Der Untertan im Kalten Krieg

Wenn gelegentlich der Film „Der Untertan” aus dem Jahr 1951 nach dem Roman von Heinrich Mann im Fernsehen zu sehen ist, erinnern sich ältere Zeitgenossen wahrscheinlich an die seltsamen Ränkespiele, die es um diesen Wolfgang-Staudte-Streifen in den Fünfziger Jahren in der Bundesrepublik gegeben hat.

DDR-Nationalpreisträger Werner Peters (Foto: Filmverlag Unucka)

Im Rückblick ist einigermaßen unverständlich, wie sehr die Adenauer-Regierung bemüht war, den Film als „kommunistisch” abzuqualifizieren und jahrelang verhinderte, dass er in die Kinos kam. Dabei wäre der Film dazu angetan gewesen, als Lehrbeispiel für eine aufzubauende, junge Demokratie zu dienen. Doch antikommunistische Ressentiments und der Kalte Krieg zwischen Ost und West standen dem entgegen, so dass die Aufführung des Films mit der absurden Begründung unterbunden wurde, es handele sich um eine „verfassungsfeindliche Publikation”.

Als willfähriges Werkzeug diente in diesem Zusammenhang auch die Freiwillige Filmkontrolle (FSK) in Wiesbaden, die den Film im November 1956 nach einigen Schnittauflagen zwar zuließ, ihn aber im Januar 1957 sogleich wieder aus dem Verkehr zog, obwohl ein den Inhalt verdrehender Vorspann eingefügt worden war. Weiterlesen

Remarque sorgt für Aufsehen

Ein Roman erregt 1928 großes Aufsehen. Die in der „Vossischen Zeitung“ abgedruckte Fortsetzungsgeschichte stammt aus der Feder des noch jungen Schriftstellers Erich Maria Remarque und beschreibt in nüchternen Worten die Schrecken des Ersten Weltkrieges.

Ein Roman erobert die Welt (Foto: Swift Publisher/Signale)

Über einhundert Jahre sind vergangen, seit dieser Krieg angezettelt wurde. In Publikationen wird immer wieder die Formulierung vom „Ausbruch” des Weltkrieges verwendet, doch das ist nur eine Verschleierung. Kriege brechen nicht einfach aus wie ein Vulkan oder eine Grippe – gewissermaßen als ein unabwendbares „Naturereignis”, gegen das die Menschen machtlos wären. Kriege sind vielmehr schon immer von Menschen gemacht worden, äussere Anlässe – wie etwas das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 – werden nur benutzt, um die Kriegsmaschinerie in Gang zu setzen.

Es geht immer um Macht, Aufteilung von Interessensphären und finanziellen Gewinn. Profiteure und Kriegsgewinnler gibt es viele, wie die Vergangenheit bewiesen hat. Auf der Strecke bleiben immer und in erster Linie die einfachen Menschen, die als Soldaten in die Schlachten geschickt werden, um für andere die Kastanien aus dem Feuer zu holen.

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Mörder mitten unter uns

Die Mörder sind unter uns – dieser erste deutsche Spielfilm nach dem Zweiten Weltkrieg stammt von Wolfgang Staudte, wurde von der DEFA gedreht und am 15. Oktober 1946 im sowjetisch besetzten Sektor von Berlin im Admiralspalast uraufgeführt. Das Drama um Schuld und Sühne war und ist auch heute noch – 70 Jahre später – politisch aktuell und begründete den Weltruhm von Hildegard Knef, die in ihrem fünften Film erstmals als Hauptdarstellerin eingesetzt wurde.

Hildegard Knef und Wolfgang Borchert (Foto: Filmverlag Christian Unucka)

Lange hat sich die Legende gehalten, dieser Film sei im Westen Deutschlands in den Nachkriegsjahren nicht gezeigt worden. Korrekt ist jedoch, dass der Streifen in der französischen Zone bereits im April 1947 in Baden-Baden und danach im Mai auch in Ludwigshafen gezeigt wurde, sogar zwei Monate vor den Starts in der britischen und amerikanischen Zone (darunter auch in Frankfurt).

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Pat und die „Drei Kameraden“

Erich Maria Remarque hat einige weltberühmte Bücher geschrieben. „Im Westen nichts Neues” dürfte das bekannteste sein. Weitere Romane sind „Der Funke Leben”, der seiner von den Nazis hingerichteten Schwester Scholz gewidmet ist, sowie „Zeit zu leben und Zeit zu sterben”, „Der schwarze Obelisk”, „Liebe deinen Nächsten”, „Arc de Triomphe“, „Die Nacht von Lissabon”, „Der Himmel kennt keine Günstlinge” und „Der Weg zurück”. Doch mein Lieblingsroman ist „Drei Kameraden“, in dem von einer verlorenen Generation im fiebrigen Berlin der Zwanziger Jahre erzählt wird, verbunden mit einer zartbitteren Liebesgeschichte. 

Liebe und Freundschaft sind die zentralen Themen des Romans. (Foto: Swift Publisher)

„Drei Kameraden” handelt vordergründig von der Männerfreundschaft zwischen den ehemaligen Soldaten Otto Köster, Gottfried Lenz und Robert (Robby) Lohkamp in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und in der eigenartigen Atmosphäre Berlins der „Golden Twentys.“ Doch ist dies nur der äußere Anlass für die zartbittere Liebesromanze zwischen den Automechaniker Robby und der jungen, schmalgliedrigen Patrice (Pat) Hollmann. Bis zu ihrem Kennenlernen kennt Robby nur die verstaubte Pension von Frau Zalewski, treibt sich im Café International herum, in dem die freundlichen „Damen” von der Straße verkehren, ist Stammgast in Freds Bar, wo er am liebsten in der Dämmerung des goldbraunen Rums versinkt. Pat verändert alles, gibt seinem bisher stumpfen, trostlosen Leben endlich einen neuen Sinn.

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Die „Filmbühne“ ist Kulturgut

Programmhefte der „Illustrierten Filmbühne“ begleiteten viele Menschen über Jahrzehnte hinweg bei ihren Kinobesuchen, was einen ganz persönlichen Rückblick rechtfertigt. Der Preis für die kleinen Hefte betrug im Frühjahr 1947 „nur” 10 Pfennige, was jedoch nicht wenig war, denn ein Billett für die „Rasierstühle” in den ersten drei Reihen der Kinos war immerhin schon für 80 Pfennige zu haben.

Die erste, die letzte und die erfolgreichste „Filmbühne“ (Foto: Verlag Unucka)

Zu vielen Filmen erwarb ich diese kleinen Illustrierten, die zu Begleitern meiner Jugend wurden. Manche dieser Hefte hob ich auf, andere warf ich weg oder sie gingen anderweitig verloren. Diese Nachlässigkeit war ein Versäumnis, das ich noch bereuen sollte, vor allem, als die „Illustrierte Filmbühne” (und andere Serien) zu begehrten Sammelobjekten wurden.

Die vier-, sechs- oder später sogar achtseitigen Hefte boten viele Informationen, vor allem die Fotos gaben einen recht guten Eindruck von den Filmen, obwohl die Druckqualität häufig zu wünschen übrig ließ. Die Grafiker des Verlages in München, wo der Verleger Paul Franke die Tradition des alten Berliner „Illustrierten Filmkuriers” nach dem Ende des Krieges fortsetzte, bemühten sich redlich, um mit dem von den Verleihern zur Verfügung gestellten Fotos, Inhaltsangaben und Besetzungslisten attraktive Hefte zu gestalten; gedruckt wurde überwiegend in Braun, aber auch Blau, Grün und Rot kamen zum Zug. Das lag oft einfach daran, welche Farben in der Nachkriegszeit in den beauftragten Tiefdruckereien gerade vorrätig waren.

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