Vagabund Chaplin verehrt ein blindes Blumenmädchen

Sechsunddreissig Monate arbeitete der berühmte Charlie Chaplin an seinem Film Lichter der Großstadt, feilte an jeder Szene und jedem Detail, verzweifelte fast, wenn etwas nicht so klappte, wie gewünscht, kämpfte wie ein Berserker um jeden Gag – und heraus kam nach drei Jahren ein Meisterwerk der Filmkunst. Daran wurde ich erinnert, als mir ein uraltes Buch aus dem Jahr 1953 auf einem Flohmarkt in die Hände fiel: „Paradies Amerika” aus dem Berliner Aufbau-Verlag. Der legendäre Prager Journalist Egon Erwin Kisch berichtet darin unter anderem über einen Besuch bei Charlie Chaplin in Hollywood, als dieser gerade  City lights (Lichter der Großstadt) dreht…

Lichter einer Großstadt. (Symbolfoto: Swift Publisher)

Aber was heisst hier dreht!? Nein, Chaplin dreht nicht einfach, er tüftelt, arbeitet, verwirft, hat neue Ideen, probiert, lässt Szenen unzählige Male wiederholen, fragt Kisch Löcher in den Bauch, ist entsetzt und deprimiert, als der Reporter einige Gags nicht versteht. Verzweifelt versinkt er in seinem Stuhl, vergräbt die Hände im Gesicht und murmelt: „Wir müssen alles neu drehen!”.

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Gartenzwerge Laurel & Hardy

Unvergessen ist das Komikerpaar Stan Laurel und Oliver Hardy, das auch im deutschsprachigen Raum als „Dick und Doof“ Millionen von Menschen begeisterte. Ihr Ruhm ist immerhin noch so bedeutend, dass sie neuerdings sogar als „Gartenzwerge” vermarktet werden. Doch haben die Komiker das verdient? Im Grunde genommen nicht, denn Laurel und Hardy waren keine billigen Witzfiguren, sondern Künstler hohen Ranges, auch wenn der von ihnen offerierte Klamauk das nicht immer sichtbar werden ließ.

Laurel und Hardy sind auch als Schmuckfiguren für Gärten sehr beliebt. (Foto: Clipdealer)

Bei aller vordergründigen Effekthascherei machte das gelegentliche nachdenkliche Innehalten und der oftmals eher hintergründige Humor den Erfolg des Duos aus, das immerhin 106 gemeinsame Produktionen (79 Kurzfilme, 27 Spielfilme) zwischen den Jahren 1926 und 1951 auf die Beine stellte.

Obwohl sie nicht mehr zu den klassischen Komikern der Stummfilmzeit gehörten, übernahmen sie viele Elemente in ihre Tonfilme. Vielleicht gerade deshalb rangierten Laurel und Hardy in der Beliebtheit deutlich vor Abbott und Costello (USA) oder Pat und Patachon (Dänemark).

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Bewunderung für Paul Kemp

Hinter diesem Foto eines Clowns verbirgt sich keineswegs der Schauspieler Paul Kemp, aber das Bildnis des Mannes mit dem melancholischen Gesichtsausdruck verdeutlicht, was einige seiner Kollegen von ihm hielten: – sie sahen ihn angesiedelt zwischen dem großen Komiker Charlie Chaplin und dem Clown Grock. Der früh verstorbene Kemp war einer der Großen auf der Bühne und im deutschen Film. Charakterkomiker  ist die wohl zutreffendste Einordnung dieses kleinen Mannes, der meist mit leisen Tönen agierte, gleichwohl (oder gerade deswegen) ein breites Publikum für sich einnahm. 

Kritiker siedelten Paul Kemp zwischen Charlie Chaplin und Grock an. (Symbolfoto: Swift Publisher)

Als ich vor einiger Zeit für den Bericht über die „Jazzlegenden im Althoff-Bau” in alten Zeitungen recherchierte, stieß ich auf den Namen dieses Schauspielers, der in der Vor- und Nachkriegszeit in vielen deutschen Filmen mitwirkte, ohne aber je zum ganz großen Star zu avancieren. In einer Annonce warb Franz Althoff für eine Weihnachtsaufführung des Stückes „Der keusche Lebemann” mit Kemp in der Hauptrolle. Weiterlesen