Trainer Pep Guardiola lustwandelt auf der Straße des Fußballruhms

Mit 27 Titeln in zehn Jahren ist der spanische Trainer Guardiola der erfolgreichste Coach der Gegenwart. Seine Stationen waren bisher FC Barcelona, Bayern München und aktuell Manchester City.

Pep Guardiola, katalanischer Fußballtrainer, gilt zur Zeit als Maß der Dinge im Gewerbe der Übungsleiter. Mit immerhin 27 Titelgewinnen (FC Barcelona, Bayern München, Manchester City) innerhalb von nur zehn Jahren ist Guardiola der erfolgreichste Trainer der Gegenwart. Seine letzten Triumphe waren 2019 der Sieg im englischen Liga-Pokal, der Gewinn der Meisterschaft mit einem Punkt Vorsprung vor dem FC Liverpool und der Sieg im FA-Cup (6:0 gegen Watford FC). Manchester holte unter Guardiola erstmals dieses Triple, was in der Geschichte des englischen Fußballs zuvor noch keinem Klub gelungen war. Guardiola ist also, um es klischeehaft zu formulieren, ein Meister seines Fachs.

Es wäre indessen ein falscher Ansatz, die Arbeit des Trainers nur auf Pokale und Meisterschaften zu reduzieren. Man muss ihn vielmehr als einen besessenen Übungsleiter bezeichnen, der nicht nur den reinen Erfolg sieht. Seine Motivation geht tiefer. Als der Trainer einmal nach seinen Antriebskräften gefragt wurde, berief er sich nicht auf die vielen gewonnenen Trophäen, sondern sagte:

„Mein Traum ist, mit meinen Spielern neue Ideen zu entwickeln und ganz neue Sachen auszuprobieren.”

Das klingt, und da sind wir der Wahrheit wahrscheinlich ganz nahe, nach dem Traum vom perfektem Fußball. Den wird es natürlich nie geben, weil die Unwägbarkeiten des Spiels dem entgegenstehen. Das trifft auch auf den Guardiola-Stil zu, der bei aller Faszination wegen der nicht enden wollenden Ballstafetten schnell langweilig wirkt.

Das System mit seinen ausgetüftelten Laufwegen hat Schwächen, vor allem gegen extrem defensiv eingestellte Gegner. Doch Guardiolas Philosophie bleibt davon unberührt:

 „Um gut zu spielen, muss man den Ball haben. Ohne Ballbesitz geht es nicht.”

In der konsequenter Anwendung des „Ballbesitz-Fußballs” sieht Guardiola (gegenwärtig) den Schlüssel zum Erfolg, was sich bei seinen drei bisher trainierten Klubs eindrucksvoll bestätigt hat. Um wirklich erfolgreich zu sein, braucht es allerdings auch anderer Komponenten. Zum Beispiel: Glück! Das hatte Guardiola insofern, als er auf seiner ersten Arbeitsstelle am Camp Nou in Barcelona auf eine Heerschar der begabtesten Zauberkünstler der Welt traf.

FC Barcelona

Welche großartigen Fußballspieler da versammelt waren (oder noch sind)! Neben den Jungspunden Lionel Messi und Andrés Iniesta gehörten in den Jahren zwischen 2009 und 2013 neben anderen Victor Valdez, Dani Alves, Carles Puyol, Gerard Pique, Xavi Hernandez, Xavi Torres, Samuel Eto’o, Thierry Henry, Zlatan Ibrahimovic, David Villa, Thiago Alcàntara und Javier Mascherano zum Team. Beim FC Barcelona mit überlegenem Ballbesitz den „Tiki-Taka”-Stil des direkten, schnellen Kurzpassspiels zu zelebrieren, schien fast spielerisch leicht – dabei war es harte Arbeit – und für die Zuschauer immer „großes Kino”.

Die Ansammlung von außergewöhnlich profilierten Ballkünstlern ermöglichte es Guardiola, in den vier Jahren seiner Tätigkeit beim FC Barcelona alleine 14 nationale und internationale Titel zu gewinnen, als da sind: zweimal die Klub-Weltmeisterschaft, zweimal die Champions League, zweimal den UEFA-Supercup, dreimal die spanische Meisterschaft, zweimal den spanischen Königspokal und dreimal den spanischen Supercup.

Bayern München

Als Guardiola nach einem Jahr Pause 2013 zu Bayern München wechselte, traf er an der Säbener Straße andere Voraussetzungen als in Barcelona an. Ebenfalls großartige Spieler auf dem Platz, aber doch anders gestrickt als in Barcelona. Gleichwohl setzte Guardiola seine Ballbesitz-Besessenheit auch in München um. Mit den nach München geholten spanischen Fußballern Javi Martinez, Juan Bernat, Xabi Alonso und Thiago Alcantara blieb er im Verbund mit den anderen dort tätigen Spielern seiner Grundphilosophie treu.

In den Jahren zwischen 2013 und 2016 gewann er mit dem FC Bayern München sieben Titel (Klub-WM 2013, UEFA-Supercup 2013, deutsche Meisterschaft 2014, 2015 und 2016 sowie den DFB-Pokal 2014 und 2016). Als erster deutscher Klub gewann Bayern damals viermal nacheinander die deutsche Meisterschaft, wobei der Titel 2013 noch auf das Konto von Jupp Heynckes ging. In der Champions League scheiterte Guardiola allerdings dreimal im Halbfinale – pikanterweise jeweils an spanischen Mannschaften. Erst an Real Madrid, dann am FC Barcelona und zuletzt an Atletico Madrid.

Manchester City

Guardiolas Vater hat nach dem Wechsel zu Manchester City 2017 geäussert, sein Sohn werde den englischen Fußball revolutionieren. Das lässt sich so nicht bestätigen, obwohl Guardiola mit Manchester City in den drei Jahren seiner Tätigkeit insgesamt sechs Titel einheimsen konnte, als da sind: Die Meistertitel 2018 und 2019, den Ligapokal in diesen beiden Jahren, den FA-Cup 2019 und den Supercup 2018. Ein Wermutstropfen ist, dass Guardiola mit Manchester City in der Champions League dreimal vorzeitig ausgeschieden ist. Selbstkritisch meinte der Übungsleiter, in dieser Königsdisziplin habe er seine Aufgabe nicht befriedigend erfüllt. Was allerdings auch der Tatsache geschuldet sein dürfte, dass der internationale Fußball in den vergangenen Jahren nicht nur stärker, sondern auch ausgeglichener geworden ist.

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