Drama um gestohlenes Fahrrad

In einem Zeitungsbericht war dieser Tage zu lesen, dass in Deutschland etwa alle 90 Sekunden ein Fahrrad gestohlen wird. Von den meisten der rund 340.000 Räder, die nach der Statistik pro Jahr verschwinden, sehen die Besitzer nie wieder etwas – „die Aufklärungsquote bei Fahrraddiebstählen liegt nach Angaben des BKAs seit Jahren unter zehn Prozent.” (Rheinische Post). Bei dieser geringen Aufklärungsquote ist Fahrraddiebstahl so etwas wie das „perfekte Verbrechen“, zumal die Besitzer oft genug leichtsinnig zum Diebstahl einladen – noch immer sind die wenigsten Fahrräder registriert und entsprechend gekennzeichnet. 

Selbst alte Fahrräder werden gestohlen. (Symbolfoto: Clipdealer)

Die Gründe für die Diebstähle sind vielfältig, und nicht immer ist es nackte Not, obwohl auch zunehmende Armut in einer  „Wohlstandsgesellschaft” eine Rolle spielen dürfte. Seit langem wird nämlich bandenmäßiges Vorgehen beobachtet, um die Fahrräder als „Massenware” ins Ausland zu verschieben. Fälle, in denn ein Fahrrad auch „nur” mal mitgenommen wird, um es kurz zu benutzen und dann wieder stehen zu lassen, sind dagegen seltener geworden. Die moderne Art des Fahrraddiebstahls unterscheidet sich gleichwohl in allen Belangen von der Armut und der sozialen Situation der Menschen, die den italienischen Regisseur Vittorio de Sica 1948 zu seinem Film-Klassiker Fahrraddiebe (Originaltitel: „Ladri di biciclette”) inspirierte, den ich kürzlich wieder einmal im Fernsehen sah. Weiterlesen

Tausend Meilen in alten Kisten

Aus dem legendären Straßenrennen „Mille Miglia“ wurde nach dem Verbot im Jahr 1957 eine Oldtimer-Rallye, die immer noch über 1000 Meilen von Brescia nach Rom und zurück führt. Im Gegensatz zu früher ist nicht Geschwindigkeit, sondern nur noch Gleichmäßigkeit gefragt. Stoppuhren sind die wichtigsten Helfer.

Karawane der Mille Miglia 2014 in der Toskana. (Foto: Clipdealer)

Mitte Mai, Brescia, Italien. Menschen schlendern durch die meist sonnigen Straßen, in den Cafés herrscht reges Treiben, die Stadt ist überfüllt, es ist wieder einmal Mille Miglia-Zeit. Auf Hochglanz polierte Rennwagen, die alle im Originalzustand sein müssen und einst an den höchst gefährlichen Straßenrennen über 1000 Meilen in den Jahren zwischen 1932 und 1957 teilgenommen haben müssen, sind zu bewundern, wenn die historische Oldtimer-Parade, die Fans mit der Zunge schnalzen lässt: Oh ja, Bella Macchina! Weiterlesen

Donna Leon entdeckt Brunetti

Alle Jahre erscheint im Sommer ein Kriminalroman der in Venedig lebenden Schriftstellerin Donna Leon. Hauptfigur ist der venezianische Commissario Guido Brunetti, der sich als redliche Haut täglich mit Kriminalität und Korruption in der von Kanälen und Lagunen durchzogenen morbiden Stadt beschäftigen muss.

Venedig mit Blick auf den Canale Grande. (Foto: Swift Publisher)

Venedig bildet mit seinen engen Gassen, den farbenprächtigen Palästen, den Kanälen und den Gondolieres einen funkelnden Hintergrund für die Fälle des sympathischen, aber gleichwohl unbequemen Brunetti. Der Commissario schätzt guten Wein und mediterranes Essen; er ist anständig und humorvoll, verzweifelt indessen immer wieder an seiner korrupten Umwelt.

Innerhalb der Familie kann Brunetti auf seine intelligente Ehefrau Paola – sie ist Dozentin für englische Sprache – sowie auf seine Tochter Chiara und Sohn Raffi zählen. Beruflich gibt Brunetti immer sein Bestes, um Verbrecher jeder Art zu überführen. Die Palette reicht von einfachen Mord und Totschlag bis hinein in die feinsten Verästelungen von Wirtschaftskriminalität und Korruption.

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Andreas Hofer in St. Leonhard

Die Marktgemeinde St. Leonhard in Südtirol ist ein Paradies für Fun-Sportler. Besonders Rafting, das wilde Fahren mit dem Schlauchboot, hat es vielen Besuchern angetan. In St. Leonhard steppt also der Bär, aber zu jeder Jahreszeit ist auch immer noch ein gewisser Andreas Hofer präsent. Der aufmüpfige Sandwirt ist allgegenwärtig und der Rebell  von einst lebt irgendwie noch immer… Auch im nordtirolerischen Innsbruck wird er mit Denkmälern und Museen gefeiert.

Überall präsent: In Innsbruck steht dieses Denkmal von Andreas Hofer. (Foto: Thomas Zagler/Fotolia)

Wer St. Leonhard im Blick hat (oder auch nur durchfährt), wird also – ob er will oder nicht – um Hofer nicht herumkommen. Aus diesem Bergdorf stammt jener Mann, der von vielen Österreichern, speziell aber den Tirolern und Südtirolern noch heute – über 200 Jahre nach seinem Tod – als großer Volksheld verehrt wird. Der Wirt und Viehhändler wurde am 22. November 1767 auf dem Sandhof geboren und agierte 1809 als Anführer der Tiroler Aufstandsbewegung gegen bayerische und französische Besetzung. Weiterlesen

Schuricke über die Capri-Fischer

Herr Rudi Schuricke, legendärer Schnulzensänger, machte den Schlager von den ehrsamen Capri-Fischern Ende der Vierziger Jahre nicht nur berühmt, sondern zum erfolgreichen Dauerbrenner bei den Radiosendern. Der Ohrwurm traf das Lebensgefühl der Deutschen nach dem Krieg. Als ich dieser Tage auf einen Youtube-Beitrag dieses Uralt-Schlagers stieß, weckte das nicht nur Erinnerungen an das Lied selbst, sondern an die Nachkriegsjahre in Westdeutschland. 

Fischerboote vor Capri. (Symbolfoto: Swift Publisher)

Die Zeit war geprägt von der Währungsreform im Jahr 1948, Wiederaufbau und wirtschaftlichen Erfolgen. Und auch die Reiselust stieg ja zu dieser Zeit. Wohin des Weges? – so fragen sich viele. Dorthin, wo die Sonne im Meer versinkt…? Italien scheint alle Träume zu erfüllen, und wird bald neben Österreich das beliebteste Urlaubsziel der Deutschen.

Als die Käfer die Landstraßen zu erobern beginnen, fahren bald immer mehr VW-Besitzer über die Alpenpässe nach Südtirol, bevorzugt auch an Gardasee und Adria-Strände. Die Lust auf Italien wird zu dieser Zeit vor allem durch einen Schlager befeuert, der Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre überall aus den Radios lärmt oder als Schallplatte strapaziert wird: Die Capri-Fischer…, eben jene, bei denen die Sonne im Meer versinkt.

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Luxusreise ins Spaghetti-Land

Italien gilt vielen Deutschen als Traum- oder wenigstens Sehnsuchtsland. Nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges stieg anfangs der Fünfziger Jahre die Reiselust in den „Stiefel” sprunghaft an. Deshalb wurden schon bald die ersten interessanten Urlaubsreisen angeboten. Am 3. Juni 1950 offerierte zum Beispiel das „Bayerische Reise – und Verkehrsbüro” in einer Annonce den Lesern der “Frankfurter Rundschau” unter dem Titel „Die große Reise-Sensation” eine exklusive „Großfahrt im Super-Luxus-Autobus” nach Tirol und Großglockner sowie anschließend nach Venedig und an den Gardasee.  Kostenpunkt für die zwölftägige Tour: 286.50 Deutsche Mark. Was aus heutiger Sicht preisgünstig erscheint, war für die damalige Zeit ganz schön happig, denn noch Ende der Vierziger Jahre bildeten Reisen für die 1949 zu Bundesbürgern gewordenen Westdeutschen eher die Ausnahme.

Ein Teller mit Speghetti. (Foto: Swift Publisher)

Das durch die Währungsreform 1948 knapp gewordene Geld konnte zunächst nur selten in einen Urlaub gesteckt werden, waren doch die durch den Zweiten Weltkrieg geschlagenen Wunden immer noch deutlich spürbar. Erst im Sommer 1950 konnten sich viele Menschen wieder eine kleine Auszeit gönnen. Oberbayern, Allgäu, die Bodensee-Region und der Schwarzwald sowie Badeorte an Nord- und Ostsee waren die bevorzugten Ziele. Als ab dem 1. Juli das Reisen erleichtert wurde, weil für die Grenzpassagen nur noch ein Pass benötigt wurde, – zuvor war eine Ausreisegenehmigung erforderlich gewesen – eröffnete sich am Horizont auch für die Reisebranche ein neuer Markt: das Ausland!

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Vertreibung am Reschensee

Ganz in der Nähe des Grenzübergangs zwischen Italien und Österreich liegt der Reschensee. Das künstlich angelegte Gewässer wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in rücksichtsloser Manier errichtet, indem Menschen enteignet und vertrieben wurden. Aus dem See ragt das alte Kirchlein St. Katharina heraus.

Das Kirchlein St. Katharina ragt aus dem Reschensee – mal mehr, mal weniger. (Foto: Clipdealer)

Alle Wege führen einer alten Redewendung zufolge nach Rom. So weit wollen wir allerdings nicht, sondern nur von Frankfurt nach Südtirol. Einige Berge der Alpen müssen wir trotzdem passieren, um unser Ziel Meran zu erreichen. Bei unserer Reise wählen wir diesmal nicht den schnelleren und bequemeren Weg via Autobahn über München, Kufstein und Brenner, sondern fahren über den Reschenpass, wobei wir auch noch die Autobahn-Maut einsparen.

Über die A 7 rollen wir von Ulm aus bis nach Füssen, passieren auf Landstraßen den Fernpass sowie die Städtchen Landeck, Pfunds und Nauders, queren dann – fast ohne es zu bemerken – die Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien und erreichen zuerst die kleine Gemeinde Reschen und gleich darauf das etwas größere Graun. Weiterlesen

Eine Wespe aus der Toskana

Als die junge Schauspielerin Audrey Hepburn 1953 in der Filmromanze „Ein Herz und eine Krone” mit Gregory Peck auf einer Vespa durch die nächtlichen Straßen Roms kurvte, war dies der weltweite Durchbruch des schnuckeligen Motorrollers, der 2016 runde siebzig Jahre alt wurde. Die Vespa war im Sommer 1946 von der Firma Piaggio erstmals gebaut und zur Motorroller-Legende gemacht worden.

Glückliches Hochzeitspaar auf einem Motorroller. (Foto: Clipdealer)

Die damals in der Öffentlichkeit eher unbekannte Fabrik zwischen Pisa und Florenz hatte eine lange Vorgeschichte. 1884 hatte ein gewisser Rinaldo Piaggio im zarten Alter von nur 20 Jahren in der Toskana mit Hilfe seines Vaters ein kleines Sägewerk gegründet; das Geschäft florierte so gut, dass Piaggio seine Angebotspalette bald erweiterte. Weiterlesen

Doppeltürmiger Dom in Brixen

Die Stadt Brixen (Bressanone) gilt als das religiöse Zentrum Südtirols und hat viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Der Dom mit seinen zwei Türmen ist besonders ansehenswert und gilt deshalb als Schmuckstück der von unzähligen Touristen besuchten Stadt an der Eisack. Wer via Brenner-Autobahn von Innsbruck nach Bozen (Bolzano) fährt, passiert Sterzing (Vipiteno) und Franzensfeste (Fortezza) und erreicht dann Brixen (Bressanone) – eine über tausendjährige Stadt, die mit dem prächtigen Dom und seinen zwei Türmen auf sich aufmerksam macht. 

Blick auf den zweitürmigen Dom in Brixen. (Foto: Clipdealer)

Bei einer Reise nach Meran ergab sich für mich die Gelegenheit zu einer Stippvisite in der alten Stadt. Nach der Abfahrt von der Autostrada gelange ich nach etwa sechs Kilometern via Staatsstraße 12 in das Stadtzentrum. Parkplatznot natürlich auch in dieser überlaufenen Stadt am Zusammenfluss von Eisack und Rienz.

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Ingrid Bergman am Stromboli

Ein Fischerboot fährt mit der Besatzung zur Arbeit, im Hintergrund ist der Vulkan Stromboli zu sehen; einsam verharrt er dort, so als hätte er nicht einst einem Drama mit Ingrid Bergman den Titel gegeben. Stromboli war ein Film, der – wie die Werbung schrieb – der Schwedin „zum Schicksal wurde“. War das wirklich so?

Der Vulkan Stromboli im Dämmerlicht. (Foto: Clipdealer)

Ganz gewiss nicht.  Dazu war ihr künstlerisches Schaffen zu umfangreich und vielfältig.  Anlässlich des 100. Geburtstages der schwedischen Schauspielerin Ingrid Bergman am 29. August  2015 gab es deshalb zahlreiche Würdigungen von Kritikern und Filmhistorikern. Auch für den Autor ein guter Grund, aus Sicht des Zuschauers einen Blick auf ihr filmisches Lebenswerk zu werfen, ihr zu applaudieren und ihr ein Dankeschön nachzurufen. Weiterlesen