Schmackhafte Köstlichen aus der Küche sind immer inbegriffen, wenn die „Südtiroler Weinstraße“ bei Bozen erkundet wird. Die eindrucksvolle Natur lässt mit zahlreichen höchst interessanten Wandermöglichkeiten geradezu leuchten – besonders im September und natürlich im „Goldenen Oktober”, wenn unter strahlend blauem Himmel die Äpfel und Trauben geerntet werden.

Im Südtiroler Etschtal reift vorzüglicher Wein. (Foto: Erich Stör)

Der Landstrich zieht sich von Nals bis nach Salurn durch Überetsch und Unterland. Wir kommen von Meran, passieren die Gemeinden Andrian und Eppan, erreichen schließlich Kaltern. Wer am Kalterer See wandert – nebenbei der wärmste See der Alpen –, oder mit dem Auto die schmalen Straßen befährt, wird an den Hängen und unter Lauben neben Apfelsorten vor allem immer wieder viele dunkelblaue Weintrauben an den Pergeln reifen sehen – nicht nur dort übrigens, sondern an vielen anderen Orten auch. 

Nach der Ernte wird aus der Frucht der süffige „Vernatsch“ gepresst und gegoren, der nebenbei bemerkt auch als Variante namens Trollinger in Württemberg beliebt ist. Zugegeben, Weinkenner sind wir nicht, aber natürlich wissen wir einen guten Tropfen zur Essenszeit zu schätzen. Auch einen Vernatsch darf gerne darunter sein. Informieren wir uns also im Kalterer Weinmuseum. Wir erfahren einiges über die verschiedenen Sorten, über den „Kalterersee“, den „St. Magdalener”, den „Bozner Leiten” und den „Meraner Hügel”.

Gut mundende Köstlichkeiten allemal. Und wir hören auch – durchaus ein wenig verwundert –, dass der Vernatsch in der Vergangenheit eine gewisse Marktflaute erlebt hat, weil er den abgehobenen „Feinschmeckern” unter den Weinliebhabern zu profan erschien. In jüngster Zeit aber ist er unter den Urlaubsgästen wieder sehr beliebt geworden, „weil viele Südtiroler Winzer sich intensiv um die geschmackliche Verfeinerung bemühen.”

Unverzichtbar beim Törggelen

Wir sehen auch die unterschiedlichen Farbtöne. Sie reichen von hellrubin bis hin zu dunklem rubinrot. Als Kostprobe bekommen wir einen der Weine serviert. Ich empfinde ihn als angenehm, ist der doch mild und fruchtig zugleich. Unser Gastgeber lässt uns wissen, dass der Wein vor allem zu Vorspeisen und typischen Tiroler Gerichten wie Speck und Wurst, aber auch weißem Fleisch und mildem Käse serviert wird. Unverzichtbar sei er im Herbst, wenn in den Berghütten, in Gaststätten und edlen Hotels das allseits beliebte „Törggelen” auf dem Programm steht.

Speck und Kaminwurzen

Dieses „Törggelen” ist auf einen alten Brauch der Bauern und Weinhändler zurückzuführen, die den jungen Wein verkosteten. Neben dem jungen Wein wird beim „Törggelen” gern ein süßer Krapfen angeboten. Traditionell kommt hauptsächlich Speck oder Kaminwurzen auf den Holzteller, doch auch einfache Bauerngerichte werden zum Wein gereicht. Schlachtplatten mit Sauerkraut, verschiedenen Würste und Knödel sind ebenfalls auf den Tischen zu finden. Einiges gelernt!

Abschied aus dem Weinmuseum, Abschied aus Kaltern. Jetzt besuchen wir noch Tramin, Magreid, Kurtasch, drei Orte südlich von Kaltern. Wir setzten über Autobahn und Etsch auf die andere Seite. Besuchen noch Neumarkt, Auer und Branzoll; überall Weinanbau. Auf der Rückfahrt über Bozen in Richtung Meran fallen uns noch mehr als zuvor die blauen Trauben auf, die überall zu sehen sind. Bald wird aus ihnen ein Vernatsch werden…