Wenn Menschen in den RUHESTAND verschwinden…

Wo finde ich einen guten Friseur? (Zeichnung: Clipdealer)


Die verschlungenen Pfade des Lebens sind nicht nur mit Rosen bestreut. Spaß, Reisen, Urlaub und Freizeit sind für die meisten werktätigen Menschen eher die erholsame Ausnahme von den alltäglichen Herausforderungen in Beruf oder Privatleben. Viele sehnen dann den Ruhestand herbei – ein schöner Status für diejenigen, die ihr Arbeitsleben hinter sich haben, aber nicht ohne für jene, die von ihnen „abhängig waren”, was auch der Autor in der jüngsten Vergangenheit am eigenen Leib erfahren musste.

Ich will hier gar nicht von der abgebrannten Werkstatt meines Autohändlers reden – so oft musste ich da nicht hin –, oder der plötzlich geschlossenen Metzgerei zwei Straßen weiter, aber doch von einigen „intimeren” Partnerschaften, die plötzlich und unerwartet „aufgekündigt” wurden.

Vierzig Jahre lang war ich dem gleichen Friseursalon treu geblieben, in dem ich mich zwar gelegentlich wechselndem Personal gegenüber sah, aber doch wohl gefühlt hatte. Zwar stand der Haarschnitt nicht immer im Einklang mit meinen zuvor geäusserten Wünschen, aber letztendlich war ich nicht wirklich unzufrieden gewesen. Als ich vor kurzem mit der unerwarteten Schließung konfrontiert wurde, stand ich gewissermaßen vor dem Nichts, zumal meine Haupthaare auch im höheren Alter noch immer kräftig und unkontrolliert zu sprießen pflegt. Zwei Versuche, in anderen Salons Fuß zu fassen, scheiterten kläglich, erst im dritten Anlauf fand ich einigermaßen adäquaden Ersatz.

Nicht genug damit. Nachdem sich der Zahnarzt meines Vertrauens 30 Jahre lang mit Erfolg um mein oft lockeres „Mundwerk” gekümmert hatte, widmete er sich zufrieden lächelnd dem Nichtstun und überließ mich mitsamt den Zähnen meinem Schicksal. Als ich bald darauf meinem Hausarzt aufsuchen wollte, wurde ich mit der Tatsache konfrontiert, dass selbiger sich ebenfalls verabschiedet hatte. Mein Augenarzt ist leider nicht mehr der jüngste, es bleibt abzuwarten, wann hier das nächste Ungemach droht; nur bei der Fußpflegerin bin ich guter Dinge. Sie ist noch jung genug, um mir die nächste Zeit zu versüßen…