Pat und die „Drei Kameraden“

Erich Maria Remarque hat einige weltberühmte Bücher geschrieben. „Im Westen nichts Neues” dürfte das bekannteste sein. Weitere Romane sind „Der Funke Leben”, der seiner von den Nazis hingerichteten Schwester Scholz gewidmet ist, sowie „Zeit zu leben und Zeit zu sterben”, „Der schwarze Obelisk”, „Liebe deinen Nächsten”, „Arc de Triomphe“, „Die Nacht von Lissabon”, „Der Himmel kennt keine Günstlinge” und „Der Weg zurück”. Doch mein Lieblingsroman ist „Drei Kameraden“, in dem von einer verlorenen Generation im fiebrigen Berlin der Zwanziger Jahre erzählt wird, verbunden mit einer zartbitteren Liebesgeschichte. 

Liebe und Freundschaft sind die zentralen Themen des Romans. (Foto: Swift Publisher)

„Drei Kameraden” handelt vordergründig von der Männerfreundschaft zwischen den ehemaligen Soldaten Otto Köster, Gottfried Lenz und Robert (Robby) Lohkamp in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und in der eigenartigen Atmosphäre Berlins der „Golden Twentys.“ Doch ist dies nur der äußere Anlass für die zartbittere Liebesromanze zwischen den Automechaniker Robby und der jungen, schmalgliedrigen Patrice (Pat) Hollmann. Bis zu ihrem Kennenlernen kennt Robby nur die verstaubte Pension von Frau Zalewski, treibt sich im Café International herum, in dem die freundlichen „Damen” von der Straße verkehren, ist Stammgast in Freds Bar, wo er am liebsten in der Dämmerung des goldbraunen Rums versinkt. Pat verändert alles, gibt seinem bisher stumpfen, trostlosen Leben endlich einen neuen Sinn.

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Die „Filmbühne“ ist Kulturgut

Programmhefte der „Illustrierten Filmbühne“ begleiteten viele Menschen über Jahrzehnte hinweg bei ihren Kinobesuchen, was einen ganz persönlichen Rückblick rechtfertigt. Der Preis für die kleinen Hefte betrug im Frühjahr 1947 „nur” 10 Pfennige, was jedoch nicht wenig war, denn ein Billett für die „Rasierstühle” in den ersten drei Reihen der Kinos war immerhin schon für 80 Pfennige zu haben.

Zu vielen Filmen erwarb ich diese kleinen Illustrierten, die zu Begleitern meiner Jugend wurden. Manche dieser Hefte hob ich auf, andere warf ich weg oder sie gingen anderweitig verloren. Diese Nachlässigkeit war ein Versäumnis, das ich noch bereuen sollte, vor allem, als die „Illustrierte Filmbühne” (und andere Serien) zu begehrten Sammelobjekten wurden.

Die erste, die letzte und die erfolgreichste „Filmbühne“ (Foto: Verlag Unucka)

Die vier-, sechs- oder später sogar achtseitigen Hefte boten viele Informationen, vor allem die Fotos gaben einen recht guten Eindruck von den Filmen, obwohl die Druckqualität häufig zu wünschen übrig ließ. Die Grafiker des Verlages in München, wo der Verleger Paul Franke die Tradition des alten Berliner „Illustrierten Filmkuriers” nach dem Ende des Krieges fortsetzte, bemühten sich redlich, um mit dem von den Verleihern zur Verfügung gestellten Fotos, Inhaltsangaben und Besetzungslisten attraktive Hefte zu gestalten; gedruckt wurde überwiegend in Braun, aber auch Blau, Grün und Rot kamen zum Zug. Das lag oft einfach daran, welche Farben in der Nachkriegszeit in den beauftragten Tiefdruckereien gerade vorrätig waren.

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Tragödie am Matterhorn

Vor über 150 Jahren wurde der legendäre Bergriese Matterhorn nahe der schweizerischen Gemeinde Zermatt erstmals von einer Seilschaft bezwungen. Was damals, am 14. Juli 1865, zunächst wie ein großer Triumph der beteiligten Bergsteiger aussah, endete beim Abstieg mit einer Tragödie: Vier der sieben Bergsteiger verloren ihr Leben, als sie nach einem Seilriss abstürzten. Das erbitterte Wettrennen um die Erstbesteigung des Matterhorns hatte seine ersten Opfer gefordert, denen freilich noch unzählige folgen sollten. In den Jahren seit der Erstbesteigung wurden über 500 tödliche Unfälle gezählt…

Wälder, Wiesen und dahinter: Der Berg! (Foto: Clipdealer)

Das Matterhorn steht in den Walliser Alpen zwischen Zermatt und Breuil-Cervinia. Die Ost-, Nord- und Westwand liegen auf schweizerischem Gebiet, die Südwand in Italien. Weil eine italienische Gruppe um den Bergführer Jean-Antoine Carrel über die italienische Seite aufzusteigen versuchte, wurde der Engländer Edward Whymper, der schon lange vom „Sieg” am Matterhorn träumte, zur überhasteten Eile angetrieben. Überhastet bildete er inm schweizerischen Zermatt eine illustre Siebener-Seilschaft mit ihm selbst, dem Bergführer Michel Croz aus Chamonix, den Briten Charles Hudson, Lord Francis Douglas und Robert Hadow sowie den einheimischen Bergführern Peter Taugwalder (Vater) und Peter Taugwalder (Sohn).

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Hauptstadt der Filmverleiher

Natürlich ist (und war) Frankfurt am Main keine Filmmetropole im üblichen Sinne, auch wenn die Hochhaus-Skyline in modernen Fernsehproduktionen immer wieder als prächtige Kulisse für „Mainhattan” dient. Bedeutende Produktionsfirmen sind bis heute ebensowenig vorhanden wie Ateliers. Aber es waren die sogenannten „Major Companies“ der USA, die sich hier nach dem Ende des Krieges niederließen.

In Frankfurt am Main stapelten sich Filmrollen aller Coleur… (Foto: Swift Publisher)

In den 30er Jahren waren die ausländischen Verleihfirmen in Berlin beheimatet gewesen, ehe ihnen von den Nazis 1941 die Tätigkeit untersagt wurde. Noch ehe der Krieg am 8. Mai 1945 zu Ende war, hatten die Amerikaner in den von ihnen besetzten Gebieten mit dem Aufbau „demokratischer Strukturen” begonnen; Priorität hatten neue Zeitungen und Filme, die nach Meinung der Alliierten geeignet erschienen, zur erfolgreichen „Umerziehung” der deutschen Bevölkerung beizutragen.

Frankfurt, das am 29. März von den Amerikanern besetzt worden war, eignete sich aufgrund seiner zentralen Lage besonders für die Tätigkeit des Amerikanischen Militär-Filmverleihs (AFI), der zunächst die US-Streifen in die Kinos brachte. Nach der Kapitulation am 8. Mai erschien die politischen Situation Berlins als Viersektorenstadt den US-Konzernen wenig geeignet, sich dort niederzulassen. So blieben die Verleihe für lange Zeit in Frankfurt.

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Dankeschön Ingrid Bergman

Am 29. August 1915 wurde die Schauspielerin Ingrid Bergman geboren. Anlässlich des Geburtstages der schwedischen Künstlerin gab es 100 Jahre später zahlreiche Würdigungen von Filmhistorikern und Kritikern. Auch für den Autoren ein guter Grund, aus Sicht des Zuschauers einen Blick auf ihr filmisches Lebenswerk zu werfen und ihr ein Dankeschön nachzurufen.

Ingrid Bergman auf dem Stromboli-Titel der „Filmbühne“ (Foto: Verlag Unucka)

Von Ingrid Bergmann hatte ich bei Kriegsende noch nie etwas gehört. Wie auch? Erstens war ich noch zu jung, und zweitens standen amerikanische Filme nach 1941 in Nazi-Deutschland auf dem Index. Dann sah ich in Frankfurt den ersten Film mit Ingrid Bergman in der Hauptrolle. In der Scala lief 1947 „Das Haus der Lady Alquist” und ich nutzte die lasche Handhabung des damaligen „Jugendschutzes”, um ins Kino zu schlüpfen.

Ingrid Bergman spielte die gerade frisch und glücklich verheiratete Paula Anton, deren Ehemann (Charles Boyer) sie in den Wahnsinn zu treiben beginnt – sie setzte sich als angstvolle Frau so eindrucksvoll in Szene, dass sie – wie ich später erst erfuhr – mit einem Oscar belohnt worden war. Ihr Auftritt machte Lust auf mehr und so sah ich sie ein Jahr später im Harmonie in „Die Glocken von St. Marien” an der Seite von Bing Crosby. Es war ein religiös-melodramatisches Rührstück, das mir nicht besonders zusagte, in dem mir gleichwohl die Schwedin als kämpferische Nonne Mary Benedict gefiel.

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Auf dem Marlinger Waalweg

Einer der schönsten und auch „gemütlichsten” Wanderrouten in Südtirol ist nahe der Kurstadt Meran zu finden. Es ist der rund zwölf Kilometer lange Marlinger Waalweg zwischen dem Algunder Ortsteil Töll und dem Obstanbau-Zentrum Lana. Für alle, die in dieser Gegend Urlaub machen, ist ein Spaziergang dort ein Muss. Etwas für die Otto Normalverbraucher, die auf Schusters Rappen unterwegs sind. Natürlich auch für uns.

Blick vom Marlinger Waalweg in das Etschtal (© MGM/ Frieder Blickle)

Von Meran fahren wir mit dem Partschinser Bus nach Töll, einem Ortsteil von Algund, wo die Wanderung direkt neben dem Wasserkraftwerk der Etschbetriebe beginnt. Anfangs ist der Ausblick ins Etschtal noch eher dürftig, denn der Weg ist felsig, es geht über künstliche Holzbrücken, die mit Stahlseilen an den Felswänden verankert sind, direkt darunter läuft das Wasser durch ein Rohr.

Da die Sonne an diesem Herbstmorgen noch nicht in diesen Winkel scheint, ist es vorerst kühl zwischen den schroffen Steinen. Doch schon bald wird die Landschaft offener, der Weg verläuft nun sanft durch Kastanienhaine und Apfelplantagen, später wird es unzählige Weintrauben entlang des Pfades geben, schimmernd im Licht eines Goldenen Oktobers.

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Frühlingstage in Reichenborn

Frühjahr 1945 im Westerwald. Ein Wanderkino zeigt den Spielfilm „13 Stühle“, dann rücken amerikanische Panzer in das Dorf Reichenborn. Der Zweite Weltkrieg neigt sich dem Ende zu, was sich unschwer daran erkennen lässt, dass sich geballte amerikanische Panzereinheiten durch das kleine Westerwald-Dörfchen Reichenborn walzen, wohin viele Frankfurter „Ausgebombte“ evakuiert worden sind. Doch kurz zuvor gibt es noch die Vorführung eines Wanderkinos… 

Butterblumen und Panzer im Frühjahr… (Symbolfoto: Swift Publisher)

Es ist ein Sonntag im sonnigen Frühjahr 1945. Ein altes und ziemlich klappriges Lastauto mit Holzvergaser rumpelt über die holprige Straße auf den Bauernhof im Westerwald; eine Leinwand wird ausgeladen und in der Scheune aufgebaut, Lautsprecher und ein 16-Millimeter-Projektor werden installiert. An diesem Tag – wenige Tage vor Kriegsende – soll es im Dorf die Filmvorführung eines Wanderkinos geben…

Irgendwie ist es ja komisch. Die Westalliierten sind bereits im Sommer zuvor in der Normandie gelandet, sie rücken stetig vor, Tag für Tag kommen sie uns näher, aber aus den plärrenden Rundfunkempfängern tönt nach den diversen Wehrmachtsberichten vor allem reichlich Schlagermusik, so als sei die Welt durchaus noch in Ordnung, obwohl schon vor Monaten die Stadt Aachen besetzt worden ist.

Die Tage sind nicht gerade die heitersten – weder für die alteingesessenen Dorfbewohner, noch für die aus der Großstadt nach hier evakuierten Kinder und Erwachsenen, die sich nur schwer zurechtfinden im Leben der wortkargen Landleute.

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Gift im Zoo und anderswo

Ende des Jahres 1947, Anfang 1948 ist die Frankfurter Öffentlichkeit aufgewühlt. Der im Ostend gelegene Zoo wird von einer mysteriösen Serie von Tötungsdelikten heimgesucht. Die Zeitungen berichten ausführlich über die Details des Kriminalfall, aber er hat einige Jahre später dann indirekte politische Begleiterscheinungen, wobei die Bonner Regierung und der Filmregisseur Wolfgang Staudte eine Rolle spielen. 

Auch Biber zählten zu den Opfern im Frankfurter Zoo (Foto: Oliver Stör)

Was den Frankfurter Zoo anbelangt, so werden dort am 29. Dezember 1947 mehrere Fasane und ein Riesenpapagei tot in ihren Käfigen aufgefunden. Zunächst denkt niemand an was Böses, die Zoo-Verwaltung glaubt an einen Unfall, doch die genaue Untersuchung ergibt , dass die Tiere mit Natriumfluorid vergiftet worden sind.

In der ersten Januarwoche sterben dann fünf Biber sowie ein Rehbock am gleichen Gift, am 12. Januar folgen eine afrikanische Zibetkatze und ein Pavian. Bis zum 22. Februar werden insgesamt 46 tote Tiere gezählt. Danach hören die Todesfälle plötzlich auf. Die Stadtverwaltung ist gleichwohl aufs höchste beunruhigt und fordert in einer Presseerklärung die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Suche nach dem Täter auf.

In der offiziellen Verlautbarung wird auf den hohen finanziellen Schaden hingewiesen, gleichzeitig der verwerfliche Aspekt der Taten hervorgehoben und zudem eine Belohnung ausgesetzt. Im Klartext heißt es:

„Seit 29. Dezember sind 44 wertvolle Tiere des Frankfurter Zoologischen Gartens von unbekannten Tätern vergiftet worden. Hierdurch ist nicht nur ein erheblicher finanzieller Schaden für die Stadt entstanden, auch alle Tierfreunde sind über diese Untaten bekümmert. Der Frankfurter Magistrat […] hat für Angaben, die zur Ermittlung des Täters und seiner Helfershelfer führen, eine Belohnung von 30 000 Mark ausgesetzt.”

30 000 Mark! Das ist die höchste Summe, die bis zu diesem Zeitpunkt in Deutschland für die Aufklärung eines Kriminalfalles ausgelobt wird, allerdings kurz vor der Währungsreform kein Riesenbetrag, weil der Wert der Reichsmark täglich mehr verfällt. Die Vermutung, die Höhe der Summe könne damit zusammenhängen, dass der Deutsche Tierschutzbund in Frankfurt ansässig, und Oberbürgermeister Dr. Walter Kolb dessen Vorsitzender ist, erweist sich freilich bald als pure Spekulation.

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Apokalypse des Motorsports

Juni 1955! Vierundachtzig Menschen sterben, als es beim „24 Stunden Rennen“ in Le Mans zu einem schweren Unglück kommt. Das Inferno auf einer der Tribünen gilt als die  größte Katastrophe des Motorsports und wird oft als Apokalypse beschrieben. Viele Zeitzeugen haben den Unfallhergang von 1955 beschrieben. Demnach wollte der Engländer Mike Hawthorn – später Sieger des Rennens – mit seinem Jaguar zum Nachtanken an die Boxen, überholte aber zuvor den deutlich langsameren Austin-Healey seines Landsmannes Lance Macklin, zog aber dann unvermittelt vor ihm nach rechts in Richtung der Boxeneinfahrt, die sich direkt neben der Strecke befand.

Blick auf die Rennstrecke von Le Mans. (Foto: Clipdealer)

Um auszuweichen, zog Macklin nach links, von dort kamen mit geschätzten 250 km/h die Mercedes-Fahrer Pierre Levegh und Juan-Manuel Fangio heran. Fangio schaffte es noch, an den Fahrzeugen von Macklin und Hawthorn vorbei zu schrammen, während der Wagen von Levegh ungebremst auf Macklins Boilden prallte. Wegen dessen relativ flacher Bauweise wirkte das Auto wie eine Rampe. Leveghs Gefährt wurde in die Luft geschleudert und flog erst in die Menge auf einem Erdhügel, explodierte in einem Flammenmeer und Trümmerteile des Autos wurden auf die Zuschauertribüne katapultiert. Das Inferno war da…

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Weltraum-Aussteiger Leonow

Der russische Kosmonaut Alexej Leonow war der erste Mensch, der bei einem Raumflug in den freien Raum ausstieg. Das war am 18. März 1965, also vor über 50 Jahren. Ein Ereignis, an das sich kaum noch jemand erinnert. Auch heute, wenn Weltraumflieger aller Herren Länder aus der Internationalen Raumstation (ISS) aussteigen, um dann oft stundenlang im freien Weltraum zu arbeiten, wird das in der Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen. Es ist längst zur Routine geworden. Als 1965 der damals 31 Jahre alte Leonow jedoch die Kapsel Woschod 2 durch eine Luftschleuse verließ und sich an einer langen Leine 12 Minuten und neun Sekunden im Vakuum aufhielt, war dies eine Sensation.

Heute schon Routine, doch Leonow war der Erste im freien Raum. (Foto: © ESA)

Um 10.00 Uhr Moskauer Zeit war die Rakete von der Startrampe 1 in Baikonur mit ihm und Kommandant Pawel Beljajew gestartet worden. Neun Minuten später trat das Schiff in die Umlaufbahn ein. Die kleinste Entfernung von der Erdoberfläche betrug 173, die größte 498 Kilometer. Der Neigungswinkel der Umlaufbahn zur Erdoberfläche betrug annähernd 65 Grad, eine Erdumkreisung dauerte 90,9 Minuten. Verantwortliche für die Durchführung des Fluges waren die so genannte Staatliche Kommission und Chefkonstrukteur Sergej Pawlowitsch Koroljow.

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