahren. Die Liebes- und Ehegeschichte der beiden Hollywood-Filmstars aber hat viele Filmfreunde bis auf den heutigen Tag bewegt.

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„Das Testament des Dr. Mabuse“ passt Goebbels nicht in den Kram

Der Kriminalfilm Das Testament des Dr. Mabuse von Fritz Lang gilt bis heute als Parabel auf die Naziherrschaft und wurde von Propagandaminister Dr. Joseph Goebbels umgehend verboten. Als ich kürzlich eine DVD des Filmes entdeckte, erinnerte ich mich daran, diesen Klassiker erst vor ein einigen Monaten im deutsch-französichen Kulturkanal „arte” gesehen zu haben. Es handelt sich um einen Kriminalfilm, der Geschichte geschrieben hat. Der Thriller aus dem Jahr 1933 ist in Deutschland erstmals im August 1951 gezeigt worden, in Frankfurt am Main wurde er am 11. September im „Bieberbau” an der Hauptwache gestartet.

Dr. Mabuse verbreitet Angst und Schrecken… (Foto: Clipdealer)

Die jahrelange Verzögerung hatte politische Gründe. Regisseur Fritz Lang hatte den Film bereits 1932/33 in Berlin in einer deutschen und französischen Fassung gedreht, doch beide Versionen wurden wegen der von Propagandaminister Dr. Joseph Goebbels unterstellten Parabel auf die Naziherrschaft in Deutschland von den Leinwänden verbannt.

Ob eine Warnung vor dem Faschismus wirklich die Intention von Fritz Lang war, sei daheingestellt. Der Bezug zum Nazi-Regime ist zwar unübersehbar, aber Lang hatte einen generellen Abscheu vor Totalitarismus jedweder Art. Heutzutage kann der Streifen auch als Warnung vor dem internationalen Terrorismus verstanden werden – und für andere politische Konstellationen gilt das ebenso. Weiterlesen

Paul Kemp von Kollegen zwischen Grock und Chaplin gesehen

Das Bildnis eines Clowns mit melancholischem Gesichtsausdruck. Dahinter verbirgt sich nicht der Schauspieler Paul Kemp, aber das Foto verdeutlicht, was einige seiner Kollegen von ihm hielten: – sie sahen ihn angesiedelt zwischen dem großen Komiker Charlie Chaplin und dem Clown Grock. 

Kritiker siedelten Kemp zwischen Chaplin und Grock an. (Symbolfoto: SP)

Der früh verstorbene Kemp war einer der Großen auf der Bühne und im deutschen Film. Der Begriff Charakterkomiker  ist die wohl zutreffendste Einordnung dieses kleinen Mannes, der meist mit leisen Tönen agierte, gleichwohl (oder gerade deswegen) ein breites Publikum für sich einnahm.  Weiterlesen

„Die Sünderin“ löst bei Premiere Unruhe und Proteste aus

Als der neue Willi-Forst-Film Die Sünderin 1951 im Frankfurter „Turmpalast“ aufgeführt werden sollte, hagelte es viele Proteste – vor allem von kirchlichen Institutionen. Wieder einmal erlebt Frankfurt am Main großen, aufwändigen Starrummel. Zur deutschen Erstaufführung  erscheinen Regisseur Willi Forst sowie die Hauptdarsteller Hildegard Knef und Gustav Fröhlich. Die Künstler verneigen sich artig vor dem Beifall klatschenden Publikum, doch bei den folgenden Pressegesprächen kommt auch reichlich Frust auf.

„Die Sünderin“ mit Hildegard Knef sorgte für Aufsehen. (Foto: Filmverlag Unucka).

Vor allem Forst ist pikiert, weil sein Werk bei der Freiwilligen Filmkontrolle in Wiesbaden zunächst durchgefallen war. Willi Forst bittet die Journalisten deshalb  flehentlich darum, ihn in der Wirrnis des deutschen Nachkriegsfilms „nicht im Stich zu lassen”. Denn täte man dies, so der Wiener Regisseur im Hinblick auf kassenträchtige Heimatschnulzen wie „Schwarzwaldmädel” oder die Revue-Schmonzette „Die Dritte von rechts” ironisch, dann würde es in Zukunft wohl nur noch „Das Dritte Schwarzwaldmädel von rechts” geben.

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Erster deutscher Nachkriegsfilm handelt von Schuld und Sühne

Die Mörder sind unter uns – dieser erste deutsche Spielfilm nach dem Zweiten Weltkrieg stammt von Wolfgang Staudte, wurde von der DEFA gedreht und am 15. Oktober 1946 im sowjetisch besetzten Sektor von Berlin im Admiralspalast uraufgeführt. Das Drama um Schuld und Sühne war und ist auch heute noch – 70 Jahre später – politisch aktuell und begründete den Weltruhm von Hildegard Knef, die in ihrem fünften Film erstmals als Hauptdarstellerin eingesetzt wurde.

Wolfgang Staudte drehte den ersten deutschen Nachkriegsfilm (Foto: Clipdealer)

Lange hat sich die Legende gehalten, dieser Film sei im Westen Deutschlands in den Nachkriegsjahren nicht gezeigt worden. Korrekt ist jedoch, dass der Streifen in der französischen Zone bereits im April 1947 in Baden-Baden und danach im Mai auch in Ludwigshafen gezeigt wurde, sogar zwei Monate vor den Starts in der britischen und amerikanischen Zone (darunter auch in Frankfurt).

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Tragödie eines Stummfilmstars am „Sunset Boulevard“

Billy Wilder war einer der vielseitigsten Regisseure in der amerikanischen Traumfabrik Hollywood. Einer seiner bedeutendsten Filme war Sunset Boulevard (deutscher Titel: Boulevard der Dämmerung) aus dem Jahr 1950, der gelegentlich im Fernsehen zu sehen ist. Der Titel kann sinngemäß auch als „Prachtstraße des Sonnenuntergangs” interpretiert werden. 

Wenn in der Traumfabrik die Sonne untergeht…(Foto: Clipdealer)

Der Schwarz-Weiß-Film entlarvt in schonungslosen Bildern das glamouröse Image der mächtigen Hollywood-Konzerne, ist aber letztes Endes doch auch wieder selbst nur ein Produkt dieser im Film bloßgestellten „Traumfabrik”. Die Tragödie um einen alternden Stummfilmstar spielte insofern eine besondere Rolle im Schaffen Wilders, weil erstmals ein zutiefst kritischer Blick auf die Gnadenlosigkeit der Traumfabrik geworfen wurde, ohne jedoch Konsequenzen auszulösen.

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Schauspieler Albert Matterstock gerät ins filmische Abseits

Eine Erinnerung an den 1960 in Hamburg verstorbenen Filmschauspieler Albert Matterstock. Der Star der 30er und 40er Jahre wurde nur 49 Jahre alt und hatte nach dem Zweiten Weltkrieg im Filmgeschäft nicht mehr Fuß fassen können. Beim Suchen nach alten Filmprogrammen war ich dieser Tage bei „ebay“ auf den Titel „Drei Birken auf der Heide” gestoßen. Für 3,99 Euro wurde das Heftchen aus der Reihe „Das Neue Filmprogramm” feilgeboten, der Titel weckte Gedanken an eine persönliche Begegnung mit dem Schauspieler in Frankfurt am Main. 

Matterstock auf dem Filmkurier-Titelblatt „Ziel in den Wolken“. (Foto: Verlag Unucka)

Als im November 1956 diese fade Heimatschnulze in den Harmonie-Lichtspielen in Frankfurt-Sachsenhausen gezeigt wurde, war als Gast eben jener  Matterstock anwesend, immerhin ein Top-Star des deutschen Films der Dreissiger und Vierziger Jahre, der im Nachkriegsdeutschland allerdings kaum noch auf den Besetzungslisten aufgetaucht war. Dagegen hatte der Schauspieler vor und auch während des Krieges in Berlin bei verschiedenen Gesellschaften Filme wie am Fließband abgeliefert, alleine in den Jahren 1937 bis 1939 zwölf Streifen. Die meisten wurden vom Publikum goutiert, obwohl es meistens nur Massenware gewesen war.

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Hommage an die schwedische Schauspielerin Ingrid Bergman

Ein Fischerboot fährt mit der Besatzung zur Arbeit, im Hintergrund ist der Vulkan Stromboli zu sehen; einsam verharrt er dort, so als hätte er nicht einst einem Drama mit Ingrid Bergman den Titel gegeben. Stromboli war ein Film, der – wie die Werbung schrieb – der Schwedin „zum Schicksal wurde“. War das wirklich so? Ganz gewiss nicht.  Dazu war ihr künstlerisches Schaffen zu umfangreich und vielfältig.  Anlässlich des 100. Geburtstages der schwedischen Filmschauspielerin Ingrid Bergman am 29. August  2015 gab es deshalb ja zahlreiche Würdigungen von Kritikern und Filmhistorikern. Auch für den Autor ein guter Grund, aus Sicht des Zuschauers einen Blick auf ihr filmisches Lebenswerk zu werfen, ihr zu applaudieren und ihr ein Dankeschön nachzurufen. 

Der Vulkan Stromboli im Hintergrund. (Foto: Clipdealer)

Von Ingrid Bergmann hatte ich bei Kriegsende noch nie etwas gehört. Wie auch? Erstens war ich noch zu jung, und zweitens standen amerikanische Filme nach 1941 in Nazi-Deutschland auf dem Index. Dann sah ich in Frankfurt den ersten Film mit Ingrid Bergman in der Hauptrolle. In der Scala lief 1947 „Das Haus der Lady Alquist” und ich nutzte die lasche Handhabung des damaligen „Jugendschutzes”, um ins Kino zu schlüpfen.

Ingrid Bergman spielte die gerade frisch und glücklich verheiratete Paula Anton, deren Ehemann (Charles Boyer) sie in den Wahnsinn zu treiben beginnt – sie setzte sich als angstvolle Frau so eindrucksvoll in Szene, dass sie – wie ich später erst erfuhr – mit einem Oscar belohnt worden war. Ihr Auftritt machte Lust auf mehr und so sah ich sie ein Jahr später im Harmonie in „Die Glocken von St. Marien” an der Seite von Bing Crosby. Es war ein religiös-melodramatisches Rührstück, das mir nicht besonders zusagte, in dem mir gleichwohl die Schwedin als kämpferische Nonne Mary Benedict gefiel.

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