Wenn ein Friseur verschwindet…

Viele verschlungene Pfade des Lebens sind nicht nur mit Rosen bestreut. Reisen, Urlaub, Freizeit und Spaß sind für die meisten werktätigen Menschen eher die erholsame Ausnahme von den alltäglichen Herausforderungen in Beruf oder Privatleben. Viele sehnen dann den Ruhestand herbei – ein schöner Status für diejenigen, die ihr Arbeitsleben hinter sich haben, aber problematisch für jene, die von ihnen „abhängig waren”, was auch der Autor in der jüngsten Vergangenheit am eigenen Leib erfahren musste.

Es ist nicht leicht, einen Ersatz zu finden, wenn der Friseur in den Ruhestand geht. (Zeichnung: Clipdealer)

Ich will hier gar nicht von der abgebrannten Werkstatt meines Autohändlers reden – so oft musste ich da nicht hin –, oder der plötzlich geschlossenen Metzgerei zwei Straßen weiter, aber doch von einigen „intimeren” Partnerschaften, die plötzlich und unerwartet „aufgekündigt” wurden. Weiterlesen

Das Land der Kannenbäcker

Auf Jahrmärkten jedweder Art sind an den Buden oder Verkaufsständen eine Vielzahl von Äppelwoi-Bembeln und Krügen in ihrer typischen grau-blauen Farbe zu entdecken. In Baumärkten finden sich neben Blumenkübeln aus Plastik auch bessere (und teurere) Exemplare aus Ton. In Geschäften und Supermärkten werden schön gestaltete „Römertöpfe” und diverse Gefäße in allen möglichen Farben feilgeboten.

Kunsthandwerk im Land der Kannenbäcker. (Foto: Clipdealer)

Auf der Dippemess’ in Frankfurt frage ich einen Händler nach der Herkunft seiner Waren. „Einiges stammt aus dem Kannenbäckerland”, sagt der Mann, „das meiste aber wird inzwischen an verschiedenen anderen Standorten industriell hergestellt.” Aus diesem Grund hat das „Kannenbäckerland” an Bedeutung verloren.

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Karl von Drais baut erstes Laufrad

Zweihundert Jahre Fahrrad im Jahr 2017!  Das lädt dazu ein, einige Aspekte dieses Fortbewegungsmittels zu beleuchten, das zu einer ganz großen Erfolgsgeschichte geworden ist, besonders für Fahrten zur Arbeit oder Familienausflüge. Es war ein gewisser Freiherr Karl von Drais, der 1817 das so genannte Laufrad erfand – ein Monstrum, bestehend aus einem massiven Holzkonstrukt mit zwei Rädern, dessen Antrieb aus nichts anderes bestand als den eigenen Beinen.

Ausflug ins Grüne: Das Fahrrad gehört heutzutage zum allgemeinen Familiengut. (Foto: Clipdealer)

Mit seinen Füßen musste sich der Fahrer immer wieder vom Boden abstoßen, um überhaupt vorwärts zu kommen. Pedale hatte das mit eigener Kraft zu bewegende „Fahrrad” (noch) nicht. Immerhin schaffte es der damals 32 Jahre alte Freiherr, am 12. Juni 1817 vierzehn holprige Kilometer zwischen Mannheim und Schwetzingen in einer Stunde zurückzulegen.

Nach ihrem Erfinder wurde das Laufrad fortan „Draisine” genannt, doch so recht konnte sich die eigentlich revolutionäre Erfindung nicht durchsetzen. Das seltsam anmutende Gefährt blieb lange ein Spielzeug für gut Betuchte, die Bedeutung für die Mobilität der Menschen wurde nicht erkannt. Und auch Freiherr Drais erlebte den späteren Siegeszug seiner Erfindung nicht mehr, vielmehr verstarb er 1851 in völliger Armut.

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Fußballstars beim Geldzählen

Türen und Tore sind dem Wahnsinn geöffnet. Die internationalen Fußball-Klubs machen mit unvorstellbaren Summen Jagd auf die vermeintlich besten Spieler der Welt. Die Fußballtreter werden dabei mehr und mehr – und natürlich mit ihrem hoch vergütetem Einverständnis – zum handelbaren Gut. Juventus Turin kassierte  2016 für den Wechsel des 23 Jahre alten französischen Spielers Paul Pogba zu Manchester United rund 120 Millionen Euro. Anfang August 2017 wechselte  der 25jährige Brasilianer Neymar für satte 222 Millionen Ablöse vom FC Barcelona zu Paris St. Germain,  juristische Scharmützel inbegriffen

Geld zählen im Sekundentakt (Symbolfoto: Clipdealer)

Naive Betrachter werden vielleicht glauben, bei solchen gigantischen Transfersummem könne es sich keinesfalls um real vorhandenes Geld handeln, sondern nur um Monopoly-Spielscheine. Doch die genannten Summen sind keine Fiktion, sondern immer wieder neu bestätigte Nachrichten aus dem kapitalistischen Fußball-Alltag.

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Dorf der Heidschnucken

Lüneburger Heide! Eine Landschaft, die geprägt wird von Heidekraut und Heidschnucken. Letztere sorgen mit ihren „Knabbereien“ für den Erhalt der Landschaft. Das Dorf Undeloh ist für die vielen Touristen eine besondere Attraktion. Viele Aspekte spielen in den kargen Heidelandschaften eine Rolle. Von Hermann Löns (1866-1914) will ich hier gar nicht erst reden, ist mir der Journalist und Schriftsteller wegen seiner übertrieben national angehauchten Heimatdichterei rund um die Lüneburger Heide und seiner politischen Vereinnahmung durch die Nazis doch eher suspekt.

Ein typisches Bild aus der Lüneburger Heide. (Foto: Clipdealer).

Doch abgesehen von Löns ist ein Besuch bei den Heidschnucken gleichwohl lohnenswert. Dazu braucht es nicht die schmalzig-triefenden Filmschnulzen aus den Fünfziger Jahren wie etwa „Rot ist die Liebe” (1956, mit Dieter Borsche, Barbara Rütting, Cornell Borchers) oder „Grün ist die Heide” (1951, mit Sonja Ziemann, Rudolf Prack).

Bei einer Reise nach Ratzeburg ergab sich vor einiger Zeit die Möglichkeit, die Heidelandschaften zu erkunden, die Heidschnucken bei „ihrer Arbeit” zu beobachten, und einige Orte kennenzulernen, die sich aus pekuniären Gründen ganz und gar dem Tourismus zugewandt haben.

Wir verlassen die Autobahn Nr. 7 nach Hamburg an der Anschlusstelle Egestorf und erreichen nach nur zwei Kilometern die gleichnamige Gemeinde, wo wir in der Lüttringhausener Straße auf den „Egestorfer Hof” stoßen, in dem wir für zwei Tage Quartier beziehen.

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Mast zündet Trikotwerbung

Wer heute auf die Leibchen der Bundesliga-Profis schaut, sieht sich mit einer Vielzahl von Namen aus der Wirtschaftswelt konfrontiert.  Das war, wie untenstehendes Bild veranschaulicht, früher ganz anders. Klappern gehört heutzutage in der Branche zum täglichen Handwerk. Marketing ist das simple Schlüsselwort für die Werbestrategen. Und so sind Fußballklubs beliebte „Multiplikatoren“ für die Reklamebotschaften auf den Sportlerbrüsten. Denn mit der Zahlung entsprechender Summen an die Fußballklubs hoffen die Firmen bei den Zuschauern im Stadion, bei TV-Übertragungen oder via Zeitungs- und Internetfotos Aufmerksamkeit zu erreichen.

Als die Spieler noch ohne Werbung kickten… (Foto: Clipdealer)

Das Spektrum in der Saison 2017/18 reicht von einer arabischen Fluggesellschaft (Hamburger SV) bis hin zum Fensterbauer (FSV Mainz 05). Außerdem buhlen Getränke- oder Lebensmittelbetriebe um potentielle Kunden (1. FC Köln, Werder Bremen, RB Leipzig,  SC Freiburg). Außerdem sind Softwarekonzerne (TSG Hoffenheim,  Eintracht Frankfurt), Energierriesen (Borussia Dortmund,  Schalke 04) und Versicherungen (FC Augsburg, Bayer Leverkusen) im Geschäft.  Zwei Kreditinstitute (Borussia Mönchengladbach, VfB Stuttgart) sind ebenso vertreten wie ein Telefonanbieter (Bayern München), ein Buchmacher (Hertha BSC), der Autohersteller (VfL Wolfsburg) sowie ein Häuslebauer  (Hannover).

Viele Jahre sind vergangen, und manche Jüngere erinnern sich kaum noch daran, wie das vor über 40 Jahren alles begonnen hat. Es herrschte jedenfalls helle Aufregung, als der niedersächsische Verein Eintracht Braunschweig unter der Regie des Wolfenbütteler Kräuterschnaps-Brenners Günter Mast 1973 nach einigen Auseinandersetzungen mit dem Deutschen Fußball-Bund die Trikotwerbung mit dem Schriftzug „Jägermeister” etablierte.

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Herzöge sorgen für giftfreies Bier

Wer heutzutage durch die Getränkeabteilung eines Supermarkts schlendert, wird förmlich erschlagen von der Vielzahl der dort feilgebotenen Biere. Doch das Angebot umfasst nur einen Bruchteil der vorhandenen Sorten, denn insgesamt wird die Zahl allein der deutschen Biere auf rund 5000 veranschlagt. Obwohl in Deutschland gebrautes Bier nur drei Zutaten plus Hefe enthalten darf, nämlich Wasser, Malz (Gerste/Weizen) sowie Hopfen, ist diese Vielfalt sehr beachtenswert. Sie kommt vor allem zustande, weil neben der fachlichen Kompetenz des Braumeisters die Qualität des Wassers und die verwendeten Hopfensorten eine entscheidende Rolle spielen. Heutzutage reift aus den vier vorgegebenen Ingredienzen Bier von hoher Qualität. Das war freilich nicht immer so.

Zwei kühle „Blonde“. (Foto: Swift Publisher/Stör)

Vor über 500 Jahren, am 23. April 1516, sahen sich die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. in Ingolstadt jedenfalls veranlasst, dem Wildwuchs beim Brauen mit einem so genannten „Reinheitsgebot“ Einhalt zu gebieten. Weil allenthalben kräftig gepanscht wurde, schwebte so mancher passionierte Biertrinker in Lebensgefahr, ohne es auch nur zu ahnen.

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Vertreibung am Reschensee

Ganz in der Nähe des Grenzübergangs zwischen Italien und Österreich liegt der Reschensee. Das künstlich angelegte Gewässer wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in rücksichtsloser Manier errichtet, indem Menschen enteignet und vertrieben wurden. Aus dem See ragt das alte Kirchlein St. Katharina heraus.

Bei niedrigem Wasserstand ragt das Kirchlein St. Katharina aus dem See. (Foto: Clipdealer)

Alle Wege führen einer alten Redewendung zufolge nach Rom. So weit wollen wir allerdings nicht, sondern nur von Frankfurt nach Südtirol. Einige Berge der Alpen müssen wir trotzdem passieren, um unser Ziel Meran zu erreichen. Bei unserer Reise wählen wir diesmal nicht den schnelleren und bequemeren Weg via Autobahn über München, Kufstein und Brenner, sondern fahren über den Reschenpass, wobei wir auch noch die Autobahn-Maut einsparen.

Über die A 7 rollen wir von Ulm aus bis nach Füssen, passieren auf Landstraßen den Fernpass sowie die Städtchen Landeck, Pfunds und Nauders, queren dann – fast ohne es zu bemerken – die Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien und erreichen zuerst die kleine Gemeinde Reschen und gleich darauf das etwas größere Graun.

Auf der rechten Seite schimmert an diesem Tag tiefblau der Reschensee, der Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre angelegte, etwa sechs Kilometer langer Stausee, welcher vor allem der Stromversorgung des Vinschgaus dient. Aus dem Wasser ragt einsam ein Kirchturm, unzählige Male von den zahlreichen Touristen abgelichtet. Das wunderschöne Objekt für die Fotografen wirkt wie aus einem Bilderbuch, hat allerdings auch Flecken, denn kaum jemanden der Vorbeireisenden ist sich der Tatsache bewußt, dass diese hübsche Idylle einen dunklen Hintergrund hat.

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