Johann Strauss (Sohn), der Walzerkönig von Wien, hat auch „Die Fledermaus” geschrieben – und das feurige „Musical” wurde auch vom Film schon oft (1923, 1931, 1933 und 1937) in verschiedenen Ländern adapiert.  Mit dem folgenden Beitrag hat Strauss direkt freilich nichts zu tun, gleichwohl ist es eine spannende Geschichte um seine Operette…

1944 verfilmte nämlich die Terra-Produktion das gute Stück erneut,  diesmal mit Johannes Heesters und Marte Harell in den Hauptrollen. Doch der Farbfilm kam nicht mehr in die Lichtspielhäuser, das Kriegsende ließ auch diesen Film, wie so vieles andere, und im wahrsten Sinne des Wortes, in Schutt und Asche versinken.

Als die Operette im Februar 1950 in der Bundesrepublik gestartet wurde, erzählte Hauptdarsteller Johannes Heesters im Frankfurter Gloria-Palast – das Kino war zu dieser Zeit noch von der US-Armee für eigene Zwecke beschlagnahmt, wurde jedoch gelegentlich für Sondervorführungen freigegeben – den neugierigen Journalisten im Rahmen einer Pressevorführung eine interessante Geschichte über die Rettung des Films.

Der Streifen war wie viele andere noch in Bearbeitung, als rund um Berlin die Welt zusammenbrach. Nach zahlreichen Bombenangriffen auf die Ateliers in Babelsberg war der Film nicht mehr auffindbar. Im Winter 1945/46 entdeckte jedoch Alice Ludwig bei Aufräumungsarbeiten in den verschneiten Trümmerbergen des Ateliers fast alle Teile des kostbaren Negativmaterials.

Im Auftrag der sowjetischen Filmbehörde

Die Schnittmeisterin, die den Film bereits während der Dreharbeiten als Cutterin betreut hatte, erhielt von der sowjetischen Film-Kontrollbehörde sowie der gerade im Aufbau befindlichen ostdeutschen DEFA den Auftrag, das Material  zu bearbeiten und die Operette fertigzustellten.

Das geschah unverzüglich, und deshalb konnte der Film – unter der Leitung von Geza von Bolvary spielen neben Heesters und Marte Harell noch Willy Fritsch sowie Siegfried Breuer – am 16. August 1946 in Ost-Berlin uraufgeführt werden. Schon einen Monat später wurde die Operette in West-Berlin gezeigt, verschwand dann aber wieder von den Leinwänden, nachdem die sowjetrussische Verleihorganisation „Sovexport” den Film in die USA transferiert hatte, wo er längere Zeit und überaus erfolgreich am Broadway in New York lief.  Die Vermarktung des Films in der Bundesrepublik begann dann mit oben erwähnte Pressevorführung im Gloria-Palast, und am 24. Februar mit der westdeutschen Uraufführung im Frankfurter Filmpalast.

Auch andere Filme

„Die Fledermaus” zählt damit zu jener Kategorie von Filmen, die im Frühjahr 1945 noch in der Musiksynchronisation oder anderweitiger Bearbeitung waren und erst nach Kriegsende unter anderen politischen Verhältnissen (und meist von der DEFA) endgültig fertig gestellt wurden. Zu ihnen gehörten auch „Peter Voss, der Millionendieb” (Uraufführung 1946), „Philine” (1949), „Wiener Mädeln” (Sowjetfassung 1949, Forst-Fassung 1950), „Das kleine Hofkonzert” (1950), „Der Millionär” (1947) und „Die Nacht der Zwölf” (1949).