DIE LA RAMBLA AM COLUMBUS-DENKMAL (Foto: Clip, Autor: Erich Stör)

Eine der berühmtesten Stadtstraßen der Welt ist die „La Rambla“ in Barcelona.  Sie führt vom Hafen zum Plaça de Catalunya oder umgekehrt. Der besondere Charakter dieses Boulevards in der katalanischen Metropole besteht in seiner einmaligen Vielfältigkeit.  In die Schlagzeilen gekommen ist die Straße im Spätsommer 2017 durch einen verheerenden Anschlag. Das darf natürlich  nicht davon abhalten,  ihren Reiz und ihre Schönheit zu beschreiben.

Bei einem beruflichen Informationsbesuch steht eine gedrängte Besichtigungstour auf dem Programm, wobei uns unser Begleiter und Dolmetscher Ramon „sein” Barcelona näher bringt. Erst blicken wir vom Mont Juic, dem Hausberg Barcelonas, auf die Dächer der Stadt; wir schlendern später durch das Gotische Viertel im alten Zentrum; besuchen den Hafen und das Tortre Agbar, ein modernes, 142 Meter hohes Bürogebäude an der Avinguda Diagonal. Im Fußballstadion des FC Barcelona lassen wir – obwohl an diesem Tag kein Fußballspiel im Camp Nou über die Bühne geht –, die Künste von Lionel Messi und Co. bei einer grandiosen Multimedia-Show vor unseren Augen Revue passieren. Und man muss nicht dem christlichen Glauben huldigen, um die berühmte römisch-katholische „Sühnekirche der Heiligen Familie” (Sagrada) als Augenweide zu empfinden.

Dieses pompöse Monument wurde vom berühmten Architekten Antoni Gaudi entworfen – und obwohl die Arbeiten bereits 1882 begonnen wurden, ist die Kirche bis auf den heutigen Tag unvollendet. Mächtige Kräne umrahmen das prachtvolle Gebäude und irritieren die vielen Hobby-Fotografen, die gerne ein „reines” Bild der Kirche – ohne diese störenden Elemente – aufnehmen möchten. Ramon erklärt uns, dass nach gegenwärtigem Stand der Dinge der Bau im Jahr 2026 – zum 100. Todestag von Gaudí – fertiggestellt sein soll.

Die Sagrada, umgeben von zahlreichen Kränen (Foto: Clipdealer)

Ramon fährt mit uns zum Hafen, denn wir wollen die faszinierende La Rambla zu Fuß erobern. Berühmte Straßen gibt es in aller Welt und auch in Deutschland. Wer kennt nicht ihre Namen? Fifth Avenue in New York, die Oxford Street in London, Champ Élysées in Paris, Ku-Damm in Berlin, Königsallee in Düsseldorf, die Zeil in Frankfurt. Die La Rambla gehört jedoch zu jenen großen Flaniermeilen, die unvergleichlichen Charme ausstrahlen.

Es beginnt am Columbus-Denkmal

Die Straße ist nicht einmal breit, auf den Seiten sind schmale Fahrspuren angelegt, in der Mitte verläuft die Fußgängerzone. Unter den Bäumen herrscht reges Treiben. Cafés, Bistros und kleine Geschäfte wechseln sich ab; die Kellner müssen oft aus den Restaurants über die Einbahnstraßen flitzen, um ihre Kunden bedienen zu können.

Die La Rambla ist irgendwie auch eigenartig, denn die etwa 1,3 Kilometer lange Straße unterteilt sich in fünf verschiedene Zonen, die jeweils einen anderen Charakter haben. Wir beginnen unseren Bummel an der „Rambla de Santa Mónica”, benannt nach der Patronin des Augustinerordens.

Inmitten eines mächtigen Kreisels steht auf einer 60 Meter hohen Säule das acht Meter hohe Denkmal von Christopher Columbus, einem der Entdecker Amerikas. Wir kaufen ein Billett für 2,50 Euro und fahren in einem kleinen Aufzug hinauf und sehen von der Aussichtsplattform auf die pulsierende Stadt und die emsoge Betriebsamkeit im Hafen…

Zurück vom Denkmal schlendern wir weiter und beginnen unseren Weg über die „Rambla dels Caputxins”. Wir erblicken auf der Südseite das „Gran Teatre del Liceu”, eines der bekanntesten Opernhäuser der Welt. Schräg gegenüber befindet sich das Opern-Cafè. Nahe der U-Bahn-Station Liceu sehen wir auf dem Boden ein kreisförmiges Keramikmosaik des bekannten katalanischen Malers Joan Miró samt Signatur des Künstlers. Viele Passanten laufen achtlos vorbei, fast ohne es zu bemerken.

Vor Taschendieben wird gewarnt

Wir erreichen bald den Abschnitt „Rambla de Sant Josep”, der auch oft „Rambla de Flors” genannt wird. Der Grund ist nicht schwer zu erraten, denn Blumenstand reiht sich an Blumenstand. Dichtes Gedränge der Menschen, die Passanten schieben sich eng an eng aneinander vorbei. Ramon rät uns sogleich, gut aufzupassen, denn: „Leider gehören Taschendiebe auch zum Bild der Rambla”.

Auf der folgenden „Rambla dels Estudis” beherrschen Zeitungsstände und Souvenirkioske das Straßenbild. Es ist eine Erinnerung an jene Zeit, als hier noch Hochschulgebäude standen und die Studenten die Rambla bevölkerten. Davon ist nichts mehr zu spüren, das Leben und Treiben wird von Touristen und Einheimischen geprägt.

Ein kleines Appetithäppchen

Ramon lässt sich mit uns in einem Bistro nieder, wir bestellen als kleines Appetithäppchen ein getoastetes Weißbrot mit Olivenöl bestrichen und belegt mit Tomatenfruchtfleisch und Knoblauch. Dieses kleine Gericht runden wir mit einem Glas Rotwein und einen Espresso ab. Von unserem Tisch aus beobachten wir interessiert das lebhafte Treiben auf der Straße, ehe wir uns auf die „Rambla de Canaletes” begeben. Es ist der letzte Bereich, ehe wir den „Plaça de Catalunya” erreichen, einem zentralen Knotenpunkt Barcelonas.

Ähnlich wie in Rom, wo in den Brunnen „Fontana di Trevi” geworfene Münzen ganz persönliche Wünsche erfüllen sollen, wird in Barcelona dem kleinen Brunnen „Font de Canaletes” eine magische Wirkung nachgesagt. Ramon erzählt mit einem Augenzwinkern:

„Die Legende besagt, dass jeder, der aus dieser Quelle trinkt, irgendwann wieder zurück nach Barcelona kommt.”

Dieser letzte Teil der La Rambla erlebt viele Freudenfeste. Denn in diesem kleinen Abschnitt treffen sich nach jedem Spiel des FC Barcelona die Anhänger des Clubs, um Siege über die Gegner zu feiern. Besonders nach Erfolgen über den Erzrivalen Real Madrid oder nach Siegen in den Matches der Champions League wird hier die Nacht zum Tage gemacht. Zum Beispiel beim legendären 6:1 über Paris St. Germain im März 2017. Danach freilich gab es auch einige Enttäuschungen und kein Grund zum Jubel.

De La Rambla viele Facetten. Gerade deshalb ist ein Spaziergang über die Straße ein ganz besonderes Erlebnis. Der Tag wird uns noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben… Danke Ramon!