Autor: Erich Stör – Foto: Clipdealer

Nürnberg, die fränkische Metropole mit ihrem mittelalterlichem Charme, glänzt nicht nur mit der Kaiserburg als Touristenattraktion, sondern hat auch noch viel anderes zu bieten. Kulinarisch gesehen sind die Rostbratwürstchen im Weck ebenso beliebt wie zur Weihnachtszeit die schmackhaften Lebkuchen samt Christstollen auf dem Christkindlesmarkt. 

Einige bekannte Spielzeug-Manufakturen peppen das Image der Stadt auf, das wegen der Vergangenheit mit den „Rassegesetzen” und diversen Nazi-Massenaufmärschen auf dem  „Reichsparteitagsgelände” lange Zeit schwer angeschlagen war. Mit einem Dokumentationszentrum und informativen Führungen wird dieser Teil einer unrühmlichen Stadtgeschichte intensiv aufgearbeitet.

Wie oft bin ich hier auf der Fahrt in den Süden schon vorbei gefahren, wie oft habe ich Station gemacht? Sicher unzählige Male. Die alte fränkische Reichsstadt liegt verkehrsgünstig. Hier kreuzen sich die Autobahnen, die aus Nordrhein-Westfalen und Norddeutschland kommen und in Richtung München und Wien weiterführen. Als es noch keine dieser Schnellstraßen gab, war Nürnberg gleichwohl bereits Schnittpunkt von Handels- und Gewürzstraßen, was der Stadt in vielerlei Hinsicht zum Vorteil gereichte.

Puppen und Blechspielzeug

Schon seit dem Mittelalter ist Nürnberg eine Spielzeugstadt von internationaler Bedeutung. Puppen waren der Ausgangspunkt, im 16. und 17. Jahrhundert kamen dann andere Spielzeuge hinzu, weil viele Handwerker (u.a. Schreiner, Zinn- und Messinggießer) neben ihrer eigentlichen Tätigkeit zur Aufbesserung des Einkommens noch Miniaturspielzeug herstellten.

Salzburger Emigranten – wegen ihres evangelischen Glaubens aus ihrer Heimat vertrieben – kamen um 1730 nach Nürnberg, womit die Kunst des Schnitzens Einzug im Frankenland hielt. So entstand auch die berühmte „Nürnberger Küche“ als Puppenhaus. Als sich um 1850 der erste Metalldrücker in Nürnberg niederließ, begann das Zeitalter des Blechspielzeugs. Aus ersten Anfängen entwickelte sich eine erfolgreiche Spielzeugindustrie. Obwohl nach dem Zweiten Weltkrieg Kunststoff das Blech verdrängte, behielt Nürnberg seinen guten Ruf als Stadt der Spielzeug-Hersteller. Kein Wunder, dass in Nürnberg jährlich die größte Spielwarenmesse der Welt stattfindet.

Lebkuchen und Bratwürstchen 

Seit langem weiß ich, dass Nürnberg zur Lebkuchen-Metropole wurde, weil rund um die Stadt viele Bienenzüchter ihr Imker-Handwerk betrieben. So wurde die Stadt zu einer wahren Honigquelle. Darauf wird von Historikern zurückgeführt, dass Nürnberg zur Lebkuchen-Metropole Nr. 1 heranwuchs. Von der EU ist Gebäck als „geographische Angabe“ geschützt worden – was im Klartext heißt, dass „Nürnberger Lebkuchen” ausschließlich im Stadtgebiet hergestellt werden dürfen. Die Zutaten können indessen durchaus aus der Region kommen.

Zwei schmackhafte Nürnberger Spezialitäten (Fotos: Erich Stör & Clipdealer)

Zwei schmackhafte Nürnberger Spezialitäten (Fotos: Erich Stör & Clipdealer)

Auch die kleinen Rostbratwürstchen sind 2003 von der Europäischen Union unter Schutz gestellt worden. Wie bei den Lebkuchen darf natürlich eine „Nürnberger Rostbratwurst” nur im Stadtgebiet nach der Originalrezeptur hergestellt werden. Diese hatten im Mittelalter die Ratsherren festgelegt. Das Endprodukt ist nur 20 bis 25 Gramm schwer und sieben bis neun Zentimeter lang. Da von einer solchen Mini-Wurst niemand satt werden kann, werden in den spezialisierten Gaststätten oder in Jahrmarktsbuden Portionen von drei, sechs, acht, zehn oder gar zwölf Stück serviert, in einem Brötchen liegen in der Regel jedoch nur drei.

Die Sache mit dem „Club”

Im Sport war Nürnberg einst Aushängeschild des deutschen Fußballs, doch seit den Siebziger Jahren ist der Ruhm mit neun gewonnenen Meistertiteln des 1. FCN immer mehr verblasst. Das schmerzt auch den Autor, war doch der „Club” Herzensverein des Vaters, der viele der Spieler aus den Zwanziger Jahren kannte, weil er selbst ein „Clubberer” gewesen war. Am Zerzabelshof war er dem Ball nachgerannt, wenn auch nur mit mäßigem Erfolg. Doch Heiner Stuhlfauth, den legendären Torwart mit den kräftigen Pranken erlebte er persönlich, genau wie Hans Kalb, den wuchtigen offensiven Mittelläufer. Gustav Bank, Anton Kugler, Carl Riegler Heiner Träg, Luitpold Popp waren damals seine weiteren Helden.

Helden der Vergangenheit

Die Jahre gehen dahin, und alles ist längst vorbei. Wenn die Knirpse früher im Stadtgraben ihre Straßenfußballspiele ausfochten, war es keine Frage, dass ihre Idole nur „Clubberer” sein konnten; etwa Max Morlock, der halbrechte Rackerer und Kopfballspezialist oder Heinz Strehl, der elegante Stürmer.

Heutzutage, da die Münchener den Nürnbergern das Wasser völlig abgegraben haben, gibt es selbst an Dutzendteich und Valznerweiher Burschen, die im Dress der Bayern herumlaufen. Das ist bitter, auch wenn der „Club” noch immer über eine unzählige Zahl von treuen Fans verfügt.

Milchstube am Plärrer

Nimmt man alles zusammen, ist Nürnberg eine vielfältige Stadt. Nicht nur die Rostbratwürstchen oder Lebkuchen geben der Stadt ein Gesicht, es gibt noch viel mehr zu entdecken. Persönliche Erinnerungen führen mich zum Plärrer, wo nicht nur der Bahnhof der Nürnberg-Fürther Eisenbahn lag, sondern auch Tante Schmoll einst mit ihrem Mann eine Milchstube betrieb. Der Milchreis, den ich als Bub vorgesetzt bekam, war lecker… Der Plärrer ist heute kaum noch zu erkennen, alles ist moderner, größer, wuchtiger geworden…

Historischer Handwerkerhof

Schön sind die altfränkischen Häuser, Ecken und Plätze in der Stadt. Touristen freilich lassen sich gewiss von den offiziellen Werbungen beeindrucken. Die Kaiserburg, auch die Kirchen St. Sebald und St. Lorenz, der Henkersteg und der Weinstadel – besonders von der Maxbrücke aus gesehen – bieten demnach ein stimmungsvolles Bild. Im historischen Handwerkerhof zeigen Boutiquen wohlfeiles Kunsthandwerk.

Das Albrecht-Dürer-Haus – der berühmte Maler fand seine Ruhestätte auf dem St. Johannisfriedhof im gleichnamigen Stadtteil – , die Mauthalle, das Neue Museum für Kunst und Design, laden ebenso zum Besuch ein wie das Germanische Nationalmuseum in Verbindung mit der „Straße der Menschenrechte”.

Wie immer man es betrachtet, es gibt vieles zu sehen und zu erleben in der Stadt des Vaters…