Charakterkomiker Paul Kemp

Charakterkomiker – das ist die wohl treffendste Einordnung eines Mannes, der in Filmen und auf der Bühne stets mit leisen Tönen agierte, gleichwohl (oder gerade deswegen) ein breites Publikum für sich einnahm. Sein Name ist Paul Kemp. Als ich vor einiger Zeit für den Bericht über die „Jazzlegenden im Althoff-Bau” in alten Zeitungen recherchierte, stieß ich auf den Namen dieses Schauspielers, der in der Vor- und Nachkriegszeit in vielen deutschen Filmen mitwirkte, ohne aber je zum ganz großen Star zu avancieren. In einer kleinen Annonce warb Franz Althoff für eine Weihnachtsaufführung des Stückes „Der keusche Lebemann” mit Kemp in der Hauptrolle.

Paul Kemp (rechts) auf einem Filmbühne-Programm. (Foto: Filmverlag Unucka)

Bereits wenige Monate zuvor war ich dem Schauspieler begegnet, als im August 1951 im Frankfurter Turmpalast der Film „Mutter sein dagegen sehr” uraufgeführt wurde. Dazu lud Pressechef Schneider von der Verleihfirma Siegel-Monopol auch journalistisch noch eher unbeschriebene Mitarbeiter von Schülerzeitschriften zum offiziellen Pressegespräch mit den Darstellern ein, immerhin spielten Kinder und Heranwachsende eine zentrale Rolle in dem Film. Kemp war im Umgang zuvorkommend, kümmerte sich freundlich um die jungen „Schreiberlinge”, unter denen sich auch der Autor dieses Beitrages befand. Für uns Jung-Reporter war das eine angenehme Erfahrung, gehörte doch der Schauspieler zu jenen, die man damals schon allgemein als prominent einstufte.

Nur noch wenige Menschen werden sich an den pfiffigen Charakterkomiker erinnern, Ältere mögen das Bild des kauzigen Mannes schärfer vor Augen haben. Kemp agierte bei seinen Darstellungen mit leisen Tönen und sein charmantes Lächeln gepaart mit verhaltenem Witz rettete so manchen deutschen Film, obwohl er immer nur in Chargenrollen eingesetzt wurde. In Frankfurt war er zuletzt vor Beginn des Krieges auf der Bühne aufgetreten: – im legendären Schumann-Theater am Hauptbahnhof.

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Untertan im Kalten Krieg

Wenn gelegentlich der DEFA-Film „Der Untertan” aus dem Jahr 1951 nach dem Roman von Heinrich Mann im Fernsehen zu sehen ist, erinnern sich ältere Zeitgenossen wahrscheinlich an die seltsamen Ränkespiele, die es um diesen Wolfgang-Staudte-Streifen in den Fünfziger Jahren in der Bundesrepublik gegeben hat.

DDR-Nationalpreisträger Werner Peters (Foto: Filmverlag Unucka)

Im Rückblick ist einigermaßen unverständlich, wie sehr die Adenauer-Regierung bemüht war, den Film als „kommunistisch” abzuqualifizieren und jahrelang verhinderte, dass er in die Kinos kam. Dabei wäre der Film dazu angetan gewesen, als Lehrbeispiel für eine aufzubauende, junge Demokratie zu dienen. Doch antikommunistische Ressentiments und der Kalte Krieg zwischen Ost und West standen dem entgegen, so dass die Aufführung des Films mit der absurden Begründung unterbunden wurde, es handele sich um eine „verfassungsfeindliche Publikation”.

Als willfähriges Werkzeug diente in diesem Zusammenhang auch die Freiwillige Filmkontrolle (FSK) in Wiesbaden, die den Film im November 1956 nach einigen Schnittauflagen zwar zuließ, ihn aber im Januar 1957 sogleich wieder aus dem Verkehr zog, obwohl ein den Inhalt verdrehender Vorspann eingefügt worden war.

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Skandal um Filmproduzent K.

Die Geschichte der Bundesrepublik ist trotz ihrer demokratischen Grundordnung überaus reich an politischen Repressionen gegen politisch Andersdenkende – wie auch die Berufsverbote in den Siebziger Jahren belegen. Schon in der frühen Adenauer-Ära gab es jedoch Repressionen ganz anderer Art. Im Jahr 1951 geriet zum Beispiel der Hamburger Filmproduzent Walter Koppel ins Visier des Bonner Innenministeriums und wurde an den Rand des Ruins getrieben. Ein skandalöser Vorgang, der ein bezeichnendes Licht auf die politischen Repressionen jener Zeit wirft.

Die Bundesbürgschaft für Koppel wurde abgelehnt. (Foto: Clipdealer)

Hintergrund: Zwischen 1951 und 1955 konnten Filmemacher Ausfallbürgschaften des Bundes beantragen, um gegen eventuell auftretende finanzielle Verluste gewappnet zu sein. Diese Bürgschaften sollen dazu dienen, die filmkulturelle Entwicklung in Deutschland anzuschieben, sie sind jedoch – wie am Fall von Walter Koppel zu sehen ist – von der Adenauer-Regierung gegen missbeliebige Personen missbraucht worden.

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Mogelpackung „Casablanca“

Bei einer familiären Feier kamen wir dieser Tage auch auf den amerikanischen Film Casablanca zu sprechen, der ja immer mal wieder auch auf verschiedenen Fernseh-Kanälen zu sehen ist. In der Gesprächsrunde stellte sich heraus, dass längst nicht alle wussten, dass dieser Streifen von Warner Brothers in der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik Deutschland aus politischen Gründen völlig verfälscht in die Kinos gekommen war. Deshalb ein kurzer Blick auf den Hintergrund dieser verlogenen Manipulation.

Ingrid Bergmann und Humphrey Bogart auf der„Filmbühne“. (Foto: Verlag Unucka)

Im Jahr 1952 lief der Film Casablanca in den deutschen Kinos an, darunter auch Anfang September im Frankfurter Metro im Schwan. Ein auf Besuch in Deutschland weilender Journalist traute seinen Augen (und Ohren) nicht, als er das Machwerk im Kino über sich ergehen lassen musste. Denn aus dem Widerstandskämpfer Victor Laszlo (Paul Henreid) wurde ein Wissenschaftler gemacht, der sich mit mysteriösen Delta-Strahlen befasst, der Caféhaus-Betreiber Rick Blaine (Humphrey Bogart) ist zum Waffenhändler verkommen und nicht mehr als jener Mann zu erkennen, der – wenn auch zynisch und illusionslos – Hilfe für politisch Verfolgte aus Europa leistet, IIsa Lund (Ingrid Bergman) nur noch eine Frau, um den Film am Laufen zu halten.

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