Es sind flüchtige Begegnungen. Freundschaften entstehen daraus in der Regel nicht. Für einige Tage stellt sich indessen ein Gefühl der Gemeinschaft ein, denn die Männer (oder Frauen) werden „Leidensgenossen auf Zeit” sein. Begegnungen in einem Krankenhaus!

Fünf Tage in einem Dreibett-Zimmer. Eingewiesen wegen eines Defektes in der Netzhaus und einer deshalb dringend erforderlichen Operation, bin ich zunächst eher mit mir selbst beschäftigt als das ich Zeit und Muse hätte, mich mit den Malaisen der anderen zu befassen.

Niemand kennt den Bettnachbarn in dieser Augenklinik ja nun wirklich, fünf oder sechs Tage – vielleicht auch mehr, je nachdem – , lebt man zusammen und teilt ein karges Zimmer. Die Nächte schleichen zwischen Dämmerzustand und leichtem Schlaf schleppend dahin, die Narkose wirkt noch nach…

Gleichwohl registriere ich die Beschwernisse der Zimmergenossen, obwohl ich von den Ärzten drei Tage und Nächte zur Verbesserung des Heilungsprozesses „zur Bauchlage” verpflichtet und deshalb nur unzureichend ansprechbar bin. Doch irgendwann siegt auch die Neugier, und so tauschen wir uns über unsere „Defekte” aus.

Eine Blutung nach einer Grauen Star-OP macht dem neben mir liegenden Herrn aus Gelnhausen schon längere Zeit zu schaffen, seinem Bettnachbar aus dem Taunus ist bei Bauarbeiten Zementputz in die Augen geraten, was ständig tanzende Bilder vor seinen Augen erzeugt.

Wir sind am gleichen Tag operiert worden, sind nun Leidensgenossen auf Zeit. Am Tag der Entlassung verlassen wir gemeinsam die Klinik, draußen folgt ein schneller Abschied, ein Händedruck – das herausgepresste „Auf Wiedersehen” klingt nicht so, als verstände man es als Verpflichtung, – niemand wünscht sich das wirklich, an diesem Ort ohnehin nicht.

So gehen wir nach einem leichten Kopfnicken unserer Wege, jeder in eine andere Richtung. Wir werden nichts mehr voneinander hören. Leidengenossen auf Zeit nur…