Kuckucksuhren in Übergröße

Schon der deutsche Dichter Matthias Claudius (1740-1815) sagte: „Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen”. Das galt zu seiner Zeit mit ihren beschwerlichen Kutschenfahrten natürlich noch mehr als heute, da der Massentourismus das Reisen zur Alltäglichkeit gemacht hat. Gleichwohl habe ich etwas zu erzählen von einer Autofahrt zum Bodensee, einem kurzen Zwischenstopp in Triberg und Schonach sowie zwei Kuckucksuhren in Übergröße…

Die Dold-Uhr im Stile eines Schwarzwald-Hauses ist besonders attraktiv. (Foto: © adelyne/Fotolia)

Der Schwarzwald hat viele reizvolle Flecken, an denen Kultur, Romantik und Urlaubsfreuden gleichermaßen zu ihrem Recht kommen. Seit in den Fünfziger Jahren der Farbfilm Schwarzwaldmädel (nach der gleichnamigen Operette von Leon Jessel) mit Sonja Ziemann und Rudolf Prack in den deutschen Kinos lief, erinnern sich die Menschen gerne an das ausgedehnte Mittelgebirge im Südwesten der Republik. Triberg und Schonach stehen dabei oft im Fokus, denn außer den üblichen touristischen Ingredienzen – wie etwa dem Wasserfall in Triberg –, sowie dem alltäglichen Uhrenverkauf machen sich noch zwei XXL-Kuckucksuhren „Konkurrenz” und die beiden Städtchen zum Anziehungspunkt für zahlreiche Besucher.  Weiterlesen

Melodram „Unter den Brücken“

Wenn ich mich an alte deutsche Filme aus der Jugendzeit erinnere, sehe ich einen Schwarz-Weiß-Streifen vor mir, der auch heute noch gelegentlich im Fernsehen läuft, und sich mir durch die Schilderung einfacher, menschlicher Schicksale ins Gedächtnis eingebrannt hat. Das knapp 100 Minuten lange Melodram Unter den Brücken wurde 1944 von Helmut Käutner für die UFA inszeniert. Die Hauptdarsteller waren Hannelore Schroth, Carl Raddatz und Gustav Knuth. In einer kleinen Nebenrolle ist die junge Hildegard Knef zu sehen. Der Film gilt als eines der Meisterwerke  deutschen Kinos. 

An der später berühmt gewordenen Glienicker Brücke wurde auch gedreht. (Foto: Clipdealer)

Der Film wurde in den letzten Kriegsmonaten unter primitivsten Bedingungen auf den Gewässern in Berlin und rund um Potsdam hergestellt. Unter anderem wurde auch an der Glienicker Brücke bei Potsdam  gedreht, die später in den Zeiten des Kalten Krieges zum Austausch von Spionen aus Ost und West genutzt (und berühmt) wurde.

Die Handlung ist einfach strukturiert. Erzählt wird die Geschichte von zwei Männern und einer Frau auf einem Schleppkahn. Das Zusammenleben dieser drei Menschen wird auf eine harte Zerreißprobe gestellt, als die knorrigen Schiffer Hendrik Feldkamp (Carl Raddatz) und Willy (Gustav Knuth) auf einer ihrer Fahrten die vom Leben enttäuschte Anna Altmann (Hannelore Schroth) an Bord nehmen. Beide verlieben sich in die junge Frau, Spannungen unter den Männern sind unvermeidlich. Doch ihre Freundschaft hält diesen Belastungen stand, und nachdem sich die junge Frau schließlich für Hendrik Feldkamp entschieden hat, setzten die drei gemeinsam ihre Fahrt fort. Weiterlesen

Duschmord in 54 Einzelteilen

Der Thriller Psycho ist eines der großen, filmischen Meisterwerke von Alfred Hitchcock. Es verbindet in geradezu perfekter Weise Atmosphäre, Montage und Musik zu einem Horror-Szenario ohnegleichen. Zentraler Punkt ist ein Mord unter der Moteldusche – eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte. Die 2,15 Minuten lange Sequenz besteht aus 54 verschiedenen Einstellungen und Schnitten, die sorgfältig erarbeitet worden sind. Die Dreharbeiten dafür dauerten allein rund eine Woche.

Unter der Dusche geschah ein schrecklicher Mord… (Symbolfoto: Clipdealer)

Als ich jetzt den Film zum wiederholten Mal erlebte, erinnerte ich mich daran, wie der Thriller bei seiner Erstaufführung beworben worden ist. In den Inseraten der Zeitungen wurde eindringlich darauf aufmerksam gemacht, dass nach Beginn einer Vorstellung kein Besucher mehr in den Saal gelassen würde; außerdem wurde darum gebeten, den Schluss nicht an Freunde und Bekannte zu verraten. Mit diesen Maßnahmen sollte das ohnehin große Interesse an Psycho noch weiter angeheizt werden.

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Schicksale „in jenen Tagen“

Lange Zeit genoss der deutsche Nachkriegsfilm bei  Historikern keinen besonders guten Ruf, denn viel zu viele dünne Revuefilme, schnulzige Heimatschinken und belanglose Lustspiel-Klamotten fanden nach 1945 den Weg auf die Leinwände. Ich selbst habe jedoch andere Erinnerungen an diese Endvierziger und Fünfziger Jahre, weil ich oft genug sah, dass sich  viele Filmschaffende durchaus ernsthaft mit Krieg und Nazi-Zeit auseinander setzten. Heute gibt es auch unter Cineasten längst ein differenzierteres Bild des deutschen Filmschaffens, wozu auch Helmut Käutners Film In jenen Tagen beigetragen haben dürfte.

Ein Auto in der Düsternis der Nacht. (Foto: Clipdealer)

Es gab auch viele andere Filme, die sich des Themas annahmen. Einige davon habe ich als junger Mensch gesehen. Schon die drei ersten Filme, die nach 1945 gedreht wurden, befassten sich mit der Nazizeit. „Die Mörder sind unter uns” (Wolfgang Staudte, sowjetische Zone), „Und über uns der Himmel” (Josef von Baky, britische Zone) und „Zwischen gestern und morgen” (Harald Braun, amerikanische Zone) boten dabei unterschiedliche Ansätze (und Ergebnisse). Bakys „Und über uns der Himmel” schien mir am wenigsten geeignet, die Problematik tiefergehend zu beleuchten. Weiterlesen

Chaplin und das blinde Mädchen

In der Stadt Vevey, direkt am Genfer See, steht eine Statue des großen Filmkünstlers Charlie Chaplin. Der Schöpfer so großartiger Filme wie „The Kid”, „Goldrausch”, „Moderne Zeiten” „Monsieur Verdoux”, „Der große Diktator” und „Rampenlicht”, der in seinen letzten Lebensjahren in der Schweiz verbracht hatte, erfuhr neben vielen anderen Lobpreisungen auf diese Weise eine weitere Würdigung. 

Bronzestatue von Charlie Chaplin in Vevey am Genfer See. (Foto: Clipdealer)

Ein besonderer Film Chaplins war „Lichter der Großstadt” und auf dieses Meisterwerk bin ich vor einiger Zeit aufmerksam geworden, als ich auf einem Flohmarkt das Buch „Paradies Amerika” (Aufbau-Verlag, 1953) von Egon Erwin Kisch entdeckte., der als Meister der literarischen Reportage in die Geschichte der Publizistik eingegangen ist. Der legendäre Prager Journalist berichtet darin unter anderem über einen Besuch bei Charlie Chaplin in Hollywood, als dieser gerade seinen Film „City lights” (Lichter der Großstadt) dreht… 

Aber was heisst hier dreht!? Nein, Chaplin dreht nicht einfach, er tüftelt, arbeitet, verwirft, hat neue Ideen, probiert, lässt Szenen unzählige Male wiederholen, fragt Kisch Löcher in den Bauch, ist entsetzt und deprimiert, als der Reporter einige Gags nicht versteht. Verzweifelt versinkt er in seinem Stuhl, vergräbt die Hände im Gesicht und murmelt: „Wir müssen alles neu drehen!”. Weiterlesen

Dr. Mabuse verärgert Goebbels

Fritz Lang, schuf einst als Regisseur den Kriminalfilm Das Testament des Dr. Mabuse. Der Streifen gilt bis heute als Parabel auf die Naziherrschaft und wurde von Propagandaminister Dr. Joseph Goebbels umgehend verboten. Als ich vor kurzem eine DVD des Filmes entdeckte, erinnerte ich mich daran, diesen Klassiker erst vor ein einigen Monaten im deutsch-französischen Kulturkanal „arte” gesehen zu haben. Es handelt sich um einen Kriminalfilm, der Geschichte geschrieben hat. Der Thriller von 1933 ist in Deutschland erstmals im August 1951 gezeigt worden, in Frankfurt am Main wurde er am 11. September im „Bieberbau” an der Hauptwache gestartet.

Angst und Schrecken verbreitet von Bösewicht Dr. Mabuse. (Foto: Clipdealer)

Die jahrelange Verzögerung hatte politische Gründe. Regisseur Fritz Lang hatte den Film bereits 1932/33 in Berlin in einer deutschen und französischen Fassung gedreht, doch beide Versionen wurden wegen der von Minister Dr. Joseph Goebbels unterstellten Parabel auf die Naziherrschaft in Deutschland von den Leinwänden verbannt.

Ob eine Warnung vor dem Faschismus wirklich die Intention von Fritz Lang war, sei daheingestellt. Der Bezug zum Nazi-Regime ist zwar unübersehbar, aber Lang hatte einen generellen Abscheu vor Totalitarismus jedweder Art. Heutzutage kann der Streifen auch als Warnung vor dem internationalen Terrorismus verstanden werden – und für andere politische Konstellationen gilt das ebenso.

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Denkmal der roten Fahnen

Vor dem Bürgerhaus Mörfelden fällt dem Besucher eine rote Stahlskulptur auf, die an die Errichtung des Volkshauses 1930 erinnert. Sie stellt im Wind flatternde Fahnen dar und wurde von dem Darmstädter Künstler Gerhard Schweizer gestaltet. Als ich dieser Tage eine Veranstaltung im Bürgerhaus besuchte, fiel mir wieder einmal dieses mächtige Denkmal ins Auge.

Das Denkmal vor dem Bürgerhaus in Mörfelden. (Foto: Erich Stör)

Professor Schweizer hatte das Ehrenmal 2007 im Auftrag der Kommune zur Erinnerung an die Erbauer kreiert, nachdem fünf Jahre zuvor die örtliche Fraktion der DKP/Offene Liste in der Stadtverordneten-Versammlung den Antrag gestellt hatte, ein solches Denkmal zu errichten. Es soll an die Arbeiter, Bauern und Handwerker aus Mörfelden erinnern, die  Ende der Zwanziger Jahre in mehrjähriger, freiwilliger Arbeit das Volkshaus erbaut hatten.

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Remarque sorgt für Aufsehen

Großes Aufsehen erregt 1928 der Anti-Kriegsroman Im Westen nichts Neues. Die in der berühmten Vossischen Zeitung (Berlin) abgedruckte Fortsetzungsgeschichte stammt aus der Feder des noch jungen Schriftstellers Erich Maria Remarque und beschreibt in nüchternen, aber klaren Worten die brutalen Schrecken des Ersten Weltkrieges und die damit verbundenen Leiden der Soldaten.

Das Feuer des Ersten Weltkriegs. (Moantage: Swift Publisher)

Über 100 Jahre sind vergangen, seit dieser Krieg angezettelt wurde. In Publikationen wird immer wieder die Formulierung vom „Ausbruch” des Weltkrieges verwendet, doch das ist nur eine Verschleierung. Kriege brechen nicht einfach aus wie ein brodelnder Vulkan oder eine Grippe – gewissermaßen als ein unabwendbares „Naturereignis”, gegen das die Menschen machtlos wären. Kriege sind vielmehr schon immer von Menschen gemacht worden, äussere Anlässe – wie etwas das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 – werden nur benutzt, um die Kriegsmaschinerie in Gang zu setzen.

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Film über Schuld und Sühne

Die Mörder sind unter uns – dieser erste deutsche Spielfilm nach dem Zweiten Weltkrieg stammt von Wolfgang Staudte, wurde von der DEFA gedreht und am 15. Oktober 1946 im sowjetisch besetzten Sektor von Berlin im Admiralspalast uraufgeführt. Das Drama um Schuld und Sühne war und ist auch heute noch – 70 Jahre später – politisch aktuell und begründete den Weltruhm von Hildegard Knef, die in ihrem fünften Film erstmals als Hauptdarstellerin eingesetzt wurde.

Hildegard Knef und Wolfgang Borchert. (Foto: Filmverlag Christian Unucka)

Lange hat sich die Legende gehalten, dieser Film sei im Westen Deutschlands in den Nachkriegsjahren nicht gezeigt worden. Korrekt ist jedoch, dass der Streifen in der französischen Zone bereits im April 1947 in Baden-Baden und danach im Mai auch in Ludwigshafen gezeigt wurde, sogar zwei Monate vor den Starts in der britischen und amerikanischen Zone (darunter auch in Frankfurt).

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Dämmerstunden einer Filmdiva

Billy Wilder war einer der vielseitigsten Regisseure in der amerikanischen Traumfabrik Hollywood. Einer seiner großen Filme war Sunset Boulevard (deutscher Titel: Boulevard der Dämmerung aus dem Jahr 1950, der gelegentlich im Fernsehen zu sehen ist. Der Titel kann sinngemäß auch als „Prachtstraße des Sonnenuntergangs” interpretiert werden.

Dämmerung für eine alternde Filmdiva am Hollywood-Boulevard. (Symbolfoto: Clipdealer)

Der Schwarz-Weiß-Film entlarvt in schonungslosen Bildern das glamouröse Image der mächtigen Hollywood-Konzerne, ist aber letztes Endes doch auch wieder selbst nur ein Produkt dieser im Film bloßgestellten „Traumfabrik”. Die Tragödie um einen alternden Stummfilmstar spielte insofern eine besondere Rolle im Schaffen Wilders, weil erstmals ein zutiefst kritischer Blick auf die Gnadenlosigkeit der Traumfabrik geworfen wurde, ohne jedoch Konsequenzen auszulösen.

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Grinsekuh in der Skulpturenstadt

Mörfelden-Walldorf, eine Doppelstadt nahe des Frankfurter Flughafens, hat sich in den vergangenen Jahren einen außerordentlich guten Ruf als „Stadt der Skulpturen” erworben. In jedem Jahr gibt es im August im Bürgerpark eine interessante Ausstellung. Vor einigen Jahren gefiel einer der Veranstaltungen besonders die grinsende Kuh Marsha, geschaffen von der Frankfurter Künstlerin Pia Grambart.

Marsha, die freche Kuh der Frankfurter Künstlerin Pia Grambart. (Foto: Erich Stör)

Außerdem sind in jüngster Vergangenheit in den beiden Ortsteilen schon über 30 verschiedene Werke namhafter Künstler aufgestellt worden – auch mehrere Verkehrskreisel wurden mit Skulpturen bestückt. Einige Kunstwerke in der Stadt sind Leihgaben von jenen Künstlern, die bei der Veranstaltung „Skulpturen im Park” ausstellten. Andere wurden von der Gemeinde im Anschluss an diese alljährliche Freiluft-Ausstellung günstig erworben oder „geleast”.

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Blaue Rhapsodie von Gershwin

George Gershwin schrieb im Jahr 1924 die Rhapsodie in Blau. Sie war neben den vielen anderen seiner Kompositionen ein Meisterwerk konzertanter Jazzmusik. Der Komponist starb 1937 im Alter von nur 39 Jahren. Beim Stöbern im iTunes Store von Apple stieß ich kürzlich auf diese Komposition. Das weckte  auch Erinnerungen an den Warner-Film, den ich vor Jahrzehnten in Frankfurt am Main gesehen hatte. 1945 hatte der bekannte Hollywood-Konzern den Film auf den Markt gebracht und damit dem Komponisten ein filmisches Denkmal gesetzt.

George Gershwin schrieb die Rhapsodie in Blau (Foto: Swift Publisher)

Ich sah den Film damals in den Harmonie-Lichtspielen in Sachsenhausen. Mir war der Streifen an manchen Stellen zu sentimental, in einigen Passagen wirkte er sogar kitschig, allerdings sind seine Vorzüge in der Gershwin-Musik selbst und der Darstellung zeitgenössischer Atmosphäre zu sehen.

Ein Filmkritiker schrieb damals in der Tageszeitung “Frankfurter Rundschau”:

„Dieser Film […] ist ein Tonstreifen voll mitreißender Jazzmusik. Reiner Jazz, konzertanter Jazz, Jazz mit Blues, Jazz in allen Spielarten von, mit und um George Gershwin, dem Schöpfer moderner amerikanischer Tonkunst.”

Das Hamburger Nachrichtenmagazin „Spiegel” sah in Gershwin sogar den Mann, „der den Jazz zur Lady gemacht hat.“

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