Donna Leon entdeckt Brunetti

Alle Jahre erscheint ein Kriminalroman der in Venedig lebenden Schriftstellerin Donna Leon. Hauptfigur ist der venezianische Commissario Guido Brunetti, der sich als redliche Haut täglich mit Kriminalität und Korruption in der von Kanälen und Lagunen durchzogenen morbiden Stadt beschäftigen muss. 

Am Canale Grande in Venedig ist Commissario Brunetti zu Hause. (Foto: Swift Publisher)

Venedig bildet mit seinen engen Gassen, den farbenprächtigen Palästen, den Kanälen und den Gondolieres einen funkelnden Hintergrund für die Fälle des sympathischen, aber gleichwohl unbequemen Brunetti. Der Commissario schätzt guten Wein und mediterranes Essen; er ist anständig und humorvoll, verzweifelt indessen immer wieder an seiner korrupten Umwelt.

Innerhalb der Familie kann Brunetti auf seine intelligente Ehefrau Paola – sie ist Dozentin für englische Sprache – sowie auf seine Tochter Chiara und Sohn Raffi zählen. Beruflich gibt Brunetti immer sein Bestes, um Verbrecher jeder Art zu überführen. Die Palette reicht von einfachen Mord und Totschlag bis hinein in die feinsten Verästelungen von Wirtschaftskriminalität und Korruption.

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Klatsch und Tratsch unter den Dächern von Aldenberg

Unter den Dächern der fiktiven Kleinstadt namens Aldenberg in Oberbayern spielt der heitere und lesenswerte Roman „Es bleibt natürlich unter uns“ von Horst Biernath. Das interessante Milieu, in dem  das Geschehen spielt, ist ein kleiner, lokaler Zeitungsbetrieb. 

Klatsch und Tratsch bleibt natürlich unter uns… (Foto: Swift Publisher)

Dieser Tage ist mir das Taschenbuch wieder einmal in die Hände gefallen. In der eher beschaulichen und fiktiven Kleinstadt läßt Horst Biernath (1905-1978) darin auf unnachahmliche Weise das „Sittenbild” einer Kleinstadt lebendig werden. Ich beginne in dem schmalen Buch zu blättern, und bin bald vertieft in das Geschehen. Die Figuren werden lebendig und fesseln von der ersten bis zur letzten Seite. Skurrile Geschehnisse reihen sich aneinander, die Menschen scheinen Gestalt anzunehmen und lösen  nachdenkliches Schmunzeln oder gar herzhaftes Lachen aus.

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„Der Untertan“ gerät in den Kalten Krieg der Nachkriegszeit

Wenn gelegentlich der DEFA-Film Der Untertan aus dem Jahr 1951 nach dem Roman von Heinrich Mann im Fernsehen zu sehen ist, erinnern sich ältere Zeitgenossen wahrscheinlich an die seltsamen Ränkespiele, die es um diesen Wolfgang-Staudte-Streifen in den Fünfziger Jahren in der Bundesrepublik gegeben hat. 

Nach dem Roman geriet auch der Film in politische Turbulenzen (Foto: SP)

Im Rückblick ist einigermaßen unverständlich, wie sehr die Adenauer-Regierung bemüht war, den Film als „kommunistisch” abzuqualifizieren und jahrelang verhinderte, dass er in die Kinos kam. Dabei wäre der Film dazu angetan gewesen, als Lehrbeispiel für eine aufzubauende, junge Demokratie zu dienen. Doch antikommunistische Ressentiments und der Kalte Krieg zwischen Ost und West standen dem entgegen, so dass die Aufführung des Films mit der absurden Begründung unterbunden wurde, es handele sich um eine „verfassungsfeindliche Publikation”.

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Heimatdichter, Humorist und Feuerkopf Friedrich Stoltze

Vor über 200 Jahren wurde in Frankfurt am Main Friedrich Stoltze geboren, ein Mann, der sich als scharfer Kritiker gesellschaftlicher Zustände einen Namen gemacht hat, und dessen Denkmal seit vielen Jahrzehnten in der Innenstadt steht. Den engagierten Schriftsteller, Journalisten, Humoristen, Heimatdichter und Revolutionär (1816-1891) umfassend zu würdigen, wäre fürwahr eine echte Herkulesaufgabe – keinesfalls kann das hier in einen kurzen Beitrag erledigt werden.

Das Stoltze-Denkmal in der Frankfurter Innenstadt (Foto: Erich Stör)

Nur einige Sätze können an dieser Stelle an den Frankfurter erinnern, der Zeit seines Lebens sich mit Worten einmischte, wann immer es ihm notwendig erschien, und der sich immer wieder mit den herrschenden Politikern anlegte. Stoltze war immer und stets ein unbeirrbarer Feuerkopf. Manchen gilt Stoltze in erster Linie sogar „nur” als Heimatdichter, weil er den größten Teil seines Werkes in Frankfurter Mundart geschrieben hat. Gerade weil er mit dem „Frankforderisch” die größten Erfolge hatte, litt er darunter, dass seine in Hochdeutsch verfassten Gedichte und Prosastücke nicht gleichermaßen gewürdigt wurden, obwohl sie nach Einschätzung von Literaturkennern von hoher Qualität waren.

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Herr Ruesch schreibt Romane über Rennfahrer und Eskimos

Der Schweizer Hans Ruesch schrieb aus eigenem Erleben über das aufregende Leben von Autorennfahrern, erhielt viel Lob für einen Roman über Eskimos und widmete sich in seine späten Lebensjahren dem Kampf gegen die Pharma-Industrie. Und es ist ja immer wieder faszinierend, in den Bücherregalen auf einen Roman zu stoßen, von dem man in längst vergangenen Tagen höchst gefesselt und fasziniert war. Beim Aufräumen im Keller fand ich dieser Tage das Taschenbuch mit dem schlichten Titel „Rennfahrer” von Hans Ruesch – eine dicht geschriebene Erzählung aus der schillernden und hektischen Welt der Autorennfahrer. 

Armaturen und Zielflaggen im Blick… (Foto: Clipdealer)

Der in Neapel geborene Schweizer Ruesch war selbst Rennfahrer, nahm an über einhundert Wettbewerben teil, gewann 27 Rennen (darunter 13 Bergrennen) sowie die Großen Preise von Finnland, Bukarest und Donington. Als junger Mann hatte er zwei Automobil-Weltrekorde aufgestellt und sich auch als Bobfahrer für die Schweiz betätigt. Seine Gegner hatten klangvolle Namen, zu ihnen zählten Legenden wie Rudolf Caracciola, Achille Varzi, Tazio Nuvolari, Bernd Rosemeyer, Manfred von Brauchitsch, Hans Stuck, Guiseppe Farina – allesamt Männer, die zu ihrer Zeit Automobilsport auf höchsten Niveau betrieben und in den Annalen des Rennsports an vorderster Stelle stehen.

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Schriftsteller Remarque erregt weltweites Aufsehen

Der Roman „Im Westen nichts Neues“ erregt 1928 großes Aufsehen. Die in der „Vossischen Zeitung“ abgedruckte Fortsetzungsgeschichte stammt aus der Feder des noch jungen Schriftstellers Erich Maria Remarque und beschreibt in nüchternen Worten die brutalen Schrecken des Ersten Weltkrieges. 

Ein Roman machte Schlagzeilen. (Symbolfoto: Swift Publisher)

Über einhundert Jahre sind vergangen, seit dieser Krieg angezettelt wurde. In Publikationen wird immer wieder die Formulierung vom „Ausbruch” des Weltkrieges verwendet, doch das ist nur eine Verschleierung. Kriege brechen nicht einfach aus wie ein Vulkan oder eine Grippe – gewissermaßen als ein unabwendbares „Naturereignis”, gegen das die Menschen machtlos wären. Kriege sind vielmehr schon immer von Menschen gemacht worden, äussere Anlässe – wie etwas das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 – werden nur benutzt, um die Kriegsmaschinerie in Gang zu setzen.

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Als Peter Rosegger noch ein Waldbauernbub war…

Peter Rosegger, der aus der östlichen Steiermark stammende österreichische Dichter (1843-1918), aufgewachsen in dichten Wäldern seiner Heimat, hat einige bemerkenswerte Formulierungen hinterlassen – Sätze, die wie die Faust aufs Auge des neoliberalen Zeitalters passen. Mit Rosegger hatte ich lange Zeit nicht viel am Hut. Zweimal war ich ihm in der Vergangenheit „begegnet”. Das erste Mal in der Schulzeit, als wir mit seinem bekannten autobiographischen Auswahlband „Als ich noch der Waldbauernbub war…” arbeiten mussten, das nächste Mal, als ich auf einer Autofahrt von Wien nach Graz bei Krieglach eine Hinweistafel zu Roseggers Geburtshaus nahe dem Ortsteil Alpl entdeckte.

Jugendjahre in dichten Wäldern. (Symbolfoto: Swift Publisher)

Doch damals war keine Zeit, um sich den am Rande mächtiger Fichten- und Lärchenwälder gelegenen Kluggeneggerhof anzuschauen. Krieglach selbst, wo in seinem Sterbehaus ein Museum eingerichtet ist, ließ ich links liegen und fuhr weiter… Bedauerlich.

In diesen Tagen ist mir Rosegger zum dritten Mal „über den Weg gelaufen”, als ich ein Büchlein aus dem SKV-Verlag („Ausgewählte Kostbarkeiten”) mit Texten des Dichters in die Hände bekam. Unter der Überschrift „Warnungen” sind einige Sätze abgedruckt, die auch über 100 Jahren nach Veröffentlichung aktuell sind.

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Krimi-Schreiber Wallace lässt deutsche Kinokassen klingeln

Der Londoner Big Ben war meistens dabei, als Anfang der 60er Jahre eine Welle von meist sehr kuriosen Filmen nach Vorlagen des britischen Krimi-Schreibers Edgar Wallace in die bundesdeutschen Lichtspielhäuser schwappten. Und die Kino-Kassen klingelten kräftig. Es gibt – trotz Arthur Conan Doyle, Agatha Christie und vielen anderen – wohl kaum einen ernsthaften Zweifel daran, dass Edgar Horatio Wallace als der berühmteste britische Kriminalschriftsteller in die Geschichte eingehen wird. Wallace lieferte mit seinen Vorlagen auch den Stoff für eine in Deutschland hergestellten Serie von Fließband-Krimis.

Der „Big Ben“ ist wie für einen Wallace-Film gemacht. (Foto: Oliver Stör)

Es würde zu weit führen, hier alle Streifen aufzulisten, die in den 60er Jahren gedreht wurden. Neben den Klassikern „Der Zinker” oder „Der Hexer” klingen manche Buch- und späteren Filmtitel allerdings sehr anregend: „Der Frosch mit der Maske”, „Die Bande des Schreckens”, „Die toten Augen von London”, „Das Geheimnis der gelben Narzissen”, „Das Rätsel der roten Orchidee” oder „Die Tür mit den sieben Schlössern”. Das hat was!

Es ist überliefert, dass der am 1. April 1875 geborene und im Februar 1932 verstorbene Vielschreiber Wallace keine literarischen Ambitionen verfolgte, sondern seine Arbeit nur als lukratives Mittel zum täglichen Broterwerb ansah. Denn Geld brauchte Wallace ständig; als notorischer Spieler befand er sich meist in finanziellen Nöten, zumal er oft genug gerade erworbene Pfunde in vollen Zügen ausgab. Gezwungenermaßen musste der britische Autor beträchtliche quantitative Leistungen beim Schreiben erbringen, was der Qualität seiner Bücher eine gewisse Beliebigkeit gab.

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Sechs rätselhafte Morde auf dem Einödhof Hinterkaifeck

Auf dem Bauernhof Hinterkaifeck in der Nähe von Schrobenhausen wurden am Abend des 31. März 1922 sechs Menschen brutal ermordet, darunter waren zwei Kinder. Bis auf den heutigen Tag steckt dieses Verbrechen voller Rätsel. Obwohl es zahlreiche Verdächtige gab, konnte dieser Massenmord nicht aufgeklärt werden. Eine entscheidende Rolle bei der Nichtaufklärung dürfte gespielt haben, dass viele der technischen Hilfsmittel fehlten, die heute zum täglichen Handwerkszeug der Polizei gehören.  

Düsternis eines Einödhofes wird von der einsamen Scheune symbolisiert. (Foto: SP)

Die Mordopfer waren der 63 Jahre Bauer Andreas Gruber, seine Ehefrau Cäzilia Gruber, die 35 Jahre alte verwitwete Tochter Viktoria Gabriel, deren Kinder Cäzilia (sieben Jahre alt) und Josef (zweieinhalb Jahre alt) sowie die ledige Dienstmagd Maria Baumgartner, die gerade erst ihren Dienst angetreten hatte.

Über den Fall und die Hintergründe der Morde gibt es zahlreiche Spekulationen und Veröffentlichungen. Inzwischen hat sich die Meinung verfestigt, dass es sich keineswegs – wie anfangs vermutet – um einen Raubmord gehandelt hat, sondern persönliche Rachemotive eine Rolle spielten. Nach heutigem Verständnis wurden die Untersuchungen nicht mit letzter Konsequenz geführt.

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Mutter Erde schwebt als „Apfelsine“ in unendlichen Weiten

Im geschrumpften Maßstab – es ist nur ein Beispiel von vielen Möglichkeiten – kann Mutter Erde nur so groß (oder klein) wie eine Apfelsine sein, was die kosmischen Dimensionen  beeindruckend veranschaulicht. Der Heidelberger Wissenschaftsautor Hoimar von Ditfurth hat das in einem seiner Sachbücher  genau beschrieben. Wer sich vor Augen führt, was seit dem Start von Sputnik 1 am 4. Oktober 1957 an bemannten Reisen zum Mond (oder auch im erdnahen Raum zu den Raumstationen Salut, Mir oder ISS) sowie unbemannten „Raumflügen” zu den Planeten durchgeführt wurde (und noch geplant ist), erliegt natürlich nur allzu leicht der Formulierung von der „Eroberung des Universums”. Doch trotz atemberaubendem Tempo in Forschung und Technik handelt es sich in der Realität bisher nur um winzige Schritte ins nahe Weltall.

Eine weit entfernte Galaxie verdeutlicht die Dimensionen des Alls. (Foto: SP)

Selbst der zuletzt spektakuläre und wissenschaftlich beklatschte Flug der ESA-Sonde „Rosetta” zum weit entfernten Kometen „Tschurjumow-Gerassimenko” erscheint nur als ein Katzensprung, wenn man die Größenverhältnisse im Universum genauer betrachtet.

Der Heidelberger Neurologe Hoimar v. Ditfurth (1921-1989) hat in seinem Buch „Kinder des Weltalls” (Hoffmann und Campe Verlag, 1970) über die enormen Entfernungen referiert und mit simplen Beispielen versucht, dem Laien die Dimensionen, um die es geht, verständlicher zu machen. Der Wissenschaftler „verkleinerte” die Himmelsobjekte im Maßstab 1:100 Millionen. Nur mit dieser „Krücke” lässt sich einigermaßen begreiflich machen, um welche Proportionen es sich in Wirklichkeit handelt.

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Drei Kameraden im Berlin der fiebrigen Zwanziger Jahre

Der Schriftsteller Erich Maria Remarque schrieb mit „Drei Kameraden“ einen beeindruckenden Roman, der sowohl gesellschaftliche als auch private Dramatik enthielt und die verwirrend politische Situation im fiebrigen Berlin der Zwanziger Jahre schildert. Remarque hat ja einige weltberühmte Bücher geschrieben. „Im Westen nichts Neues” dürfte das bekannteste sein.

Lesestunde am Kamin. (Symbolfoto: Clipdealer)

Weitere Romane sind „Der Funke Leben”, der seiner von den Nazis hingerichteten Schwester Scholz gewidmet ist, sowie „Zeit zu leben und Zeit zu sterben”, „Der schwarze Obelisk”, „Liebe deinen Nächsten”, „Arc de Triomphe“, „Die Nacht von Lissabon”, „Der Himmel kennt keine Günstlinge” und „Der Weg zurück”. Doch mein Lieblingsroman ist „Drei Kameraden“, in dem von einer verlorenen Generation  erzählt wird, verbunden mit einer zartbitteren Liebesgeschichte.

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