Schmeling im Waldstadion

Sonntag, 28. September 1947, es ist schon Herbst. In den südlichen Frankfurter Stadtteilen Sachsenhausen und Niederrad sind wieder einmal viele Menschen unterwegs. Das ist immer so, wenn im „Reichssportfeld”, das von den Amerikanern seit Ende des Zweiten Weltkrieges „Victory Park” oder „Victory Stadium” genannt wird, eine Großveranstaltung über die Bühne geht. An diesem Tag boxt nun ein gewisser Max Schmeling gegen einen Mann namens Werner Vollmer aus Magdeburg, wobei es offensichtlich in erster Linie um die Einnahmen geht, die angeblich eine Million Mark betragen sollen – wie die Börse aufgeteilt wird, bleibt ein Geheimnis der Beteiligten.

Max Schmeling siegte durch Knockout in der siebten Runde. (Symbolfoto: Clipdealer)

Schauplatz Stadion also. Das Gelände ist am 1. Mai 1945, schon acht Tage vor der deutschen Kapitulation, vom amerikanischen Stadtkommandanten Joseph Z. Zwahlen im Auftrag der US-Armee beschlagnahmt worden. Die Begründung im Requirierungsdokument lautet schlicht:

“Dieses Eigentum wird von amerikanischen Streitkräften benötigt.”

Punktum. Das Areal wird jedoch in den nächsten Monaten nicht nur von den US-Miltärs genutzt, sondern auch für große Sportveranstaltungen deutscher Vereine freigegeben. Mitte Juli 1946 darf die Frankfurter Eintracht vor 40 000 Zuschauer ein großes Sportfest ausrichten, in dessen Rahmen der VfB Stuttgart ein Fußballspiel gegen Eintracht Frankfurt 1:0 gewinnt. Am 25. August 1946 kommen satte 15 000 Besucher zu den Titelkämpfen der deutschen Leichtathleten, am 1. Dezember 1946 schließlich spielt die Frankfurter Eintracht bei strömendem Regen gegen den 1. FC Nürnberg im Spitzenspiel der Süddeutschen Oberliga vor 30 000 Zuschauern 1:1.

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Mit der Linie 5 zum Prater

Nein, ich rede hier nicht – wie ja vielleicht zu erwarten wäre – von den bedeutenden Sehenswürdigkeiten der Stadt; die lasse ich heute eher links liegen, habe ich sie doch im Wiener Zentrum zum größten Teil auf Schusters Rappen erkundet. Die Alte Hofburg ebenso wie das Rathaus, natürlich das weltberühmte Burgtheater, die Spanische Hofreitschule, die Staatsoper, das Parlamentsgebäude ebenso wie den Stephansdom. Das legendäre Hotel Sacher habe ich auch nur von außen besichtigt, eine Übernachtung verbietet sich (für mich) aus einleuchtenden, pekuniären Gründen.

Die Linie 5 auf dem Weg zum Praterstern (Foto: Clipdealer)

Wien, Wien, nur du allein… Alles Wichtige ist abgehakt, wie es sich für einen Stadtfremden gehört, und nebenbei den Fiakern bei ihren Rundfahrten mit den Touristen zugeschaut. Auch jener östlichen Teil der Mariahilfer Straße, die vom Westbahnhof in die belebte Innenstadt führt, ist gründlich „erforscht”. Laut Wiener Tourismusbranche ist dieser „Boulevard der Superlative”, in dem sich Geschäft an Geschäft reiht, die Einkaufsstraße Nr. 1 der österreichischen Metropole. Na, ja! Klappern gehört für die Werbeleute auch hier zum Handwerk…

Im Café Westend, einem jener typischen alten Wiener Cafés, habe ich eine Melange bestellt, aber beim Trinken dieses cappuccino-ähnlichen Milchkaffees wohl nicht jene Gelassenheit gezeigt, die ein Kaffeehausbesucher in Wien an den Tag zu legen hat. „Nur nicht so hektisch, der Herr…!” Die Eile hat indessen ihren Grund, möchte ich doch noch in den Prater, denn dort „blühn wieder die Bäume”, wie schon vor Ewigkeiten Robert Stolz komponierte. Der Tag ist schön, wie komme ich also am schnellsten hin?

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Luftschiffers Zeppelinheim

Zeppelinheim, die Wohnsiedlung in der Nähe des Frankfurter Flughafens wird Ende des Jahres 2017 achtzig Jahre alt. Dieser kleine Rückblick erzählt einige Details über die Gemeinde, die zwischen 1934 und 1937 gebaut worden ist, um privilegierten Mitarbeitern der „Deutschen Zeppelin-Reederei” – insbesondere den Kapitänen und Ingenieuren – am neuen Rhein-Main-Flughafens Unterkunft zu bieten.

Die Entstehung von Zeppelinheim hängt ganz eng mit der Geschichte Frankfurts zusammen. Der Flugplatz auf dem Gelände am Rebstock im Westen der Stadt war zum Ende der Zwanziger Jahre zu eng geworden und entsprach nicht mehr den technischen Anforderungen der damaligen Zeit. Unter diesen Umständen wurde der neue Rhein-Main-Flughafen in einem Waldgebiet südwestlich von Frankfurt konzipiert.

Als die Luftschiffe noch Konjunktur hatten… (Foto: Clipdealer)

Im Zusammenhang damit wurde westlich der neuen Autobahn, die von Frankfurt nach Mannheim führte, auch noch ein Start- und Landeplatz sowie eine große Luftschiffhalle für die gerade in hoher Blüte stehenden Zeppeline errichtet. Und zeitgleich mit dem Bau dieses Luftschiffhafens entstand die Wohnsiedlung zwischen dem Forsthaus Mitteldick und der Riedbahnlinie sowie der östlichen Seite der Autobahn. Die Gründungsurkunde für den Ort Zeppelinheim datiert vom 31. Dezember des Jahres 1937. Weiterlesen

Denkmal der roten Fahnen

Vor dem Bürgerhaus in Mörfelden steht eine rote Stahlskulptur, die an die Errichtung des Volkshauses 1930 erinnert. Sie stellt im Wind flatternde Fahnen dar und wurde von dem Darmstädter Künstler Gerhard Schweizer geschaffen. Als ich dieser Tage eine Veranstaltung im Bürgerhaus besuchte, fiel mir wieder einmal dieses mächtige Denkmal ins Auge.

Das stählerne Denkmal vor dem Bürgerhaus in Mörfelden. (Foto: Erich Stör)

Professor Schweizer hatte das Ehrenmal 2007 im Auftrag der Kommune zur Erinnerung an die Erbauer kreiert, nachdem fünf Jahre zuvor die örtliche Fraktion der DKP/Offene Liste in der Stadtverordneten-Versammlung den Antrag gestellt hatte, ein solches Denkmal zu errichten. Es soll an die Arbeiter, Bauern und Handwerker aus Mörfelden erinnern, die  Ende der Zwanziger Jahre in mehrjähriger, freiwilliger Arbeit das Volkshaus erbaut hatten. 

Schweizers Entwurf war aus 33 Bewerbungen ausgewählt worden. Es trägt als Inschrift die Worte „Also seid ihr verschwunden, aber nicht vergessen.” Es ist ein Zitat von Bert Brecht aus seinem Gedicht „An die Kämpfer in den Konzentrationslagern” und hat einen direkten Bezug zu den Bauleuten und Widerstandskämpfern.

Denn während der Nazizeit wurden viele der Werktätigen, die dieses Gebäude im Schweiße ihres Angesichts errichtet hatten, verhaftet oder verschleppt, weil ihre Herzen links schlugen oder sie in der Widerstandsbewegung aktiv waren. Das Volkshaus wurde zu einer Lagerhalle und einer Fabrik „umfunktioniert”, in der unter anderem Fesselballons hergestellt wurden.

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Feuerkopf Friedrich Stoltze

Den Schriftsteller, Journalisten, Humoristen und Heimatdichter Friedrich Stoltze (1816-1891) umfassend zu würdigen, wäre fürwahr eine echte Herkulesaufgabe – keinesfalls kann das hier in einen kurzen Beitrag erledigt werden. Nur einige Sätze können an dieser Stelle an den Frankfurter erinnern, der Zeit seines Lebens sich mit Worten einmischte, wann immer es ihm notwendig erschien, und der sich immer wieder mit den herrschenden Politikern anlegte. Stoltze war immer und stets ein unbeirrbarrer Feuerkopf.

Das Stoltze-Denkmal in der Frankfurter Innenstadt. (Foto: Erich Stör)

Manchen gilt Stoltze in erster Linie „nur” als Heimatdichter, weil er den größten Teil seines Werkes in Frankfurter Mundart geschrieben hat. Gerade weil er mit dem „Frankforderisch” die größten Erfolge hatte, litt er darunter, dass seine in Hochdeutsch verfassten Gedichte und Prosastücke nicht gleichermaßen gewürdigt wurden, obwohl sie nach Einschätzung von Literaturkennern von hoher Qualität waren.

Der bescheidene Stoltze war ein engagierter politischer Schreiber. Er unterstützte begeistert die Märzrevolution von 1848 und brachte nach dem Scheitern der „Reichsverfassung” ein Jahr später trotz seiner Enttäuschung viele der revolutionären Ideen in seinen Texten unter, die in den von ihm herausgegebenen „Krebbelzeitungen” und vor allem später in der berühmten „Frankfurter Latern” standen.

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Rosa Luxemburg im Titania

Titania! Das Haus Basaltstraße 23 in Frankfurt-Bockenheim beherbergte einst eine Eisfabrik, eine Liederhalle, war Gewerkschaftshaus und danach sogar lange Lichtspieltheater. Eine vielfältige Geschichte. Der politische Aspekt spielte dabei eine wichtige Rolle. Ich erinnerte mich daran, als ich dieser Tage an dem Haus vorbeiging. Hier hielt die aus Polen stammende Sozialistin Rosa Luxemburg am 26. September 1913 ihre flammende Rede gegen Militarismus und Krieg, worauf sie von den kaiserlichen Behörden umgehend „wegen Aufruhrs” verhaftet wurde.

Luxemburg-Gedenktafel in Frankfurt-Bockenheim (Foto: Erich Stör)

Rosa Luxemburg musste zwar zunächst wieder freigelassen werden, wurde aber im Februar 1914 wegen der „Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und Anordnungen der Obrigkeit“ zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt.

An dem Haus, an dem die Sozialistin ihre Rede hielt, hat die „Hessische Rosa-Luxemburg-Stiftung” eine Erinnerungstafel anbringen lassen, auf der die Geschehnisse von damals in Kurzfassung festgehalten sind.

Auf der Tafel stehen die folgenden Sätze, die ich hier der besseren Lesbarkeit wegen noch einmal wiederhole:

Hier im Hof befand sich die Gastwirtschaft „Zur Liederhalle“. Am 26. September 1913 sprach Rosa Luxemburg. Sie setzte sich für die Erhaltung des Friedens ein. „Wenn uns zugemutet wird, die Mordwaffen gegen unsere französischen und anderen Brüder zu erheben, dann rufen wir: Das tun wir nicht.“ Sie wurde deshalb 1914 in Frankfurt wegen „Aufwiegelung zum ungehorsam gegen die Obrigkeit“ zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Rosa Luxemburg wurde am 15. Januar 1919 in Berlin ermordet.

Doch auch ohne den Auftritt von Rosa Luxemburg hat das Titania eine interessante Vergangenheit. Um 1900 hatte hier schon eine Eisfabrik gestanden, die den damals direkt daneben liegenden Schlachthof belieferte, dann wurde daraus die Lieder- und Versammlungshalle der Gewerkschaften mit umfangreicher Bibliothek („Zur Liederhalle”).

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Kisch enthüllt Spionagefall Redl

Ein hochrangiger Offizier betreibt Spionage und erschiesst sich nach seiner Enttarnung, seine Vorgesetzten vertuschen den Verrat, ein Fußballspieler lässt seine Mannschaft im Stich und ein Reporter zieht daraus seine Schlüsse – Ingredienzen eines Spionagedramas. Der Fall des Generalstabschefs Alfred Redl, der am 24. Mai 1913 als Spion entlarvt wurde und sich auf massiven Druck der Obrigkeit noch in der Nacht in Wien erschoss, ist schon einige Male verfilmt worden, meist etwas schlampig wie auch in dem Streifen „Spionage”, der gelegentlich immer mal wieder im TV zu sehen ist. 

Der Prager Reporter Kisch machte den Fall Redl öffentlich. (Foto: Clipdealer)

Die Realität war brisanter, ging es doch für das Militär der österreichisch-ungarischen Monarchie darum, den Verrat unter der Decke zu halten – ein Versuch, der schnell scheiterte. Eng verbunden mit dem Fall Redl ist der berühmte Journalist Egon Erwin Kisch („Der rasende Reporter”). Im Sammelband „Prager Pitaval” ist darüber ausführlich zu lesen.

Kisch hatte in Prag zunächst nur die offizielle Mitteilung des kaiserlichen Telegrafenbüros vom Selbstmord Redls in Wien zur Kenntnis genommen. Darin war behauptet worden, der hochbegabte Offizier habe sich „in einem Anfall von Sinnesverwirrung erschossen”. Doch Kisch erfuhr durch einen merkwürdigen Zufall von der Durchsuchung der Redl-Wohnung in Prag und zog daraus seine Schlüsse. Reporterglück…

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Skandal um Filmproduzent K.

Die Geschichte der Bundesrepublik ist trotz ihrer demokratischen Grundordnung überaus reich an politischen Repressionen gegen politisch Andersdenkende – wie auch die Berufsverbote in den Siebziger Jahren belegen. Schon in der frühen Adenauer-Ära gab es jedoch Repressionen ganz anderer Art. Im Jahr 1951 geriet zum Beispiel der Hamburger Filmproduzent Walter Koppel ins Visier des Bonner Innenministeriums und wurde an den Rand des Ruins getrieben. Ein skandalöser Vorgang, der ein bezeichnendes Licht auf die politischen Repressionen jener Zeit wirft.

Eine beantragte Bundesbürgschaft wurde abgelehnt. (Foto: Clipdealer)

Hintergrund: Zwischen 1951 und 1955 konnten Filmemacher so genannte Ausfallbürgschaften des Bundes beantragen, um gegen eventuell auftretende finanzielle Verluste gewappnet zu sein. Diese Bürgschaften sollen dazu dienen, die filmkulturelle Entwicklung in Deutschland anzuschieben, sie sind jedoch – wie am Fall von Walter Koppel zu sehen ist – von der Adenauer-Regierung gegen missbeliebige Personen missbraucht worden.

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Am 50. Grad nördlicher Breite

Längen- und Breitengrade ziehen sich rund um die Erde: das Gitternetz, dass für die Navigation unerlässlich ist, bleibt für den Normalbürger völlig unsichtbar, hat aber auch jenseits der Koordinaten vielfältige Bedeutung – zum Beispiel kurioserweise sogar für den Weinanbau. Jeder, der vom Stadtteil Walldorf ins nahe gelegene Mörfelden fährt (oder umgekehrt), passiert an der Bushaltestelle Vitrollesring ein Hinweisschild, das den Bewohnern und Besuchern der Stadt erzählt, das just an dieser Stelle der „50. Grad nördlicher Breite” verläuft – tausendfach wird dieser Breitengrad täglich von den Menschen zu Fuß, im Bus oder Auto gequert, ohne das er bewusst bemerkt wird.

Hinweis auf den Breitengrad im Bürgersteig und auf einer Tafel (Foto: Erich Stör)

Das ist kein Wunder, denn die imaginäre Linie des Breitengrades ist weder sicht-noch spürbar, obwohl der ganze Erdball von der Gitternetz-Einteilung der 180 Breiten- und 360 Längengrade überzogen ist. Für die Luft- und Seefahrt ist die geographische Fixierung der Erde in  Längen- und Breitengrade enorm wichtig. Immerhin hat in Zeiten von GPS, Glosnass und Geocaching ein immer größer werdender Kreis von Interessenten gelernt, mit Koordinaten umzugehen. Und nur der Vollständigkeit halber sei hier angemerkt, dass bei automobilen Orientierungsfahrten bereits in den 60er Jahren Koordinatenpunkte gesucht werden mussten.

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Ruesch porträtiert Rennfahrer

Es ist immer wieder faszinierend, in den heimischen Bücheregalen auf einen Roman zu stoßen, von dem man in längst vergangenen Tagen höchst gefesselt und fasziniert war. Beim Aufräumen im Keller fand ich dieser Tage das Taschenbuch mit dem schlichten Titel „Rennfahrer” von Hans Ruesch – eine dicht geschriebene Erzählung aus der schillernden und hektischen Welt der Autorennfahrer.

Hohe Geschwindigkeit bis zur Zielflagge (Symbolfoto: Clipdealer)

Der in Neapel geborene Schweizer Ruesch war selbst Rennfahrer, nahm an über einhundert Wettbewerben teil, gewann 27 Rennen (darunter 13 Bergrennen) sowie die Großen Preise von Finnland, Bukarest und Donington. Als junger Mann hatte er zwei Automobil-Weltrekorde aufgestellt und sich auch als Bobfahrer für die Schweiz betätigt. Seine Gegner hatten klangvolle Namen, zu ihnen zählten Legenden wie Rudolf Caracciola, Achille Varzi, Tazio Nuvolari, Bernd Rosemeyer, Manfred von Brauchitsch, Hans Stuck, Guiseppe Farina – allesamt Männer, die zu ihrer Zeit Automobilsport auf höchsten Niveau betrieben und in den Annalen des Rennsports an vorderster Stelle stehen.

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