Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Frankfurt am Main aufgrund der Teilung Deutschlands und der politischen Situation zur „Hauptstadt der Filmverleiher“.  

Natürlich ist (und war) Frankfurt am Main keine Filmmetropole im üblichen Sinne, auch wenn die Hochhaus-Skyline in modernen Fernsehproduktionen immer wieder als prächtige Kulisse für „Mainhattan” dient. Große Produktionsfirmen sind bis heute ebensowenig vorhanden wie Ateliers. Aber es waren die sogenannten „Major Companies“ der USA, die sich hier nach dem Ende des Krieges niederließen.

In den 30er Jahren waren die ausländischen Verleihfirmen in Berlin beheimatet gewesen, ehe ihnen von den Nazis 1941 die Tätigkeit untersagt wurde. Noch ehe der Krieg am 8. Mai 1945 zu Ende war, hatten die Amerikaner in den von ihnen besetzten Gebieten mit dem Aufbau „demokratischer Strukturen” begonnen; Priorität hatten neue Zeitungen und Filme, die nach Meinung der Alliierten geeignet erschienen, zur erfolgreichen „Umerziehung” der deutschen Bevölkerung beizutragen.

Frankfurt, das am 29. März von den Amerikanern besetzt worden war, eignete sich aufgrund seiner zentralen Lage besonders für die Tätigkeit des Amerikanischen Militär-Filmverleihs (AFI), der zunächst die US-Streifen in die Kinos brachte. Nach der Kapitulation am 8. Mai erschien die politischen Situation Berlins als Viersektorenstadt den US-Konzernen wenig geeignet, sich dort niederzulassen. So blieben die Verleihe für lange Zeit in Frankfurt.

Der Militärverleih und die MPEA

Zunächst übernahm die MPEA (Motion Pictures Export Association), Dachgesellschaft der großen US-Companies, den Vertrieb der meist schon älteren Filme, bald jedoch arbeiteten die großen Gesellschaften wieder eigenständig.

Die MPEA hatte ihren Sitz im Industriehaus in der Taunusstraße 52-60, dort befanden sich auch die Räume von Paramount und United Artists. Schräg gegenüber auf der Südseite hatte die RKO ihre Büros bezogen, die Columbia residierte ganz in der Nähe.

Der brüllende Löwe von Metro-Goldwyn-Mayer firmierte mit Zentrale und der für Südwestdeutschland zuständigen Filiale lange in der Taunusstraße 40-42, ehe 1957 die Hauptverwaltung in die Schäfergasse umzog, wo der US-Konzern ein eigenes Filmtheater errichtet hatte. Beliebt war auch die Nummer 66 in der Kaiserstraße. In diesem Eckhaus betrieben die Universal, 20th Century Fox und Warner Bros. ihre Geschäfte.

Bahnhofsnähe war sehr praktisch

Die Verleiher richteten sich vor allem aus praktischen Gründen in Bahnhofsnähe ein, konnten sie doch ihre Kopien und Werbematerial schnell und unkompliziert an die Gepäckwagen der Züge bringen, wo die schweren Pakete dann mit so genannter „Zugvorschrift“ auf den Weg gebracht wurden.

Auch die mit Autos ausgerüsteten Filmspeditionen, die vor allem Kinos in der süddeutschen Provinz ansteuern, hatten Räumlichkeiten in Bahnhofsnähe angemietet. Wie hilfreich die Nähe zum Bahnhof in der täglichen Arbeit war, kann der Autor aus eigener Arbeitserfahrung in den Zentralen von Warner Bros. und MGM bestätigen.

Mann mit dem Gong am Roßmarkt

Jahre später bezog die britische Rank-Organisation am Roßmarkt (Nähe Hauptwache) ihre Büros; Ranks Markenzeichen war ein muskulöser Mann, der kräftig auf einen Gong schlug. Auch die Deutsche London-Film, die britische Eagle Lion, der Jugend-Filmverleih und die Atlantic hatten ihren Sitze in der Nähe.

Deutsche Verleiher tummeln sich indessen mit ihren Zentralen oder Filialen ebenfalls im Bahnhofsbezirk, darunter die Herzog, Allianz, Commerz, Schorcht, Internationale Filmallianz, Prisma, Union, Constantin und Gloria.

Frankfurt war also damals – vor allem der politischen Situation geschuldet –, wirklich eine „Filmmetropole” ersten Ranges. Meine frühere FR-Kollegin Claudia Dillmann, heute Direktorin des Deutschen Filminstitutss in Frankfurt, hat in der Publikation „Lebende Bilder einer Stadt” (1995 von Walter Schobert und Hilmar Hoffmann herausgegeben) unter dem Titel „Von Kassenschlagern und Blockbustern” ausführlich über das Thema referiert.