Skandal um Filmproduzent K.

Die Geschichte der Bundesrepublik ist trotz ihrer demokratischen Grundordnung überaus reich an politischen Repressionen gegen politisch Andersdenkende – wie auch die Berufsverbote in den Siebziger Jahren belegen. Schon in der frühen Adenauer-Ära gab es jedoch Repressionen ganz anderer Art. Im Jahr 1951 geriet zum Beispiel der Hamburger Filmproduzent Walter Koppel ins Visier des Bonner Innenministeriums und wurde an den Rand des Ruins getrieben. Ein skandalöser Vorgang, der ein bezeichnendes Licht auf die politischen Repressionen jener Zeit wirft.

Eine beantragte Bundesbürgschaft wurde abgelehnt. (Foto: Clipdealer)

Hintergrund: Zwischen 1951 und 1955 konnten Filmemacher so genannte Ausfallbürgschaften des Bundes beantragen, um gegen eventuell auftretende finanzielle Verluste gewappnet zu sein. Diese Bürgschaften sollen dazu dienen, die filmkulturelle Entwicklung in Deutschland anzuschieben, sie sind jedoch – wie am Fall von Walter Koppel zu sehen ist – von der Adenauer-Regierung gegen missbeliebige Personen missbraucht worden.

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Dorf der Heidschnucken

Von Hermann Löns (1866-1914) will ich nicht reden, ist mir der Journalist und Schriftsteller wegen seiner übertrieben national angehauchten Heimatdichterei rund um die Lüneburger Heide und seiner politischen Vereinnahmung durch die Nazis doch eher suspekt. Doch abgesehen von Löns ist ein Besuch bei den Heidschnucken gleichwohl lohnenswert. Dazu braucht es nicht die schmalzig-triefenden Filmschnulzen aus den Fünfziger Jahren wie etwa „Rot ist die Liebe” (1956, mit Dieter Borsche, Barbara Rütting, Cornell Borchers) oder „Grün ist die Heide” (1951, mit Sonja Ziemann, Rudolf Prack).

Ein typische, norddeutsche Heidelandschaft. (Foto: Clipdealer)

Bei einer Reise nach Ratzeburg ergab sich vor einiger Zeit die Möglichkeit, die Heidelandschaften zu erkunden, die Heidschnucken bei „ihrer Arbeit” zu beobachten, und einige Orte kennenzulernen, die sich aus pekuniären Grunden ganz und gar dem Tourismus zugewandt haben.

Wir verlassen die Autobahn Nr. 7 nach Hamburg an der Anschlusstelle Egestorf und erreichen nach nur zwei Kilometern die gleichnamige Gemeinde, wo wir in der Lüttringhausener Straße auf den „Egestorfer Hof” stoßen, in dem wir für zwei Tage Quartier beziehen.

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Begegnung mit Albert Matterstock

Im Jahr 1960 verstarb der Schauspieler Albert Matterstock. Der Filmstar der 30er und 40er Jahre wurde nur 49 Jahre alt, und hatte nach dem Zweiten Weltkrieg im Filmgeschäft nicht mehr Fuß fassen können. Eine Erinnerung an den in Hamburg verstorbenen Künstler kam auf, als ich beim Suchen nach alten Filmprogrammen dieser Tage bei „ebay“ auf den Titel „Drei Birken auf der Heide” stieß. Für 3,99 Euro wurde das Heftchen aus der Reihe „Das Neue Filmprogramm” feilgeboten, der Titel weckte Gedanken an eine kurze, persönliche Begegnung mit dem Schauspieler in Frankfurt am Main.

Albert Matterstock blieb nach dem Krieg unbeachtet. (Foto: Filmverlag Unucka)

Im November 1956 wurde diese fade Heimatschnulze in den Harmonie-Lichtspielen in Frankfurt-Sachsenhausen gezeigt. Als Gast anwesend im Kino war Albert Matterstock, ein Top-Star des deutschen Films der Dreissiger und Vierziger Jahre, der gerade versuchte, im Film noch einmal Fuß zu fassen, nachdem er im Nachkriegsdeutschland kaum noch auf den Besetzungslisten aufgetaucht war.

Dagegen hatte der Schauspieler vor und auch während des Krieges in Berlin bei verschiedenen Gesellschaften Filme wie am Fließband abgeliefert, alleine in den Jahren 1937 bis 1939 zwölf Streifen. Die meisten wurden vom Publikum goutiert, obwohl es meistens nur Massenware gewesen war. Der junge Mann aber war mit diesen Filmen zu einem beliebten Filmstar geworden. Obwohl Matterstocks Stern nun verblasst war, hatte ihm der Hamburger Produzent Walter Koppel (Real-Film) in „Drei Birken auf der Heide” die Rolle eines Verlegers gegeben, doch der Film mit Margit Saad, Sonja Sutter und Helmut Schneider (Regie: Ulrich Erfurth) hinterließ in der trübseligen Historie des deutschen Heimatfilms jener Jahre keinerlei Eindruck – abgesehen von den eindrucksvollen Aufnahmen der Lüneburger Heide durch Kameramann Willy Winterstein. Weiterlesen