BITTE LANGSAM, DER HERR (Grafik: Swift Publisher, Text: E. S.)

Mit 146 km/h wurde dieser Tage eine recht „flotte” Autofahrerin auf einer Straße in Offenbach geblitzt. Erlaubt war nur eine Geschwindigkeit von 80 km/h. Die Frau wurde mit einer Geldbuße in Höhe von 440 Euro belegt, erhielt ein dreimonatiges Fahrverbot sowie zwei „Strafpunkte” beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg. Das Übliche halt…

Zu schnelles Fahren scheint unausrottbar und ist für manche immer noch ein Kavaliersdelikt. Seit Beginn des Automobilzeitalters gehören Verstöße gegen die festgelegten Geschwindigkeiten zur Tagesordnung. Sogar als die Autos noch langsamer als heute unterwegs waren, juckte manchen Fahrer der Gasfuß; immerhin gab es seit Beginn des Autozeitalters schon spektakuläre Straßenrennen, was so manchen Zeitgenossen schon damals zum Rasen veranlasste.

Was Raser zu erwarten haben

Ein Blick in die Vergangenheit: Vor 80 Jahren berichtete die Tageszeitung „Tremonia” (lateinische Bezeichnung für Dortmund) in ihrer Ausgabe vom Freitag, 7. Mai 1937, der Kölner Polizeipräsident werde im Auftrag des Reichsführers SS und Chefs der Deutschen Polizei (Merke: Es ist Nazizeit) im Interesse der Verkehrssicherheit und zum Schutze der anderen Verkehrsteilnehmer in Zukunft gegen Kraftfahrzeugfahrer vorgehen, die durch ihr Verhalten in besonders leichtsinniger Weise den Verkehr gefährden.

„Derartigen Kraftfahrern wird in Zukunft, falls nicht der Führerschein entzogen werden sollte, durch Polizeiverfügung aufgegeben, binnen einer kurz bemessenen Frist die Motore der von ihnen geführten Kraftfahrzeuge auf eigene Kosten auf diejenige Geschwindigkeit drosseln zu lassen, die von den Fabriken für die erste Einfahrt vorgeschrieben ist.”

Damit noch nicht genug. Die Anordnung der Drosselung werde auch in den Führerschein eingetragen und regelmäßig überprüft. Deshalb:

„Zum Zwecke der Kontrolle haben Kraftfahrzeugführer, die durch ihr Verhalten Anlass zur Durchführung dieser Maßnahme gegeben haben, ihre Fahrzeuge nach erfolgter Drosselung persönlich einmal wöchentlich der Polizei vorzuführen.”

Für jede Vorführung bzw. Nachprüfung wurde eine Verwaltungsgebühr von drei Reichsmark angedroht. Doch was bedeuteten drei Reichsmark für den Übeltäter hinter dem Lenkrad? Um einen Vergleich der Kosten zu ermöglichen, hier nun einige Preisangaben aus Inseraten in der gleichen Ausgabe der „Tremonia” – sie trägt übrigens den Untertitel „Westdeutsche Volkszeitung”.

Preise von Alltagsartikeln

Ein Geschäftsmann offeriert Füllfederhalter von 2.95 Reichsmark aufwärts, Damenblusen kosten zwischen 3.90 und 8.90 Mark, 500 Gramm Streichmettwurst werden für 1.08 angeboten, 125 Gramm Seelachs gehen für 23 Pfennige über den Ladentisch, ein Pfund Schweinekotelett ist für 1.00 RM zu haben, 500 Gramm Weizenmehl kosten 20 Pfennige und formschöne Schlafzimmer – um mal einen wertvolleren Posten hier einzufügen – sind zwischen 220 und 380 Mark im Angebot.

Jetzt kann sich der geneigte Leser ein Bild davon machen, dass drei Reichsmark – und dies bei mehrmaliger „Vorfahrt” auch ganz schön ins Geld gehen konnten. Ganz zu schweigen von den Kosten einer Motordrosselung. Aber: Selbst verschuldet!