Frühjahr 1945 im Westerwald. Ein Wanderkino zeigt den Spielfilm „13 Stühle“, dann rücken amerikanische Panzer in das Dorf Reichenborn. Der Zweite Weltkrieg neigt sich dem Ende zu, was sich unschwer daran erkennen lässt, dass sich geballte amerikanische Panzereinheiten durch das kleine Westerwald-Dörfchen Reichenborn walzen, wohin viele Frankfurter „Ausgebombte“ evakuiert worden sind. Doch kurz zuvor gibt es noch die Vorführung eines Wanderkinos… 

Butterblumen und Panzer im Frühjahr… (Symbolfoto: Swift Publisher)

Es ist ein Sonntag im sonnigen Frühjahr 1945. Ein altes und ziemlich klappriges Lastauto mit Holzvergaser rumpelt über die holprige Straße auf den Bauernhof im Westerwald; eine Leinwand wird ausgeladen und in der Scheune aufgebaut, Lautsprecher und ein 16-Millimeter-Projektor werden installiert. An diesem Tag – wenige Tage vor Kriegsende – soll es im Dorf die Filmvorführung eines Wanderkinos geben…

Irgendwie ist es ja komisch. Die Westalliierten sind bereits im Sommer zuvor in der Normandie gelandet, sie rücken stetig vor, Tag für Tag kommen sie uns näher, aber aus den plärrenden Rundfunkempfängern tönt nach den diversen Wehrmachtsberichten vor allem reichlich Schlagermusik, so als sei die Welt durchaus noch in Ordnung, obwohl schon vor Monaten die Stadt Aachen besetzt worden ist.

Die Tage sind nicht gerade die heitersten – weder für die alteingesessenen Dorfbewohner, noch für die aus der Großstadt nach hier evakuierten Kinder und Erwachsenen, die sich nur schwer zurechtfinden im Leben der wortkargen Landleute.

Berührungsängste sind auf beiden Seiten vorhanden, auch wenn sich beide Seiten bemühen. Immerhin ist bei den „Städtern”, wie sie hier genannt werden, die Angst vor Fliegeralarm, Bunker, Brand- und Sprengbomben geringer geworden. Doch das Sirenengeheul, die überstürzte Fluchten in den Bunker sitzen noch immer in den Köpfen. Vor allem die schweren, drei Tage dauernden Fliegerangriffen vom März 1944, als die Häuser, in denen sie wohnten, in einem Tage dauernden Feuer niederbrennen.

Trügerische Ruhe

Obdachlos und ausgebombt sind wir von Frankfurt in das kleine Dorf im Westerwald evakuiert worden. Hier geht es noch einigermaßen beschaulich zu. Doch die Ruhe ist trügerisch. Selbst wir Kinder spüren das Kriegsende nahen. Die Anzeichen sind unübersehbar. Auf der etwas entfernten, größeren Landstraße ziehen immer wieder Kolonnen von deutschen Militärfahrzeugen vorbei, eindeutig auf dem Rückzug.

Am blauen Himmel sehen wir Formationen von Flugzeugen im Sonnenlicht, hören das entfernte, leise Brummen ihrer Motoren, im Rumpf der Maschinen befinden sich tödliche Bombenlasten für die Städte in ganz Deutschland.

Lustspielfilm als Ablenkung

Nun soll dieser dörflicher Kinotag für Aufmunterung der Dorfbewohner und der Evakuierten sorgen. Beim „Ortsbauernführer”, nebenbei der reichste Mann des Dorfes, steht eine große Scheune, die für Feste aller Art genutzt wird: Hochzeiten, Tanzabende, Gemeindeversammlungen – und sie dient auch dem Wanderkino als Vorführsaal. Es ist grotesk. Überall ziehen sich Soldaten zurück, die heranrückenden Amerikaner sind spürbar nahe, und dann ein Lustspiel zur allgemeinen Erheiterung.

Die Besucher wissen gar nicht, welcher Film gezeigt werden soll, dann flimmert der Titel über das provisorisch aufgespannte weiße Tuch: „13 Stühle” mit Heinz Rühmann und Hans Moser. Eine Geschichte zum Lachen, besonders für uns Kinder.

Eine unverhoffte Erbschaft

Heinz Rühmann macht eine Erbschaft, die aus 13 Stühlen besteht; enttäuscht verkauft er das anscheinend nutzlose Mobilar an den Trödler Hans Moser. Erst später findet er einen Brief der verstorbenen Tante, die ihm mitteilt, in einem der 13 Stühle seien 100 000 Mark eingenäht.

Die Stühle sind freilich längst verscherbelt. Rühmann verspricht Moser eine Beteiligung und beide beginnen, fieberhaft die Stühle zu suchen. Diese Suche ist verbunden mit allerlei Verwicklungen, wobei beide sogar zwischenzeitlich in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden.

Alle Stühle werden schließlich gefunden, erst im letzten ist das Geld versteckt, und dieser Stuhl wird ausgerechnet in einem Kinderheim gefunden. Die Heimleiterin und die Kinder glauben an eine großherzige Spende, was Rühmann und Moser (natürlich) veranlasst, edelmütig auf das Geld zu verzichten.

Ein durchaus schönes Ende für ein Lustspiel dieser Prägung folgt noch. Rühmann erfindet ein Haarwuchsmittel, wird reich und beteiligt auch Moser. Ende gut, alles gut! Natürlich nur im Film.  Wenige Tage später kommen die „Amis“ und das Leben geht weiter, wenn auch auf ganz andere Art und Weise, denn es ist jetzt Nachkriegszeit.