Einige Betrachtungen über Plärrer, Kaiserburg und Dutzendteich

Sehenswürdigkeiten in der Frankenstadt Nürnberg sind die berühmte Kaiserburg und das Albrecht Dürer-Haus im Zentrum, doch gibt es noch viele andere Attraktionen zu besichtigen.

Nürnberg, die fränkische Metropole mit dem Charme des Mittelalters, glänzt nicht alleine mit der Kaiserburg als Attraktion für die Touristen, sondern hat noch mehr zu bieten. Kulinarisch gesehen sind die kleinen Rostbratwürstchen im Weck allseits beliebt, genau wie in der Weihnachtszeit die schmackhaften Lebkuchen oder Christstollen auf dem Christkindlesmarkt. Einige bekannte Spielzeug-Manufakturen peppen das Image der Stadt auf, das wegen der dunklen Vergangenheit mit den „Rassegesetzen” und Nazi-Aufmärschen auf dem  „Reichsparteitagsgelände” über Jahre hinweg schwer angeschlagen war. Mit informativen Führungen und einem einem Dokumentationszentrum wird dieser Teil der eher unrühmlichen Stadtgeschichte offensiv aufgearbeitet, wobei der Blick auch zu den Kriegsverbrecher-Prozessen geht.

Wie oft bin ich hier auf der Fahrt in den Süden schon vorbei gefahren, wie oft habe ich Station gemacht? Sicher unzählige Male. Die alte fränkische Reichsstadt liegt verkehrsgünstig. Hier kreuzen sich die Bundesautobahnen, die aus Nordrhein-Westfalen und Berlin in Richtung München und Wien weiterführen. Doch auch als es noch keine Schnellstraßen gab, war Nürnberg bereits Schnittpunkt von Handels- und Gewürzstraßen, was der Stadt in vielerlei Hinsicht zum Vorteil gereichte. Und schon seit dem Mittelalter ist Nürnberg eine Spielzeugstadt von internationaler Bedeutung. Puppen waren zunächst der Ausgangspunkt, im 16. und 17. Jahrhundert kamen dann noch andere Spielzeuge hinzu, weil Handwerker (u.a. Schreiner, Zinn- und Messinggießer) neben ihrer eigentlichen Tätigkeit zur Aufbesserung des Einkommens noch Miniaturspielzeug herstellten.

Salzburger Emigranten – wegen ihres evangelischen Glaubens aus ihrer Heimat vertrieben – kamen um 1730 nach Nürnberg, womit die Kunst des Schnitzens Einzug im Frankenland hielt. So entstand auch die berühmte „Nürnberger Küche“ als Puppenhaus. Als sich um 1850 der erste Metalldrücker in Nürnberg niederließ, begann das Zeitalter des Blechspielzeugs. Aus den Anfängen heraus entwickelte sich eine erfolgreiche Spielzeugindustrie. Obwohl nach dem Zweiten Weltkrieg neues Kunststoff das Blech verdrängte, behielt Nürnberg seinen guten Ruf als Stadt der Spielzeug-Hersteller. Kein Wunder, dass in Nürnberg jährlich die größte Spielwarenmesse der Welt stattfindet.

Seit langem weiß ich auch, dass Nürnberg zur Lebkuchen-Metropole wurde, weil rund um die Stadt viele Bienenzüchter ihr Imker-Handwerk betrieben. So wurde die Stadt zu einer wahren Honigquelle. Darauf wird von Historikern zurückgeführt, dass Nürnberg dann schließlich auch zur Lebkuchen-Metropole Nr. 1 heranwuchs. Von der Europäischen Union ist Gebäck als „geographische Angabe“ geschützt worden – was im Klartext heißt, dass „Nürnberger Lebkuchen” ausschließlich im Stadtgebiet hergestellt werden dürfen. Die Zutaten können indessen durchaus aus der Region kommen. Jedes Jahr im Herbst lassen sich in allen Supermärkten Nürnberger Lebkuchen verschiedener Firmen finden, ganz abgesehen von den Spezialläden, die in der Winterzeit viele Eissalons „annektieren“.

Rostbratwürstchen im Weck. (Foto: Clipdealer)

Auch die kleinen Rostbratwürstchen sind 2003 von der Europäischen Union unter Schutz gestellt worden. Wie bei den Lebkuchen darf eine „Nürnberger Rostbratwurst” nur im Stadtgebiet nach der Originalrezeptur hergestellt werden. Diese hatten im Mittelalter die Ratsherren festgelegt. Das Endprodukt ist nur 20 bis 25 Gramm schwer und sieben bis neun Zentimeter lang. Da von einer solchen Mini-Wurst niemand satt werden kann, werden in den spezialisierten Gaststätten oder in Jahrmarktsbuden Portionen von drei, sechs, acht, zehn oder gar zwölf Stück serviert, in einem Brötchen liegen in der Regel jedoch nur drei.

Der Club

Im Sport war Nürnberg einst Aushängeschild des deutschen Fußballs, doch seit den Siebziger Jahren ist der Ruhm mit neun gewonnenen Meistertiteln des 1. FCN immer mehr verblasst. Das schmerzt auch den Autor, war doch der „Club” Herzensverein des Vaters, der viele der Spieler aus den Zwanziger Jahren kannte, weil er selbst ein „Clubberer” gewesen war.

Am Zerzabelshof war er dem Ball nachgerannt, wenn auch nur mit mäßigem Erfolg. Doch Heiner Stuhlfauth, den legendären Torwart mit den kräftigen Pranken erlebte er persönlich, genau wie Hans Kalb, den wuchtigen offensiven Mittelläufer. Gustav Bank, Anton Kugler, Carl Riegler Heiner Träg, Luitpold Popp waren damals seine weiteren Helden.

Die Jahre gehen dahin, und alles ist längst vorbei. Wenn die Knirpse früher im Stadtgraben ihre Straßenfußballspiele ausfochten, war es keine Frage, dass ihre Idole nur „Clubberer” sein konnten; etwa Max Morlock, der halbrechte Rackerer und Kopfballspezialist oder Heinz Strehl, der elegante Stürmer.

Heutzutage, da die Münchener den Nürnbergern das Wasser völlig abgegraben haben, gibt es selbst an Dutzendteich und Valznerweiher Burschen, die im Werbe-Dress der Bayern herumlaufen. Das ist bitter, auch wenn der „Club” noch immer über eine unzählige Zahl von treuen Fans verfügt. In der Saison 2018/19  haben die Nürnberger wieder für eine Saison in der Bundesliga gespielt, doch der neuerliche Abstieg war nach nur drei Siegen unvermeidlich.

Nimmt man alles zusammen, ist Nürnberg eine vielfältige Stadt. Nicht nur die feinen Lebkuchen oder leckere Rostbratwürstchen geben der Stadt ein Gesicht, es gibt noch viel mehr zu entdecken. Erinnerungen führen mich zum Plärrer, wo nicht nur der Bahnhof der Nürnberg-Fürther Eisenbahn lag, sondern auch Tante Schmoll einst mit ihrem Mann eine Milchstube betrieb. Der Milchreis, den ich als Bub vorgesetzt bekam, war lecker… Der Plärrer ist heute kaum noch zu erkennen, alles ist moderner und größer geworden. Schön sind die altfränkischen Häuser, Ecken und Plätze in der Stadt. Touristen lassen sich gewiss von den offiziellen Werbungen beeindrucken. Die Kaiserburg, auch die Kirchen St. Sebald und St. Lorenz, der Henkersteg und der Weinstadel – besonders von der Maxbrücke aus gesehen – bieten ein stimmungsvolles Bild. Im nahen historischen Handwerkerhof zeigen Boutiquen wohlfeiles Kunsthandwerk. 

Das Albrecht-Dürer Haus in der Nürnberger Altstadt. (Foto: Clipdealer)

Das Albrecht-Dürer-Haus – der berühmte Maler fand seine Ruhestätte auf dem St. Johannisfriedhof im gleichen Stadtteil – , die Mauthalle, das Neue Museum für Kunst und Design, laden ebenso zum Besuch ein wie das Germanische Nationalmuseum in Verbindung mit der „Straße der Menschenrechte”. „Leben und leben lassen“ – das könnte heute das Motto der Franken-Metropole sein, denn tatsächlich gibt es  viel zu sehen und zu erleben in der Stadt des Vaters, die nicht nur wegen ihrer Vielseitigkeit eine besondere Bedeutung für mich hat…

Letzte Aktualisierung 19. Mai 2019

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