Frech grinsend wird die Kuh Marsha zum Publikumsliebling

Mörfelden-Walldorf, eine Doppelstadt nahe des Frankfurter Flughafens, hat sich in den vergangenen Jahren einen guten Ruf als „Stadt der Skulpturen” erworben. In jedem Jahr gibt es im August im Bürgerpark eine interessante Skulpturenausstellung. Vor einigen Jahren gefiel einer der Veranstaltungen besonders die grinsende Kuh Marsha, geschaffen von der Frankfurter Künstlerin Pia Grambart. 

Marsha, die freche Kuh der Frankfurter Künstlerin Pia Grambart. (Foto: Erich Stör)

Außerdem sind in jüngster Vergangenheit in den beiden Ortsteilen schon über 30 verschiedene Werke namhafter Künstler aufgestellt worden – auch mehrere Verkehrskreisel wurden mit Skulpturen bestückt. Einige Kunstwerke in der Stadt sind Leihgaben von jenen Künstlern, die bei der Veranstaltung „Skulpturen im Park” ausstellten. Andere wurden von der Gemeinde im Anschluss an diese alljährliche Freiluft-Ausstellung günstig erworben oder „geleast”.

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Dichterfürst Goethe turtelt mit Bankiersgattin Willemer

Dichterfürst Johann Wolfgang Goethe hielt sich im Jahr 1815 mehrere Monate in Frankfurt-Sachsenhausen auf. Dabei entwickelte sich zwischen ihm und der Bankiersgattin Marianne Willemer eine lange geheim gehaltene, jedoch tiefe Zuneigung. Das Willemer-Häuschen auf dem Mühlberg spielte eine besondere Rolle. 

Das wieder aufgebaute Willemer-Häuschen auf dem Mühlberg. (Foto: Erich Stör)

Frankfurter Mädchen und Buben erfuhren in den Schulen über den Dichter aus dem Großen Hirschgraben und Frau Willemer nicht viel, gewiss aber mehr als etwa gleichaltrige Münchener. Denn Johann Wolfgang war in der Stadt überall präsent. Dabei hatte Goethe nur die ersten 26 Jahre seines Lebens in Frankfurt am Main verbracht. Von Kurzbesuchen abgesehen war sein Lebensmittelpunkt Weimar.

Wer außerdem aus dem südlichen Stadtteil Sachsenhausen kam, wurde (und wird) allerdings noch häufiger als andere mit Goethe konfrontiert, denn am gleichnamigen Berg gibt es den hölzernen Goetheturm, der allerdings erst 1931 errichtet wurde, den kleinen Hügel Goetheruh’ – ob der Dichter hier wirklich verweilte, ist nicht belegt – , und natürlich am Mühlberg das Willemer-Häuschen, in dem sich der Herr Geheimrat auch mit der Bankiersfamilie Willemer getroffen hat. Die Zeit in diesem klassizistischen Gartenhaus behielt Goethe immer in guter Erinnerung, sprach sogar von den „schönsten Stunden seines Lebens”.

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Filmpalast in Frankfurt war einfach eine Nummer zu groß

In Zeiten der großen Multiplex-Kinos mit ihren unterschiedlich großen Sälen, werden oft Erinnerungen wach an die palastartigen Lichtspielhäuser, die Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre das Bild in den Großstädten prägten. Eines dieser Häuser war der Filmpalast in Frankfurt am Main. Bedingt durch die Entbehrungen und Leiden des Zweiten Weltkrieges gab es in den drei Westzonen und in der späteren Bundesrepublik Deutschland einen Kinoboom ohnegleichen, denn die Menschen suchten Ablenkung und Unterhaltung. Die Häuser schossen damals wie Pilze aus dem Boden.

Größtes Lichtspielhaus der Nachkriegszeit. (Foto: Clipdealer/Stör)

Alteingesessene Kinobetreiber und Neueinsteiger balgten sich um den (vermeintlich) großen Kuchen. In dieser „Goldgräber”-Atmosphäre entstand in Frankfurt am Main mit dem Filmpalast in der Großen Friedberger Straße 26-28, nur wenige Meter von der traditionsreichen Konstablerwache entfernt, das bis dahin größte Kino der Stadt: – mit sage und schreibe 1500 Plätzen.

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Frankfurter Proteste gegen den Filmregisseur Veit Harlan

Vor über 65 Jahren, im Frühjahr 1951, hagelte es in Frankfurt Proteste gegen den Filmregisseur Veit Harlan, der 1940 den antisemitischen Hetzfilm „Jud Süß” gedreht hatte und dessen Nachkriegsmelodram („Unsterbliche Geliebte”) im Metro im Schwan gezeigt werden sollte. Schlagzeilen der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau“ spiegeln das wider.

Schlagzeilen der Frankfurter Rundschau zum Harlan-Film. (Grafik: Signale)

Harlan – „eine der Galionsfiguren des Nazifilms“, wie der Filmhistoriker Rudolf Worschech in einem Beitrag über das Nachkriegskino in der Mainmetropole vermerkt – war nach 1945 zunächst nur mit einem Berufsverbot belegt worden. Die „Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes“ (VVN) und auch die „Notgemeinschaft der durch die Nürnberger Gesetze Betroffenen“ hatten den Regisseur wegen „Verbrechens gegen die Menschlichkeit“ angezeigt, doch im April 1949 sprach ihn das Hamburger Landgericht mangels Beweises frei.

Das Urteil wurde ein Jahr später in einer Revisionsverhandlung bestätigt; immerhin erklärte das Gericht, der Film erfülle sowohl objektiv als auch subjektiv den Tatbestand eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit. Für Harlan war gleichwohl der Weg frei, um in sein altes Metier zurückzukehren.

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Schauspieler Albert Matterstock gerät ins filmische Abseits

Eine Erinnerung an den 1960 in Hamburg verstorbenen Filmschauspieler Albert Matterstock. Der Star der 30er und 40er Jahre wurde nur 49 Jahre alt und hatte nach dem Zweiten Weltkrieg im Filmgeschäft nicht mehr Fuß fassen können. Beim Suchen nach alten Filmprogrammen war ich dieser Tage bei „ebay“ auf den Titel „Drei Birken auf der Heide” gestoßen. Für 3,99 Euro wurde das Heftchen aus der Reihe „Das Neue Filmprogramm” feilgeboten, der Titel weckte Gedanken an eine persönliche Begegnung mit dem Schauspieler in Frankfurt am Main. 

Matterstock auf dem Filmkurier-Titelblatt „Ziel in den Wolken“. (Foto: Verlag Unucka)

Als im November 1956 diese fade Heimatschnulze in den Harmonie-Lichtspielen in Frankfurt-Sachsenhausen gezeigt wurde, war als Gast eben jener  Matterstock anwesend, immerhin ein Top-Star des deutschen Films der Dreissiger und Vierziger Jahre, der im Nachkriegsdeutschland allerdings kaum noch auf den Besetzungslisten aufgetaucht war. Dagegen hatte der Schauspieler vor und auch während des Krieges in Berlin bei verschiedenen Gesellschaften Filme wie am Fließband abgeliefert, alleine in den Jahren 1937 bis 1939 zwölf Streifen. Die meisten wurden vom Publikum goutiert, obwohl es meistens nur Massenware gewesen war.

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Wie Frankfurt zur Hauptstadt der Filmverleiher wurde

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Frankfurt am Main aufgrund der Teilung Deutschlands und der gespannten politischen Lage zur „Hauptstadt der Filmverleiher“.  Natürlich ist (und war) Frankfurt keine Filmmetropole im üblichen Sinne, auch wenn die imposant wirkende Hochhaus-Skyline in den modernen TV-Produktionen immer wieder als Kulisse für „Mainhattan” dient. Allerdings sind große Produktionsfirmen bis heute ebensowenig vorhanden wie Ateliers. Aber es waren die sogenannten „Major Companies“ der USA, die sich hier nach dem Ende des Krieges niederließen.

In Frankfurt am Main stapelten sich Filmrollen aller Coleur… (Foto: Swift Publisher)

In den 30er Jahren waren die ausländischen Verleihfirmen in Berlin beheimatet gewesen, ehe ihnen von den Nazis 1941 die Tätigkeit untersagt wurde. Noch ehe der Krieg am 8. Mai 1945 zu Ende war, hatten die Amerikaner in den von ihnen besetzten Gebieten mit dem Aufbau „demokratischer Strukturen” begonnen; Priorität hatten neue Zeitungen und Filme, die nach Meinung der Alliierten geeignet erschienen, zur erfolgreichen „Umerziehung” der deutschen Bevölkerung beizutragen.

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Eigenartige Frühlingstage in einem Westerwald-Dorf 1945

Die Monate Februar, März, April und Mai 1945 sind im kleinen Westerwald-Dorf Reichenborn geprägt von vielen Ereignissen zwischen deutschem Rückzug, dem Besuch eines kleinen Wanderkinos und dem Neubeginn nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen. Und das alles bei strahlendem Frühlingswetter. 

Butterblumen und Panzer im Frühjahr… (Symbolfoto: Swift Publisher)

Es ist ein Sonntag im sonnigen Frühjahr 1945. Ein altes und ziemlich klappriges Lastauto mit Holzvergaser rumpelt über die holprige Straße auf den Bauernhof, eine Leinwand wird ausgeladen und in der Scheune aufgebaut, Lautsprecher und ein 16-Millimeter-Projektor werden installiert.  An diesem Tag – wenige Tage vor Kriegsende – soll es im Dorf die Filmvorführung eines Wanderkinos geben…

Irgendwie wirkt das alles mehr als  eigenartig, selbst für uns Kinder. Die Westalliierten sind im Sommer zuvor in der Normandie gelandet, sie rücken stetig vor, eine letzte deutsche Gegenoffensive mit schweren Winterschlachten in den Ardennen halten sie nur vorübergehend auf, Tag für Tag kommen sie uns näher, aus den lärmenden Rundfunkempfängern ertönt nach den Wehrmachtsberichten jedoch vor allem reichlich Schlagermusik, so als sei die Welt durchaus noch in Ordnung, obwohl schon im Oktober 44   die Stadt Aachen besetzt worden und am 7. März bei Remagen der Rhein von  Amerikanern überquert worden ist.

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Giftmorde im Frankfurter Zoo erregen die Öffentlichkeit

Ende des Jahres 1947, Anfang 1948 ist die Frankfurter Öffentlichkeit aufgewühlt. Der im Osten der Stadt gelegene Zoo wird von einer rätselhaften Serie von Vergiftungsfällen heimgesucht. Unter den Opfern waren auch Biber. Die Zeitungen berichten ausführlich über die Details, aber der Vorfall hat einige Jahre später dann auch noch indirekte politische Begleiterscheinungen, wobei die Bonner Regierung und der Filmregisseur Wolfgang Staudte eine Rolle spielen. 

Auch Biber zählten zu den Opfern im Frankfurter Zoo (Foto: Oliver Stör)

Was den Frankfurter Zoo anbelangt, so werden dort am 29. Dezember 1947 mehrere Fasane und ein Riesenpapagei tot in ihren Käfigen aufgefunden. Zunächst denkt niemand an was Böses, die Zoo-Verwaltung glaubt an einen Unfall, doch die genaue Untersuchung ergibt , dass die Tiere mit Natriumfluorid vergiftet worden sind.

In der ersten Januarwoche sterben dann fünf Biber sowie ein Rehbock am gleichen Gift, am 12. Januar folgen eine afrikanische Zibetkatze und ein Pavian. Bis zum 22. Februar werden insgesamt 46 tote Tiere gezählt. Danach hören die Todesfälle plötzlich auf. Die Stadtverwaltung ist gleichwohl aufs höchste beunruhigt und fordert in einer Presseerklärung die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Suche nach dem Täter auf. Weiterlesen