Der „Franz Althoff-Bau” im Zoo spielte in der Nachkriegsgeschichte eine überaus bedeutende und oft unterschätzte Rolle im kulturellen Leben der Stadt Frankfurt, denn hier wurde den Menschen in den doch eher trostlosen Jahren des Trümmerwegräumens und Wiederaufbauens unterhaltsame Stunden bereitet –, Stunden, die von den Sorgen des alltäglichen Leben ablenkten. Der Zoologische Garten im Ostend der Stadt und dessen Direktor Dr. Bernhard Grzimek spielen in dieser Geschichte eine höchst interessante Rolle.

Treffpunkt der Künstler (Symbolfoto: Clipdealer)

Die Stadt Frankfurt wollte den Zoo nach dem Krieg schließen, doch der geradezu fanatisch-besessene „Tierflüsterer” Bernhard Grzimek griff zu außergewöhnlichen Maßnahmen, um Einnahmen zu erzielten. So ließ er Schauspieler auftreten, woraus später das heute noch existierende Fritz-Remond-Theater entstand, er organisierte Filmvorführungen („Jugendkino im Zoo“), auf dem Gelände des Zoos stand vorübergehend auch eine riesige Achterbahn. Auf dem kleinen Weiher agierte die Garmischer Eisrevue mit der mehrfachen deutschen Meisterin Lydia Veicht, Grzimek ließ Seitänzer auftreten, es gab Jahrmarktsbuden, Hausfrauennachmittage und Modenschauen. Damit bot der Zoo in den tristen Nachkriegsjahren eine unterhaltsame Welt und sicherte zugleich das Überleben der rar gewordenen Tiere.

In dem Buch „Frankfurt und die wilden Jahre” von Richard Kirn und Madlen Lorei heisst es über diese Zeit im Zoo:

„Alles in allem war diese bizarre Welt jahrelang so etwas wie ein letztes Glück in der grauen Stadt.”

In einer Ecke des Geländes gastierten namhafte Artisten über zwei Jahre lang im Cirkus Oskar Hoppe, ehe Hoppe nach Auseinandersetzungen mit Grzimek sein Gastspiel beendete. An seiner Stelle wurde von Zirkusdirektor Franz Althoff ein Festbau errichtet, der aus einer stabilen Holzkonstruktion bestand und rund 3000 Besuchern Platz bot.

Angesichts der zerstörten Räume in der Innenstadt wurde der „Althoff-Bau” für fast acht Jahre zu einer legendären Veranstaltungsstätte in Frankfurt. Berühmte Musiker, Schauspieler und Kapellen standen auf der Bühne. Operetten, Revuen, Ballettabende, Theaterstücke und Konzerte wechselten sich ab, es gab Ring- und Boxkämpfe oder politische und gewerkschaftliche Veranstaltungen. Im Vordergrund standen jedoch unterhaltsame, kulturelle Darbietungen. Sogar Fastnachter hielten ihre Sitzungen ab.

Viele große Namen 

Die Namen der im „Franz-Althoff-Bau” aufgetretenen Künstler sind Legion. Dreimal wurde das Deutsche Jazz-Festival veranstaltet, beim zweiten spielte Bandleader Kurt Edelhagen mit seinem Orchester und die junge Catarina Valente feierte unter seiner Regie einen rauschenden Erfolg, was ich selbst miterleben durfte.

Namen am Sternenhimmel. (Grafik: E. S.)

Hier spielte die größte Jazzgruppe der Welt, die sich „Jazz at the Philharmonic“ nannte und mit Ella Fitzgerald und Oscar Peterson anreiste. Es gastierten Woody Hermans, Stan Kenton, Dizzy Gillespie, Count Basie, Joséphine Baker, das Orchester Duke Ellington sowie Louis Armstrong.

Das Orchester Hugo Strasser spielte zur Unterhaltung, am Klavier saß Paul Kuhn, und Helmut Zacharias entlockte seiner Geige wundervolle Klänge. Regelmäßig sang der Don Kosaken-Chor im Kuppelbau, die Schöneberger Sängerknaben entzückten die Zuhörer, und die Pianistin Elly Ney trat als Solistin mit den Stuttgarter Philharmonikern auf.

Die berühmten Clows Charlie Rivel und Grock rührten zu Tränen, der Zauberer Kalanag verblüffte mit seinen Kunststücken und schenkte dem Publikum eine Welt voller Illusionen. Ensemblemitglieder der Mailänder Scala boten mit „Madame Butterfly” von Puccini auch den Opernfreunden musikalischen Genuss. Klangvolle Namen aus der Filmbranche präsentierten sich im Laufe der Jahre als Solisten oder im Rahmen von Theateraufführungen.

Wer kannte sie seinerzeit nicht? Heinz Rühmann, Marika Rökk, Johannes Heesters, Zarah Leander, Paul Hörbiger, Lilian Harvey, Heinz Erhardt oder Paul Kemp.

Als die Veranstaltungen seltener wurden…

Mitte der Fünfziger Jahre wurden die Veranstaltungen im Franz Althoff-Bau seltener, weil sich Frankfurt von den Wunden des Krieges erholte und sich wieder aufgebaute oder neue Räumlichkeiten als Veranstaltungsorte anboten. Dazu gehörten u.a. die großen Kinos, die Kongreßhalle auf dem Messegelände (1953), das Volksbildungsheim am Eschenheimer Turm (1953) und das „Haus der Jugend” in Sachsenhausen (1952).

Im Rahmen dieser Entwicklung war der Notbehelf „Althoff-Bau” nicht mehr lukraktiv zu betreiben, entsprach auch technisch nicht mehr den Anforderungen und war überflüssig geworden. Das Gebäude wurde demontiert. Damit aber war ein Stück Frankfurter Nachkriegs- und Kulturgeschichte unwiederbringlich vorbei… Nur die Erinnerung lebt fort.