Ohne alle Grenzen, so scheint es. Dem Wahnsinn scheinen Tür und Tor geöffnet. Die Klubs der obersten englischen Fußballliga kaufen mit geradezu unvorstellbaren Summen die besten Spieler der Welt zusammen. Befeuert wird die Kauflust vom Konkurrenzkampf britischer TV-Medien. Grundlage für die Transfer-Wut ist ein Anfang 2015 geschlossener Dreijahresvertrag der Premier League mit den Fernsehsendern Sky und British Telecom (BT).

Ablösesummen und Gehälter werden immer gigantischer. (Foto: Swift Publisher)

Der Vertrag bringt der Liga ab der Saison 2016/17 pro Spielzeit knapp 2,3 Milliarden Euro. Die Summe zeigt neben der wachsenden Popularität des englischen Fußballs auch den knallharten Konkurrenzkampf um die Rechtepakete zwischen dem marktbeherrschenden Pay-TV-Sender Sky von Rupert Murdoch und BT Sport, einem neuen Wettbewerber der British Telecom.

Die britische Kauflust hat auch Auswirkungen auf die Fußball-Bundesliga. Zuletzt wechselten Levoy Sané (Schalke 04) für 50 Millionen Euro zu Manchester City, Ilkay Gündogan (Borussia Dortmund) für 27 Millionen ebenfalls zu den Citizens und Henrikh Mchitarjan (Dortmund) für 42 Millionen zu Manchester United. Die genannten Beträge sind schwindelerregend, und der naive Betrachter kann leicht zu der Schlussfolgerung verführt werden, bei solchen Transfersummem könne es sich keinesfalls um real vorhandenes Geld handeln, sondern nur um Monopoly-Spielscheine. Doch die genannten Irrsinnssummen sind keine Fiktion, sondern Nachrichten aus dem kapitalistischen Alltag.

Fußballspieler werden mehr und mehr – und natürlich mit ihrem hoch vergütetem Einverständnis – zum handelbaren Gut. So kassierte Juventus Turin für den Wechsel des 23 Jahre alten französischen Spielers Paul Pogba zu Manchester United sage und schreibe rund 120 Millionen Euro.

Auch wenn der Fußballfreund sich inzwischen an solche (Un-)Summen gewöhnt hat, ist wohl nur Mathematikern bewusst, um welche Beträge es wirklich geht – was vor allem an unserer erlernten, verkürzten Schreibweise von Zahlen liegt. Wenn wir nämlich von der Zahl 1000 auf 1 000 000 wechseln, werden entweder nur drei Nullen angehängt oder sogar ganz knapp nur von „1 Mio.” gesprochen. Eine Sekundensache mit fataler Wirkung, müsste doch im Grunde genommen die Zahl 1000 immerhin eintausend Mal hingeschrieben werden, um auf eine Million zu kommen.

Der Wissenschaftsautor Hoimar von Ditfurth hat in seinem Buch „Kinder des Weltalls” ein Beispiel genannt, um die Dimensionen solcher Zahlen zu verdeutlichen. Von Ditfurth schreibt:

„Bis tausend kann man, wenn man in jeder Sekunde eine Zahl ausspricht, in rund einer Viertelstunde zählen. Bis zu einer Million braucht man – einen achtstündigen Arbeitstag für das Zählen gerechnet – schon einen ganzen Monat.”

Für die 120 Millionen von Pogba wären also 120 Monate tägliches Zählen erforderlich, also zehn Jahre. Blickt man unter diesem Aspekt auf die Transfersummen, wird erst klar, um welche Beträge es sich in Wirklichkeit handelt.

Die Kommerzmaschine Fußball läuft ungeachtet dessen weltweit und besonders in Europa auf Hochtouren. Es wäre freilich nicht verwunderlich, wenn dieses Gebäude bei völlig überhitzter Konjunktur mit einem großen Krach in sich zusammenfiele.