BRIXENER DOM (Foto: Clipdealer, Text: Erich Stör)

Die Stadt Brixen (italienisch: Bressanone) gilt als das religiöse Zentrum Südtirols und hat einige höchst interessante Sehenswürdigkeiten zu bieten. Der Dom ist besonders ansehenswert. 

Wer via Brenner-Autobahn von Innsbruck nach Bozen (Bolzano) fährt, passiert Sterzing (Vipiteno) und Franzensfeste (Fortezza) und erreicht dann Brixen (Bressanone) – eine über tausendjährige Stadt, die mit dem prächtigen Dom und seinen zwei Türmen auf sich aufmerksam macht. Bei einer Reise nach Meran ergab sich für mich die Gelegenheit zu einer Stippvisite in der alten Stadt. Nach der Abfahrt von der Autostrada gelange ich nach etwa sechs Kilometern via Staatsstraße 12 in das Stadtzentrum. Parkplatznot natürlich auch in dieser überlaufenen Stadt am Zusammenfluss von Eisack und Rienz.

Von einem kleinen Parkhaus erreiche ich nach wenigen Minuten Gehweg die Altstadt von Brixen – nicht nur eine der ältesten Städte Tirols, sondern auch die drittgrößte in der autonomen Provinz Südtirol (nach Bozen und Meran). Die Stadt wurde durch Politik und Kriegswirren immer wieder hin- und hergerissen zwischen Österreich und Bayern, ehe sie 1919 zusammen mit Südtirol an Italien fiel. Diese Situation führte dazu, dass gegenwärtig rund 72 Prozent der 21 000 Einwohner deutsch, 26 Prozent italienisch, und der Rest ladinisch spricht.

Brixen beherbergt in seinen Mauern viele Sehenswürdigkeiten, was auch daran liegt, dass im Mittelalter nicht nur zahlreiche Händler auf ihrem Weg zwischen Norden und Süden hier Halt machten, sondern auch viele Künstler für Tage, Wochen oder sogar Monate blieben. Diese hinterließen gotische Bauwerke, Gemälde oder Skulptuten und schmückten die Kirchen mit ihren Kunstwerken. Sehenswürdigkeiten gibt es deshalb in der Stadt in Hülle und Fülle. Besonders natürlich im Stadtkern.

Ich schließe mich einer gerade beginnenden Stadtführung an und erfahre einiges über die historischen Denkmäler und Gebäude. Da ist einmal die bischöfliche Hofburg, in der ein Krippenmuseum mit über 10 000 Figuren untergebracht ist, in der Nähe steht der mächtige Dom – ranghöchste Kirche in Südtirol – mit den beeindruckenden Zwillingstürmen. Im Jahr 925 wurde er im romanischen Stil erbaut, aber dreimal durch schwere Feuersbrünste in Mitleidenschaft gezogen.

Ein Neubau erfolgte zwischen den Jahren 1745 und 1754, wobei dem gotischen Stil barocke Elemente – insbesondere im Inneren – hinzugefügt wurden. Seit dem 6. Jahrhundert hatte der Bischof hier seinen Wohnsitz – und das immerhin bis 1964. Auch die gegenüberliegende Pfarrkirche St. Michael gehört zu den Schönheiten in Brixen. Das Säbener Tor, das St. Eberlein-Kirchlein, die Milleniumsäule und der Brückenheilige St. Nepomuk zählen ebenfalls dazu.

Herberge zum Wilden Mann

Am Eckhaus zwischen den Großen und Kleinen Lauben sowie der Säbenertorgasse steht in einigen Metern Höhe an einer Hauswand der so genannte „Wilde Mann“. Seine zottigen Haare wirken ein wenig furchterregend, genauso wie die drei bärtigen Köpfe der finsteren Holzfigur. Jeder dieser Köpfe schaut – warum auch immer – in eine der Gassen. Bis ins 17. Jahrhunder stand hier – wie die wissenskundige Fremdenführerin erklärt –, die „Herberge zum Wilden Mann”, später wurde das Gasthaus als „Schwarzer Adler” bekannt.

Es soll sich nur um das Gasthausschild gehandelt haben, gleichwohl ranken sich Sagen um die Holzfigur. Beim Läuten der Glocken an Karfreitagen um 12.00 Uhr sollen nämlich aus den Köpfen Goldstücke gespuckt werden – eine Legende, die freilich nur vor Fremden Bestand hat, denn die Brixener wissen selbstverständlich, dass an Karfreitag um diese Zeit niemals Glocken läuten.

Stadt für alle Jahreszeiten

Beim späteren Spaziergang durch die engen Gassen und Lauben der Altstadt bewundere ich die mit Erker und Zinnen geschmückten Häuser, sitze in der schon herbstlichen Sonne auf der Terrasse eine Cafès, werde freundlich nach meinem Begehr gefragt und bestelle einen Capuccino. Ich lasse Fußgänger an mir vorbeiflanieren, und vertiefe mich in ein ausliegendes Werbeprospekt, das mit lockenden Worten verrät, dass die Umgebung von Brixen auch landschaftlich einiges zu bieten.

Das ist wohl wahr, wie ich schon bei der Anfahrt gesehen habe. Rund um die Stadt liegen zahlreiche Kastanienhaine, Obstkulturen und Weingärten, die das bekannte Weinverkosten beim „Törggelen” im Herbst zu einem leckeren Vergnügen machen.

Tor zu den Dolomiten

Spätsommer ist es in Brixen, der Goldene Oktober naht, und danach? Keine große Pause für den Tourismus. Denn im Winter lockt die Plose. Dieses Skigebiet ist nur sechs Kilometer von Brixen-Bressanone entfernt und gilt als Tor zu den Dolomiten. Im Flyer lese ich die lockende Botschaft:

„Von den Gipfeln des Skigebiets öffnet sich ein Panoramablick auf die Dolomiten im Süden und den Alpenhauptkamm im Norden. Und die längste präparierte Abfahrt Südtirols mit einer Länge von neun Kilometern mit einem Höhenunterschied von 1400 Metern ist eine wahre Herausforderung für jeden Wintersportfreak.”

Tabakfarbener Grappa

Für Alkohol möchte ich an dieser Stelle nicht unbedingt Werbung betreiben. Aber der schmackhafteste Grappa Südtirols und Norditaliens kommt meiner Meinung nach aus Brixen-Bressanone. Im Kloster Neustift werden zwar allerlei Weiß-, Rot- und Dessertweine sowie Apfelsaft und Kräutertee hergestellt und vertrieben, aber zum Grappa heisst es:

„Der Abbagnac ist ein Destillat, welches aus einem ausgewählten Trestercuveé gewonnen und für mindestens sechs Monate in Eichenfässern gelagert wird. Daher ist dieser Tresterbrand leicht tabakfarben, hat ein fruchtig-komplexes Bouquet und ein ganz besonders vielfältiges Aromenspektrum.”

Der Eigendarstellung des Klosters kann ich aus subjektiver Sicht nur bestätigen. Dieser schmackhafte Grappa gefällt mir vor allem durch seine Weichheit auf der Zunge. Und er ist selten. Jährlich werden nur rund 3000 Flaschen gebrannt. Eine Besonderheit, die ebenso zu Brixen gehört, wie die zahlreichen anderen Touristenattraktionen. Genug der Schwärmerei, ich muss weiter, meine Stippvisite ist zu Ende. Die Fahrt geht weiter…