Auf dem Marlinger Waalweg

Einer der schönsten und auch „gemütlichsten” Wanderrouten in Südtirol ist nahe der Kurstadt Meran zu finden. Es ist der rund zwölf Kilometer lange Marlinger Waalweg zwischen dem Algunder Ortsteil Töll und dem Obstanbau-Zentrum Lana. Für alle, die in dieser Gegend Urlaub machen, ist ein Spaziergang dort ein Muss. Etwas für die Otto Normalverbraucher, die auf Schusters Rappen unterwegs sind. Natürlich auch für uns.

Blick vom Marlinger Waalweg ins Etschtal (Foto: © MGM/Frieder Blickle)

Von Meran fahren wir mit dem Partschinser Bus nach Töll, einem Ortsteil von Algund, wo die Wanderung direkt neben dem Wasserkraftwerk der Etschbetriebe beginnt. Anfangs ist der Ausblick ins Etschtal noch eher dürftig, denn der Weg ist felsig, es geht über künstliche Holzbrücken, die mit Stahlseilen an den Felswänden verankert sind, direkt darunter läuft das Wasser durch ein Rohr.

Da die Sonne an diesem Herbstmorgen noch nicht in diesen Winkel scheint, ist es vorerst kühl zwischen den schroffen Steinen. Doch schon bald wird die Landschaft offener, der Weg verläuft nun sanft durch Kastanienhaine und Apfelplantagen, später wird es unzählige Weintrauben entlang des Pfades geben, schimmernd im Licht eines Goldenen Oktobers.

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Frühlingstage in Reichenborn

Frühjahr 1945 im Westerwald. Ein Wanderkino zeigt den Spielfilm „13 Stühle“, dann rücken amerikanische Panzer in das Dorf Reichenborn. Der Zweite Weltkrieg neigt sich dem Ende zu, was sich unschwer daran erkennen lässt, dass sich geballte amerikanische Panzereinheiten durch das kleine Westerwald-Dörfchen Reichenborn walzen, wohin viele Frankfurter „Ausgebombte“ evakuiert worden sind. Doch kurz zuvor gibt es noch die Vorführung eines Wanderkinos… 

Butterblumen und Panzer im Frühjahr… (Symbolfoto: Swift Publisher)

Es ist ein Sonntag im sonnigen Frühjahr 1945. Ein altes und ziemlich klappriges Lastauto mit Holzvergaser rumpelt über die holprige Straße auf den Bauernhof im Westerwald; eine Leinwand wird ausgeladen und in der Scheune aufgebaut, Lautsprecher und ein 16-Millimeter-Projektor werden installiert. An diesem Tag – wenige Tage vor Kriegsende – soll es im Dorf die Filmvorführung eines Wanderkinos geben…

Irgendwie ist es ja komisch. Die Westalliierten sind bereits im Sommer zuvor in der Normandie gelandet, sie rücken stetig vor, Tag für Tag kommen sie uns näher, aber aus den plärrenden Rundfunkempfängern tönt nach den diversen Wehrmachtsberichten vor allem reichlich Schlagermusik, so als sei die Welt durchaus noch in Ordnung, obwohl schon vor Monaten die Stadt Aachen besetzt worden ist.

Die Tage sind nicht gerade die heitersten – weder für die alteingesessenen Dorfbewohner, noch für die aus der Großstadt nach hier evakuierten Kinder und Erwachsenen, die sich nur schwer zurechtfinden im Leben der wortkargen Landleute.

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Gift im Zoo und auch anderswo

Ende des Jahres 1947, Anfang 1948 ist die Frankfurter Öffentlichkeit aufgewühlt. Der im Ostend gelegene Zoo wird von einer mysteriösen Serie von Tötungsdelikten heimgesucht. Die Zeitungen berichten ausführlich über die Details des Kriminalfall, aber er hat einige Jahre später dann indirekte politische Begleiterscheinungen, wobei die Bonner Regierung und der Filmregisseur Wolfgang Staudte eine Rolle spielen. 

Auch Biber zählten zu den Opfern im Frankfurter Zoo. (Foto: Oliver Stör)

Was den Frankfurter Zoo anbelangt, so werden dort am 29. Dezember 1947 mehrere Fasane und ein Riesenpapagei tot in ihren Käfigen aufgefunden. Zunächst denkt niemand an was Böses, die Zoo-Verwaltung glaubt an einen Unfall, doch die genaue Untersuchung ergibt , dass die Tiere mit Natriumfluorid vergiftet worden sind.

In der ersten Januarwoche sterben dann fünf Biber sowie ein Rehbock am gleichen Gift, am 12. Januar folgen eine afrikanische Zibetkatze und ein Pavian. Bis zum 22. Februar werden insgesamt 46 tote Tiere gezählt. Danach hören die Todesfälle plötzlich auf. Die Stadtverwaltung ist gleichwohl aufs höchste beunruhigt und fordert in einer Presseerklärung die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Suche nach dem Täter auf.

In der offiziellen Verlautbarung wird auf den hohen finanziellen Schaden hingewiesen, gleichzeitig der verwerfliche Aspekt der Taten hervorgehoben und zudem eine Belohnung ausgesetzt. Im Klartext heißt es:

„Seit 29. Dezember sind 44 wertvolle Tiere des Frankfurter Zoologischen Gartens von unbekannten Tätern vergiftet worden. Hierdurch ist nicht nur ein erheblicher finanzieller Schaden für die Stadt entstanden, auch alle Tierfreunde sind über diese Untaten bekümmert. Der Frankfurter Magistrat […] hat für Angaben, die zur Ermittlung des Täters und seiner Helfershelfer führen, eine Belohnung von 30 000 Mark ausgesetzt.”

30 000 Mark! Das ist die höchste Summe, die bis zu diesem Zeitpunkt in Deutschland für die Aufklärung eines Kriminalfalles ausgelobt wird, allerdings kurz vor der Währungsreform kein Riesenbetrag, weil der Wert der Reichsmark täglich mehr verfällt. Die Vermutung, die Höhe der Summe könne damit zusammenhängen, dass der Deutsche Tierschutzbund in Frankfurt ansässig, und Oberbürgermeister Dr. Walter Kolb dessen Vorsitzender ist, erweist sich freilich bald als pure Spekulation.

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Apokalypse des Motorsports

Juni 1955! Vierundachtzig Menschen sterben, als es beim „24 Stunden Rennen“ in Le Mans zu einem schweren Unglück kommt. Das Inferno auf einer der Tribünen gilt als die  größte Katastrophe des Motorsports und wird oft als Apokalypse beschrieben. Viele Zeitzeugen haben den Unfallhergang von 1955 beschrieben. Demnach wollte der Engländer Mike Hawthorn – später Sieger des Rennens – mit seinem Jaguar zum Nachtanken an die Boxen, überholte aber zuvor den deutlich langsameren Austin-Healey seines Landsmannes Lance Macklin, zog aber dann unvermittelt vor ihm nach rechts in Richtung der Boxeneinfahrt, die sich direkt neben der Strecke befand.

Blick auf die Rennstrecke von Le Mans. (Foto: Clipdealer)

Um auszuweichen, zog Macklin nach links, von dort kamen mit geschätzten 250 km/h die Mercedes-Fahrer Pierre Levegh und Juan-Manuel Fangio heran. Fangio schaffte es noch, an den Fahrzeugen von Macklin und Hawthorn vorbei zu schrammen, während der Wagen von Levegh ungebremst auf Macklins Boilden prallte. Wegen dessen relativ flacher Bauweise wirkte das Auto wie eine Rampe. Leveghs Gefährt wurde in die Luft geschleudert und flog erst in die Menge auf einem Erdhügel, explodierte in einem Flammenmeer und Trümmerteile des Autos wurden auf die Zuschauertribüne katapultiert. Das Inferno war da…

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Rennfahrer in der Résistance

Immer wenn im Frühjahr das Formel 1-Rennen in Monaco auf dem Programm steht, kommen Erinnerungen an Rennfahrer der Vergangenheit auf, die heutzutage nur noch in den Geschichtsbüchern aufgeführt sind, deren Leben gleichwohl tiefe Spuren hinterlassen hat – und zwar auf ganz außergewöhnliche Art und Weise. Sie kämpften in der französischen Widerstandsbewegung. Ich rede also keineswegs von Lewis Hamilton, Sebastian Vettel, Fernando Alonso, Max Verstappen oder anderen Protagonisten des Rennsports.

Denkmal für die Kämpfer der Résistance in Antibes. (Foto: Clipdealer)

Auch der enge Kurs mit seinen Kurven steht nicht im Blickpunkt. Immerhin weiß ja jeder halbwegs Interessierte, dass es mit den PS-Ungetümen flott durch das Fürstentum geht und die Fahrer sich dabei immer wieder in das nur mäßig erhellte Loch des Tunnels stürzen, um nach etwa 400 Metern wieder ins gleißende Licht zu fahren.

Jeder hat schon gesehen, wie die Boliden an den Häuserecken vorbei zischen, den Leitplanken sehr nahe kommen, und dabei die Aufhängungen und sensiblen Reifen malträtiert werden. Auch der unsägliche Promi-Rummel an der Côte d’Azur ist immer wieder beschrieben worden. Ich verweise hier dagegen auf die Sieger der beiden ersten Monte-Rennen in den Jahren 1929 und 1930, damals noch nicht zu WM zählend. Im ersten Rennen gewann ein gewisser Charles William Frederick Grover, der unter dem Pseudonym „Williams” auf einem Bugatti startete, ein Jahr später sein Kollege René Dreyfus, ebenfalls auf Bugatti.

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Weltraum-Aussteiger Leonow

Der russische Kosmonaut Alexej Leonow war der erste Mensch, der bei einem Raumflug in den freien Raum ausstieg. Das war am 18. März 1965, also vor über 50 Jahren. Ein Ereignis, an das sich kaum noch jemand erinnert. Auch heute, wenn Weltraumflieger aller Herren Länder aus der Internationalen Raumstation (ISS) aussteigen, um dann oft stundenlang im freien Weltraum zu arbeiten, wird das in der Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen. Es ist längst zur Routine geworden. Als 1965 der damals 31 Jahre alte Leonow jedoch die Kapsel Woschod 2 durch eine Luftschleuse verließ und sich an einer langen Leine 12 Minuten und neun Sekunden im Vakuum aufhielt, war dies eine Sensation.

Heute schon Routine, doch Leonow war der Erste im freien Raum. (Foto: © ESA)

Um 10.00 Uhr Moskauer Zeit war die Rakete von der Startrampe 1 in Baikonur mit ihm und Kommandant Pawel Beljajew gestartet worden. Neun Minuten später trat das Schiff in die Umlaufbahn ein. Die kleinste Entfernung von der Erdoberfläche betrug 173, die größte 498 Kilometer. Der Neigungswinkel der Umlaufbahn zur Erdoberfläche betrug annähernd 65 Grad, eine Erdumkreisung dauerte 90,9 Minuten. Verantwortliche für die Durchführung des Fluges waren die so genannte Staatliche Kommission und Chefkonstrukteur Sergej Pawlowitsch Koroljow.

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Hitchcock mordet in der Dusche

Psycho ist das filmische Meisterwerk von Alfred Hitchcock. Es verbindet in geradezu perfekter Weise Atmosphäre, Montage und Musik zu einem Horror-Szenario ohnegleichen. Zentraler Punkt des gruseligen Geschehens ist ein Mord unter der Dusche – immerhin eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte. Die 2,15 Minuten lange Sequenz besteht aus 54 verschiedenen Einstellungen und Schnitten, die sorgfältig erarbeitet worden sind. Die Dreharbeiten dafür dauerten allein rund eine Woche.

Alfred Hitchcock drehte eine Woche in der Dusche. (Foto: Swift Publisher)

Als ich jetzt den Film zum wiederholten Mal erlebte, erinnerte ich mich daran, wie der Thriller bei seiner Erstaufführung beworben worden ist. In den Zeitungsinseraten der Kinobesitzer wurde eindringlich darauf aufmerksam gemacht, dass nach Beginn einer Vorstellung kein Besucher mehr in den Saal gelassen würde; außerdem wurde darum gebeten, den Schluss nicht an Freunde und Bekannte zu verraten. Mit diesen Maßnahmen sollte das ohnehin große Interesse an Psycho noch weiter angeheizt werden.

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Gershwins blaue Rhapsodie

George Gershwin schrieb 1924 die mitreißende „Rhapsodie in Blau“. Es war neben vielen anderen seiner Kompositionen ein Meisterwerk konzertanter Jazzmusik. Der Komponist starb 1937 im Alter von 39 Jahren. Beim Stöbern im iTunes Store von Apple stieß ich kürzlich auf diese Komposition. Das weckte auch Erinnerungen an den gleichnamigen Warner-Film, den ich vor Jahrzehnten in Frankfurt am Main gesehen hatte. 1945 hatte der Hollywood-Konzern den Film auf den Markt gebracht und dem begnadeten amerikanischen Komponisten ein filmisches Denkmal gesetzt.

Genialität eines Jazzkomponisten. (Symbolfoto: Swift Publisher)

Ich sah den Film damals in den Harmonie-Lichtspielen in Sachsenhausen. Mir war der Streifen an manchen Stellen zu sentimental, in einigen Passagen wirkte er sogar kitschig, allerdings sind seine Vorzüge in der Gershwin-Musik selbst und der Darstellung zeitgenössischer Atmosphäre zu sehen.

Ein Filmkritiker schrieb damals in der Tageszeitung “Frankfurter Rundschau”:

„Dieser Film […] ist ein Tonstreifen voll mitreißender Jazzmusik. Reiner Jazz, konzertanter Jazz, Jazz mit Blues, Jazz in allen Spielarten von, mit und um George Gershwin, dem Schöpfer moderner amerikanischer Tonkunst.”

Das Hamburger Nachrichtenmagazin „Spiegel” sah in Gershwin sogar den Mann, „der den Jazz zur Lady gemacht hat.“

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Drama um die Tscheljuskin

Im Jahr 1934 kam es in nördlichen Eismeer zu einer dramatischen Rettungsaktion, bei der 104 Menschen von sowjetrussischen Fliegern aus der Arktis gerettet wurden, nachdem das Forschungsschiff Tscheljuskin gesunken war. Die Tscheljuskin war in Kopenhagen gebaut worden und nach einer Skandinavien-Umrundung am 10. August 1933 von Murmansk aus zu ihrer Fahrt durch die nördlichen Eismeere und die Beringstraße nach Wladiwostok führen sollte. Nachdem die Karasee, die Insel Sewernaja Semlje und der Laptewsee sowie die Ostsibirische See passiert war, wurde das Schiff nahe der Beringstraße vom Eis eingeschlossen und schließlich am 13. Februar 1934, 144 Seemeilen von Kap Uelen entfernt, vom Eis zerdrückt.

Eisgeschlossen im Eis der Nordmeer, aber doch gerettet… (Foto: Swift Publisher)

Die Besatzung und die Wissenschaftler retteten sich auf eine große Eisscholle, wobei ein Mann bei der Evakuierung von einem Balken und herabstürzenden Säcken erschlagen wurde. Nachdem der Untergang von Professor Otto Juljewitsch Schmidt – russischer Naturforscher und Expeditionsleiter – über Funk nach Moskau gemeldet worden war, begann einer der größten Rettungsaktionen der Geschichte.

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Bogart & Bacall in Hollywood

Die Liebes- und Ehegeschichte der Hollywood-Filmstars Humphrey Bogart und Lauren Bacall wurde viel beschrieben. Auch wir können uns der großen Faszination der beiden Persönlichkeiten nicht entziehen. Gelegenheit für einen verspäteten Nachruf auf Lauren Bacall ergab sich für mich vor kurzem, als im deutsch-französischen Kulturkanal  „arte” die amerikanische Ehekomödie „Warum habe ich ja gesagt?” gezeigt wurde. Das rief wieder Erinnerungen wach an die im August 2014  im Alter von 89 Jahren verstorbene Schauspielerin, die vielen als letzte Frau von Humphrey Bogart in Erinnerung geblieben sein mag. 

„Filmbühne“-Titelblatt zum Reißer „Die schwarze Natter“ (Foto: Filmverlag Unucka)

Lauren Bacall war ein Star aus dem vordergründig „goldenen” Hollywood-Zeitalter, das aber in Wahrheit geprägt war von Knebelverträgen, Ausbeutung und Rücksichtslosigkeit. Auch die junge Schauspielerin aus New York hatte oft darunter zu leiden. 

Nach ihren ersten Erfolgen bekam sie bald die harte Hand von Filmmogul Jack L. Warner zu spüren, der sie als Vehikel in zweitklassigen Filmen einsetzen wollte. Obwohl noch unerfahren in ihrem Beruf, setzte sie sich jedoch zur Wehr, weil ihr die meisten Drehbücher nicht gut genug erschienen. Später erzählte sie über Jack Warners schlichte Philosophie, die da lautete: „Ich bezahle sie, also wird sie verdammt noch mal machen, was ich von ihr will.” So einfach dachten die Produzenten damals in Hollywood.

Anfang der Fünfziger Jahre war sie zusammen mit ihrem Mann Humphrey Bogart gegen die Verfolgung von Künstlern durch das McCarthy-Komitee „gegen unamerikanische Umtriebe” aufgetreten, und bis zu ihrem Lebensende bezeichnete sie sich stets als „liberale Demokratin”, was in der Öffentlichkeit der USA nicht gerade als Empfehlung gilt. Das mag ihrer Herkunft aus der Bronx, einem multikulturellen New Yorker Stadtteil, geschuldet sein. Lauren Bacall war jüdischer Abstammung und als Betty Joan Perske 1924 auf die Welt gekommen. Ihre Mutter nahm nach ihrer Scheidung für sich und ihre Tochter den Namen Bacal an. Weiterlesen