Hopalong Cassidy im feinen Zwirn

Ganz am Anfang der Filmgeschichte – etwa von 1903 (Der große Eisenbahnraub) bis Mitte der 30er Jahre – bestand das Genre des us-amerikanischen Wildwestfilmes aus einfachen Bausteinen. Es wurde geschossen und geritten, es gab Gute und Böse (Indianer allemal), lärmend überfüllte Salons mit Klaviergeklimper und Pokerrunden, Falschspielerei mit folgendem Schusswaffengebrauch, raffgierige Rancher und Cowboys auf galoppiernden Pferden. Aus diesen Versatzstücken wurden schlichte Streifen wie am Fließband auf die Leinwände gebracht. Western von gestern…

Drei Filmprogramme zu Hopalong Cassidy-Filmen. (Fotos: Filmverlag Christian Unucka)

Bekannte Hollywood-Regisseure wie John Ford, Cecil B. de Mille und George Marshall schufen Ende der Dreissiger Jahre jedoch Western, die mit sozialpolitischen Tönen aufwarteten. Cecil B. de Mille drehte 1939 Die Frau gehört mir (Union Pacific) mit Joel McCrea und Barbara Stanwyck über den von Raubrittern und Spekulanten begleiteten Eisenbahnbau in den USA. John Ford erzeugte mit Höllenfahrt nach Santa Fe (Stagecoach, Ringo) nicht nur den Weltstar John Wayne, sondern ein Drama über die Verlorenheit der Menschen in der trostlosen Einsamkeit einer feindlichen Umwelt. Weiterlesen

Duschmord in 54 Einzelteilen

Der Thriller Psycho ist eines der großen, filmischen Meisterwerke von Alfred Hitchcock. Es verbindet in geradezu perfekter Weise Atmosphäre, Montage und Musik zu einem Horror-Szenario ohnegleichen. Zentraler Punkt ist ein Mord unter der Moteldusche – eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte. Die 2,15 Minuten lange Sequenz besteht aus 54 verschiedenen Einstellungen und Schnitten, die sorgfältig erarbeitet worden sind. Die Dreharbeiten dafür dauerten allein rund eine Woche.

Unter der Dusche geschah ein schrecklicher Mord… (Symbolfoto: Clipdealer)

Als ich jetzt den Film zum wiederholten Mal erlebte, erinnerte ich mich daran, wie der Thriller bei seiner Erstaufführung beworben worden ist. In den Inseraten der Zeitungen wurde eindringlich darauf aufmerksam gemacht, dass nach Beginn einer Vorstellung kein Besucher mehr in den Saal gelassen würde; außerdem wurde darum gebeten, den Schluss nicht an Freunde und Bekannte zu verraten. Mit diesen Maßnahmen sollte das ohnehin große Interesse an Psycho noch weiter angeheizt werden.

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Mogelpackung „Casablanca“

Casablanca, der berühmte us-amerikanische Film mit den Stars Ingrid Bergman, Humphrey Bogart und Paul Henreid in den Hauptrollen kam im Jahr 1952 aus mehr als fadenscheinigen Gründen in der Bundesrepublik Deutschland in einer verfälschten Fassung in die Kinos. Ein Rückblick auf eines der traurigsten Kapitel der Nachkriegsgeschichte, was die Filmbranche betrifft.

Bergman und Bogart auf dem Titel der Filmbühne Nr. 1613. (Foto: Filmverlag Unucka)

Bei einer familiären Feier kamen wir in diesen Tagen auch auf Casablanca zu sprechen und in der Gesprächsrunde stellte sich schnell heraus, dass die meisten Anwesenden nichts von der verlogenen Manipulation  des Filmverleihs Warner Brothers wussten. Deshalb ein kurzer Blick zurück. Im Jahr 1952 war der Film  in den deutschen Kinos angelaufen, darunter auch Anfang September im Frankfurter „Metro im Schwan“.

Ein auf Besuch in Deutschland weilender Journalist traute seinen Augen (und Ohren) nicht, als er das Machwerk im Kino über sich ergehen lassen musste. Denn aus dem Widerstandskämpfer Victor Laszlo (Paul Henreid) war ein Wissenschaftler gemacht worden, der sich mit mysteriösen Delta-Strahlen befasste, der Caféhaus-Betreiber Rick Blaine (Humphrey Bogart) verkam zum Waffenhändler und war nicht mehr als jener Mann zu erkennen, der – wenn auch zynisch und illusionslos – Hilfe für politisch Verfolgte aus Europa leistete, IIsa Lund (Ingrid Bergman) nur noch eine Frau, um den Film am Laufen zu halten.

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Chaplin und das blinde Mädchen

In der Stadt Vevey, direkt am Genfer See, steht eine Statue des großen Filmkünstlers Charlie Chaplin. Der Schöpfer so großartiger Filme wie „The Kid”, „Goldrausch”, „Moderne Zeiten” „Monsieur Verdoux”, „Der große Diktator” und „Rampenlicht”, der in seinen letzten Lebensjahren in der Schweiz verbracht hatte, erfuhr neben vielen anderen Lobpreisungen auf diese Weise eine weitere Würdigung. 

Bronzestatue von Charlie Chaplin in Vevey am Genfer See. (Foto: Clipdealer)

Ein besonderer Film Chaplins war „Lichter der Großstadt” und auf dieses Meisterwerk bin ich vor einiger Zeit aufmerksam geworden, als ich auf einem Flohmarkt das Buch „Paradies Amerika” (Aufbau-Verlag, 1953) von Egon Erwin Kisch entdeckte., der als Meister der literarischen Reportage in die Geschichte der Publizistik eingegangen ist. Der legendäre Prager Journalist berichtet darin unter anderem über einen Besuch bei Charlie Chaplin in Hollywood, als dieser gerade seinen Film „City lights” (Lichter der Großstadt) dreht… 

Aber was heisst hier dreht!? Nein, Chaplin dreht nicht einfach, er tüftelt, arbeitet, verwirft, hat neue Ideen, probiert, lässt Szenen unzählige Male wiederholen, fragt Kisch Löcher in den Bauch, ist entsetzt und deprimiert, als der Reporter einige Gags nicht versteht. Verzweifelt versinkt er in seinem Stuhl, vergräbt die Hände im Gesicht und murmelt: „Wir müssen alles neu drehen!”. Weiterlesen

Gartenzwerge Laurel & Hardy

Unvergessen ist das Komikerpaar Stan Laurel und Oliver Hardy, das auch im deutschsprachigen Raum als „Dick und Doof“ Millionen von Menschen begeisterte. Ihr Ruhm ist immerhin noch so bedeutend, dass sie neuerdings sogar als „Gartenzwerge” vermarktet werden. Doch haben die Komiker das verdient? Im Grunde genommen nicht, denn Laurel und Hardy waren keine billigen Witzfiguren, sondern Künstler hohen Ranges, auch wenn der von ihnen offerierte Klamauk das nicht immer sichtbar werden ließ.

Die Filmkomiker Laurel und Hardy sind auch als Schmuckfiguren für Gärten beliebt. (Foto: Clipdealer)

Bei aller vordergründigen Effekthascherei machte das gelegentliche nachdenkliche Innehalten und der oftmals eher hintergründige Humor den Erfolg des Duos aus, das immerhin 106 gemeinsame Produktionen (79 Kurzfilme, 27 Spielfilme) zwischen den Jahren 1926 und 1951 auf die Beine stellte.

Obwohl sie nicht mehr zu den klassischen Komikern der Stummfilmzeit gehörten, übernahmen sie viele Elemente in ihre Tonfilme. Vielleicht gerade deshalb rangierten Laurel und Hardy in der Beliebtheit deutlich vor Abbott und Costello (USA) oder Pat und Patachon (Dänemark).

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Bogart & Bacall in Hollywood

Die Liebes- und Ehegeschichte von Lauren Bacall und Humphrey Bogart in der profitorientierten, seelenlosen Gnadenlosigkeit der Hollywood-Maschinerie, die ihnen immerhin den Regeln der Traumfabrik entsprechend Sterne auf der „Straße des Ruhms“ in Los Angeles schenkte. Es ist nicht nur eine Ehestory, die zu erzählen ist,  sondern auch die Würdigung zweier charismatischer Filmkünstler.

Straße des Ruhms in Hollywood. (Foto: Clipdealer)

In einer der vielen Quizsendungen, die derzeit im deutschen Fernsehen zu sehen sind, wurde ein Kandidat sinngemäß gefragt, unter welchen Künstlernamen eine gewisse Betty Joan Perske im alten Hollywood berühmt geworden sei. Die richtige Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: „Lauren Bacall!” Zweifellos war der Befragte ein guter Kenner der Filmhistorie.

Diese Lauren Bacall war 1944 von Regisseur Howard Hawks entdeckt worden, als er ihr als blutige Anfängerin und im zarten Alter von 20 Jahren die Hauptrolle in dem Film „Haben und Nichthaben” nach Motiven eines Romans von Ernest Hemingway anvertraute. Ihr Partner in diesem Abenteuerstreifen war kein Geringerer als der 25 Jahre ältere Humphrey Bogart, den sie bald darauf heiratete. Während Bogart 1957 im Alter von nur 57 Jahren einer Krebserkrankung erlag, starb Lauren Bacall 2014 im Alter von 89 Jahren. Die Liebes- und Ehegeschichte der beiden Hollywood-Filmstars aber hat viele Filmfreunde bis auf den heutigen Tag bewegt.

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Dämmerstunden einer Filmdiva

Billy Wilder war einer der vielseitigsten Regisseure in der amerikanischen Traumfabrik Hollywood. Einer seiner großen Filme war Sunset Boulevard (deutscher Titel: Boulevard der Dämmerung aus dem Jahr 1950, der gelegentlich im Fernsehen zu sehen ist. Der Titel kann sinngemäß auch als „Prachtstraße des Sonnenuntergangs” interpretiert werden.

Dämmerung für eine alternde Filmdiva am Hollywood-Boulevard. (Symbolfoto: Clipdealer)

Der Schwarz-Weiß-Film entlarvt in schonungslosen Bildern das glamouröse Image der mächtigen Hollywood-Konzerne, ist aber letztes Endes doch auch wieder selbst nur ein Produkt dieser im Film bloßgestellten „Traumfabrik”. Die Tragödie um einen alternden Stummfilmstar spielte insofern eine besondere Rolle im Schaffen Wilders, weil erstmals ein zutiefst kritischer Blick auf die Gnadenlosigkeit der Traumfabrik geworfen wurde, ohne jedoch Konsequenzen auszulösen.

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Ingrid Bergman am Stromboli

Ein Fischerboot fährt mit der Besatzung zur Arbeit, im Hintergrund ist der Vulkan Stromboli zu sehen; einsam verharrt er dort, so als hätte er nicht einst einem Drama mit Ingrid Bergman den Titel gegeben. Stromboli war ein Film, der – wie die Werbung schrieb – der Schwedin „zum Schicksal wurde“. War das wirklich so?

Der Vulkan Stromboli im Dämmerlicht. (Foto: Clipdealer)

Ganz gewiss nicht.  Dazu war ihr künstlerisches Schaffen zu umfangreich und vielfältig.  Anlässlich des 100. Geburtstages der schwedischen Schauspielerin Ingrid Bergman am 29. August  2015 gab es deshalb zahlreiche Würdigungen von Kritikern und Filmhistorikern. Auch für den Autor ein guter Grund, aus Sicht des Zuschauers einen Blick auf ihr filmisches Lebenswerk zu werfen, ihr zu applaudieren und ihr ein Dankeschön nachzurufen. Weiterlesen

Blaue Rhapsodie von Gershwin

George Gershwin schrieb im Jahr 1924 die Rhapsodie in Blau. Sie war neben den vielen anderen seiner Kompositionen ein Meisterwerk konzertanter Jazzmusik. Der Komponist starb 1937 im Alter von nur 39 Jahren. Beim Stöbern im iTunes Store von Apple stieß ich kürzlich auf diese Komposition. Das weckte  auch Erinnerungen an den Warner-Film, den ich vor Jahrzehnten in Frankfurt am Main gesehen hatte. 1945 hatte der bekannte Hollywood-Konzern den Film auf den Markt gebracht und damit dem Komponisten ein filmisches Denkmal gesetzt.

George Gershwin schrieb die Rhapsodie in Blau (Foto: Swift Publisher)

Ich sah den Film damals in den Harmonie-Lichtspielen in Sachsenhausen. Mir war der Streifen an manchen Stellen zu sentimental, in einigen Passagen wirkte er sogar kitschig, allerdings sind seine Vorzüge in der Gershwin-Musik selbst und der Darstellung zeitgenössischer Atmosphäre zu sehen.

Ein Filmkritiker schrieb damals in der Tageszeitung “Frankfurter Rundschau”:

„Dieser Film […] ist ein Tonstreifen voll mitreißender Jazzmusik. Reiner Jazz, konzertanter Jazz, Jazz mit Blues, Jazz in allen Spielarten von, mit und um George Gershwin, dem Schöpfer moderner amerikanischer Tonkunst.”

Das Hamburger Nachrichtenmagazin „Spiegel” sah in Gershwin sogar den Mann, „der den Jazz zur Lady gemacht hat.“

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