Unvergessen ist das Komikerpaar Stan Laurel und Oliver Hardy, das im deutsprachigen Raum als „Dick und Doof” Millionen von Menschen begeisterte. Ihr Ruhm ist immerhin noch so bedeutend, dass sie sogar als „Gartenzwerge” vermarktet werden. Doch haben die Komiker das verdient? Im Grunde genommen nicht, denn Laurel und Hardy waren keine billigen Witzfiguren, sondern Filmkünstler hohen Ranges, auch wenn der von ihnen offerierte Klamauk das nicht immer sichtbar werden ließ.

Bei aller vordergründigen Effekthascherei machte das gelegentliche nachdenkliche Innehalten und der oftmals eher hintergründige Humor den Erfolg des Duos aus, das immerhin 106 gemeinsame Produktionen (79 Kurzfilme, 27 Spielfilme) zwischen den Jahren 1926 und 1951 auf die Beine stellte.

Obwohl sie nicht mehr zu den klassischen Komikern der Stummfilmzeit gehörten, übernahmen sie viele Elemente in ihre Tonfilme. Vielleicht gerade deshalb rangierten Laurel und Hardy in der Beliebtheit deutlich vor „Abbott und Costello“ (USA) oder „Pat und Patachon“ (Dänemark).

Natürlich war bei weitem nicht alles gelungen, was die zwei auf die Leinwand brachten, aber selbst bei den weniger guten Filmen konnte kein noch so schlechtes Drehbuch, kein noch so abgedroschener Kalauer die Lust am Zusehen mindern – weil fast Menschen sich wiedererkannten, wenn Laurel und Hardy mit den täglichen Unbilden des Lebens zu kämpfen hatten. Sie wurden dann zu einem Spiegelbild des Zuschauers im Kinosaal. Ihr vermeintlich derbes Narrenspiel ist deshalb durchaus als „künstlerisch wertvoll“ zu betrachten.

Unterwegs in geheimer Mission

Das wurde mir auch wieder bewusst, als ich nach längerer Abstinenz einen ihrer Filne im Fernsehen geniessen durfte. Es war wie in alten Zeiten und es wurden Erinnerungen wach an die lustigen Helden der Jugend- und Kinderjahre.

Im Roxy in der Frankfurter Innenstadt hatte ich im Oktober 1951 Laurel und Hardy zum ersten Mal gesehen. Der Film hieß „Dick und Doof in geheimer Mission” und als Bewacher einer Atombombe wurden sie in abenteuerliche Geschehnisse verwickelt.

Die Komiker erlebten an nur einem Tag so viel außergewöhnliche Dinge wie „normale” Menschen im ganzen Leben. Ihre Mißgeschicke, ihre mimischen Clownerien lösten im Saal Lachsalven aus. Ständig hatten die beiden mit den Tücken des Objekts zu kämpfen, was auch ihre anderen Filme prägte.

Auf dem Titelbild einer „Illustrierten Filmbühne“ (Foto: © Filmverlag Unucka)

Wenn einer von ihnen einen linken Wasserhahn aufdrehte, sprudelte mit Sicherheit das Wasser aus dem rechten. Gewusel, Betriebsamkeit, Eulenspiegelei, verwunderte Betroffenheit bei Laurel, derbe Schelmereien bei Hardy – das waren ihre bewährten Waffen, um das Publikum für sich einzunehmen.

Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre waren in der Bundesrepublik viele weitere Lustspiele zu sehen, so zum Beispiel: „Wir sind vom schottischen Infanterie-Regiment”, „Die Leibköche seiner Majestät”, „Stierkämpfer wider Willen”, „Hinter Schloss und Riegel“, „Lange Leitung“, „Dick und Doof in der Fremdenlegion“, „Hilfe wir sind ertrunken”, „Die Wüstensöhne“ oder „Die Doppelgänger von Sacramento“, „Dick und Doof, Schrecken der Kompanie”. Die Liste ist unvollständig.

Stan Laurel war Kopf und Organisator

Im wirklichen Leben brachte sich Oliver Hardy (Dick) hauptsächlich als Schauspieler in die gemeinsame Arbeit ein, Stan Laurel (Doof) war der kreative, aber auch höchst schwierige Kopf des Duos. Als ausgebuffter Geschäftsmann war er auch für Gagen und Verträge zuständig. Außerdem entwickelte Laurel zahlreiche Gags und Drehbücher und führte bei vielen Filme im Hintergrund sogar die Regie, indem er die Anweisungen mancher nomineller Regisseure einfach aushebelte.

Oliver Hardy starb im Jahr 1957, Stan Laurel 1965. Beide sind den passionierten Kinogängern von einst jedenfalls bis auf den heutigen Tag im Gedächtnis geblieben…