Als die junge Schauspielerin Audrey Hepburn 1953 in der Filmromanze „Ein Herz und eine Krone” mit Gregory Peck auf einer Vespa durch die nächtlichen Straßen Roms kurvte, war dies der weltweite Durchbruch des schnuckeligen Motorrollers, der 2016 runde siebzig Jahre alt wurde. Die Vespa war im Sommer 1946 von der Firma Piaggio erstmals gebaut und zur Motorroller-Legende gemacht worden.

Strahlend-fröhliches Paar auf dem Motorroller unterwegs (Foto: Clipdealer)

Die damals in der Öffentlichkeit eher unbekannte Fabrik zwischen Pisa und Florenz hatte eine lange Vorgeschichte. 1884 hatte ein gewisser Rinaldo Piaggio im zarten Alter von nur 20 Jahren in der Toskana mit Hilfe seines Vaters ein kleines Sägewerk gegründet; das Geschäft florierte so gut, dass Piaggio seine Angebotspalette bald erweiterte.

Die Firma aus Pontedera baute bald Einrichtungen für Schiffe, Karosserieteile und dann sogar Eisenbahnwaggons. Das Geld floß… Ohne besondere Skrupel stieg das Werk deshalb im Ersten Weltkrieg in das Rüstungsgeschäft ein und spezialisierte sich vor allem auf Flugzeug-Ersatzteile.Auch im Zweiten Weltkrieg betätigte sich das Unternehmen intensiv im militärischen Bereich, was zur Folge hatte, dass die Siegermächte nach Kriegsende der Firma die Herstellung von Kriegsmaterial untersagten. So beschränkte sich Piaggio zunächst nur auf die Herstellung von Kochtöpfen, Bratpfannen und ähnlichen Produkten.

Weil jedoch in Italien nach dem Krieg – wie in ganz Europa – Fahrzeuge jeder Art dringend gebraucht wurden, um das Alltagsleben wieder in Gang zu bringen, schlug Enrico Piaggio – Sohn des Firmengründers – dem Flugzeugkonstrukteur Corradino D’Ascanio vor, ein Vehikel zu konstruieren, das den Bedürfnissen der Menschen nach Mobilität bei bezahlbarem Preis entsprechen sollte. Da sich der Ingenieur bis dahin niemals mit Motorrädern befasst hatte, entwickelte er unbefangen einige höchst originelle Ideen, was sich im Nachhinein als wahrer Glücksfall erwies. Dabei soll er auch Restbestände von Flugzeugteilen aus den Lagerhallen verwendet haben.

Die Ideen von Corradino D’Ascanio 

D’Ascanio ließ den Motor samt Tank im Hinterteil total verkleiden, schuf zwischen Sitz und Lenker eine tiefgezogene Mulde als Plattform für Beine und Füße und schützte das Vorderteil mit einem breiten „Kotflügel”, um Spritzwasser und Schmutz aufzufangen.

Diese Konstruktion hielt den Fußraum auch bei schlechtem Wetter sauber und ermöglichte nicht nur ein müheloses Ein- und Aussteigen, sondern die problemlose Benutzung auch in Straßenanzug, Sommer- oder sogar Abendkleid.

Wie geschaffen für Sommertage

Unter diesen Umständen eignete sich der Roller vorzugsweise für die herrliçhen Sonnentage in Italien. Das Vespa-Patent wurde am 23. April 1946 angemeldet, und alsbald begann die Produktion. Mit 3,2 PS erreichte die erste Version immerhin schon eine Geschwindigkeit von 60 km/h.

Nebenbei bemerkt kam Piaggio nach dem Erfolg der Vespa auf die Idee, aus dem Zwei- ein Dreirad zu entwickeln. Das Fahrzeug ist als „Ape” (Biene) bekannt geworden und seine Nachfolger gehören noch heute als Transporter, fliegende Bratwurst-Buden oder mobile Eissalons zum italienischen Straßenbild in Stadt und Land.

Hepburn, Peck und Heesters

Der Motorroller war bald auch in verschiedenen Filmen zu sehen. Weltweit berühmt wurde das Zweirad durch den Film „Ein Herz und eine Krone” (1953), in dem Audrey Hepburn als aristokratisch-charmante Kronprinzessin Ann alle höfische Etikette sprengt und inkognito auf einer Vespa – losgelöst von langweiligen staatlichen Verpflichtungen und gänzlich unbekümmert – mit dem Reporter Joe Bradley (Gregory Peck) das alltägliche, pulsierende Rom erkundet. Die erst 24 Jahre alte Audrey Hepburn erhielt für ihre Rolle den Oscar.

Zwei Jahre zuvor hatte bereits Johannes Heesters in dem Lustspiel „Professor Nachtfalter” die Vespa mit Bravour über die Leinwand gesteuert und war sogar zum Happyend mit Gisela Schmidting ins Eheglück „gerollert”. Weil Klappern bekanntlich zum Handwerk gehört, verloste die Direktion des Frankfurter Turmpalastes bei der Erstaufführung am 23. Februar 1951 in Frankfurt eine Vespa, die damals von der Ginnheimerin Helga Jockel mit der Losnummer 008723 gewonnen wurde.

Auch heutzutage noch gefragt

Die Vespa samt ihrer vielen Ableger und Neuentwicklungen wird auch nach 70 Jahren immer noch gut verkauft, natürlich sind vor allem die modernen Roller gefragt. Dazu kommen zahlreiche Produkte konkurrierender Firmen, was dazu führt, dass in jüngster Vergangenheit Roller aller Coleur  vermehrt auf den Straßen zu sehen sind. Mobilität hat gerade in der heutigen Zeit viele Gesichter.


Der Vespa-Freund Walter schreibt uns ergänzend etwas über die wirtschaftliche Struktur:

Post„Piaggio ist kein Familienunternehmen mehr. Wechselvoll verliefen die Beteiligungsverhältnisse. Laut Wikipedia übernahm 1999 die Deutsche Bank über ihre Tochter „Morgan Grenfell Private Equity” für 1,35 Billionen Lire 80 Prozent der Firmenanteile. Vier Jahre später erwarb die Beteiligungsgesellschaft „Immsi” des italienischen Milliardärs Colaninno 31,25 Prozent des Kapitals, ein Konsortium von 27 Gläubigerbanken behielt 37,5 Prozent, nur noch 31,25 Prozent verblieben bei der „Morgan Grenfell”. Inzwischen soll „Immsi” sogar rund 55 Prozent des Stammkapitals besitzen.”