Ein Vorfrühlingstag in Montreux mit Besuch im Château Chillon

Ein Hauch von Exklusivität und tropenähnlichem Klima umgibt die kleine Schweizer Stadt Montreux am östlichen Genfer See. Meine kleinen Erinnerungen an einen Tagesbesuch im Vorfrühling.

Eine Erinnerung an Montreux. Aus beruflichen Gründen war ich für einige Tage im exklusiven Wintersport-Ort Gstaad in der Schweiz gelandet. Nach eher seltener wintersportlicher Freizeitbetätigung habe ich mich zu einem Ausflug in die nähere Umgebung entschlossen. Denn nicht weit entfernt befindet sich am östlichen Genfer See die Stadt Montreux, die ich schon immer einmal besuchen wollte, weil mir der Name des Fernseh-Festivals, dass dort von 1954 bis 2003 abgehalten wurde, so gut gefallen hatte: „Die Goldene Rose von Montreux”.

Der Name hatte Klang und war Programm für die internationalen Fernsehschaffenden. Leider ist nichts geblieben davon, erst wanderte die legendäre Veranstaltung nach Luzern ab, später wurde sie von der Internationalen Fernsehunion übernommen, und zuletzt in Berlin veranstaltet. Doch Montreux ist natürlich auch ohne diesen „Event” eine Stadt, in der sich gut erholen lässt, hat als Ersatz für die „Rose” ein Jazzfestival eingerichtet. 

Weil ich das Flair der Stadt schnuppern möchte, plane ich eines Tagesreise mit der schmalspurigen Berner Oberland-Bahn. Ich kaufe mir frühmorgens In Gstaad ein Billett und setzte mich um kurz vor neun in den Zug, der noch mehrmals Station macht, unter anderem in Saanen, Rougemont, Château-d’Oex und Montbovon. Während der Zug eher gemächlich dahin rollt, schaue ich aus dem Fenster. Die Landschaft ist – zwischen den schneebedeckten Bergen – schon lieblich anzusehen. Nach eineinhalb Stunden bin ich in Montreux, steige aus dem Zug, werde am Bahnhof als erstes von von einer Palme begrüßt und atme die leicht frühlingshafte Luft der nur 26 000 Einwohner zählenden Stadt im Kanton Waadt.

Palmen und Zypressen

In einem Touristen-Prospekt lese ich, dass der östliche Teil des Genfer Sees im Sommer fast tropenähnliches Klima aufweist. Jetzt ist aber erst Vorfrühling und trotzdem atme ich tatsächlich schon bei den ersten Schritten an der Uferpromenade diesen Duft, der an die Riviera erinnert. Erste Blumen strecken keck ihre Blüten zum Himmel, die Luft riecht angenehm, ich genieße den Charme von Montreux an jeder Ruhebank, obwohl die Saison noch nicht begonnen hat. Gleichwohl wärmt die Frühlingssonne mit ihren ersten leuchtenden Strahlen. Mein Spaziergang zwischen Palmen, Zypressen und Pinien erscheint mir schon wie ein kleiner Urlaub, obwohl zu dieser Jahreszeit die meisten Geschäfte und Restaurants noch geschlossen haben. 

Blick auf die großen Hotels an der Uferpromenade in Montreux. (Foto: Clipdealer)

Beim Blick über den See erkenne ich in der Ferne die Silhouette des berühmten Châteaus Chillon, das allerdings trotz des angenehmen Wetters von einigen aufdampfenden, nebelartigen Schwaden eingehüllt wird. Schloss Chillon wäre, wie mir ein Passant erklärt, zu Fuß in etwa einer halben Stunde zu erreichen. Das ist nicht viel, aber auch nicht gerade wenig. Das würde meinen Tagesplan durcheinander bringen. Nehme ich die Bahn oder die Schiffsfähre? Ein Taxi vielleicht? Aber nicht gerade billig. Also fahre ich mit der Buslinie 201, die mich preisgünstig in wenigen Minuten an mein Ziel bringt.

Starke Gemäuer

Die auf einem Felsen am Ufer des Genfer Seen errichtete Anlage ist das meistbesuchte historische Gebäude in der Schweiz, so sagt ein Bediensteter. Wie schön, wenn sich jemand für so einen Bau erwärmen kann. Mich allerdings erschlägt das Gebäude in der Realität mit seiner Wucht. Starke Gemäuer zeugen von der wehrhaften Vergangenheit der Besitzer. Immerhin war Chillon über Jahrhunderte hinweg Wohnsitz und ertragreiche Zollstation der Grafen von Savoyen. Sowohl der Schiffsverkehr auf dem Genfer See als auch der Landweg zum St.-Bernhard-Pass wurde von hier aus kontrolliert. 

Natürlich sind die Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert beeindruckend, ein original erhaltenes Schlafzimmer zeugt von jener Epoche, in der die Macht bereits von der Savoyern an die Berner übergegangen war. Unterirdische Gewölbe durchziehen die Anlage, die aus insgesamt 25 Gebäuden und drei Höfen besteht, die einstmals allesamt von zwei mächtigen Ringmauern geschützt worden sind. Knapp eine halbe Million Besucher kommen jährlich, um diese Bauwerk zu besichtigen. Doch es ist nicht meine Welt. Der steinerne Koloss erscheint mir eher tot denn lebendig, letztendlich kalt und seelenlos. 

Spaziergänger an der Uferpromenade in Montreux. (Foto: Clipdealer)

Ganz anders als Montreux selbst. Ich fahre zurück an die Uferpromenade, die von Hotelpalästen, dem Casino und dem Kongresszentrum geprägt wird. Und ich geniesse noch einmal den Blick auf den See und die schneebedeckten Berge ringsum, auch wenn die Besucher in dieser Jahreszeit eher noch Seltenheitswert haben. Für mich war Montreux mit der Stille und leichten Verschlafenheit dieses Vorfrühlings jedenfalls den rund siebenstündigen Aufenthalt wert. Auch ganz ohne Goldene Rose…

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