Pep Guardiola, katalanischer Fußballtrainer, gilt derzeit als Maß der Dinge im Übungsleiter-Gewerbe. Mit 21 Titelgewinnen (FC Barcelona und Bayern München) innerhalb von nur sieben Jahren ist Pep Guardiola der effektiveste Trainer der Gegenwart. Es wäre indessen ein falscher Ansatz, Guardiolas Arbeit nur auf Titel zu reduzieren.  

Pep Guardiola hat spezielle Vorstellungen vom Spiel mit dem runden Ball (Foto: Clipdealer)

Als der Trainer einmal nach seinen Antriebskräften gefragt wurde, berief er sich nicht auf die vielen gewonnenen Trophäen, sondern sagte:

„Mein Traum ist, mit meinen Spielern neue Ideen zu entwickeln und ganz neue Sachen auszuprobieren.”

Das klingt, und da sind wir der Wahrheit wahrscheinlich ganz nahe, nach dem Traum vom perfektem Fußball. Den wird es natürlich nie geben, weil die Unwägbarkeiten des Spiels dem entgegenstehen. Das trifft auch auf den Guardiola-Stil zu, der bei aller Faszination wegen der nicht enden wollenden Ballstafetten schnell langweilig wirkt.

Das System mit seinen ausgetüftelten Laufwegen und Passfolgen hat Schwächen, vor allem gegen extrem defensiv eingestellte Gegner. Doch Guardiolas Philosophie bleibt davon unberührt:

„Um gut zu spielen, muss man den Ball haben. Ohne Ballbesitz geht es nicht.”

In der konsequenter Anwendung des „Ballbesitz-Fußballs” sieht Guardiola (gegenwärtig) den Schlüssel zum Erfolg, was sich bei seinen zwei bisher trainierten Klubs eindrucksvoll bestätigt hat. Um wirklich erfolgreich zu sein, braucht es allerdings auch anderer Komponenten. Zum Beispiel: Glück! Das hatte Guardiola insofern, als er auf seiner ersten Arbeitsstelle am Camp Nou in Barcelona auf eine Heerschar der begabtesten Zauberkünstler der Welt traf.

Die besten Fußballspieler der Welt

Welche großartigen Fußballspieler da versammelt waren (oder noch sind)! Neben den Jungspunden Lionel Messi und Andrés Iniesta gehörten in den Jahren zwischen 2009 und 2013 neben anderen Victor Valdez, Dani Alves, Carles Puyol, Gerard Pique, Xavi Hernandez, Xavi Torres, Samuel Eto’o, Thierry Henry, Zlatan Ibrahimovic, David Villa, Thiago Alcàntara und Javier Mascherano zum Team. Beim FC Barcelona mit überlegenem Ballbesitz den „Tiki-Taka”-Stil des direkten, schnellen Kurzpassspiels zu zelebrieren, schien fast spielerisch leicht – dabei war es harte Arbeit – und für die Zuschauer immer „großes Kino”.

Die Ansammlung von außergewöhnlich profilierten Ballkünstlern ermöglichte es Guardiola, in den vier Jahren seiner Tätigkeit beim FC Barcelona alleine 14 nationale und internationale Titel zu gewinnen, als da sind: zweimal die Klub-Weltmeisterschaft, zweimal die Champions League, zweimal den UEFA-Supercup, dreimal die spanische Meisterschaft, zweimal den spanischen Königspokal und dreimal den spanischen Supercup.

An der Säbener Straße in München

Als Guardiola nach einem Jahr Pause 2013 zu Bayern München wechselte, traf er an der Säbener Straße andere Voraussetzungen als in Barcelona an. Ebenfalls großartige Spieler auf dem Platz, aber doch anders gestrickt als in Barcelona. Gleichwohl setzte Guardiola seine Ballbesitz-Besessenheit auch in München um. Mit den nach München geholten spanischen Fußballern Javi Martinez, Juan Bernat, Xabi Alonso und Thiago Alcantara blieb er im Verbund mit den anderen dort tätigen Spielern seiner Grundphilosophie treu.

In den Jahren zwischen 2013 und 2016 gewann er mit dem FC Bayern München sieben Titel (Klub-WM 2013, UEFA-Supercup 2013, deutsche Meisterschaft 2014, 2015 und 2016 sowie den DFB-Pokal 2014 und 2016). Als erster deutscher Klub gewann Bayern viermal nacheinander die deutsche Meisterschaft, wobei der Titel 2013 noch auf das Konto von Jupp Heynckes ging. In der Champions League scheiterte er allerdings dreimal im Halbfinale – pikanterweise jeweils an spanischen Mannschaften. Erst an Real Madrid, dann am FC Barcelona und zuletzt an Atletico Madrid.

Guardiolas Vater hat nach dem Wechsel zu Manchester City geäussert, sein Sohn werde den englischen Fußball revolutionieren. Ob das auf der Insel möglich ist, wird sich allerdings erst noch zeigen müssen. Denn trotz vieler ausländischer Spieler wird dort immer noch ein System gespielt, das sich vom feinsinnigen Fußball a la Guardiola unterscheidet. Die Wurzeln des „Kick and rush” sind in der Premier League trotz vieler ausländischer Spieler immer noch vorhanden. Und Guardiola tat sich schwer in seinem ersten Jahr auf der Insel. Sein System funktionierte noch nicht wie gewohnt, erst in der Saison 2017/18 rollt der Ball nach seinen Wünschen und der Klub steht souverän an der Tabellenspitze.

Kann der Trainer in Manchester bei der ihm eingeräumten Machtfülle seinem Traum vom perfekten Fußball wieder einen Schritt näher kommen? Unter Umständen auch mit einer völlig anderen Art, Fußball spielen zu lassen. Denn Guardiola ist immer auf der Suche nach Neuem.