Urlaub in der Nähe von Meran. Heute ein Wandertag. Wir fahren mit dem Sessellift von Algund nach Vellau, 900 Meter Höhe. Anstiege, Abstiege, ausgiebige Spaziergänge, am Nachmittag über den Saxner-Weg talwärts. Der Magen knurrt, am Wegesrand ein großer Bergbauernhof mit dem einladenden Schild: „Heute Törggelen!”.

Kastanien und Rotwein stehen beim Törggelen immer auf dem Tisch. (Foto: Clipdealer)

Auf der engen Terrasse knarrende Dielen und rustikale Holzbänke. Wir bestellen und genießen – von strahlender Sonne beschienen – einladend aussehende Köstlichkeiten. Ein leichter, frischer Rotwein, ein herzhaft schmeckendes Stück Speck, geröstete Esskastanien. „Guten Appetit!” sagt der Mann, der uns bedient hat. Danke. Es mundet eine halbe Stunde lang.

Das also ist Törggelen. Weinverkostung mit kräftigen Zutaten. Beim Bezahlen erklärt uns der Mann, wohl der Bauer selbst, was er zum Törggelen alles anbietet:

„Süßen oder jungen Wein, dazu Schlutzkrapfen, Kaminwurzen oder Speck. Manchmal gibt es auch eine Schlachtplatte mit Knödel und Sauerkraut. Geröstete Kastanien gehören auf jeden Fall dazu. Als Nachtisch bieten wir meist und je nach Wunsch Bauernkrapfen mit Marillen-, Mohn- oder Kastanienfüllung an.”

Im realen Gespräch bezeichnet der Mann den Süßen natürlich als Siaßen, den neuen Wein als Nuier, die Kastanien als Ketschn. Wieder was gelernt. Später im Hotel will ich mehr über das Törggelen erfahren, das vor allem im Etschtal, Vinschgau, an der Südlichen Weinstrasse und im Eisacktal gepflegt wird.

Alter Brauch in modernem Gewand

Der alte Brauch ist darauf zurückzuführen, dass Bauern und Weinhändler einst zwischen Anfang Oktober und dem Beginn der Adventszeit den frischen „Süßen” und den jungen Wein auf sein Gehalt überprüften. Dazu wurden ursprünglich nur die Erntehelfer eingeladen.

Heutzutage indessen gehört das Törggelen längst zur einheimischen Esskultur. Für Urlauber wird in Weinschänken, Hotels, Gasthäusern oder Bauernhöfen „getörggelt”, ist also längt zum folkloristisches Beiwerk (und Umsatzbringer) des modernen Tourismus geworden.

In einer Tourismus-Zeitschrift lese ich, dass der Begriff „Törggelen” auf das lateinische torculus (Weinpresse, Kelter) zurückgeht. Daraus entwickelte sich später der Name „Torggl“ für den Ort, wo die Trauben gepresst werden, und wo man sich demnach zum „Törggelen” traf.