Ein Denkmal, das an den Humoristen und Heimatdichter Friedrich Stoltze erinnert, steht – wenn auch mit Unterbrechungen – seit Jahrzehnten in der Frankfurter Innenstadt. Seit 21. November 1895 hatte es seinen Platz am Hühnermarkt in der Altstadt zwischen Römer und Dom, doch nach den verheerenden Luftangriffen 1944 musste es abgebaut und eingelagert werden.

Das von dem Frankfurter Bildhauer Friedrich Schierholz im Stil der Neo-Renaissance entworfen Denkmal wurde erst 1981 wieder aufgestellt, und zwar hinter  der Katharinenkirche auf dem Friedrich-Stoltze-Platz, nahe der Hauptwache. Doch seit 2018 ist es wieder an seinen ursprünglichen Platz an den Hühnermarkt zurückgekehrt. Stoltze ist also wieder zu Hause, und das im wahrsten Sinne des Wortes, steht er doch nur wenige Meter vom Rebstock entfernt, einem Gasthof, den sein Vater betrieb, und in dem Stoltze von 1816 bis 1833 seine Kindheit verbrachte.

Friedrich Stoltze, diesen vielseitig engagierten Schriftsteller, Journalisten, Humoristen, Heimatchronisten und Revolutionär (1816-1891) in diesem Zusammenhang umfassend zu würdigen, wäre eine echte Herkulesaufgabe – keinesfalls kann das hier in einen kurzen Beitrag erledigt werden. Nur einige Sätze können an dieser Stelle an den Frankfurter erinnern, der Zeit seines Lebens sich mit Worten einmischte, wann immer es ihm notwendig erschien, und der sich immer wieder mit den herrschenden Politikern anlegte. Stoltze war immer und stets ein unbeirrbarer Feuerkopf. 

Manchen gilt Stoltze in erster Linie sogar „nur” als Heimatdichter, weil er den größten Teil seines Werkes in Frankfurter Mundart geschrieben hat. Gerade weil er mit dem „Frankforderisch” die größten Erfolge hatte, litt er darunter, dass seine in Hochdeutsch verfassten Gedichte und Prosastücke nicht gleichermaßen gewürdigt wurden, obwohl sie nach Einschätzung von Literaturkennern von hoher Qualität waren.

Der bescheidene Stoltze war ein engagierter politischer Schreiber. Er unterstützte begeistert die Märzrevolution von 1848 und brachte nach dem Scheitern der „Reichsverfassung” ein Jahr später trotz seiner Enttäuschung viele der revolutionären Ideen in seinen Texten unter, die in den von ihm herausgegebenen „Krebbelzeitungen” und vor allem später in der berühmten „Frankfurter Latern” standen.

Das Stoltze-Denkmal am Hühnermarkt in der „neuen“ Altstadt. (Foto: Oliver Stör)

Die Frankfurter Ordnungshüter verhielten sich gegenüber den kritischen Stoltze-Glossen weitgehend tolerant, was auch daran gelegen haben mag, dass die „Latern” vom einheimischen Bürgertum in der Freien Reichsstadt goutiert (und abonniert) wurde. In den Frankfurter Nachbarstaaten Hessen und Kurhessen sah das freilich ganz anders aus – dort wurde Stoltze verfolgt und sogar steckbrieflich gesucht.

Wie der Autor Fritz Grebenstein in dem Buch „Friedrich Stoltze, Werke in Frankfurter Mundart” (Waldemar-Kramer-Verlag) berichtet, entging Stoltze 1859 bei einem Kuraufenthalt im nahen Königstein/Taunus, das damals im Nassauischen lag, nur knapp der Verhaftung. Nachdem Frankfurt 1866 von den Preußen besetzt und annektiert worden war, und so den Status als Freie Reichsstadt verloren hatte, musste Stoltze sogar einige Zeit in der Emigration in der Schweiz verbringen.

„Es is kaa Stadt uff der weite Welt”

Obwohl seine Texte von außerordentlicher Qualität waren, sind seine sicherlich auch heutzutage noch bekanntesten Zeilen eher profaner Natur. Stoltze schrieb sie zum 5. Deutschen Turnfest von 1880 in Frankfurt. Was zunächst wie eine unkritische Lobhudelei auf seine Heimatstadt aussieht – verbunden sogar mit einer gewissen Distanz zu auswärtigen Mitbürgern –, kann bei näherem Hinsehen durchaus als Satire verstanden werden.

Die Inschrift auf dem Stoltze-Denkmal am Hühnermarkt in Frankfurt am Main. (Foto: Oliver Stör)

Es sind vor allem die vier ersten Zeilen, die im Gedächtnis der Menschen haften geblieben sind, obwohl das Gedicht mehrere vierzeilige Absätze umfasst. Sie lauten:

Es is kaa Stadt uff der weite Welt,
die so merr wie mei Frankfort gefällt,
un es will merr net in mein Kopp enei,
wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!

Der ironische Unterton auf die Heimatstadt ist unverkennbar und entspricht ganz dem Charakter von Stoltze, der sich in seinen Ansichten nie verbiegen ließ. Fritz Grebenstein macht das in dem bereits oben erwähnten Buch deutlich, wenn er schreibt:

„Friedrich Stoltze schlug zu und fackelte nicht, wenn’s um Dinge des Menschenrechtes, der Geistesfreiheit, der sozialen Gerechtigkeit, oder gar wenn es um ein neues, vom mündig gewordenen echten Volkswillen getragenen deutsches Vaterland ging! Aber die da seiner Meinung nach im Wege standen, und die er leidenschaftlich bekämpfte, die schlugen zurück, und so war Stoltze um seiner politischen Überzeugung willen lange Jahre ein gehetzter und verfolgter Mann.”

Gleichwohl war Friedrich Stoltze den Zeugnissen von Zeitgenossen zufolge – trotz mancher persönlicher Schicksalsschläge – auch immer ein Mann voller Lebensfreude. Sein 200. Geburtstag im November 2016 war jedenfalls Anlaß, Stoltzes Wirken zu würdigen. Die Stadt Frankfurt tat dies mit zahlreichen Veranstaltungen.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2018