Die Mörder sind unter uns – dieser erste deutsche Spielfilm nach dem Zweiten Weltkrieg stammt von Wolfgang Staudte, wurde von der DEFA gedreht und am 15. Oktober 1946 im sowjetisch besetzten Sektor von Berlin im Admiralspalast uraufgeführt. 

Das Drama um Schuld und Sühne war und ist auch heute noch – 70 Jahre später – politisch aktuell und begründete den Weltruhm von Hildegard Knef, die in ihrem fünften Film erstmals als Hauptdarstellerin eingesetzt wurde.

Lange hat sich die Legende gehalten, dieser Film sei im Westen Deutschlands in den Nachkriegsjahren nicht gezeigt worden. Korrekt ist jedoch, dass der Streifen in der französischen Zone bereits im April 1947 in Baden-Baden und danach im Mai auch in Ludwigshafen gezeigt wurde, sogar zwei Monate vor den Starts in der britischen und amerikanischen Zone (darunter auch in Frankfurt).

In Hannover ist der Film am 4. September 1948 im Palast-Theater aufgeführt worden, was aus einem Bericht der Zeitung „Hannoversche Presse” hervorgeht, die in ihrer Ausgabe vom 11. September 1948 die Reaktionen vieler Kinobesucher beklagt und kommentiert:

„Die Reihe der Zuschauer, die protestierend das Theater verließ, beweist sehr genau, dass der Film unsere geistige Situation widerspiegelt; man sieht nun mal nicht gern in einen so nackten und scharfen Spiegel, sondern setzt lieber eine rosarote Brille auf.”

Kein Wunder, dass der Streifen hierzulande bald wieder aus den Kinos (und in der Versenkung) verschwand, war doch die geistige Restauration zu diesem Zeitpunkt bereits so weit fortgeschritten, dass das Publikum sich mit der Verantwortung für den Krieg nicht mehr auseinandersetzen mochte und auch die gewinnorientierten Filmverleiher entsprechende Einbußen befürchteten.

Das Kulturarchiv der Fachhochschule Hannover machte in einer kritischen Analyse Jahrzehnte später darauf aufmerksam, dass in dem Film nicht nur die Geschichte eines Kriegsheimkehrers erzählt wurde, sondern auch eine „Bestandsaufnahme des materiellen und moralischen Trümmerfeldes” erfolgte, „das die NS-Zeit hinterlassen hat.”

Ein Mann fordert Rechenschaft

Das Drama rankte sich um den Kriegsheimkehrer Dr. Mertens (Wolfgang Borchert), der in Berlin seinem früheren Hauptmann Ferdinand Brückner begegnet, der an der Ostfront den Befehl zu tödlichen Vergeltungsaktionen gegen die Zivilbevölkerung gegeben hatte. Mertens will Selbstjustiz üben, tritt seinem ehemaligen Hauptmann mit dem Revolver gegenüber und fordert Rechenschaft für den Tod der unschuldigen Männer, Frauen und Kinder, die auf Befehl von Brücker erschossen worden sind.

Hildegard Knef und Wolfgang Borchert in einem Filmprogramm (Filmverlag Unucka).

Erst das Eingreifen seiner Freundin Susanne Wallner (Hildegard Knef) verhindert, dass sich Mertens selbst schuldig macht. Sie macht ihm klar, dass er als Einzelner nicht das Recht hat, zu richten, sondern die Pflicht, sich für Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen.

Doch gerade die Frage nach der individuellen Schuld und ihrer Aufarbeitung stößt in Nachkriegsdeutschland bei vielen Menschen auf taube Ohren. Die Hochschule Hannover kommt in einer Analyse zu der bitteren Erkenntnis:

„Eine derartige Konfrontation führte 1948 zur Ablehnung durch das Publikum, dessen Interesse offenbar zunehmend bestimmt war vom wirtschaftlichen Aufschwung und Wiederaufbau, weniger jedoch der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit…”

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Regisseur Wolfgang Staudte den Film zuerst im Westen drehen wollte, mit seinem Projekt aber – wenn wundert’s im Nachhinein – auf Ablehnung bei den westlichen Alliierten stieß und den Streifen dann bei der von den Sowjets lizenzierten ostdeutschen DEFA verwirklichte, die sich zu Beginn der Dreharbeiten allerdings noch in Gründung befand…