Herr Drais erfindet das Fahrrad

Zweihundert Jahre Fahrrad im Jahr 2017!  Das lädt dazu ein, einige Aspekte dieses Fortbewegungsmittels zu beleuchten. Es war ein gewisser Karl Freiherr von Drais, der 1817 das so genannte Laufrad erfand – ein schwerfälliges Monstrum, bestehend aus einem massiven Holzkonstrukt mit zwei Rädern, dessen Antrieb aus nichts anderes bestand als den eigenen Beinen. Mit seinen Füßen musste sich der Fahrer immer wieder vom Boden abstoßen, um überhaupt vorwärts zu kommen. Pedale hatte das mit eigener Kraft zu bewegende „Fahrrad” (noch) nicht. Immerhin schaffte es der damals 32 Jahre alte Freiherr, am 12. Juni 1817 vierzehn holprige Kilometer zwischen Mannheim und Schwetzingen in einer Stunde zurückzulegen.

Das Fahrrad ist heutzutage längst Familiengut geworden. (Foto. Clipdealer)

Nach ihrem Erfinder wurde das Laufrad fortan „Draisine” genannt, doch so recht konnte sich die eigentlich revolutionäre Erfindung nicht durchsetzen. Das seltsam anmutende Gefährt blieb lange ein Spielzeug für gut Betuchte, die Bedeutung für die Mobilität der Menschen wurde nicht erkannt. Und auch Freiherr Drais erlebte den späteren Siegeszug seiner Erfindung nicht mehr, vielmehr verstarb er 1851 in völliger Armut.

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Donna Leon entdeckt Brunetti

Alle Jahre wieder erscheint ein Kriminalroman der in Venedig lebenden Schriftstellerin Donna Leon. Hauptfigur ist der venezianische Commissario Guido Brunetti, der sich als redliche und ehrliche Haut täglich mit Kriminalität und Korruption in der morbiden Stadt Venedig beschäftigen muss. Das erste Buch über den Commissario veröffentlichte Donna Leon 1992 und seitdem reiht sich ein Fall an den anderen – eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen.

Die „Straßen“ von Venedig (Foto: Swift Publisher).

Die deutschen Titel (alle im Diogenes-Verlag Zürich) in der chronologischen Reihenfolge (Commissario Brunettis 1. bis 26. Fall) lauten: Venezianisches Finale; Endstation Venedig; Venezianische Scharade; Vendetta; Aqua alta; Sanft entschlafen; Nobilità; In Sachen Signora Brunetti; Feine Freunde; Das Gesetz der Lagune; Die dunkle Seite der Serenissima; Verschwiegen Kanäle; Beweise, dass es böse ist; Blutige Steine; Wie durch ein dunkles Glas; Lasset die Kinder zu mir kommen; Das Mädchen seiner Träume; Schöner Schein; Tierische Profite; Auf Treu und Glauben; Reiches Erbe; Das Goldene Ei; Tod zwischen den Zeilen; Endlich mein; Ewige Jugend, Stille Wasser (ab 24. Mai 2017 im Handel).

Venedig bildet mit seinen engen Gassen, den farbenprächtigen Palästen, den Kanälen und den Gondolieres einen funkelnden Hintergrund für die Fälle des sympathischen, aber gleichwohl unbequemen Brunetti. Der Commissario schätzt guten Wein und mediterranes Essen; er ist anständig und humorvoll, verzweifelt indessen immer wieder an seiner korrupten Umwelt.

Innerhalb der Familie kann Brunetti auf seine intelligente Ehefrau Paola – sie ist Dozentin für englische Sprache – sowie auf seine Tochter Chiara und Sohn Raffi zählen. Beruflich gibt Brunetti immer sein Bestes, um Verbrecher jeder Art zu überführen. Die Palette reicht von einfachen Mord und Totschlag bis hinein in die feinsten Verästelungen von Wirtschaftskriminalität und Korruption.

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Tausend Meilen durch Italien

Mitte Mai, Brescia, Italien. Menschen schlendern durch die meist sonnigen Straßen, in den Cafés herrscht reges Treiben, die Stadt ist überfüllt, es ist wieder einmal Mille Miglia-Zeit. Auf Hochglanz polierte Rennwagen, die alle im Originalzustand sein müssen und einst an den höchst gefährlichen Straßenrennen über 1000 Meilen in den Jahren zwischen 1932 und 1957 teilgenommen haben müssen, sind zu bewundern, wenn die historische Oldtimer-Parade, die Fans mit der Zunge schnalzen lässt: Oh ja, Bella Macchina!

Stoppuhren sind bei der Mille Miglia das Maß der Dinge… (Foto: Swift Publisher)

Bevor die Teilnehmer am 18. Mai zur ersten Etappe aufbrechen, gibt es den ganzen Tag über „Fachgespräche” an allen Ecken und Plätzen… Der Start der „Historic Mille Miglia” ist für Italien jedes Jahr noch immer ein grosses Ereignis, fast so ähnlich wie zu jener Zeit, als es noch in halsbrecherischem Tempo über Stock und Stein ging, dem Wahnsinn nahe und das im wahrsten Sinne des Wortes. In den Fünfziger Jahren wurde immer unverantwortlicher, ein solches Spektakel auf öffentlichen Straßen und in einem Höllentempo auszufahren.

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Das Lied von den Capri-Fischern

Rudi Schuricke, Schnulzensänger, machte den Schlager von den Capri-Fischern Ende der Vierziger Jahre berühmt und zum Dauerbrenner bei den Radiosendern. Der Ohrwurm traf das Lebensgefühl der Deutschen nach dem Krieg. Als ich dieser Tage auf einen Youtube-Beitrag dieses Uralt-Schlagers stieß, weckte das nicht nur wieder Erinnerungen an das Lied selbst, sondern auch an die Nachkriegsjahre in Westdeutschland. Die Zeit war geprägt war von Währungsreform, Wiederaufbau und ersten wirtschaftlichen Erfolgen. Und auch die Reiselust stieg ja zu dieser Zeit. Wohin des Weges? – so fragen sich viele. Dorthin, wo die Sonne im Meer versinkt…? Italien scheint alle Träume zu erfüllen, und wird bald neben Österreich das beliebteste Urlaubsziel der Deutschen.

Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt… (Foto: Swift Publisher)

Als die Käfer die Landstraßen zu erobern beginnen, tuckern bald immer mehr VW-Besitzer über die Alpenpässe nach Südtirol, bevorzugt auch an Gardasee und Adria-Strände. Die Lust auf Italien wird zu dieser Zeit vor allem durch einen Schlager befeuert, der Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre überall aus den Radios plärrt oder als Schallplatte strapaziert wird: Die Capri-Fischer…, eben jene, bei denen die Sonne im Meer versinkt.

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Sensationsfahrt zum Gardasee

Italien gilt vielen Deutschen als Traum- oder Sehnsuchtsland. Besonders nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges stieg anfangs der Fünfziger Jahre die Reiselust in den „Stiefel” sprunghaft an. Dementsprechend wurden die ersten interessanten Urlaubsreisen angeboten. Am 3. Juni 1950 offerierte zum Beispiel das „Bayerische Reise – und Verkehrsbüro” in einer Annonce den Lesern der “Frankfurter Rundschau” unter dem Titel „Die große Reise-Sensation” eine „Großfahrt im Super-Luxus-Autobus” nach Tirol und Großglockner sowie anschließend auch nach Venedig und an den Gardasee. Kostenpunkt für die zwölftägige Tour: 286.50 Deutsche Mark. Was aus heutiger Sicht preisgünstig erscheint, war für die damalige Zeit ganz schön happig, denn noch Ende der Vierziger Jahre bildeten Reisen für die 1949 zu Bundesbürgern gewordenen Westdeutschen eher die Ausnahme.

Das Klischee vom Spaghetti-Land… (Foto: Swift Publisher)

Das durch die Währungsreform 1948 knapp gewordene Geld konnte zunächst nur selten in einen Urlaub gesteckt werden, waren doch die durch den Zweiten Weltkrieg geschlagenen Wunden immer noch deutlich spürbar. Erst im Sommer 1950 konnten sich viele Menschen wieder eine kleine Auszeit gönnen. Oberbayern, Allgäu, die Bodensee-Region und der Schwarzwald sowie Badeorte an Nord- und Ostsee waren die bevorzugten Ziele. Als ab dem 1. Juli das Reisen erleichtert wurde, weil für die Grenzpassagen nur noch ein Pass benötigt wurde, – zuvor war eine Ausreisegenehmigung erforderlich gewesen – eröffnete sich am Horizont auch für die Reisebranche ein neuer Markt: das Ausland!

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Geld zählen mit Paul Pogba

Ohne alle Grenzen, so scheint es. Dem Wahnsinn scheinen Tür und Tor geöffnet. Die Klubs der obersten englischen Fußballliga kaufen mit geradezu unvorstellbaren Summen die besten Spieler der Welt zusammen. Befeuert wird die Kauflust vom Konkurrenzkampf britischer TV-Medien. Grundlage für die Transfer-Wut ist ein Anfang 2015 geschlossener Dreijahresvertrag der Premier League mit den Fernsehsendern Sky und British Telecom (BT).

Unglaubliche Summen gehen im Profi-Fußball über den Tisch (Foto: Swift Publisher)

Der Vertrag bringt der Liga ab der Saison 2016/17 pro Spielzeit knapp 2,3 Milliarden Euro. Die Summe zeigt neben der wachsenden Popularität des englischen Fußballs auch den knallharten Konkurrenzkampf um die Rechtepakete zwischen dem marktbeherrschenden Pay-TV-Sender Sky von Rupert Murdoch und BT Sport, einem neuen Wettbewerber der British Telecom.

Die britische Kauflust hat auch Auswirkungen auf die Fußball-Bundesliga. Zuletzt wechselten Levoy Sané (Schalke 04) für 50 Millionen Euro zu Manchester City, Ilkay Gündogan (Borussia Dortmund) für 27 Millionen ebenfalls zu den Citizens und Henrikh Mchitarjan (Dortmund) für 42 Millionen zu Manchester United. Die genannten Beträge sind schwindelerregend, und der naive Betrachter kann leicht zu der Schlussfolgerung verführt werden, bei solchen Transfersummem könne es sich keinesfalls um real vorhandenes Geld handeln, sondern nur um Monopoly-Spielscheine. Doch die genannten Irrsinnssummen sind keine Fiktion, sondern Nachrichten aus dem kapitalistischen Alltag.

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Vertreibung am Reschensee

Alle Wege führen einer alten Redewendung zufolge nach Rom. So weit wollen wir allerdings nicht, sondern nur von Frankfurt nach Südtirol. Einige Berge der Alpen müssen wir trotzdem passieren, um unser Ziel Meran zu erreichen. Bei unserer Reise wählen wir diesmal nicht den schnelleren und bequemeren Weg via Autobahn über München, Kufstein und Brenner, sondern fahren über den Reschenpaß, wobei wir auch noch die Autobahn-Maut einsparen. Über die A 7 rollen wir von Ulm aus bis nach Füssen, passieren auf Landstraßen den Fernpaß sowie die Städtchen Landeck, Pfunds und Nauders, queren dann – fast ohne es zu bemerken – die Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien und erreichen zuerst die kleine Gemeinde Reschen und gleich darauf das etwas größere Graun.

Die kleine Kirche St. Katharina inmitten des Reschensees. (Foto: Clipdealer)

Auf der rechten Seite schimmert an diesem Tag tiefblau der Reschensee, der Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre angelegte, etwa sechs Kilometer langer Stausee, welcher vor allem der Stromversorgung des Vinschgaus dient. Aus dem Wasser ragt einsam ein Kirchturm, unzählige Male von den zahlreichen Touristen abgelichtet. Das wunderschöne Objekt für die Fotografen wirkt wie aus einem Bilderbuch, hat allerdings auch Flecken, denn kaum jemanden der Vorbeireisenden ist sich der Tatsache bewußt, dass diese hübsche Idylle einen dunklen Hintergrund hat.

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Motorroller aus der Toskana

Als die junge Schauspielerin Audrey Hepburn 1953 in der Filmromanze „Ein Herz und eine Krone” mit Gregory Peck auf einer Vespa durch die nächtlichen Straßen Roms kurvte, war dies der weltweite Durchbruch des schnuckeligen Motorrollers, der 2016 runde siebzig Jahre alt wurde. Die Vespa war im Sommer 1946 von der Firma Piaggio erstmals gebaut und zur Motorroller-Legende gemacht worden.

Strahlend-fröhliches Paar auf dem Motorroller unterwegs (Foto: Clipdealer)

Die damals in der Öffentlichkeit eher unbekannte Fabrik zwischen Pisa und Florenz hatte eine lange Vorgeschichte. 1884 hatte ein gewisser Rinaldo Piaggio im zarten Alter von nur 20 Jahren in der Toskana mit Hilfe seines Vaters ein kleines Sägewerk gegründet; das Geschäft florierte so gut, dass Piaggio seine Angebotspalette bald erweiterte.

Die Firma aus Pontedera baute bald Einrichtungen für Schiffe, Karosserieteile und dann sogar Eisenbahnwaggons. Das Geld floß… Ohne besondere Skrupel stieg das Werk deshalb im Ersten Weltkrieg in das Rüstungsgeschäft ein und spezialisierte sich vor allem auf Flugzeug-Ersatzteile.Auch im Zweiten Weltkrieg betätigte sich das Unternehmen intensiv im militärischen Bereich, was zur Folge hatte, dass die Siegermächte nach Kriegsende der Firma die Herstellung von Kriegsmaterial untersagten. So beschränkte sich Piaggio zunächst nur auf die Herstellung von Kochtöpfen, Bratpfannen und ähnlichen Produkten.

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Wilder Mann in Bressanone

Wer via Brenner-Autobahn von Innsbruck nach Bozen (Bolzano) fährt, passiert Sterzing (Vipiteno) und Franzensfeste (Fortezza) und erreicht dann Brixen (Bressanone) – eine über tausendjährige Stadt, die mit dem prächtigen Dom und seinen zwei Türmen auf sich aufmerksam macht. Bei einer Reise nach Meran ergab sich für mich die Gelegenheit zu einer Stippvisite in der alten Stadt. Nach der Abfahrt von der Autostrada gelange ich nach etwa sechs Kilometern via Staatsstraße 12 in das Stadtzentrum. Parkplatznot natürlich auch in dieser überlaufenen Stadt am Zusammenfluss von Eisack und Rienz.

Blick auf den Dom der Südtiroler Stadt Brixen-Bressanonne (Foto: Clipdealer)

Von einem kleinen Parkhaus erreiche ich nach wenigen Minuten Gehweg die Altstadt von Brixen – nicht nur eine der ältesten Städte Tirols, sondern auch die drittgrößte in der autonomen Provinz Südtirol (nach Bozen und Meran). Die Stadt wurde durch Politik und Kriegswirren immer wieder hin- und hergerissen zwischen Österreich und Bayern, ehe sie 1919 zusammen mit Südtirol an Italien fiel. Diese Situation führte dazu, dass gegenwärtig rund 72 Prozent der 21 000 Einwohner deutsch, 26 Prozent italienisch, und der Rest ladinisch spricht.

Brixen beherbergt in seinen Mauern viele Sehenswürdigkeiten, was auch daran liegt, dass im Mittelalter nicht nur zahlreiche Händler auf ihrem Weg zwischen Norden und Süden hier Halt machten, sondern auch viele Künstler für Tage, Wochen oder sogar Monate blieben. Diese hinterließen gotische Bauwerke, Gemälde oder Skulptuten und schmückten die Kirchen mit ihren Kunstwerken. Sehenswürdigkeiten gibt es deshalb in der Stadt in Hülle und Fülle. Besonders natürlich im Stadtkern.

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Tragödie am Matterhorn

Vor über 150 Jahren wurde der legendäre Bergriese Matterhorn nahe der schweizerischen Gemeinde Zermatt erstmals von einer Seilschaft bezwungen. Was damals, am 14. Juli 1865, zunächst wie ein großer Triumph der beteiligten Bergsteiger aussah, endete beim Abstieg mit einer Tragödie: Vier der sieben Bergsteiger verloren ihr Leben, als sie nach einem Seilriss abstürzten. Das erbitterte Wettrennen um die Erstbesteigung des Matterhorns hatte seine ersten Opfer gefordert, denen freilich noch unzählige folgen sollten. In den Jahren seit der Erstbesteigung wurden über 500 tödliche Unfälle gezählt…

Wälder, Wiesen und dahinter: Der Berg! (Foto: Clipdealer)

Das Matterhorn steht in den Walliser Alpen zwischen Zermatt und Breuil-Cervinia. Die Ost-, Nord- und Westwand liegen auf schweizerischem Gebiet, die Südwand in Italien. Weil eine italienische Gruppe um den Bergführer Jean-Antoine Carrel über die italienische Seite aufzusteigen versuchte, wurde der Engländer Edward Whymper, der schon lange vom „Sieg” am Matterhorn träumte, zur überhasteten Eile angetrieben. Überhastet bildete er inm schweizerischen Zermatt eine illustre Siebener-Seilschaft mit ihm selbst, dem Bergführer Michel Croz aus Chamonix, den Briten Charles Hudson, Lord Francis Douglas und Robert Hadow sowie den einheimischen Bergführern Peter Taugwalder (Vater) und Peter Taugwalder (Sohn).

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