Die zweifache Nobelpreisträgerin Marie Curie (Physik und Chemie) wurde vor 150 Jahren geboren. Ein Blick auf das Leben der Forscherin, deren Porträt Banknoten und Briefmarken zierten, und deren Geburtshaus in Warschau inzwischen zu einem Museum wurde, fördert interessante Aspekte zutage. Zum Beispiel auch die Tatsache, dass Marie Curie zeitlebens den gefährlichen und tödlichen radioaktiven Strahlen ausgesetzt war.  

An der naheliegenden Überlegung, wie die Welt ohne Marie Curies Entdeckungen heute aussehen könnte, ob es überhaupt Atomkraftwerke und Kernwaffen gäbe, will ich mich gleichwohl erst gar nicht beteiligen. Es ist eine fruchtlose Diskussion, denn hätte Marie Curie zusammen mit ihren Mann Pierre die chemischen Elemente Radium und Polium nicht entdeckt, so ist es doch höchst wahrscheinlich, dass ein anderer Forscher bald nach ihnen fündig geworden wäre, schreitet die Wissenschaft doch ständig voran. Die Zeit war reif…

2017 wird Marie Curie – am 7. November 1867 als Marie Skłodowska im polnischen Weichselland geboren – mehr noch als in anderen Jahren in den Blickpunkt rücken, denn anläßlich ihres 150. Geburtstages wird es viele Würdigungen geben, was der Leser unschwer auch schon an diesem kleinen Beitrag erkennen kann.

Die berühmte Forscherin, die den überwiegenden Teil ihres Lebens in Frankreich verbrachte, musste  früh ihr Heimatland verlassen, weil die von ihr angestrebte und erhoffte naturwissenschaftliche Ausbildung in ihrer Heimat – zur damaligen Zeit unter Kontrolle des Russischen Zarenreiches –, für Frauen untersagt war. Unter diesen Umständen blieb ihr nichts anderes übrig, als nach Paris zu gehen, wo sie – mit Intelligenz und Beharrlichkeit ausgestattet – ab 1891 ihr Studium absolvierte, um sich danach ganz der Forschung in Chemie und Physik zu widmen.

Die Becquerel-Strahlen

1895 machten die „Röntgenstrahlen” weltweit Schlagzeilen, während eine eher zufällige, aber wichtige Entdeckung von Henri Becquerel fast unbeachtet blieb: Becquerel, Lehrer von Marie Curie, hatte herausgefunden, dass Urankaliumsulfat eine Fotoplatte zu schwärzen vermochte.

Marie Curie, die auf der Suche nach einem Thema für ihre Doktorarbeit war, beschloss, sich intensiv diesen„Becquerel-Strahlen“ zu widmen. Mit Feuereifer stürzte sie sich nach Berichten von Zeitgenossen in ihre Arbeit, was auch aus späteren Worten von ihr zu entnehmen ist:

„Leicht ist das Leben für keinen von uns. Doch was nützt das, man muss Ausdauer haben und vor allem Zutrauen zu sich selbst. Man muss daran glauben, für eine bestimmte Sache begabt zu sein, und diese Sache muss man erreichen, koste es, was es wolle.”

Gemeinsam mit Becquerel und ihrem Ehemann Pierre Curie, den sie am 26. Juli 1895 geheiratet hatte, entdeckte sie dann die Elemente Polonium und Radium, die seitdem auf Grund ihrer Eigenschaften als „radioaktiv“ bezeichnet werden.

Marie Curie auf einer Banknote und einer Briefmarke (Fotos: Clipdealer)

Die Entdeckung war eine echte Sensation. Gemeinsam wurden die drei Forscher deshalb 1903 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Marie Curie war dann auch die erste Frau, die an der Pariser Sorbonne Vorlesungen hielt. Das ergab sich, weil ihr Mann 1906 nach einem Verkehrsunfall mit einer Droschke im Alter von nur 46 Jahren verstorben war. Die Sorbonne gestattete ihr, seine Lehrtätigkeit zu übernehmen. 1908 wurde sie als Professorin für Physik berufen. 1911 erhielt sie den zweiten Nobelpreis, diesmal für ihre chemischen Entdeckungen.

Als Fremde und Jüdin beschimpft

Nicht immer war alles eitel Sonnenschein im Leben von Marie Curie. Als sie sich 1910 um einen Sitz in der französischen „Akademie der Wissenschaften” bewarb, wurde ihre Beziehung zu dem verheirateten Physiker Paul Langevin von ihren Gegnern öffentlich gemacht, um die Berufung zu verhindernIn Teilen der Pariser Presse wurde sie als Fremde, Intellektuelle und Jüdin auf üble Weise verunglimpft.

Während des Ersten Weltkrieges engagierte sich Marie Curie gleichwohl bei der Behandlung von Verwundeten, indem sie die Entwicklung und den Einsatz von Röntgenwagen organisierte. Außerdem förderte sie ganz entschieden die medizinische Fortbildung der Sanitäter und Ärzte. 

Stiftung gegründet

Zwei Jahre nach Kriegsende gründete sie die Curie-Stiftung, die sich vor allem auf den medizinischen Einsatz der Radioaktivität konzentrierte. Am von ihr aufgebauten Radiuminstitut förderte Marie Curie auch aus ihren eigenen Erfahrungen heraus junge Wissenschaftlerinnen und ausländische Studenten.

Von 1922 bis zu ihrem Ableben 1934 setzte sie sich im Rahmen des Völkerbundes für die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit ein. Curies Tod steht in engem Zusammenhang mit ihren Forschungen. Sie starb am 4. Juli 1934 in einem Schweizer Sanatorium an Anämie, der Zerstörung des Knochenmarks. Ihr Tod war letzlich der Tatsache geschuldet, dass die tatsächliche Gefährlichkeit der radioaktiven Strahlung damals noch nicht völlig erkannt worden war.

Filmische Denkmäler

Ende 2016 ist ein neuer Film über Marie Curie in die deutschen Kinos gekommen. Er erzählt vom spannungsreichen Leben der Wissenschaftlerin. In der Co-Produktion aus Frankreich, Deutschland und Polen wird die Nobelpreisträgerin von der polnischen Schauspielerin Karolina Gruszka verkörpert, die nach den Dreharbeiten über das Leben von Marie Curie urteilte:

„Am meisten hat mich die Leidenschaft fasziniert, mit der sie an alles heranging – an die Forschung, Liebe, Familie, den Kampf um Gerechtigkeit. Sie hat alles mit einer ruhigen, konsequenten Kraft bewältigt.”

Dieser Film ist freilich nicht das erste filmische Denkmal, das der Forscherin gesetzt wurde. Ihr Leben wurde bereits mehrmals verfilmt. 1943 kam dann der amerikanische MGM-Spielfilm „Marie Curie” mit Greer Garson in der Titelrolle in die Kinos, ihr Ehemann Pierre Curie wurde von Walter Pidgeon verkörpert. Lange galt dieser Streifen als das filmische Standardwerk über die Curies, ehe 1987 der Film „Marie Curie – Forscherin aus Leidenschaft” mit Isabelle Huppert als Darstellerin produziert wurde. Von den zahlreichen anderen Dokumentationen wollen wir an dieser Stelle gar nicht erst reden.