Geschlechter bei einem „Aufklärungsfilm“ schamhaft getrennt

Seltsamer Streifen. (Foto: Filmverlag Unucka)


Zu einer der merkwürdigsten Premieren in deutschen Lichtspieltheatern kam es am 30. März 1951 im Frankfurter Filmpalast. Gezeigt wurde Eva und der Frauenarzt, ein Streifen, mit dem in den prüden 50er Jahren Sexualaufklärung betrieben werden sollte, doch den Machern (Zeyn-Produktion) und Filmverleih (Columbia) ging es mit spekulativer Werbung in erster Linie um Gewinn. Der Film wurde weitgehend aus amerikanischen Kulturfilmen zusammengeschnitten und mit einer ziemlich dürftigen Rahmenhandlung versehen, was die Herstellungskosten des Streifens auf nur 40.000 DM senkte. 

Selbstredend wegen der Moral – und als durchaus „umsatzfördernde Maßnahme” im Hinterkopf – wurde mit Billigung der „Freiwilligen Filmkontrolle” angeordnet, das Publikum im Kino nach Geschlechtern getrennt sitzen zu lassen, was zweifellos Erwartungen auf besonders prickelnde erotische Szenen hervorrufen sollte. Ein Kritiker schrieb:

Die Damen rechts, die Herrn links bitte!. Auf das die Moral nicht gefährdet werde. Und so sitzen denn Männlein und Weiblein fein säuberlich durch einen leeren Platz in jeder Reihe getrennt und harren schamhaft klopfenden Herzens, der Dinge, die da kommen.

Der Andrang war beachtlich. Die hoch geschaukelten Erwartungen auf erotische Überraschungen blieben – und wer hätte das (nicht) gedacht – allerdings unerfüllt. In der mit Rückblenden versehenen Spielhandlung zeigte der Film hauptsächlich die Gefahren von diversen Geschlechtskrankheiten und die „Wunder der Menschwerdung” – ernüchternd  und klinisch sauber. Dass dabei der liebe Gott – besonders zu Beginn des Films – überaus eifrig bemüht wurde, um den allgemeinen „moralischen Anforderungen” in der Adenauer-Ära gerecht zu werden, war nicht anders zu erwarten. 

Salbungsvolle Worte

Der medizinisch vorgebildete Albrecht Schoenhals – der Schauspieler war früher selbst praktizierender Arzt – lächelte als Gynäkologe Dr. Florian auf ein junges Paar namens Eva (Edith Prager) und Fred (Til Kiwe) herab und kittete mit weisen und salbungsvollen Worten die Risse in der Beziehung der beiden jungen Menschen.

Trotz mancher kritischer Einwände hob sich der Film – vor allem durch die dokumentarischen Aufnahmen – durchaus positiv von ähnlichen Versuchen ab, zu Beginn der Fünfziger Jahre die herrschende Prüderie aufzubrechen. Dazu trugen auch einige humorvollen Dialoge bei. 

Seile zur Trennung

Das Peinliche des Films lag nicht am Inhalt, sondern an der „Verpackung”, – also an der spekulativen Werbung, die mit den verschlossenen Türen der Frauenarzt-Praxis und „zu erwartenden sexuellen Sensationen” hantierte – wozu dann auch noch die Trennung des Publikums in Männlein und Weiblein gehörte. In manchen Kinos, in denen der Film nach der Premiere lief, wurden sogar Seile zur Trennung des Publikums eingesetzt.