Die erste, die letzte und die erfolgreichste „Filmbühne“ (Foto: Verlag Unucka)

Programmhefte der „Illustrierten Filmbühne“ begleiteten viele Menschen über Jahrzehnte hinweg bei ihren Kinobesuchen, was einen ganz persönlichen Rückblick rechtfertigt. Der Preis für die kleinen Hefte betrug im Frühjahr 1947 „nur” 10 Pfennige, was jedoch nicht wenig war, denn ein Billett für die „Rasierstühle” in den ersten drei Reihen der Kinos war immerhin schon für 80 Pfennige zu haben.

Zu vielen Filmen erwarb ich diese kleinen Illustrierten, die zu Begleitern meiner Jugend wurden. Manche dieser Hefte hob ich auf, andere warf ich weg oder sie gingen anderweitig verloren. Diese Nachlässigkeit war ein Versäumnis, das ich noch bereuen sollte, vor allem, als die „Illustrierte Filmbühne” (und andere Serien) zu begehrten Sammelobjekten wurden.

Die vier-, sechs- oder später sogar achtseitigen Hefte boten viele Informationen, vor allem die Fotos gaben einen recht guten Eindruck von den Filmen, obwohl die Druckqualität häufig zu wünschen übrig ließ. Die Grafiker des Verlages in München, wo der Verleger Paul Franke die Tradition des alten Berliner „Illustrierten Filmkuriers” nach dem Ende des Krieges fortsetzte, bemühten sich redlich, um mit dem von den Verleihern zur Verfügung gestellten Fotos, Inhaltsangaben und Besetzungslisten attraktive Hefte zu gestalten; gedruckt wurde überwiegend in Braun, aber auch Blau, Grün und Rot kamen zum Zug. Das lag oft einfach daran, welche Farben in der Nachkriegszeit in den beauftragten Tiefdruckereien gerade vorrätig waren.

„Der Förster vom Silberwald” als Bestseller

Unabhängig von allen Widrigkeiten wurde die IFB (zunächst) zu einer Erfolgsgeschichte. In einem Katalog des Unucka-Filmverlages (Hebertsfelden), der seit einigen Jahren als Nachfolger des Franke-Verlages die Rechte an den Programmheften besitzt, heisst es dazu rückblickend:

„Von publikumsunwirksamen Titeln wurden manchmal nur 8000 Hefte aufgelegt. Von einem guten Verkaufserfolg konnte man sprechen, wenn die Auflagenhöhe 100 000 Stück überschritt. Auflagen-Bestseller der IFB war die Nummer 2677 (Der Förster vom Silberwald), die über eine Million Mal verkauft wurde. Aber auch andere Titel wie Vom Winde verweht, Schwarzwaldmädel oder Der Schatz vom Silbersee brachten es auf astronomisch anmutende Verkaufszahlen.”

Obwohl sich die aus „Filmkurier” und der in München erscheinen „Filmbühne” hervorgegangene „Illustrierte Filmbühne” also zur erfolgreichsten Nachkriegsserie gemausert hatte, geriet sie in ökonomische Schwierigkeiten, weil das Interesse für solche Heftchen beim Publikum aufgrund verschiedener Ursachen mehr und mehr schwand.

Nicht nur das Fernsehen hatte Schuld an der Misere. Viele Filmproduzenten lieferten eine geradezu miserable Qualität ab und vergraulten das Publikum. Potentielle Kunden vergnügten sich mehr und mehr im heimischen Pantoffelkino. Die Auswirkungen auf die „Filmbühne” waren deutlich spürbar. Denn wer sollte die Programmhefte noch kaufen? Der Absatz, der bei Spitzenfilme in die Hunderttausende gegangen war, begann jedenfalls kontinuierlich zu sinken.

Deshalb wurden bald nur noch Programmhefte produziert, wenn klar war, dass wenigstens 5000 Exemplaren zu verkaufen waren. „Als auch dieses Ziel nicht mehr zu erreichen war”, wurde die Serie im Jahr 1969 mit der Ausgabe Nummer 8069 („Die Nichten der Frau Oberst, Teil 2”) eingestellt.

Andere Programmreihen 

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es in Deutschland viele andere Programmserien gegeben hat. Von 1919 bis 1945 den Berliner „Illustrierten Filmkurier” (BFK), der fast alle Filme erfasste, die in die Kinos kamen. Außerdem war zu dieser Zeit „Das Programm von Heute” verbreitet. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten „Film im Bild” und der „Illustrierte Filmkurier” zu den ersten Serien auf dem Markt. Die Büdinger „Filmpost” war eine Zeitlang erfolgreich, musste aber bald ihr Erscheinen einstellen.

Als Konkurrenzprodukt der Filmbühne kam von 1950 an „Das Neue Filmprogramm” auf den Markt. In der DDR war das „Progress-Filmprogramm“ (vom gleichnamigen staatlichen Verleih) dominierend, doch auch dieses gibt es seit vielen Jahren nicht mehr. Aber das ist eine andere (politisch bedingte) Geschichte.

„Union Pacific” oder „Die Frau gehört mir”

Zurück zum Film „Union Pacific”, für den ich das erste Programmheft der IFB kaufte. Der Western hieß in Deutschland „Die Frau gehört mir” und lief in fünf Frankfurter Kinos, nämlich in der Schauburg und im Apollo (beide Bornheim), im Titania (Bockenheim) sowie im Casino und den Kammer-Lichtspielen in Höchst. Die Bornheimer und Höchster Kinos mussten sich sogar (mit versetzten Anfangszeiten) jeweils eine der raren Kopien für die Vorführung teilen.

Die Paramount-Produktion aus dem Jahr 1939 nach einer Erzählung von Ernest Haycox zeigt den in den USA von Ost- und Westküste vorangetriebenen Eisenbahnbau zwischen 1862 und 1869, also vor rund 150 Jahren, wobei die kapitalistischen Interessen der Politik und der Finanziers dem Streifen Profil geben. Insofern ist es kein Wildwest-Film der üblichen Art. Dass die Indianer als tumbe Gesellen dargestellt werden, ist allerdings wenig überraschend, gehörte diese Verunglimpfung bei den Hollywood-Filmemachern der damaligen Zeit leider zum „guten Ton.”

Die Regie führt Cecil B. de Mille. Darsteller sind Barbara Stanwyck (als Mollie Monahan, Postfräulein und Tochter eines Lokomotivführers), Joel McCrea (als Sicherheitsbeauftragter Jeff Butler), Robert Preston (als zwielichtiger Freund von Jefff Butler), Brian Donlevy (als Glücksritter Sid Campeau).

Der später berühmt gewordene Anthony Quinn spielt zu Beginn seiner Karriere (und seinem vierten Film) eine Nebenrolle als Falschspieler. Der Film war in Deutschland kurzzeitig in einer gekürzten Fassung bereits 1939 eingesetzt gewesen. Schon damals hatte es ein Programmheft des „Illustrierten Filmkuriers” gegeben; es stammte aus dem Verlag von Paul Franke in Berlin und trug die Nummer 2994.